Blackout – wenn es zum Äußersten kommt

Meldungen und Ratgeber zu Stromausfall, Blackout und Überleben nehmen immer mehr Raum ein. Wie die Warnungen vor einer Lebenssituation, die wir alle nicht kennen: Überleben ohne Energie. Ein neues Buch analysiert die heutige Lage, die Ursachen und die Gefahren, die von Mangel, Brownouts und Blackouts ausgehen.

Unser Stromnetz, innerhalb des europäischen ENTSO-Verbundes mit fast allen europäischen Ländern verknüpft, ist das größte und komplexeste technische System, das Menschen erschufen. Eine riesige Maschine, aufgebaut in mehr als hundert Jahren Industriegeschichte. Bisher war es weltweit ein Muster an Zuverlässigkeit und es war Basis für eine starke wirtschaftliche Stellung Europas in der Welt.

Die Autoren beginnen mit Beschreibungen ausgewählter Störungen der jüngeren Vergangenheit, erklären Ursachen und Abläufe. Die Vielfalt der Ursachen, warum man plötzlich ohne Strom dastehen kann, macht nachdenklich. Die ganze Bandbreite der Risiken wird ausführlich dargestellt und es wird klar, dass es nicht den Grund für einen Blackout gibt, sondern viele verschiedene. Störungen und Ausfälle, die meist im Schnittpunkt mehrerer unglücklicher Zufälle entstehen, können schnell kaskadieren. Es wird ausführlich dargestellt, wie unsere Ausstiegs- und Abschaltpolitik die Resilienz des Systems schwächt.

Beleuchtet werden die Vorstellungen zur künftigen grünen Wasserstoffwelt und die Paradoxie weiterer Abschaltungen bei zunehmendem Stromverbrauch. Es ist eine umfassende Beschreibung der Schieflage unseres Energieversorgungssystems.

Tichys Lieblingsbuch der Woche
Mit der Energiewende entschlossen in ein grünes Nirwana
Inzwischen wird offen in Erwägung gezogen, ganzen Städten, Regionen und Unternehmen präventiv den Strom abzuschalten, wenn Windindustrieparks und Solaranlagen wenig Strom bereitstellen und konventionelle Kraftwerke nicht mehr verfügbar sind. Diese von den Grünen angekündigte „angebotsorientierte Versorgung“ wäre der Abschied Deutschlands als Industrieland mit einem hohen Grad an Arbeitsteilung aus dem Kreis der führenden Länder.

Durch Energiewende, Liberalisierung und Digitalisierung wird das Stromnetz labiler, auch Krieg und Cyberangriffe können einen Blackout herbeiführen. Zahlreiche Beinahe-Blackouts der vergangenen Jahre belegen das Risiko-Potenzial. Ein solcher Infrastrukturausfall hätte katastrophale Folgen für die Gesellschaft, Unternehmen und Haushalte. Die Autoren empfehlen eine Korrektur der Energiepolitik und raten Wirtschaft und Privatkunden zur Blackout-Vorsorge.

Ausführlich werden die Folgen stromloser Zeiten beschrieben, hier können die Leser weiterdenken und ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Konkret vorhersagen lässt sich die dann folgende Eigendynamik nicht, auch zu Zeiten einer beginnenden Pandemie hatte niemand die herausragende Rolle des Toilettenpapiers vorhergesehen.

Das Buch ist wichtig, um den Aufbau und die Wirkungsweise des Stromversorgungssystems und die inhärenten Risiken zu verstehen. In der Bevölkerung dürfte das Wissen darüber eher schwach sein, naturwissenschaftlich-technische Bildung hat bei weitem nicht mehr den früheren Stellenwert. Dazu kommt, dass jeglicher Erfahrungshintergrund zu größeren Stromausfällen fehlt. Auch ist weitgehend unbekannt, in welchem Ausmaß Netzbetreiber permanent eingreifen müssen, um die Stabilität zu sichern. Gab es früher einen planmäßigen Netzbetrieb, ist es heute ein operativer mit entsprechend höheren Kosten.

