Die Automobilindustrie und der Werkzeugmaschinenbau waren die beiden wichtigsten Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Das ist vorbei. Unsere Autos fahren nur noch hinterher, jetzt knickt auch das andere große Standbein weg.
picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod
Jahrzehnte lang galt der Werkzeugmaschinenbau als der Kernbereich deutscher Wirtschaftskompetenz. Jetzt hat China auch hier der Bundesrepublik auf dem Weltmarkt den Rang abgelaufen.
Im Jahr 2025 fiel der deutsche Marktanteil am weltweiten Werkzeugmaschinenexport auf nur noch 16,7 Prozent. China liegt mit 21,6 Prozent an die Spitze. Hauptursache ist der Export: Die chinesischen Ausfuhren in dem Segment wuchsen um satte 18 Prozent, während der deutsche Export um zehn Prozent einbrach.
Der Branchenverband VDW (Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) beklagte auf seiner Jahrespressekonferenz hohe Kosten, mangelnde Planungssicherheit und das Ausbleiben wirtschaftlicher Reformen zur Stärkung des Produktionsstandorts. Im Jahr 2025 ist die Produktion um acht Prozent gesunken. Der Abstand zum bisher besten Ergebnis 2018 beträgt gut ein Fünftel, preisbereinigt sogar 35 Prozent.
Werkzeugmaschinen sind das Herzstück jeder modernen Industrieproduktion. Rohmaterialien, die durch Schneiden, Fräsen, Pressen oder Schleifen in Form gebracht wurden, werden überall benötigt: beim Bau von Autos und Flugzeugen, bei der Konstruktion von Windrädern, in der Medizintechnik oder im Maschinenbau. Für die Volkswirtschaft gilt die Branche als zentraler Indikator. Geht es im Werkzeugmaschinenbau aufwärts, ist fast immer ein Aufschwung in der gesamten Industrie zu erwarten.
Derzeit passiert das Gegenteil.
Zur Wirtschaftsstrategie des Regimes in Peking gehört offiziell eine Export-Offensive im Werkzeugmaschinenbau. Die wird erfolgreich umgesetzt – zu Lasten Deutschlands. Nicht nur bei den Ausfuhren hat China uns überholt, sondern auch bei den weltweiten Produktionsmengen: Dort führt China mit einem Anteil von 36,9 Prozent vor Deutschland, das nur noch auf 11,7 Prozent kommt.
Vor mehr als 20 Jahren hatte Peking den Werkzeugmaschinenbau als zentrales strategisches Industriefeld identifiziert. Seitdem sichern Regierungsprogramme wie „Made in China 2025” oder der „Large Scale Equipment Renewal Plan“ chinesischen Unternehmen Subventionen, günstige Kredite und sogar Hilfen beim gezielten Austausch alter Maschinen.
Mit einer aggressiven Politik erobert China den Markt. Niedrige Löhne und die hohe Inlandsnachfrage sorgen zudem für Skalengewinne dank großer Produktionsmengen. Im Export arbeitet Peking zusätzlich vor allem im mittleren Qualitätssegment mit Kampfpreisen.
Stellenabbau und Auslandsproduktion
In Deutschland hinterlässt das Spuren. Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern haben per Oktober 2025 im Vergleich zum Vorjahr 3,9 Prozent aller Jobs gestrichen. Jetzt beschäftigt die Branche nur noch etwa 63.300 Menschen.
Ihr Heil suchen viele Betriebe zunehmend im Ausland. Zwölf größere deutsche Werkzeugmaschinenhersteller produzieren mittlerweile außerhalb der Bundesrepublik. Mehr als 20 Prozent aller deutschen Werkzeugmaschinen werden nicht mehr auf deutschem Boden gefertigt.
Ein drängendes Zukunftsproblem ist die chronische KI-Schwäche der EU und Deutschlands. Der Trend in der industriellen Produktion geht weg von Einzelmaschinen – und hin zu Fertigungs-Netzwerken, die vollautomatisiert und zunehmend KI-gestützt arbeiten.
Überall auf der Welt ist China in diesem Bereich sehr präsent. Deutschland nicht.


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