Bei Maybrit Illner: Kanzleramtschef abgekanzelt, der Impf-Trödeltrupp unter Beschuss

Bei Illner darf Helge Braun nicht wie gewohnt die Regierungslinie ungestört rezitieren. Obwohl nur SPD und Spiegel zugegen sind, kriegt er eine Breitseite nach der anderen ab. Völlig hilflos versucht er sich herauszureden, aber es gelingt ihm nicht. Er wird gedemütigt.

Screenprint: ZDF/maybrit illner

Nach der vorletzten Illner-Folge „Corona verzeiht keine Fehler – was kommt nach dem Shutdown“ und der letzten Folge „Langsames Impfen, schnelles Virus – droht der lange Shutdown“, lautete der überaus abwechslungsreiche Titel der gestrigen Ausstrahlung „Impfen, Masken, Mutation – droht der Endlos-Shutdown?“. Anwesend ist die Stammkundschaft: Schon wieder Manuela Schwesig, schon wieder Melanie Brinkmann, schon wieder Helge Braun – innerlich habe ich mich schon auf die langweiligste Sendung des Jahres vorbereitet. Doch ich wurde überrascht. Denn ich weiß nicht, woher es kam, aber heute wurde sich ordentlich auf die Regierung eingeschossen – vertreten durch Kanzleramtschef Helge Braun, der alles abbekam.

Es beginnt mit Melanie Brinkmann, Virologin und seit neuestem Merkel-Flüsterer und Regierungsberater. Sie hat genau das herunter gebetet, was Lauterbach in der letzten Sendung auch schon gesagt hatte: dass es fast so wäre, als hätten wir ein neues Virus und dass wir, sollte diese Mutation sich verbreiten, mit unseren jetzigen Maßnahmen nichts mehr erreichen könnten – ich taufe sie auf den Namen Karlanie Brinkbach. Sie plädiert für eine ZeroCovid-Strategie. Schon beunruhigend, die Überlegung, dass Merkel jetzt scheinbar von Karl Lauterbach in weiblich beraten wird.

Heft 02-2021
Tichys Einblick 02-2021: 2021 - Endlich wieder leben
Manuela Schwesig (SPD), allgemein bekannt als die Ministerpräsidentin aus MV, war gestern Abend auf Krawall gebürstet. Ihr Auftritt ist normalerweise ziemlich träge, sie ringt mit jedem Wort darum, dass ihr die deutsche Grammatik nicht völlig über Bord geht. Aber gestern Abend hat sie ausgeteilt – gegen die Bundesregierung und zwar ordentlich. Ein Wunder. So warf Schwesig Braun vor, dass sogar die USA unter Trump mehr Impfstoff besorgen konnten – mehr Kritik geht in Deutschland gar nicht. Braun zeigt sich schockiert, reagiert nach dem Motto: „Wie kannst du es wagen, uns mit Trump zu vergleichen“.

Als dann auch noch Maybrit Illner und Sascha Lobo in die Regierungskritik einsteigen, geht Helge Braun zu Boden. Auf Illners Frage, warum zu den Verhandlungen denn keine kritischeren Wissenschaftler eingeladen wurden, konnte er nur sagen, dass ja völlig inakzeptabel von der Poilitik wäre, wenn sie sich die Meinungen aussuchte, die sie hören will – und dass sie das ja niemals tun würde.

Dann kam es zum großen Streitpunkt: Impfen. Hier nahm Schwesig ihn in die Mangel. Immer wieder wurde Braun gefragt, wieso die Regierung so spät und so wenig eingekauft hat, und wir jetzt hinter anderen Ländern her hinken. Braun stammelt Runde um Runde mehr, sagt, ja jetzt mögen wir ja Engpässe haben – aber das haben wir ja nie anders versprochen. An einer anderen Stelle spricht er davon, dass „diese Phase der Knappheit“ jetzt noch „sechs, acht Wochen“ dauern würde, wir im Sommer aber genug für alle hätten. Also plötzlich haben wir bei dem Killervirus, für das wir nicht einmal die Weihnachtszeit abwarten konnten und das jetzt durch die Mutation noch schlimmer geworden ist, mal soeben zwei Monate Zeit, weil der Impfstoff knapp ist? Zurecht wird dann darauf hingewiesen, dass wir jetzt aber doch in der angeblich schwersten Phase der Pandemie wären.