Am Ende bleibt der ernüchternde Eindruck eines komplizierten, angreifbaren und zunehmend unsicheren Systems, das permanent geschwächt wird und dessen ständigen Funktionierens wir uns offenbar weit weniger als bisher sicher sein können.

Das Buch lädt ein, tiefer zu gehen. 17 Seiten Quellenangaben geben Hinweise, wo man noch fündig werden kann. Fazit: Ein erhellendes, ernüchterndes und wichtiges Buch.

Jungnischke / Paulitz, Strom-Abschaltungen und Blackout-Risiko. Warum Versorgungssicherheit und Risikovorsorge überlebenswichtig sind. Akademie Bergstrasse, 192 Seiten, 27 €.


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Kommentare ( 31 )

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Tigermaske
16 Tage her

Ich bin leider ein Nachzügler auf dieser Artikelseite. Wenn der Strom ausfällt, verrotten recht schnell unsere Lebensmittel. Drei Tage am Stück ohne Generator-Backup wären schon katastrophal. Zwei Wochen wären dann wohl gesellschaftlicher Selbstmord, weil dann das Plündern beginnt und die Rücksichtslosigkeit um sich greift. Ich glaube, ich habe die Nerven nicht, das Buch zu lesen. Ich kann mir leider viel zu lebhaft vorstellen wie dramatisch die Auswirkungen sein werden.

Manfred_Hbg
24 Tage her

Zitat: „In der Bevölkerung dürfte das Wissen darüber eher schwach sein, naturwissenschaftlich-technische Bildung hat bei weitem nicht mehr den früheren Stellenwert.“ > Genau den zweiten Halbsatz hatte auch ich beim lesen in Gedanken. Und wenn sich die Leute hier bei der Stromversorgung vielleicht doch irgendwas denken oder sich vorstellen, dann denken sie vermutlich an ein Fahrrad-Dynamo und die zwei angeschlossenen Lichtlein oder an einer Taschenlampe und an den An & Aus Knopf. ,Es ist also doch alles gaaanz einfach mit den Strom Wobei ich hier mit Blick aufs obige Zitat aber auch noch hinzufügen will, dass das Nicht-Wissen nicht nur… Mehr

siemrohr
25 Tage her

Warum muss so ein Buch immer so teuer sein? Schade, ich hätte es gerne gelesn.

Endlich Frei
25 Tage her

Geliefert wie bestellt. Aber solange moderne, voll funktionsfähige Atomkraftwerke vom Netz genommen werden, kann die Krise entweder nicht so schlimm sein oder aber Deutschland verabschiedet sich ganz bewusst als Wirtschaftsnation – und zwar aus rein ideologischen und sogar aus politischen Gründen?
Wieviel Putin hinter den Grünen und ihren Organisationen steht – denn all dies folgt dem Drehbuch Russlands – sollte uns viel mehr interessieren als bislang. Es ist anzunehmen, dass von der Regierung kein Anstoßen solcher Untersuchungen zu erwarten ist.

Endlich Frei
25 Tage her

Merkel – und das ist bis heute nicht verstanden worden – war und ist die Rechte Hand Putins. Dieser Krieg wäre ohne die enge Gas-Kooperation und das wachsende Abhängigkeitsverhältnis undenkbar. Auch die sonstigen politischen Weichenstellungen Merkels auf vielen Ebenen wirken nun wie Tellerminen: Das betrifft insbesondere die EU-Geldpolitik, die Grenz-Politik, eine sich völlig überhebende „Weltenrettung“-Politik, eine disfunktionale billionenschwere Klimapolitik (mit Verbindungen nach Russland) und natürlich den Umbau der Bundesrepublik in einen destruktiven NGO- und Propagadastaat (Fördertöpfe, Sprache, Ämterschacherei) nach DDR/Russland-Vorbild. Merkel und Putin war das Traumpaar des deutschen Mainstreams und das genossen beide.

mlw_reloaded
24 Tage her
Antworten an  Endlich Frei

Die Gas-Kooperation entstammt nicht Merkel. Sondern BASF, und später dann Schröder. Merkel hat das nur übernommen, weil es ja super funktioniert hat. Und überhaupt, Merkel hat keine Weichen gestellt. Sie hat den Status quo gehegt, Trends aufgeschnappt und Probleme mit Steuergeld und Gratismut zugeschüttet. Keine Innovation, kein Risiko, maximale Umfragewerte.

