Dow Jones erstmals über 50.000 Punkte, Bitcoin auf der Achterbahn, Gold und Silber finden neues Interesse

Nach dem jüngsten Kursrutsch bei Technologieaktien wegen der Angst, dass sich einige Unternehmen mit ihren KI-Investitionen übernehmen, ist am Freitag an den US-Börsen die Risikobereitschaft schwungvoll zurückgekehrt. Dies verhalf dem Dow Jones Industrial zum erstmaligen Sprung über Marke von 50.000 Punkten, die psychologisch von besonderer Bedeutung ist.

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​Vergangene Woche erzählten wir an dieser Stelle die Geschichte der großen Verkaufswelle von Gold und Silber. So fiel der Preis für eine Feinunze Gold (31,2g) vom Rekordstand bei über 5500 am Donnerstag auf zeitweise unter 4500 Dollar im Verlauf des Freitags. Silber verlor an diesem Tag sogar ein Drittel seiner Notiz. Viele Kleinanleger und Spekulanten seien in den Wochen zuvor auf den Zug der steigenden Goldpreise aufgesprungen und nun auf dem falschen Fuß erwischt worden, hieß es am Markt. Jetzt zögen sie sich wieder zurück. Das erkläre die Korrektur.

Was Gold in den letzten Januartagen passiert war, ereilte den Bitcoin in der ersten Februarwoche. Nach betulicher Talfahrt wechselte er am Donnerstag in den Crash-Modus. Innert weniger Stunden verlor die digitale Leitwährung mehr als ein Zehntel ihres Werts und stürzte zeitweise auf fast 60.000 Dollar ab. So viel hatte der Bitcoin seit November 2022 und dem Kollaps der Krypto-Börse FTX nicht mehr verloren.

Anders als Gold reagiert der Bitcoin auf geopolitische Spannungen nicht positiv. Selbst während der Kursrallye von Gold und Silber in den letzten Wochen gab es keine positiven Kursbewegungen bei Kryptowährungen. Vielmehr verzeichneten etwa Bitcoin-ETF drei Monate in Folge Abflüsse von insgesamt 5,7 Milliarden Dollar. Viele Analysten erwarten keine baldige Erholung. So schreibt etwa Paul Howard, Direktor des Market Makers Wincent, in einem Marktkommentar: „Ich glaube nicht, dass wir 2026 ein neues Allzeithoch sehen werden.“

Anders sehen das die Experten beim Gold: Nun träten die Fundamentaltrends wieder stärker in den Vordergrund, kurzfristig die fortbestehenden geopolitischen Unsicherheiten; langfristig die Tendenz der Zentralbanken, Devisenreserven in Gold umzutauschen, um sich weniger abhängig vom Dollar zu machen. Besonders zuversichtlich ist nach wie vor die Deutsche Bank, die in dieser Woche das Goldpreisziel von 6000 Dollar je Feinunze bekräftigte.

Nach dem jüngsten Kursrutsch bei Technologieaktien wegen der Angst, dass sich einige Unternehmen mit ihren KI-Investitionen übernehmen, ist am Freitag an den US-Börsen die Risikobereitschaft schwungvoll zurückgekehrt. Dies verhalf dem Dow Jones Industrial zum erstmaligen Sprung über Marke von 50.000 Punkten, die psychologisch von besonderer Bedeutung ist. Nach seinem Spitzenanstieg bis auf knapp 50.170 Punkte ging der Dow 2,5 Prozent höher bei 50.116 Punkten aus dem Handel. Im Gegensatz zu anderen Leitindizes verbuchte er damit ein ähnlich großes Wochenplus. Ein Anstieg um knapp zwei Prozent auf 6.932 Zähler reichte dem marktbreiten S&P 500 nicht, er verzeichnet ein knappes Wochenminus. Der Nasdaq 100, der den Tech-Sektor am stärksten abbildet, verlor in der abgelaufenen Handelswoche 1,9 Prozent – trotz einer Erholung am Freitag um gut 2,1 Prozent auf 25.076 Zähler. Er musste dabei nicht nur Kursverluste bei den Internetriesen Alphabet und Meta verkraften, sondern auch einen Kursrutsch bei Amazon. Bei vielen anderen Tech-Werten wagten sich nach dem jüngsten Ausverkauf wieder Schnäppchenjäger heran.

