Illner: Hass auf die Politik

Wer hätte gedacht, dass unsere Bundesoffiziellen so tief getroffen sind von den Demos in Dresden? Die hatten tatsächlich Applaus für ihre Politik erwartet. Kein Wunder, dass Maybrit Illner nacharbeiten musste. Ein Streitgespräch mit Justiz-Heiko gab es auch noch.

Screenshot ZDF

Wären wir Verschwörungstheoretiker, würden wir folgende Theorie in die Runde werfen: Illner als Funken-Mariechen der gesamtlinken Pappenheimer hatte die Aufgabe, den AfD-Vize Alexander Gauland nicht allzu hart ranzunehmen, weil Rot-Rot-Grün umso wahrscheinlicher wird, je stärker die AfD im Bund – auf Merkels Kosten. Vielleicht war sie ja auch nur so zahm mit Gauland, weil sie Heiko, den Schweißhund der linken Jagd-Meute, zu ihrer Linken sitzen hatte.

Beginnen aber wollen wir mit einigen Bemerkungen zur neumerkelianischen Betroffenheitskultur, die in Dresden junge Blüten trieb. Schon die einleitenden Worte des Staatsfernsehens der BRD kündeten weinerlich von 5.000 Protestierern gegen friedlich Feiernde. „Friedlich Feiernde“ – welch rührende Alliteration für den Polit-Promi-Auflauf – deren Vertreter vorgaben, die deutsche Einheit zu feiern, während sie sich den Rest des Jahres als Spaltpilz (Dunkel-Deutschland/Pack) betätigen.

Sprüche böser als brennende Polizeiautos

Polit-Püree-Spezialistin Illner mixte Anti-Establishment-Demonstranten, Pegida und Rechtsextreme nach ihrem bekannten Rezept, und hatte zum Abschmecken und Assistieren einen Mann in ihrer Kochstube, der als „Rechtsextremismus-Experte“ wahrscheinlich nicht schlecht verdient. Der würzte das Püree mit Bemerkungen wie „Die Dresdner wären sicherlich handgreiflich geworden, wenn man sie gelassen hätte“. Dass Linksextreme am Tag zuvor drei Polizeiautos in Brand gesetzt hatten (nicht hätten!) war nicht der Rede wert. Dafür durfte er verbreiten, dass die Polizei in Sachsen „das Gewaltmonopol für Hooligans von Pegida“ aufgegeben habe.

Aus Gründen für dieses Talkformat nicht nachvollziehbarer Fairness und journalistischer Aufrichtigkeit ließ Illner dann Hagen Husgen von der Gewerkschaft der Polizei in Sachsen zu Wort kommen. Dieser verbat sich grundsätzlich solche Unterstellungen, und stellte fest, dass die feiernde Gesellschaft wohlbehalten und unverletzt nach Hause gekommen sei. Dann stellte er noch klar, dass der Polizist, der Pegida einen „erfolgreichen Abend“ gewünscht hatte, kein Sachse, sondern Niedersachse war. (Natürlich wird der trotzdem einbestellt und belehrt!)

Fast komisch ist eigentlich, dass die Hohen Damen und Herren, allesamt Krisenbeherrschungssimulanten, allen Ernstes gedacht haben müssen, dass sie in Dresden gefeiert würden wie „die Mannschaft“ nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Selbst die unbelehrbare Claudia Roth unterlag wohl diesem Irrtum und schob sich in altbekannter Manier nach vorne: Ich bin’s doch, Eure Claudia!

Mannhaft gab der Justizminister zu Protokoll: „Wir müssen Dresden ertragen.“ Aber er will auch Ohrenzeuge geworden sein, als die Pöbler „Abschieben!“ in Richtung eines Schwarzen gerufen hätten. Leider liegen keine Tondokumente vor. Aufbrausender Beifall belegte, dass Heiko sich nicht mehr auf seinen Pressesprecher als Solo-Klatscher verlassen mochte. Gut so, denn Illner hatte Großes vor. Ein Streitgespräch zwischen Gauland und Maas – sinnigerweise nachdem Maischberger Tage zuvor solche Streitgespräche für ihre Sendung angekündigt hatte.

Weder Streit noch Gespräch

Streitgespräch kann natürlich vieles heißen, hier hieß es eher: Ich klage an. Gauland musste das Wort „völkisch“ verteidigen, dass Deutschland 1.000 Jahre alt ist, und dass die Völkerwanderung mit zum Untergang des römischen Reiches beigetragen hat. Ja, er steht auch zum Vorwurf, Merkel lege ein diktatorisches Verhalten an den Tag, wenn sie, ohne das Parlament zu befragen, weitreichende Entscheidungen trifft. (Was bei diesem Parlament allerdings aufs Gleiche hinausgelaufen wäre.)

Es ist unangenehm zu sehen, wie sich ein Bundesminister neben einer Talkshow-Tante zum schnöseligen Streber verwandelt. Kleine Besserwissereien Richtung Gauland am Fließband: „Sie sagen Begriffe, anschließend ist es nicht so gemeint.“ „Bleiben Sie doch einfach bei der Wahrheit.“ „Haha, dumm gelaufen.“

Ein Justizminister, dem Recht und Justiz fremd sind
Minister Mittelmaas
Dann trug er mit Pathos die lange widerlegte Behauptung von den armen Flüchtlingen vor, die „aus Krieg geflüchtet sind, die alles verloren haben“. Die „christlichen Werte des Abendlandes“ will ausgerechnet Maas gegen die AfD verteidigen. Dann glaubt der schon in seinem erlernten Beruf nicht besonders Erleuchtete allen Ernstes, dass eine Masseneinwanderung Ungelernter Deutschlands wirtschaftlich-demographisches Problem lösen könnte. Und wiederholte den Siggi-Schmonzes „Niemandem wird etwas weggenommen.“ Obwohl er begriffen zu haben scheint, dass „das Milliarden kostet.“

Woher die Milliarden kommen sollen, kann Heiko ja noch mal im Parteivorstand hinterfragen. Als Bundesjustizminister machte er es noch mal amtlich: „Jeder kann hierher kommen und einen Pass beantragen und ist dann Deutscher.“

Schwarz und Grün, das kommt hin

Eine zweite Verschwörungstheorie könnte man anhand von Luise Amtsberg und Mike Mohring entwickeln. Die Grüne und der CDU-Mann kamen prächtig miteinander aus. Das wird Angela Merkel gefallen haben für ihre Alternative Schwarz-Grün.

Den Rest vom Geschwurbel ersparen wir uns, müssen allerdings berichten, dass der eitle Brummbär Gauland auch in jede Falle tappt. Bei vier Millionen Muslimen im Land kann er ja schlecht den Islam verbieten. So konnte der christliche Demokrat Maas seine Kenntnisse über Religionsfreiheit anbringen. Auf die Illner-Frage zu Heikos Antifa-Freunden und sein Tweet zu „Deutschland verrecke“-Punkern schwieg der Minister wortreich.

Die letzte Frage an ihn „Ist die SPD noch die Partei des kleinen Mannes?“ wollen wir an seiner Statt beantworten: Sie ist die kleine Partei des kleinen Mannes.

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