Waldorf
24 Tage her
Antworten an  Endlich Frei

Ich denke, dagegen würde sich Putin vehement verwahren So dumme Politik hat er den Russen nie zugemutet, Aberwitz wie Atomausstieg, Flutung des Landes mit Nichtskönnern, ruinieren der Industrie, Landwirtschaft und Privaten für irgendein Klimagespinne setzt so viel politischen Wahnsinn voraus, was ihm sicherlich absolut unbegreiflich ist und bleiben wird, immer. Merkel ist der „progressiven“ neoliberalen, globalistischen Agenda gefolgt, die zb auch für Obama prägend war, für Biden ist. Dass auch diese „sinnfrei“ ist, zeigt sich im ganzen Westen. Russland und China profitieren aber von „unserer“ Abgehobenheit, politischen Dummheit. Unsere Politik (des Westens) will nur noch „gut sein“, gut wirken, gut… Mehr

AgentOrange
25 Tage her

Die EU setzt jetzt die 7. Sanktionswelle in Gang, ich glaube nicht das Russland noch lange Rohstoffe in die korrupte Schulden-EU liefern wird. Die Schulden-EU bettelt ja gerade darum das Russland der Schulden-EU sämtliche Rohstoffe abdreht.

Endlich Frei
25 Tage her
Antworten an  AgentOrange

Die EU sankioniert sich selbst.
Viele Länder setzen dabei auf die EZB-Geldpresse – merken aber nicht, dass sie nebenbei den Kahn, der jahrelang als Kugelfang dieser Politik fungiert hat, versenken. Und die Menschen, die diesen Kahn seit Jahren schleppen, versenken nun für eine systemimanente Währung den Großteil ihres Wohlstands, den sie der DM zu verdanken haben.

Georg J
25 Tage her

Mein Gott es ist so einfach: ohne ausreichende Energie gibt es keine stabile Gesellschaft. Deswegen war – bis vor der „Ampel“ – Energiesicherheit ein Staatsziel. Wir leben im Zeitalter des kollektiven Irrsinns.

Last edited 25 Tage her by Georg J
Georg J
25 Tage her

Als deutscher Steuerzahler/Arbeitnehmer von mehr als 40 Jahren Erwerbsleben habe ich durchschnittlich 50 % meines Gehaltes dem „Staat“ gegeben damit dieser sich damit um meine innere und äußere Sicherheit kümmert.
Nun gibt dieser Staat nichts, aber auch garnichts mehr an mich zurück. Diffamierungen als „alter weißer Mann“ und „Kartoffel“ muss ich darüber hinaus ertragen. Warum sollte ich gegenüber den politischen Entscheidern dieses Staates noch irgendeine Loyalität empfinden? Ab sofort kümmere ich mich um die Menschen, die mir wichtig sind und versuche die Abgaben an den gierigen Staat so gut es geht zu vermeiden, einschließlich Kirchensteuer und GEZ. Es reicht!

Last edited 25 Tage her by Georg J
Boehm
25 Tage her

Das Sromnetz ist jetzt schon instabil, mittags dauert es länger, die Herdplatten werden nicht warm. Mit Sonne und Wind können wir in Deutschland nicht leben. Das sind Träumereien. Meine Generation hat Krieg und die Jahre danach erlebt. Wir können uns noch einschränken, aber ob die letzte Generation, die sich auf Straßen festklebt, das auch kann, bezweifle ich. Übrigens möchte ich auf meine alten Tage nicht auf Waschmaschine und Spülmaschine verziichten.

Peter Pascht
25 Tage her

Bisher war das europäische Stromnetz weltweit ein Muster an Zuverlässigkeit und Sicherheit es war Basis für eine starke wirtschaftliche Stellung Europas in der Welt.
Es gibt nur ein Land in Europa das die Existenzgrundlagen zur Sicherheit ganz Europas gefährdet,
durch Sturheit und Besserwisserei.
Sein Name ist Deutschland.