Anleger versuchten zuletzt, potenzielle Gewinner und Verlierer des KI-Booms stärker zu unterscheiden. Zudem hinterfragen sie immer häufiger milliardenschwere Investitionen in den neuen Megatrend. Nach Alphabet und Meta, die am Freitag an ihre jüngsten Verluste anknüpften, ist Amazon der nächste Großkonzern, bei dem die Unsummen überhaupt nicht gut ankommen. Nach einem Spitzeneinbruch um zehn Prozent verloren die Aktien des Handelsriesen am Ende noch 5,6 Prozent. Amazon übertrifft bei den geplanten Investitionen seine ausgabefreudigen Tech-Rivalen, denn in diesem Jahr sollen rund 200 Milliarden US-Dollar in KI, Chips, Robotik und Satelliten gesteckt werden. Dies half umgekehrt bei der Erholung einiger Aktien, die als Infrastruktur-Ausrüster von solch üppigen Investitionen profitieren könnten. So legten Broadcom und das KI-Schwergewicht Nvidia um mehr als sieben Prozent zu. Chipwerte waren allgemein begehrt. Die wieder anziehende Risikobereitschaft zeigte sich auch bei der Kryptowährung Bitcoin, die nach dem zuletzt freien Fall deutlich zulegte. Davon profitierte auch die Handelsplattform Coinbase mit einem Anstieg um 13 Prozent.

Über einen fast 20 Prozent großen Kurssprung konnten sich die Aktionäre von Under Armour freuen. Der Sportartikelhersteller hatte mit einem Gewinn im dritten Quartal überrascht. Im Konsens hatten Analysten ein Ergebnis im knapp negativen Bereich erwartet. Mit minus 2,5 Prozent waren die Aktien von Linde ein Verlierer, nachdem der JPMorgan-Analyst Jeffrey Zekauskas nach gutem Lauf und angesichts des erreichten Kursziels kaum noch Potenzial sieht. Er stufte die Titel des Gaskonzerns nach dessen Quartalszahlen von „Overweight“ auf „Neutral“ ab. In dem stark erholten Umfeld gab es aber auch einige deutlich nachgebende Nebenwerte. Die Titel des Kosmetikkonzerns Coty zum Beispiel sackten um 15,5 Prozent ab, nachdem die Entwicklung von Umsatz und operativem Gewinn im dritten Quartal die Markterwartungen deutlich verfehlt hatte.

Nach drei Verlusttagen in Folge hatte zuvor schon der Dax am Freitag eine Gegenreaktion gezeigt und sich etwas erholt. Gleichwohl blieben die Anleger angesichts der in den vergangenen Tagen heftigen Schwankungen bei Edelmetallen und im Technologiesektor nervös. Negative Nachrichten vom Autobauer Stellantis setzten vor dem Wochenende zudem den europäischen Autosektor stark unter Druck und zogen hiesige Branchenwerte mit nach unten. Der Dax ging knapp ein Prozent höher bei 24.721 Zählern aus dem Handel. Damit ergibt sich auf Wochensicht ein Plus von gut 0,7 Prozent. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte legte am Freitag um 0,7 Prozent auf 31.663 Punkte zu.

Die Schockwellen an den Edelmetall- und den Kryptomärkten seien auch nicht spurlos an der deutschen Börse vorbeigegangen, kommentierte Christine Romar, Europachefin beim Handelshaus CMC Markets. Zwangsliquidationen dort zögen Verkäufe an anderer Stelle nach sich und sortierten die zittrigen Hände auch aus dem Aktienmarkt. „Eine solche Bereinigung ist gesund und stellt den immer noch laufenden Bullenmarkt auf ein solideres Fundament“, resümierte die Expertin. In Frankfurt gab es vor dem Wochenende im IT-Sektor erneut Verluste. Die Papiere des Dienstleisters Bechtle brachen nach Quartalszahlen um 9,5 Prozent ein und fanden sich damit am MDax-Ende wieder. Der Ausblick belastete. Auch Cancom konnten sich im Nebenwerteindex SDax dem Sog nicht entziehen und verlor vier Prozent.

Hiobsbotschaften von Stellantis setzten dem Autosektor zu. Der Fiat- und Chrysler-Mutterkonzern schreibt wegen der US-Elektroauto-Kehrtwende rote Zahlen und streicht die Dividende. Stellantis sackten in Paris um mehr als ein Viertel ab. Im sehr schwachen europäischen Autosektor verloren die im Dax notierten Aktien von Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen bis zu 1,3 Prozent.cRüstungswerte stabilisierten sich dagegen nach der jüngsten Schwäche. Rheinmetall legten im Dax um gut zwei Prozent zu. An der MDax-Spitze ließ eine Hochstufung durch die französische Investmentbank Exane BNP die Aktien des Panzergetriebeherstellers Renk um 5,4 Prozent steigen. Die Auftragspipeline sei gut gefüllt, lobte Analyst Sebastian Growe.

Auch europaweit legten die Kurse zum Wochenschluss zu: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 1,2 Prozent auf 5.998 Zähler. In London und in Zürich ging es auch, wenn auch weniger deutlich nach oben.

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