Bei Maischberger: Die Selbstentlarvung des Christian Lindner

Die FDP ist eine Verbotspartei. Der Graichen-Clan hat das Wirtschaftsministerium unter Kontrolle. Deutsche sollen dankbar für Flüchtlinge sein – und einfach zahlen. Und irgendwie stört sich keiner an diesem Zustand. Von Fabian Kramer

Screenprint: ARD / Maischberger

Bundesfinanzminister Christian Lindner war zu Gast bei Maischberger. Es wurde ein erkenntnisreicher Abend. Maischberger entlarvte die Doppelmoral der Regierung: Der Bürger muss die Heizung austauschen, doch der Reichstag kann nicht nachgerüstet werden. Lindner reagierte empört: „Das verlangt die Regierung nicht!“ Laut seiner Sicht möchte die Regierung unterschiedliche Erfüllungsoptionen für Heizsysteme offenhalten. Als Alternative für Wärmepumpen bietet er Gasheizungen an, die auch Wasserstoff verbrennen können. Wasserstoff, von dem es noch Jahrzehnte dauern kann, bis er auf dem Markt in ausreichender Menge verfügbar ist. Nur deshalb hätte er im Kabinett überhaupt dem wahnwitzigen Habeck-Gesetz zugestimmt. Eine Abmilderung des Gesetzes durch den Bundestag hält er aber für dringend nötig. Also politisches Handeln getreu dem Motto: „Warum sich selbst die Hände schmutzig machen?“

Eine klitzekleine Einschränkung für die Erfüllungsoptionen beim Heizen machte Lindner noch. Die Heizung muss mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Auf Maischbergers Nachfrage, wie es denn mit der Ölheizung sei, kam Lindner ins Schwimmen.

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Es folgte ein Glanzstück politischen Nichtssagens in vielen Worten. Schließlich gelang es Maischberger doch, Lindner mit scharf formulierten Fragen in die Ecke zu drängen. Ein Ölheizungsverbot ist für Christian Lindner hinnehmbar. Die FDP entlarvt sich als Verbotspartei. De facto kommt wohl doch der Wärmepumpenzwang. Immerhin gab es einen ehrlichen Moment. Lindner gestand: „Ich bin kein Energieexperte.“ Damit sagte er definitiv die Wahrheit. Wie widersprüchlich und bizarr der Finanzminister in der Sendung agierte, machte auch das Thema Atomkraft deutlich.

Atomkraft, ja bitte – irgendwann in der Zukunft

Die Atomkraft könne die Energiequelle der Zukunft sein, also „in den Dreißigerjahren“ oder vielleicht in den Fünfzigern? Nun gut, in der Zukunft brauchen wir Energie, aber wie sieht es mit jetzt aus? Da will der Finanzminister nichts mehr von Atomkraft wissen, obwohl seine Partei die AKWs gerne länger laufen lassen würde. Auf die Frage, ob die FDP unter einem CDU-Kanzler wieder in die Atomkraft einsteigen würde, antwortete Lindner: „Sonne und Wind sind aktuell besser als die herkömmliche Atomkraft.“

Der Satz hätte von Jürgen Trittin stammen können. Nach diesem entlarvenden Auftritt steht fest, dass die Liberalen keine Partei der Technologieoffenheit und des gesunden Menschenverstandes mehr sind. Man hat sich den Grünen gebeugt und hat den Kampf aufgesteckt. Auf den Bundestag sollte der normale Bürger eher nicht hoffen. Dieser wird dem Gesetz zum Heizungszwang zustimmen, auch wenn es kosmetische Kaschierungen durch Intervention vernünftiger Abgeordneter geben wird.

Das Klima-Gen der Graichens

Zum Bestandteil jeder Maischberger-Sendung gehören die Kommentatoren. Dieses Mal durften die taz-Journalistin Ulrike Herrmann, der Focus-Kolumnist Jan Fleischhauer und der ZDF-Moderator Theo Koll ihre Einschätzung zum Besten geben. Der Graichen-Clan im Wirtschaftsministerium wurde analysiert. ZDF-Mann Koll brachte es humoristisch auf den Punkt: „Manche Familien stehen dem Klimaschutz genetisch besonders nah.“

Vielleicht stehen die Graichens nicht nur dem Klimaschutz, sondern auch dem Geld nahe. Für Fleischhauer war der grüne Filz nicht außergewöhnlich. Auf das in der Sendung gezeigte Organigramm der Graichen-Vetternwirtschaft angesprochen, meinte Fleischhauer trocken: „Bei den Grünen heißt es Stammbaum.“ Fleischhauer beschreibt die Selbstbedienung der Grünen am Staat gut: Wo die Umweltschützer in Amt und Würden kommen, da werden Parteifreunde und Familie mitversorgt.

