Erst ging es für die Edelmetalle steil nach unten, jetzt schon wieder aufwärts. Die Analyse der Gründe zeigt: Für Sparer ergeben sich mehr Chancen als Risiken.
picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Ende Januar 2026 sagte Tichys Einblick (TE), als der Gold- und Silberpreis neue Rekordmarken erreichte, auch voraus, dass ein Preisrücksetzer wahrscheinlicher wird. Genau das zeigte sich zum Wochenbeginn: Der zeitweise auf über 5500 Dollar je Feinunze hinaufgeschossene Goldpreis brach vorübergehend auf 4500 Dollar ein, Silber, das kurz vorher 120 Dollar je Unze kostete, fiel auf 75 Dollar zurück.
Innerhalb der vergangenen 50 Jahre gab es nur zweimal ähnlich heftige Preisausschläge: im Januar 1980 mit minus 13 Prozent, im Februar 1983 mit minus zwölf Prozent bei Gold. Markiert der heftige Rutsch das Ende des Gold-Silber-Rauschs? Er nimmt auf jeden Fall Tempo aus dem Anstieg.
Die zuletzt extrem steilen Kurven nach oben sprachen für eine große Unsicherheit der Märkte, ja geradezu eine Hysterie: Fonds und kleinere Anleger kauften in der Überzeugung, dass die Preise demnächst noch sehr viel höher steigen. Bei Silber fachten Nachrichten, dass China das Metall regelrecht hortet, den Kaufrausch noch zusätzlich an. Die Stimmung an den Märkten speiste sich aus dem ebenfalls rasant angestiegenen Misstrauen gegen die Fiat-Währungen, vorangetrieben vor allem durch den Wertverfall des Dollar. Hypernervosität macht Ausschläge nach oben möglich, Rückschläge aber auch sehr viel wahrscheinlicher als ein ruhiger Kursverlauf. Und: Ja, der jähe Preisrückgang hatte viel mit der Nominierung von Donald Trumps Kandidaten für die Spitze der US-Notenbank zu tun, Kevin Warsh. Der „Warsh-Shock“ schüttelte auch erst einmal den Aktienmarkt durch. Nur: in der zweiten Wochenhälfte stieg der Goldpreis wieder deutlich auf 4800 Dollar je Unze an, der Silberpreis erholte sich ebenfalls von seinem Tief. Die Analyse des Auf und Ab (und wieder Auf) ergibt unter dem Strich für Anleger mehr Chancen als Risiken.
Zunächst einmal: Wer ist der Kandidat Kevin Warsh? Der Jurist gehörte von 2006 bis 2011 dem Board der Notenbank in der Amtszeit von Präsident Ben Bernanke an, er kennt also das Innere der Geldpolitik. Über Warsh, damals mit 36 Jahren das bis dahin jüngste Mitglied des Gremiums, äußerte sich Bernanke im Nachhinein lobend: Die Kontakte des früheren Managers der Großbank Morgan Stanley zur Wall Street hätten sich in der Finanzkrise von 2008 als „unschätzbar“ erwiesen. Warsh gehörte unter Präsident George W. Bush dem „National Economic Council“ an – er ist also nicht nur mit der Praxis von Geschäfts- und Notenbank vertraut, sondern auch mit Wirtschaftspolitik. Sein Schwiegervater Ron Lauder, Erbe des Kosmetikkonzerns Estée Lauder, gehört zu den langjährigen Unterstützern Trumps. Das dürfte für die Nominierung von Kevin Warsh für den Spitzenposten der Fed sicherlich nicht schädlich gewesen sein.
Zum Politikum – und zur großen und bisher offenen Frage für die Märkte – wird die Personalie allerdings durch die bekannten finanzpolitischen Positionen Warshs. Er trug zwar 2008 die Öffnung der Geldschleusen mit, das „Quantitave Easing“ (QE), um das Bankensystem vor einem Kollaps zu bewahren. Nach und nach wandelte er sich aber zum vehementen Kritiker massiver Markteingriffe durch die Notenbank. Vor allem der Anleihenkauf, so Warsh, führe zur Markverzerrung, ermuntere Staaten, sich extrem zu verschulden, und führe zur Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Die Fed verließ Warsh, nachdem er dort gegen das zweite QE-Programm gestimmt hatte. Wenn er jetzt an die Spitze der Fed rückt, so die Erwartung der Marktbeobachter, dann wäre wahrscheinlich ein restriktiver Kurs die Folge, mit Fokus auf Inflationsbekämpfung und Stärkung des Dollar.
Wie passt das zu Trumps lautstarker Forderung nach Zinssenkungen? Trump erklärte am Freitag vergangener Woche, er habe Warsh nicht dazu gedrängt, sich öffentlich für Zinssenkungen auszusprechen. Das sollte man durchaus ernst nehmen. Zum einen wünscht Trump niedrige Zinsen, um das bisherige Wirtschaftswachstum zu halten. Andererseits weiß er, dass ihn die Bürger bei den kommenden Midterm-Wahlen auch nach seinen Erfolgen bei der Inflationsbekämpfung beurteilen. Die Inflationsrate liegt in den USA derzeit bei 2,7 Prozent, also über dem Zielwert von zwei Prozent. Eine schnelle Zinssenkung würde sie sehr wahrscheinlich über drei Prozent treiben. Der lautstarke Social-Media-Trump unterscheidet sich deutlich von dem Politiker Trump, der oft sehr viel kühler und rationaler entscheidet, als es seine Kritiker vermuten.
