Vertuschung statt Entschuldigung: Gefälschte Videos im ZDF heute journal

Im ZDF heute journal: Herzzerreißende Szenen von Kindern, deren Eltern festgenommen werden, oder die selbst von ICE-Agenten abgeführt werden. Doch die Videos sind KI-generiert oder zeigen etwas ganz anderes als im redaktionellen Kommentar behauptet. Das ZDF will den Vorgang vertuschen – und verstrickt sich in Widersprüche.

Screenprint: ZDF / heute journal

Im Netz kursieren zahlreiche Filmaufzeichnungen von ICE-Einsätzen gegen illegale Migranten. Nicht alle, aber doch sehr viele dieser Videos seien echt, sagt Dunja Hayali einleitend zu einem Beitrag im ZDF heute journal am 15. Februar. ICE-Agenten würden Eltern vor den Augen ihrer Kinder abführen und Minderjährige direkt vor ihren Schulen festnehmen, wird im unmittelbar folgenden Beitrag erläutert.

Bebildert werden diese Worte mit einem Video aus dem Internet – ein weinendes Mädchen klammert sich verzweifelt an die Mutter, die festgenommen wird. Doch die Szene ist KI-generiert, wie das Wasserzeichen der KI-Anwendung verrät. Es folgt ein Videoschnipsel, der, wie sich später herausstellt, bereits vier Jahre alt ist. Zwar wird in der Szene ein Kind festgenommen, allerdings nicht, um es abzuschieben, sondern weil es einen Amoklauf angedroht hatte.

Manipulation und Mängel

KI-generierte Videos können mittlerweile täuschend echt sein. Hayali hatte nicht von ungefähr eingangs davor gewarnt. Der Subtext ihrer Aussage: Nur bei uns, beim öffentlichen-rechtlichen Rundfunk, bekommt ihr verlässliche Informationen.

Aufmerksame Medienkonsumenten wissen schon lange, dass dem nicht so ist. Gleich ob Nischenthemen oder Weltpolitik, die Qualität der zwangsfinanzierten Medien ist häufig zweifelhaft.

Da ist zum einen die grobe Vernachlässigung des Prinzips, Berichterstattung von Einordnung und Meinung transparent zu trennen. Kaum noch eine An- oder Abmoderation, die ohne subtile oder offene Meinungslenkung auskommt. Bewusste Desinformation durch tendenziöse, einseitige und selektive Berichterstattung. Und schließlich: Handwerkliche Fehler, die angesichts der großzügigen personellen und finanziellen Ausstattung der Sender schlicht nicht passieren dürften.

Nun also sind Produktions- und Redaktionsteam selbst auf ein KI-generiertes Video und auf Fake-News hereingefallen, haben ihnen bundesweit Reichweite verliehen und damit auch Menschen in die Irre geführt, die nicht über freie Medien und X erfahren, dass es sich hier um mindestens fahrlässige Falschinformationen handelt.

„Ihr seid jetzt die Medien“, hatte Elon Musk 2024 die sozialmediale Öffentlichkeit auf seiner Plattform X wissen lassen.

Der ÖRR – Bollwerk der Glaubwürdigkeit?

Mit diesem Satz wurde endgültig verständlich, warum in so vielen Medien unablässig gegen Musk mobil gemacht wurde und wird: In den Redaktionsstuben hat man früh verstanden, dass X einen Generalangriff auf die Deutungshoheit des etablierten Medienbetriebs darstellt. Hier herrscht Informationsdemokratie: Jeder kann hier Informationen teilen, jeder kann sie – weitgehend ungefiltert – aufnehmen. Die Nutzer teilen sich die Verantwortung dafür, Wahres vom Falschen zu unterscheiden, Echtheit zu prüfen und Korrekturen anzubringen.

Während freie Medien dies als Chance wahrnehmen und sowohl die „Schwarmintelligenz“ als auch die individuelle Expertise von Nutzern einbeziehen, bauen vor allem öffentlich-rechtliche Medien auf Angstmacherei.

Fake News und Desinformation als demokratiegefährdende Bedrohungen, derer man nur Herr wird, indem man brav ARD, ZDF und den Deutschlandfunk einschaltet, um sich dort mit absolut und total wahrer, korrekter und zuverlässiger Information füttern zu lassen, sorgfältig vorausgewählt von Profis, die in vollkommener Integrität und mit unvergleichlicher Kompetenz agieren.

