Markus Lanz, der gern mal leugnet, dass in seiner Sendung gesagt wurde, was gesagt wurde, hatte gestern mal wieder Donald Trump am Wickel. Die gute Nachricht: Elmar Theveßen war nicht dabei. Die Schlechte: Wir müssen abwarten, was wirklich gesagt wurde. Markus Lanz könnte heute alles abstreiten. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ZDF / Markus Lanz
Im zweiten Fernsehkanal Deutschlands, eines Landes, das bei der Weltpolitik nicht mal mehr in der zweiten Reihe sitzt, diskutieren eine Handvoll Dauerkarten-Gäste mal wieder die große Weltpolitik. Das allein macht klar, welchen Wert diese Talkshow hat.
Aber kommen wir unserer Chronistenpflicht trotzdem nach.
Sofern es Lanz später nicht dementiert, könnte es also sein, dass sich gestern Abend mal wieder Peter Neumann zum Weltgeschehen äußerte. Der Politologe war zwar erst vor zwei Wochen hier zu Gast, aber hach, es gibt ja so wenige kluge Gäste! Am 6. Januar hatte er Donald Trumps Grönland-Ambitionen noch als „Riesen-Drohkulisse“ bezeichnet. Denn das nächste politische Ziel der USA sei vielmehr Kuba.
Gut, das war nix. Aber jetzt, da sich die Lage in Grönland zuspitzt, könnte Neumann selbstverständlich wieder neue Erkenntnisse haben. Heute könnte der Professor des King’s College vermuten, dass Trump „seit diesem Erfolg in Venezuela, nach diesem relativ einfachen Erfolg, total ungehemmt ist und so eine Art Hybris verspürt und glaubt, es ginge alles“.
Auch Kerstin Münstermann, ebenfalls Dauergast bei Maischberger, Miosga, und Lanz, könnte mal wieder ihre Expertise einbringen. Sie könnte feststellen, dass „alle Europäer völlig konsterniert“ gewesen seien ob der Trumpschen Attitüde. „Man muss sich erstmal schütteln, den anderen tief in die Augen gucken“, könnte sie erzählen. Jetzt gelte es, dass Europa schnell antworte und reagiere, aber hach, so viele Staaten in der Union: „27 zusammenzuhalten, ist nicht ganz trivial.“
Lanz könnte ein bisschen auf NATO-Chef Mark Rutte herumhacken. Der würde sich bei Trump ja so dermaßen einschleimen. „Ich kann es nicht abwarten, Dich wiederzusehen“, würde der Moderator spöttisch lachend aus einer Nachricht Ruttes an Trump zitieren. Dass die Formel „Can’t wait to see you again“ im Amerikanischen eher eine Höflichkeitsfloskel ist – geschenkt. Münstermann würde dann Rutte rechtfertigen: Der habe eben erkannt, was bei Trump zählt: „Ich kann am besten mit ihm umgehen, wenn ich ihm schmeichle.“ In Berlin hingegen gebe es derzeit eher „ein mittlerweile zynisches Amerikabild“, würde Münstermann berichten.
Es könnte sein, dass auch Claus Ruhe Madsen (CDU) zu Gast ist. Der könnte sagen, dass das ungehobelte Verhalten Trumps „eine Steilvorlage“ für Europa sei, „endlich aufzuhören, klein klein zu machen“. Man müsse jetzt mit aller Macht Kontra geben. Peter Neumann könnte zustimmen: Die Mittelmächte (wie eben Europa) müssten jetzt stärker zusammenarbeiten, „damit sie mit am Tisch sitzen können“.
Herrje, diese ständigen Konjunktive sind wirklich anstrengend, seit Lanz im Nachhinein dauernd abstreitet, was passiert ist. Also schreiben wir ab hier einfach, was wir gehört und gesehen haben.