Hier sucht er offenbar einen Mittelweg: Ein Inflationsbekämpfer an der Fed-Spitze nutzt ihm, solange das Wachstum nicht einbricht. Eine baldige Zinssenkung wird mit Warsh also wenig wahrscheinlich – so die Markterwartung. Und an der Börse machen nun einmal Erwartungen die Kurse. Viele Investoren in Gold und Silber entschieden sich deshalb, erst einmal Gewinne mitzunehmen beziehungsweise vorerst nicht weiter zu kaufen. Der Prozess, der Gold und Silber bis in den Januar 2026 zu Höchstständen trieb, lief nun umgekehrt: Kauften damals Anleger fieberhaft in der Erwartung noch höherer Kurse, warten sie nach dem Kurseinbruch ab in der Hoffnung, das Anlagegut bald günstiger zu bekommen.
Es zeigte sich aber auch: Sobald sich die Wertmetalle verbilligten, traten Käufer wieder auf den Plan. Denn an den fundamentalen Daten hinter dem Preisauftrieb ändert sich nichts: Goldkäufe von Zentralbanken, weiterhin eine galoppierende Staatsverschuldung nicht nur der USA, geopolitische Unsicherheiten von Iran bis Taiwan. Und bei Silber eine industrielle Nachfrage, die durch die Förderung nicht gedeckt werden kann. Wer am tiefsten Punkt Gold von 4500 Dollar je Unze kaufte, kann jetzt schon wieder mehr als 300 Dollar Gewinn verbuchen.
Die Achterbahnfahrt bei den Metallen fällt zusammen mit einer großen Unsicherheit am Aktienmarkt: Hier wächst die Nervosität der Anleger angesichts der Milliardenwetten großer Tech-Unternehmen auf künftige Gewinne mit Geschäftsmodellen der Künstlichen Intelligenz. Bis jetzt investieren Google, Meta, Palantir und andere Milliarden in eine Zukunft, die noch keiner kennt. Unsicherheit wirkt sich allerdings eher zugunsten von Gold aus: Denn langfristig hält ein Investment in das gelbe Metall den Wert im Vergleich zu allen anderen Anlegemöglichkeiten noch am verlässlichsten.


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Gold kauft man meist nicht zum Spekulieren, sondern um Geld zu haben und vor allem, es auch zu behalten:
„Gold und Silber sind Geld, alles andere ist Kredit“! (J. P. Morgan)
Spielt doch keine Rolle. Edelmetall ist die Währung der Not und die wird so sicher kommen, wie das Amen in der Kirche…….
Wer am tiefsten Punkt Gold von 4500 Dollar je Unze kaufte, kann jetzt schon wieder mehr als 300 Dollar Gewinn verbuchen. So einfach ist es leider nicht, liebe TE-Redaktion. Die Aussage ist allenfalls richtig für den Erwerb von Gold-Inhaberschuldverschreibungen aka „Zettelgold“. Bei Erwerb von physischem Gold sieht es schon ganz anders aus. Denn da sieht es mit der Lieferfähigkeit bei den Edelmetallhändlern eher bescheiden aus. Und wer noch Lagerbestände hat, verlangt deftige Aufpreise. Wer meint, mit Gold und Silber zocken zu können, der hat leider den Sinn hinter dieser Anlageform nicht verstanden. Man kauft es in Form von Münzen und… Mehr
Wer Edelmetalle kauft, um ihren Wert in Papiergeld zu verfolgen und sich drüber zu freuen dass der Kurs steigt, der hat das Thema nicht so ganz verstanden.
Es sei denn, er hat zuviel Spielgeld.
Nun gut, ich hatte 2019 begonnen, physikalisches Gold zu kaufen. Ich freue mich, über die Differenz zwischen meinem damaligen Ankaufs- und heutigen Verkaufspreis (ohne es zu verkaufen). Wohl wissend, dass ein großer Teil dieser Differenz aus der Schwäche von Dollar und Euro resultiert und nicht aus realer Wertsteigerung. Ich habe das auch nicht gekauft, um zu spekulieren. Mir geht es um Sicherheit. Ich gehe von einem Zusammenbruch des Dollars und damit des Euro noch in dieser Dekade aus. Spätestens wenn der Dollar seinen Status als einzige Reservewährung verliert, war es das. Genau darauf läuft die globale Entwicklung gerade hinaus. Mit… Mehr
Es gibt ohnehin keine „reale Wertsteigerung“, denn es gibt keinen Absolutwert, keinen Nullpunkt, an dem alle anderen Werte zu messen wären.
Ich habe auch vor etwas mehr als einem Jahr ein wenig Gold gekauft und mich gleich darauf geärgert, weil es genau dann zu stagnieren begann. Doch jetzt bin ich so weit ganz zufrieden.