Nicht nur Information, sondern auch effektiven Schutz vor Desinformation versprechen die Öffentlich-Rechtlichen – ein Bollwerk der Glaubwürdigkeit.

Wer nicht rechtzeitig von seinem hohen Ross heruntersteigt, wird womöglich in vollem Galopp abgeworfen. Wie Dunja Hayali und das heute journal. Zuerst versuchte man panisch, Schadensbegrenzung zu betreiben, indem man behauptete, man habe lediglich die Kennzeichnung des betroffenen Videoausschnitts als KI-generiert unterlassen.

Verstrickt in Widersprüche

So steht es auch unscheinbar auf der Website von ZDF heute: „In einem Beitrag des heute journal vom 15. Februar 2026 hätten KI-generierte Bilder gekennzeichnet werden müssen. Diese Kennzeichnung wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen. Die Redaktion hat den Fehler korrigiert und das Video entsprechend angepasst. In den KI-Grundsätzen des ZDF ist festgelegt, dass KI-generiertes Bildmaterial immer transparent gekennzeichnet wird.“

Bloß: Was wäre der Sinn dahinter, zur Bebilderung eines aktuellen Geschehens gefälschte Bilder zu verwenden? Schließlich ging es in dem Beitrag ja nicht um KI-generierte Fehldarstellungen der ICE-Einsätze, und die dadurch geschürte Panik – auch wenn dies durchaus thematisiert werden könnte und sollte. Hier aber wurden dem Zuschauer gefälschte Filmdokumente als Belege präsentiert.

Im betreffenden Beitrag in der ZDF-Mediathek ist das Material dementsprechend mittlerweile auch verschwunden, wie Apollo News festgestellt hat – „aus redaktionellen Gründen“ sei das Video nachträglich verändert worden, heißt es nun in einer Überblendung im Videobeitrag. Zunächst hatte man die Sendung kurzzeitig komplett gelöscht, und erst am Abend des 16. Februar neu hochgeladen.

Screenprint: ZDF heute journal

Dies lässt den Schluss zu, dass es sich bei der Aussage, man habe die Kennzeichnung der KI-generierten Inhalte versäumt, um eine unzureichend durchdachte Ausrede handelt. Würde sie stimmen, wäre der Skandal noch deutlich größer. Denn das würde bedeuten, dass das ZDF heute journal keine Nachrichtensendung ist, sondern frei relotiiert: Dann wurde zuerst die Botschaft erfunden, die man senden wollte, nämlich, dass die ICE-Kräfte grausam gegenüber Kindern seien. In Ermangelung von Belegen für diese Behauptung hätte man dann bewusst auf irreführendes Material zurückgegriffen, um die ausgedachten „Fakten“ veröffentlichen zu können.

Der ÖRR hat sich selbst delegitimiert

Doch ganz gleich, ob und ab wann den Verantwortlichen bewusst war, dass das Videomaterial nicht echt ist: In jedem Fall handelt es sich hier um genau jene Desinformation, vor der der öffentlich-rechtliche Medienbetrieb beständig warnt. Es handelt sich um bewusste Täuschung des Zuschauers. Wer nicht über ein X-Konto verfügt, wer nicht auf freie Medien zurückgreift, wird nie erfahren, was verändert wurde, was dieser „redaktionelle“ Grund für die Änderung ist, und dass hier ein krasser handwerklicher Fehler begangen wurde, weil man es aus ideologischen Gründen mit der journalistischen Sorgfalt nicht so genau nahm.

Das kann passieren. Wer im Medienbereich arbeitet, ist nicht perfekt. Zeitdruck, mangelnde Fähigkeiten, die eigene ideologische Verortung: Es gibt viele Ursachen für Fehler. Dass dann aber keine Entschuldigung folgt, dass keinerlei Zerknirschung festzustellen ist, sondern sofort ein Vertuschungsprozess eingeleitet wird, ist – der Begriff ist überstrapaziert aber einzig passend – ein Offenbarungseid.

Nichts rechtfertigt mehr die Zwangsfinanzierung von Sendern, die derartige Falschinformationen in die Welt setzen, ihre Zuschauer dann anlügen und schließlich unter Vorspiegelung von Transparenz intransparente Korrekturen vornehmen.

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