Dann will Helge Braun mit der Warnapp anfangen, wie die helfen würde, kann aber nicht mal zu Ende sprechen, weil im Studio eine Mischung aus Gelächter und Geraune losgeht. Schließlich ist das der Flop des Frühjahr; Bundesdigitallachnummer Doro Bär hat sich wirklich große Verdienste beim Komplett-Versagen verdient, aber sie macht ja auch digitale Frauenpolitik und kümmert sich bevorzugt um ihr Latex-Outfit. Das reicht ja auch für ihr schlichtes Gemüt. Selbst Merkel-Fan Sascha Lobo sagt, er sei zuversichtlich, dass wir, wenn die Entwicklung so weiter gehe, mit der Corona-Warnapp bis 2027 in der Lage wären, die Lage unter Kontrolle zu bekommen – das war der erste gute Witz bei Illner. Selbst die Moderatorin erzählt von ihren Erfahrungen und wie schlecht das Wunderwerk deutscher Softwarekunst funktioniert.

Helge Hilflos weiß nicht, wie ihm geschieht. Mit leerem, leerem, sehr leerem Blick (haben Sie seinen Blick schon mal gesehen? Unglaublich leer) versucht er immer wieder, das Thema zu wechseln, die Frage abzuhaken. Schließlich versucht er das Impfen sogar als „Erfolgsgeschichte“ dazustellen, indem er den Erfolg bei der Erforschung eines Impfstoffs der Bundesregierung anzuheften versucht. Doch damit lässt ihn keiner mehr durchkommen, immer wieder sagt Schwesig, dass die Bundesregierung den Fehler endlich mal eingestehen müsste.

Heft 02-2021
Tichys Einblick 02-2021: 2021 - Endlich wieder leben
Braun fühlt sich sichtlich verraten: Jetzt muss ich mich als Bundeskanzleramtschef schon im ZDF kritisieren lassen. Verdammter Laizismus – jetzt gibt es schon eine Trennung zwischen CDU, SPD und Spiegel. Was kommt als nächstes? Will der Bundestag auch noch mitreden?

Eines hat Helge Braun dennoch vollbracht, was eigentlich unmöglich schien: Wer diese Sendung gesehen hat, für den wird sein Vorgänger Peter Altmaier zum Sympathieträger.

Als es gerade am schönsten ist, springt Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, ein – niemand hat sie gefragt, niemand wollte sie hören. Sie will den Streit mit einem wirklich genialen Satz zugunsten der Bundesregierung lenken: „Wir müssen uns auch mit Afrika vergleichen“. Damit war ihre intellektuelle Kompetenz für den Abend auch schon ausgeschöpft.

Die Kanzlerin hat in der Konferenz Anfang der Woche verloren, keines ihrer Anliegen konnte sie durchsetzen. Jetzt wird ihr Vertreter in einer Talkshow gedemütigt – und das obwohl das ZDF alles versucht und nur einen Spiegel-Mann eingeladen hat. Nun denn, in Brauns leeren Augen konnte man es förmlich lesen: Das wird ein Nachspiel haben. Merkels allerliebster Liebling ist am Ende hilflos – im regierungstreuen ZDF. Wenn das kein Omen ist.

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Kommentare ( 78 )

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78 Comments
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Wilhelm Roepke
1 Monat her

Tja, Herr Braun bekommt langsam zu spüren, wie es Frau Merkel nach der Kanzlerschaft gehen wird. Der Wechsel von AKK zu Laschet wirft seine Schatten voraus, denn dieses mal verschiebt sich die Macht im Land nicht nur auf dem Papier. Jetzt werden die Positionen für die Nachmerkelära abgesteckt. Und niemand wird auch nur einen Stein auf dem anderen lassen: Schwesig will MP bleiben und nach dessen Wahlniederlage zuerst Olaf Scholz absägen und anschließend das blasse SPD-Team an der Spitze nach weiteren Demütigungen 2021. Braun verliert seinen Job, weil Laschet seinen eigenen Kanzleramtschef mitbringen wird. Der Spiegel schlägt sich auf die… Mehr

gk
1 Monat her

FACTUM EST ITA!
UND DAS IM ÖRR.
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!
Lügen bedecken inzwischen alle Politikfelder: EU, Geld, Migration, Energie und auch das Gesundheitswesen!
Und vorne weg die CDU und ihre FDJ-Sekretärin als Leitfigur!
Menschenleben opfern (Impfen), um noch mehr politische Entscheidungen nach Europa auszugliedern. Sich der nationalen Kontrolle der Bürger zu entziehen!
Aber das C bei der CDU steht auch noch für dies: „Gottes Mühlen mahlen langsam aber stetig trefflich fein“