Madsen, der Minister von der Küste (für Wirtschaft, bei Kiel-Jong Un in Schleswig-Holstein), wähnt die Welt in sinisteren Zeiten: „Das erinnert einen ein wenig an Mittelalter, was hier los ist“, sagt der Deutsch-Däne mit dem imposanten grauen Bart. Jetzt gelte es, Stärke zu zeigen. Schließlich gehe es um Grönland, und das sei den Dänen ja nun wirklich ans Herz gewachsen. Er malt ein triefend-romantisches Bild der Beziehung zwischen Dänemark und Grönland. Was nicht zur Sprache kommt: Dass viele Grönländer seit jeher eigentlich gar nicht gut auf die Dänen zu sprechen sind. Impfprogramme, Zwangsverhütung, Experimente mit und Verschleppung von Kindern. Nur sehr kurz und am Rande, aber immerhin, spricht Madsen das dunkle Kapitel an: „Es gehört auch zur Geschichte, dass Dänemark nicht immer ganz sauber war“, sagt er. Keine Chance, das zu vertiefen, denn Lanz hakt sofort ein: Wie Amerika in Alaska mit den Inuit umgegangen sei, sei ja noch viel schlimmer: Das sei „eine ganz andere Geschichte“.
Wenn Trump jetzt Zölle nur für sechs Länder der Europäischen Union androhe, dann ist das für Neumann kein Problem: Das sei zwar ein Versuch, die EU zu spalten, aber man könne die Produkte ja auch einfach über jene Mitgliedsländer exportieren, die nicht betroffen sind, etwa Italien.
Französischer Champagner aus den Abruzzen? Das merkt der Ami sicher nicht.
Doch Ökonom Südekum setzt noch einen drauf: Die Zölle, die Trump erhebt, würden ja letztendlich von den amerikanischen Bürgern bezahlt, sagt er. Die Gewinnmargen für die deutschen Firmen hingegen blieben unverändert, und es werde unterm Strich nur „etwas weniger“ verkauft. Gratulation, damit qualifiziert sich Südekum für die Marcel-Fratzscher-Ehrenmedaille in Katzengold am Jutebändchen.
Irgendwann steigert sich die Expertenrunde in ein wahres Endzeitszenario: „Was passiert, wenn die Großmächte sich die Welt aufteilen?“, fragt Münstermann. Die Despoten des Globus, alle an einem Strang, und das mitten im ZDF. Trump, Putin und Xi Jingping auf Kreuzzug durch die Welt. Münstermann: „Und Russland sagt: Europa wollt ich jetzt schon lange haben.“
Folgerichtig mahnt Südekum zur Attacke: „Wenn wir jetzt nachgeben, und sagen: Ja gut, dann hast du jetzt Grönland, damit wir uns diese zehn Prozent sparen – dann ist in wenigen Woche das Nächste da, was immer es auch sein wird.“
Das Rezept der abendlichen Expertenrunde: Europa müsse sich von den US-Staatsanleihen trennen, denn die Finanzmärkte seien bei Trump das größte Druckmittel. Ja, mehr noch: Bei einem immer schwächeren Dollar habe der Euro sogar „eine wunderbare Chance, sich als Leitwährung zu etablieren“.
Ja, so war das, gestern bei Markus Lanz. Oder vielleicht auch nicht? Wir müssen leider abwarten, was Lanz in den kommenden Tagen wieder alles leugnet.




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Frage:
Gab es von Lanz, dem ZDF oder Günther nach der Offenlegung des versuchten Betrugs irgend ein offizielles Statement?
Oder macht man einfach weiter als wäre nix gewesen ?
Mir wäre jede Sekunde Lebenszeit zu schade, da noch einmal einzuschalten. Das Format und der Moderator sind verbrannt.
D.T. tanzt Tango die “Unseren” einen langsamen Walzer und gucken dazu dauernd auf ihre eigenen schmutzigen Schuhe.
