Manchmal hilft nur noch (schwarzer) Humor

Was sind das nur für Zeiten? Die eine Krise ist noch nicht bewältigt, da klopft schon die nächste am Häuschen. Das hat nicht zur Verbesserung des Miteinanders geführt, sondern die Blödheit einiger eher noch verschlimmert. Doch auch wenn es nicht alles ändern kann, dieses Buch beweist: Lachen hilft!

Die preisgekrönte Kabarettistin Monika Gruber und Bestsellerautor Andreas Hock nehmen neue und alte Gesellschaftsphänomene unter die Lupe und aufs Korn, wie Gendersternchen, Nazikeulen, Wutbürger oder Weltverbesserer und gehen dem kollektiven Wahnsinn auf den Grund. Mit Selbstironie und schwarzem Humor begeben sie sich auf die schwierige Suche nach dem gesunden Menschenverstand und machen vor nichts halt – selbst wenn es wehtut …

Kommen wir gleich zur Sache: Sie können in diesem Buch – das jetzt in preiswerter Taschenbuchausgabe vorliegt – einen psychologischen Test machen, um herauszufinden, ob Sie nazigefärdet sind … hier folgen exemplarisch drei von über sechzig Fragen:

»Die Keule droht …

  • Wenn Sie die Grünen wählen, weil Sie Boris Palmer und Winfried Kretschmann in ihren Reihen haben (1 Punkt) (…)
  • Wenn Sie außerhalb Bayerns wohnen und sich schon mal gewünscht haben, die CSU würde in Ihrem Bundesland zur Wahl stehen (1 Punkt) (…)
  • Wenn Sie den Begriff „Party- und Eventszene“ für eine Horde marodierender Jugendlicher für verharmlosend halten (2 Punkte) (…)«

Die Auswertung bei 10 – 20 Punkten warnt:

»Sie müssen aufpassen. Noch sind Sie auf der sicheren Seite der Gutmenschen, aber mit einem Bein stehen Sie hin und wieder bereits am Abgrund des Bösen: Sie finden die Ansichten von Dieter Nuhr oder Boris Palmer ›gar nicht so verkehrt‹ und ertappen sich immer öfter dabei, eine Talkshow wegzuschalten, wenn darin Politiker wie Katja Kipping, Kevin Kühnert und Anton Hofreiter sitzen. Sie achten grundsätzlich auf Ihre Ernährung, legen aber im Sommer auch mal ein Stück argentinisches Rindfleisch auf den Grill, ohne sich über die Klimabilanz Ihres Steaks Gedanken zu machen. Sie erwägen zwar, als nächstes Auto einen Hybrid zu kaufen, fliegen aber seit den frühen Neunzigerjahren immer im Winter in den Urlaub auf die Kanaren. (…)«

In einem Interview mit dem Münchner Merkur wurde Monika Gruber gefragt, welche der verlorengegangenen Tugenden ihr am wichtigsten seien: »Neben einer gewissen Grundhöflichkeit und Empathie gegenüber anderen fehlt mir oft in der heutigen Zeit ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung. Aber unser überfürsorgliches System hat leider eine gewisse Vollkasko-Mentalität hervorgebracht, die bei vielen Mitmenschen dazu führt, dass immer nur nach ›dem Staat‹ geschrien wird.«

Gruber gehört als Repräsentantin der Oberbayerischen Landbevölkerung einer Ethnie an, deren humoristisches Potential notorisch unterschätzt wird und das ausgreift in einen Spott, der für Außenstehende unmittelbar bis zur Bösartigkeit reicht. Der Oberbayer an und für sich wundert sich dann, er hat es meist nicht so gemeint, wie es alle andern verstehen.

Repräsentanten dieser Art unfreiwillig mordender Lachtäter sind der grantelnde, ewig traurige und damit herzzerreißend die Wahrheit aufreißende Gerhard Polt, der mühsam beruflich als Herzchirurg getarnte Kabarettist Georg Ringsgwandl, der aus dem selben Kaff kiffende Hans Söllner, die freundlich daherkommenden Brüder Weil, die als „Biermösl Blosn“ harmlose Volksmusikweisen in ätzende Säure verwandelten, die aus Musikinstrumenten tropft, dazu Sigi Zimmerschied aus dem Passauer Scharfrichterhaus, der an diesem Ort auch nach Abschaffung der Guillotine seine Gegner mit der scharfen Klinge des Wortes geistig enthauptet hat. Nicht vergessen darf man auch Franz-Josef Strauß, der sich nur wegen der Irrungen und Wirrungen der Nachkriegszeit in die Politik verlaufen hat.

Aber glauben sie mir: Sie meinen es alle nicht so, wie wir es sagen.

Gruber/Hock, Und erlöse uns von den Blöden. Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten. Piper, Taschenbuchausgabe, 240 Seiten, 12,00 €


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Kommentare ( 9 )

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Europafriend
2 Jahre her

Lachen und Beklemmung dicht nebeneinander.
Habe es gelesen und bin froh, dass es meins ist. Ich kann in dem Titel keineswegs eine Blasphemie entdecken, denn ursprünglich hieß es ja in der letzten VATERUNSER-Bitte: Und erlöse uns von dem ÜBEL. Blöde an der falschen Stelle sind definitiv ein Übel ! Wie schrieb schon Altmeister Goethe in Maximen und Reflexionen:“Mancher klopft mit dem Hammer an der Wand herum und glaubt, er treffe jedesmal den Nagel auf den Kopf.“ Gruber und Co. haben die Nägel auf die Köpfe getroffen !