Der neue Kriegs-Ticker Lanz

Überall lauert der Feind. Und jetzt wurde auch noch der AfD-Politiker Rüdiger Lucassen auf die Sicherheitskonferenz eingeladen – und zu Markus Lanz. Dessen Sendung immer kriegsbesessener wird, so wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Screenprint: ZDF / Markus Lanz

JD Vance Rede der Sicherheitskonferenz vor einem Jahr beschäftigt immer noch die deutschen Talkshows. Denn die 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) steht wieder vor der Tür und Markus Lanz lässt Vance Worte noch einmal Revue passieren.

Immer noch erkennt er keine Parallelen zur Realität. Probleme mit der Meinungsfreiheit? Angst im ÖPNV? Davon hält Lanz bekanntlich nichts, aber diesmal ist JD Vance ja auch gar nicht dabei, sondern der Außenminister Marco Rubio – zur sichtlichen Erleichterung von Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die Europapolitikerin der schwindenden FDP kritisiert JD Vance Rede mit „hohem Unterhaltungswert“ und überhaupt bei den Olympischen Spielen wurde er ausgebuht, verkündet Strack-Zimmermann. Also alles gut.

Über die USA findet Strack-Zimmermann allgemein nur Worte der Kritik oder Worte zur Ukraine. So auch der Militärhistoriker Sönke Neitzel, der an jenem Abend oft gemeinsamen Boden mit der FDP-Politikerin – oder soll man linke Politikerin sagen? – findet.

Der Politikexperte des Axel Springer Verlages Marc Felix Serrao dagegen sorgt für den ein oder anderen Schnappatmer in der Runde und wird mit ziemlicher Sicherheit von Lanz‘ Gästeliste gestrichen. Lanz ist an diesem Abend nämlich überhaupt nicht angetan von den neuesten Entwicklungen.

Das Motto „Politik der Abrissbirne“ der MSC findet er einfach nur destruktiv und dass auf die USA kein Verlass ist, da sind sich Strack-Zimmermann, Neitzel und Lanz einig. Lanz betont schließlich fast schon sanft gegenüber AfD-Politiker Rüdiger Lucassen: „Jetzt sind Sie das erste Mal wieder eingeladen, Sie persönlich wurden eingeladen, wie läuft das?“ Lucassen ist Oberst a. D. und „gemäßigt“ genug für Lanz, ihn nicht durchgehend zu unterbrechen. Das übernimmt in diesem Fall Frau Strack-Zimmermann, doch Lucassen lässt ihre hysterischen Kommentare geflissentlich an sich abprallen.

Lucassen wurde von Wolfgang Ischinger, dem Vorsitzenden der Sicherheitskonferenz eingeladen: „Ich habe die Einladung bekommen, das Programm und auch Zugang zu sehr vielen persönlichen Einladungen.“ Diese Chance lässt Lanz natürlich nicht aus: „Was heißt Zugang zu sehr vielen persönlichen Einladungen?“ Und zusammen mit Strack-Zimmermann kommen die bekannten Vorwürfe über Spionage.

Lucassen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: „Als Verteidigungspolitiker werde ich mich um viele Kontakte bemühen, vor allem zur US-amerikanischen Delegation, um das, was wir ja jetzt schon diskutiert haben, auch zu verfeinern, herauszukristallisieren: Was kommt für uns als Europäer zu?“

Kontaktschuld mit den USA riskieren? Eine Vorgehensweise die Lanz und Co. ablehnen.

Lanz hat auch schon die nächste Waffe auf Lucassen gerichtet: die AfD würde so viele kleine Anfragen stellen und damit nicht nur Spionage für die Russen betreiben, sondern auch „den Betrieb lähmen“.

Wieder kontert Lucassen, sodass Lanz nur betreten in der Ecke sitzt: Er glaube nicht, dass man eine Institution wie das Bundesverteidigungsministerium, so schnell lahmlegen würde. Eine Oppositionspartei dürfe doch wohl noch Anfragen stellen.

Doch nachdem sich Strack-Zimmermann und Neitzel auch noch einschalten wiederholt er: „Nochmals, die Bundesregierung hat gesagt, alle Anfragenberichtsbinden, die sie beantworten vom Verteidigungsausschuss, werden nur so weit beantwortet, wie sie nicht die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden.“ Auch das ist Lanz und Co. egal. Neitzel simpelt fachmännisch: „Da sehe ich die AfD eher auf der Seite Russlands, nicht auf der Seite der Demokratie.“ Da ist sie wieder, „unsere Demokratie“.