TE-Leser wussten es schon früher
Der Habeck-Graichen-Skandal und die späte Kritik der CDU
Die Vorfeldorganisationen der Grünen, Heinrich-Böll-Stiftung, Naturschutzgruppen, Umweltgruppen, werden mit Aufträgen und Fördergeldern beglückt. Wenn ihre führenden Mitarbeiter nicht wie im Fall Graichen direkt ins Ministerium geholt werden. Sozusagen ist grüne Kungelei zu Regierungszeiten der Normalzustand. Alles halb so wild für Herrmann und Koll. Letzterer hält sich mit Kritik weitgehend zurück – fast so sehr, wie sein Sender sich mit Berichterstattung über den Skandal zurückhält.

Die taz-Journalistin und Grünenmitglied Herrmann verteidigt das skandalöse Vorgehen der Graichens. Der Mann hätte seinen Trauzeugen fast schon befördern müssen, da dieser sich mit dem Klimaschutz beschäftige. Es gibt im Land halt nur so wenige Experten für Energieversorgung und Klima, so Herrmann. Im Land von Dutzenden sogenannter Klimawandel-Experten eine steile These.

Herrmann machte auch noch eine andere sehr gewagte Einschätzung. Man müsse den zu uns kommenden Flüchtlings-Massen dankbar sein. Diese würden unserem Arbeitsmarkt helfen, mit dem demographischen Wandel umzugehen. Das könnte sogar stimmen, doch Fleischhauer bringt das Problem mit zwei statistischen Werten auf den Punkt. Die Hälfte der seit 2015 in Deutschland lebenden Flüchtlinge sind Sozialhilfeempfänger. Insgesamt sind 44 Prozent aller Hartz-4-Bezieher aus dem Ausland. Für den Kolumnist ist die großzügige soziale Hängematte der Faktor für die Masseneinwanderung nach Deutschland. Doch Herrmann wollte die bösen und unangenehmen Zahlen nicht so im Raum stehen lassen. Die Menschen dürften nicht arbeiten, bekämen keinen Sprachkurs und von der Gesellschaft nur Steine in den Weg gelegt, ist ihr Konter.

Nach acht Jahren im Land dürfte so ziemlich jedem Zuwanderer der Arbeitsmarkt offen stehen, es sei denn, man verweigert sich, aber das sieht Herrmann wohl anders. Die Anreize zum Arbeiten sind durch eine leicht zugängliche soziale Hängematte nicht wirklich gegeben. Die Zukunft Deutschlands erscheint deshalb düster. Hart arbeitende Menschen werden vom Staat bzw. dem Graichen-Clan zu Zwangssanierungen und dem Heizungsaustausch gezwungen und sollen obendrein dankbar für die zu unterhaltenden Flüchtlinge sein. Wie weit die Politik noch gegen die Interessen Bürger arbeiten kann, bleibt abzuwarten. Die Ampel wird weiterhin ihr Abwrackprogramm durchziehen, so viel ist gewiss.

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Kommentare ( 106 )

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Rene Macon
1 Jahr her

Es wird Zeit, dass wir in Berlin eine große Demo gegen diesen politischen Unsinn organisieren, gefolgt von regelmäßigen Montags-Demos in allen Großstädten.
Wir sollten alle in „Blaumännern“ (der Arbeitskleidung der Heizungsmonteure) daran teilnehmen.
Die Franzosen hatten eine erfolgreiche Gelbwesten-Bewegung. Wir brauchen eine erfolgreiche Blaumänner-Bewegung!

Phil
1 Jahr her

Die FDP sind einfach sogenannte „freie“ Demokraten, da steht dem Name nach nichts von liberal. Ich verstehe die „freien Demokraten“ als sowas wie freie Radikale, als Zwischenprodukte eines Stoffwechsels, welche dringend eine Verbindung suchen, haben sie diese gefunden, werden sie vollständig neutralisiert. Wie bereits der, im Gegensatz zu Lindner und seiner Gurkentruppe, liberale Roland Baader anno 2004 geschrieben hat, als die meisten noch gedacht haben die Welt sei in Ordnung: „Man darf getrost davon ausgehen, daß Deutschland nicht mehr zu retten ist. Wie konnte es dazu kommen? Warum ist das Gehäuse der Politik zum Irrenhaus geworden? Wie war oder ist… Mehr

Libertardistani
1 Jahr her

Obiges Herrn Meinungsäußerungen, so korrekt zitiert, stimmen mich sehr bedenklich. Mir drängt sich das Gefühl auf, er hat noch immer nicht verinnerlicht, dass er zwar als MdB weiterhin Teil der Fraktion ist, jedoch als Regierungsmitglied sich wie alle Minister und Parlamentarischen Staatssekretäre nicht an der parlamentarischen Arbeit beteiligen d a r f , also auch nicht unbewusst weiterhin den Fraktionschef geben. Er darf nicht durchblicken lassen: Der Koalitionsvertrag schreibt einheitliches Abstimmungsverhalten vor, also habt ihr widerspruchslos und brav alles abnicken, was die Grünen anordnen. Er scheint zu glauben, spricht er ein Machtwort, kuscht die Fraktion, und was ein Parteitag in… Mehr

Giovanni
1 Jahr her

Folgt man den beschwichtigenden Äusserungen von Politikern und Journalisten zu Vetternwirtschaft und Korruption in Deutschland und in der EU, so deklarieren sie diese zu ihren Werten. Sie sagen dann auch noch, dass sie diese, ihre Werte, in der Welt verteidigen müssen.
Mehr Hohn geht nicht!!