Die abstrus hoffnungslose Arroganz eines völlig verwokten und vergrünten Europa (mit Ausnahmen), das seinen durch „Klima“, Weltsozialamt und zersetzende Bürokratie herbeigefuhrten Kollaps nicht bemerkt, ist der wahre Grund dafür, dass die Trump-Administration derart plump dem Grönlandthema nähert. Die wissen, dass die lächerlichen, selbstzerstörerischen Europäer nicht ernst genommen werden können und gleichzeitig realisiert, dass mit China, Indien, Russland echte Wettbewerber um die Vorherrschaft auf dem Globus, denen man entgegentreten muss. Unter anderem durch Ressourcenautarkie (Land, Bodenschätze, Energie, Technologie). Europa stellt derweil chinesische Solarpanels auf, kauft chinesische Batterieautos und nennt das Innovation.
Alles nur Ablenkung, wir haben andere Probleme: Heizungsgesetz – abschaffen und zwar sofort! CO2- Abgabe – abschaffen und zwar sofort! Energiewende beenden – und zwar sofort! Illegale Migration beenden und zwar sofort! ÖRR abschaffen – am besten gestern ….
Denkt im übrigen ein Lanz mal daran, wann unsere Gasspeicher in diesem Jahr leer sind? Das Lieferkettengesetz verhindert Flüssiggaslieferungen aus Katar und dann sind wir abhängig von den Lieferungen aus USA, das wird ein Spaß und ich freu mich drauf. Trump sieht diese Abhängigkeiten, Merz denkt noch nach warum der Klimawandel frostig ist 😎😎😎.
„Was passiert, wenn die Großmächte sich die Welt aufteilen?“ Wenn Putin sich Europa schnappt wird Strom und Gas billiger und man könnte endlich wieder über Russland nach Japan fliegen, statt im großen Bogen unten bzw. oben rum. Wenn Trump sich Europa schnappt, bräuchte man kein Visum mehr für die USA und diese komischen Fragen müßten nicht mehr beantwortet werden. Freilich müßte dann noch gelöst werden, was mit denen passiert, deren Visum wegen Haßrede auf Trump gesperrt/verweigert wurde. Wenn China sich Europa schnappt … unwahrscheinlich, denn die Chinesen haben mit ihren Uiguren schon genug Probleme und wählen dann doch lieber die… Mehr
EUropa hat weder den USA, noch Russland oder China irgendwas entgegenzusetzen. Ein Kontinent, der sich seit 30 Jahren nach Kräften selber kastriert, wirtschaftlich, militärisch und kulturell. Lächerlich!
Diese „Experten“runden, wie neulich mit dem größten Wahlverlierer aller Zeiten, „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“-Schulz, sind nur noch öffentlich-rechtliche Stammtische, wo die Irrelevanten die größten Reden schwingen und mit der Faust auf den Tisch hauen, um die anderen Irrelevanten zu beeindrucken und sich dafür auf die Schulter klopfen zu lassen. Nur: Es interessiert draußen, wo das reale Leben stattfindet, keine Sau.
Ich verstehe nicht, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die sich solche Sendungen reinquälen. Einschlafhilfe kann das nicht sein, eher Selbstkasteiung oder Masochismus.
Das sehe ich genauso und schaue grundsätzlich gar keine Politik-Talkshows mehr.
Liebe Redaktion, könnten Sie vielleicht einmal einen erklärenden ausführlichen Beitrag verfassen, warum Sie buchstäblich seit Jahren wöchentlich ausführlich Sendungen des ÖRR diskutieren, insbesondere Talkshows von Leuten wie Miosga, Maischberger, „hart aber fair“ und eben Lanz, die fast ausschließlich von unterirdischer Qualität sind? Ich möchte es als zahlender Printkunde wirklich mal wissen, auch wenn die Artikel auf Ihrer Website unentgeltlich lesbar sind. Aber Ihre Redakteure haben doch bestimmt lohnendere und vergnüglichere Themen als wöchentlich hochbezahlten Staatspropagandisten, die alles und das Gegenteil von allem vertreten wenn die Gage stimmt, zu analysieren und zu kommentieren. Ich denke, auch andere Leser von Tichys Einblick… Mehr