Eine Angst die selbstverständlich auch Strack-Zimmermann teilt. Lanz zitiert diese: „Trump hat uns gelehrt, dass man in nur einem Jahr aus einer Demokratie eine Diktatur machen kann.“

Dazu hat aber Serrao dann doch eine so ganz und gar keine politische korrekte Meinung. Er bringt wieder Vance Rede ins Spiel und stimmt ihm ganz klar zu. Und zwar nicht nur in Sachen Meinungsfreiheit: „Und da, finde ich, hat Vance nicht nur den einzig richtigen Punkt gemacht. Da waren noch andere dabei, nämlich zu sagen, liebe Europäer, ihr habt mit der illegalen Masseneinwanderung tatsächlich ein Riesenproblem, das ihr noch nicht in den Griff bekommen habt.“

Damit wird Strack-Zimmermann erst so richtig wach und bringt die ICE-Einsätze ins Spiel.

Serrao lässt Strack-Zimmermann abblitzen und erklärt, dass diese Einsätze kritikwürdig seien, aber wohl kaum von Europäern aus kilometerweiter Entfernung als Mord bzw. Diktatur bezeichnet werden könnten. Oder gar mit der SA zu vergleichen, wie Grünen-Politiker Felix Banaszak es tat.

Lanz und Co. bekommen Schnappatmung. Sie haken nach und wollen Serrao ein schlechtes Gewissen einreden: „Ist das das härteste Wort, das Ihnen dazu einfällt? Kritikwürdig?“

Serrao bleibt locker und hält dagegen, dass in einer Diktatur wohl kaum Massenproteste und kritische Berichterstattung möglich wären, so wie es in den USA der Fall ist.

Da sie bis auf ihre Empörung nichts mehr dagegenhalten kann fängt Strack-Zimmermann notgedrungen wieder mit der Ukraine an. Lanz unterbricht und fokussiert sich wieder auf Lucassen.

Was er von dem Vorgehen der ICE hält, will Lanz stichelnd wissen. Und als Lucassens Antwort keine Munition hergibt, schüttelt er aus dem Handgelenk wieder ein Video. Ein junges AfD Mitglied aus Bayern fordert eine Einheit wie die ICE für Deutschland. Lucassen bleibt unbeeindruckt.

Aber es wird noch enger im Schwitzkasten für ihn, denn Lanz holt das große Kaliber heraus: ein Video von Höcke. Dieser spricht in einer Rede davon, dass junge Menschen ein Deutschland mit Messerstechern oder Dragqueens im Kindergarten nicht verteidigen möchten.

Als Lucassen betont, mit Höcker nicht einer Meinung zu sein, wird es nochmal eng. Lanz hat nämlich einen Joker: Er zeigt ein Video von Lucassen, in dem dieser wie Höcke spricht. Dass Lucassen damit die Bundesregierung auffordern wollte, mehr Politik für Frieden zu machen als Kriegstreiberei, lassen Lanz und Co. ihm nicht durchgehen.

„Gerade Sie als Oberst a. D., Sie wissen doch ganz genau, wofür dieses Land noch steht. Es ist doch so viel mehr. Wir verteidigen das Grundgesetz. Wir verteidigen eine unabhängige Justiz.“

Ob er das wohl als Privatperson oder als Journalist fragt? Naja, die unabhängige Justiz wird es ihm zur Not schon geradebiegen.

Zu guter Letzt kann der Zuschauer doch noch ein wenig lachen. Strack-Zimmermann schimpft über die anti-europäische Haltung der AfD aber auch von der Trump-Administration – und bekommt von Serrao einen auf den Deckel: „Wenn Sie sagen, anti-europäisch, da muss ich noch mal zurück zu dem, was Sie am Anfang gesagt haben. Wenn es gerade militärisch aufgestellt ist vor dem Hintergrund der russischen Bedrohung, dann muss ich wirklich sagen, ist das Gerede von Amerika als Diktatur, von dem wir uns loslösen müssen, anti-europäisch. Das ist auch nicht im europäischen Sicherheitsinteresse!“

Strack-Zimmermann gibt klein bei: „Mark Rütte macht das richtig, bin ich bei Ihnen. Dieses sehr Schmeichelhafte [gegenüber Trump], was einige Kollegen von mir irritiert, macht er richtig, weil wir wollen die Amerikaner nicht aus der NATO haben. […] Und deswegen erlaube ich mir, kritisch zu sein, erlaube mir aber auch, zu sagen, dass dieses Abarbeiten an den Vereinigten Staaten vorbei sein muss.“

Lucassen kann es sich nicht verkneifen Strack-Zimmermann darauf hinzuweisen, dass sie genau das am Anfang der Sendung gemacht habe. Sie kontert nur knapp, dass das ihre persönliche Meinung sei – ansonsten kann Lanz auch bestimmt bestätigen, dass sie als Privatperson in der Sendung eingeladen war.

Und wieder eine Markus Lanz Sendung mehr, welche die heuchlerische linksgrüne Meinungsmache wiederkäut. Wer sich gegen Massenmigration oder Dragqueens im Kindergarten wehrt, wird als antipatriotisch abgestempelt. Bitte nicht beschweren über linksgrüne Angriffe auf Heimat oder Familie – aber bitte einmal dafür in den Krieg ziehen. Und am besten nicht über deutsche Politik sprechen – die USA, Ukraine, Russland und Co. sind doch unsere erste Priorität.

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