Manfred_Hbg
1 Jahr her

Zitat: „Nur deshalb hätte er im Kabinett überhaupt dem wahnwitzigen Habeck-Gesetz zugestimmt. Eine Abmilderung des Gesetzes durch den Bundestag hält er aber für dringend nötig. Also politisches Handeln getreu dem Motto: „Warum sich selbst die Hände schmutzig machen?“ > Wie ich hier auch schon an anderer Stelle erwähnt hatte: Bemerkenswert: Da bringen also Scholz (SPD), Habeck (Grüne), Lindner(FDP) & Co einen undurchdachten Gesetzesvorschlag so zusagen als einen großen Haufen Schei….. in den Bundestag ein UND dann soll das Parlament aus den großen Haufen Schei….. einen „nur“ kleinen Haufen Schei….. machen. Die Frage ist nun doch auch hier wieder, WARUM Scholz,… Mehr

Habakuk06
1 Jahr her

Apropos Sprachkenntnisse. Ich hatte kürzlich leider Kontakt mit einem Afrikaner, der sich seit 10 Jahren in D. aufhält. Er sprach so ein Kauderwelsch, sodass ich so gut wie nichts verstanden habe. Er trug aber, soweit ich das beurteilen konnte, relativ teure Kleidung und war sehr selbstbewusst. Wenn man im übrigen schon 10 Jahre im Land ist, kann man sich die Sprache auch ohne Kurse als Autodidakt aneignen. Aber das interessiert die garnicht. Wenn in einer Sendung des ZDF in einer Schulklasse gefragt wird, wie man zu den Deutschen steht und mit Verve geantwortet wird „wir hassen die Deutschen“, warum soll… Mehr

Freigeistiger
1 Jahr her

Wer bestimmt die Klima-Politik dieser Ampel, die offensichtlich gegen elementare Volksinteressen gerichtet ist?. In einer beeindruckenden Bundestagsrede wurde kürzlich der Hintergrund des Graichen-Clans und der Klimapolitik dieser Regierung aufgezeigt. Man muß nur der Spur des Geldes folgen: Finanzinvestoren und Milliardäre stehen hinter einer Politik, die unter dem Deckmantel eines angeblichen Klimaschutzes dem ultimativen Zugriff auf das deutsche Volksvermögen den Weg ebnet.
https://youtu.be/G5KJmoT4vZw

Last edited 1 Jahr her by Freigeistiger
thinkSelf
1 Jahr her

Was soll denn da „entlarvt“ werden? Die FDP war noch nie eine Partei des „gesunden Menschenverstandes“. Geht auch gar nicht, da das ein Oxymoron ist.

EinBuerger
1 Jahr her

Ich weiß nicht, ob ich das schreiben darf, aber ich würde Herrn Lindner als sympathisch rüberkommenden Verkäufer von irgendwas einschätzen. Der von dem, was er verkauft, noch nicht mal viel Ahnung haben muss. Man kauft bei ihm nicht das Produkt, sondern das gute Gefühl, das er einem hoffentlich gibt.

Reinhard Schroeter
1 Jahr her
Antworten an  EinBuerger

Linder verkörpert wie kaum ein anderer den Prototypen des bundesdeutschen Blenders.
Immer mehr scheinen wollen als man wirklich ist.
Hinter einer einstudierten Verbindlichkeit verbirgt sich einer, der weiß ,dass er betrügt und jeden hinter die Fichte führen will.
Gelackt und eiskalt bekommt er sich dabei unheimlich clever und smart vor und kann sich bei seinem miesen Spiel , dem Beifall seiner Kumpanen sicher sein.
Nach 89 sind Heerscharen von seiner Sorte in Mitteldeutschland eingefallen . Man erkennt sie hier schon von Weitem.
Meine Tür würde ich so einem nicht öffnen, nicht mal einen geschenkten Topflappen würde ich ihm abnehmen.

Manfred_Hbg
1 Jahr her
Antworten an  EinBuerger

Nun ja, doch spätestens nach dem ersten Kauf sollte der Käufer dann aber aufgewacht und sein „gutes Gefühl“ verschwunden sein so das es kein zweites Mal mehr gibt 😉

Andreas Sewald
1 Jahr her

Schlagt Sie mit den eigenen Waffen! Klagt massenhaft!Lasst die Regierung beweisen, dass der Strom für die Wärmepumpen zu 65% aus regenerativen Energien kommt. Das können sie nicht und damit müsste auch eine Wärmepumpe nicht eingebaut werden dürfen.

MeinerEinerSeiner
1 Jahr her
Antworten an  Andreas Sewald

Ich befürchte die Klagen würden abgewiesen werden. Sei es weil der Richter selbst ein Anhänger der Klimasekte ist oder weil er Angst vor Hausdurchsuchungen und anderen Karriere-Nachteilen hat.