RA.Dobke
1 Monat her

Morituri te salutant so sagten sie bereits im alten Rom! Ich rufe es der Vorsitzenden des ZK der BRD – Angela Merkel – und ihren Mittätern Söder, „Lasset“ etc. zu!

user10
1 Monat her

Zitat: „Den Damen und Herren der MSN wirds wohl auch langsam zu viel mit dem Dauerlockdown.“
Ich glaube eher die Ratten wittern Morgenluft. Merkel geht zu Ende. Da kann man sich endlich wieder klar positionieren – gegen die CDU/CSU.
Der erste Test scheint gelungen.

conferio
1 Monat her

Diese schwachsinnige Sendung sehe ich mir schon lange nicht mehr an.
Servus TV, Talk im Hangar, ist eine der wenigen Sendungen, die für geistig gesunde Menschen relevant sein sollte. Hier kommen immer beide Seiten zu Wort…und bei Corona konnte man selbst beurteilen, wo die Wahrheit darüber zu finden ist. So geht Fernsehen…und dabei noch kostenlos, da privat.
ARD und ZDF sollten vor Gericht gestellt werden, wegen der unerlaubten Propaganda Shows

RA.Dobke
1 Monat her
Antworten an  conferio

Informiert sein ist dashalbe Leben! Wenn man ernsten Bedenken zum trotz doch mal reingeschaut hat, dann war man wirklich positiv überrascht!

gk
1 Monat her
Antworten an  RA.Dobke

Wenn die Offemnheit in dieser Sendung kein Einzelfall bleibt, dann ja!

Monika Medel
1 Monat her

Möglicherweise hat da die SPD da mit Restverstand ein Thema für den Wahlkampf gefunden. Es liegt ja auf der Straße, man muss es nur aufheben. Sie müssen dabei auch nicht von ihrer Ideologie lassen. Na ja, die „wir dürfen Afrika nicht vergessen“ Fraktion ist allerdings mächtig und „zero-corvid“ ist linksaußen. Den CDUlern, die so devot dem Merkelkurs der Linksverschiebung gefolgt sind würde ich es gönnen. Wenn die Diskussion vom Mehltau der Alternativlosigkeit befreit würde wäre das zu begrüßen. Man muss abwarten.

Lotus
1 Monat her

„…, dass die Bundesregierung den Fehler endlich mal eingestehen müsste.“

Wenn die Merkel-Regierung, wenn Angela Merkel die von ihr begangenen Fehler eingestünde, wäre das eine mehrstündige Regierungserklärung.

Ch. Timme
1 Monat her

Helge Braun… mit beiden Augen kann man auch nichts sehen… und das beim ZDF. Frau Illner bitte weitermachen…

K.Behrens
1 Monat her

Journalismus vom Feinsten im Feuilleton, herzlichen Dank Frau David. Sie verfügen über eine sprachliche Vielfalt, die eine aktive Teilnahme an „Talkshows“ ad absurdum führt und man kann besser hier lesen, was sich öffentlich so alles tummelt und um Aufmerksamkeit ringt. Interessant auch die Versuche einer Laura Karasek als „neuer Talk-Master“, (Tochter von Hellmuth Karasek). Allerdings muss festgehalten werden, eine schon „äußerlich verwahrloste Dame aus der Uckermark“ werden Sie und auch Frau Karasek nicht zum knallharten Interview bekommen. Man bedenke, wie diese Frau in 2017 regungslos bei „Freude schöner Götterfunken“ dumm dreist neben dem damaligen ersten Bürgermeister Scholz in der Elbphilharmonie… Mehr

Herbert
1 Monat her

„Wir müssen uns auch mit Afrika vergleichen“. Recht hat sie, die Ethik-Dame Woopen.
Mittlerweile sind wir, Dank des segensreichen Wirkens unserer stets alles alternativlos richtig machenden Kanzlerin, in einigen Bereichen bereits auf dem Niveau von „Afrika“ angekommen, und das nicht nur im Straßenbild.