Werkzeugmaschinen: Deutschland fällt hinter China zurück

Die Automobilindustrie und der Werkzeugmaschinenbau waren die beiden wichtigsten Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Das ist vorbei. Unsere Autos fahren nur noch hinterher, jetzt knickt auch das andere große Standbein weg.

picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod
Werkzeugmaschinen werden in einer Werkhalle des Maschinenbauers Heller gefertigt, Nürtingen, Baden-Württemberg, 13.05.2024

Jahrzehnte lang galt der Werkzeugmaschinenbau als der Kernbereich deutscher Wirtschaftskompetenz. Jetzt hat China auch hier der Bundesrepublik auf dem Weltmarkt den Rang abgelaufen.

Im Jahr 2025 fiel der deutsche Marktanteil am weltweiten Werkzeugmaschinenexport auf nur noch 16,7 Prozent. China liegt mit 21,6 Prozent an die Spitze. Hauptursache ist der Export: Die chinesischen Ausfuhren in dem Segment wuchsen um satte 18 Prozent, während der deutsche Export um zehn Prozent einbrach.

Der Branchenverband VDW (Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) beklagte auf seiner Jahrespressekonferenz hohe Kosten, mangelnde Planungssicherheit und das Ausbleiben wirtschaftlicher Reformen zur Stärkung des Produktionsstandorts. Im Jahr 2025 ist die Produktion um acht Prozent gesunken. Der Abstand zum bisher besten Ergebnis 2018 beträgt gut ein Fünftel, preisbereinigt sogar 35 Prozent.

Werkzeugmaschinen sind das Herzstück jeder modernen Industrieproduktion. Rohmaterialien, die durch Schneiden, Fräsen, Pressen oder Schleifen in Form gebracht wurden, werden überall benötigt: beim Bau von Autos und Flugzeugen, bei der Konstruktion von Windrädern, in der Medizintechnik oder im Maschinenbau. Für die Volkswirtschaft gilt die Branche als zentraler Indikator. Geht es im Werkzeugmaschinenbau aufwärts, ist fast immer ein Aufschwung in der gesamten Industrie zu erwarten.

Derzeit passiert das Gegenteil.

Zur Wirtschaftsstrategie des Regimes in Peking gehört offiziell eine Export-Offensive im Werkzeugmaschinenbau. Die wird erfolgreich umgesetzt – zu Lasten Deutschlands. Nicht nur bei den Ausfuhren hat China uns überholt, sondern auch bei den weltweiten Produktionsmengen: Dort führt China mit einem Anteil von 36,9 Prozent vor Deutschland, das nur noch auf 11,7 Prozent kommt.

Vor mehr als 20 Jahren hatte Peking den Werkzeugmaschinenbau als zentrales strategisches Industriefeld identifiziert. Seitdem sichern Regierungsprogramme wie „Made in China 2025” oder der „Large Scale Equipment Renewal Plan“ chinesischen Unternehmen Subventionen, günstige Kredite und sogar Hilfen beim gezielten Austausch alter Maschinen.

Mit einer aggressiven Politik erobert China den Markt. Niedrige Löhne und die hohe Inlandsnachfrage sorgen zudem für Skalengewinne dank großer Produktionsmengen. Im Export arbeitet Peking zusätzlich vor allem im mittleren Qualitätssegment mit Kampfpreisen.

Stellenabbau und Auslandsproduktion

In Deutschland hinterlässt das Spuren. Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern haben per Oktober 2025 im Vergleich zum Vorjahr 3,9 Prozent aller Jobs gestrichen. Jetzt beschäftigt die Branche nur noch etwa 63.300 Menschen.

Ihr Heil suchen viele Betriebe zunehmend im Ausland. Zwölf größere deutsche Werkzeugmaschinenhersteller produzieren mittlerweile außerhalb der Bundesrepublik. Mehr als 20 Prozent aller deutschen Werkzeugmaschinen werden nicht mehr auf deutschem Boden gefertigt.

Ein drängendes Zukunftsproblem ist die chronische KI-Schwäche der EU und Deutschlands. Der Trend in der industriellen Produktion geht weg von Einzelmaschinen – und hin zu Fertigungs-Netzwerken, die vollautomatisiert und zunehmend KI-gestützt arbeiten.

Überall auf der Welt ist China in diesem Bereich sehr präsent. Deutschland nicht.

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Kommentare ( 51 )

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Ferdi Genuege
1 Monat her

Die heute bekannte KraussMaffei Gruppe (Spritzgieß‑, Extrusions‑ und Reaktionstechnik für Kunststoffe und Gummi) gehört mehrheitlich einem chinesischen Staatskonzern. Käufer war der chinesische Chemiekonzern ChemChina (inzwischen Teil der Sinochem‑Gruppe), der KraussMaffei 2016 übernommen hat.

Ron
1 Monat her

So viel mir bekannt, zahlen wir noch immer Entwicklungshilfe an China, Indien u.v.a. Wobei ich den deutschen Dichtern und Denkern zutraue, dass wir demnächst nicht nur deren Ramsch, Massen- und landwirtschaftliche Produkte sondern auch deren Raumsonden, Flugzeugträger und anderes, tatsächliches High Tec Material mit Deppensteuerzuschlag ab- bzw. rückkaufen. Beeindruckend ist auch der offensichtlich bis heute wirkende, extreme Einfluss zweier meiner Landsleute – des erfolglosem Malers, Klassenkämpfers und (National-) Sozialisten Adolf H., seltsam verleugnet und gespiegelt in „Antifa“ und linker, woker, grüner Gesellschaft und des Poldi v. Sacher-Masoch. Der Hang zum Masochismus ist auch in rechts-konservativen Kreisen offensichtlich.

Ava Tar
1 Monat her

Um das Problem mit den Worten eine grossen franzoesischen Philosophen zu fassen:

Nein ! Doch ! Oh !

Raul Gutmann
1 Monat her

‘schland im 21. Jahrhundert prägen dreierlei: Hohe Preise, Unflexibilität und Arroganz.
Wobei der Werkzeugmaschinenbau als Industriesparte des späten 19. Jahrhunderts seine volkswirtschaftliche Wertschöpfungsbedeutung wohl an die Softwareentwicklung verlor.
Zentral ist jedoch der politische Vernichtungswille gegenüber allem, was sich nicht mit „feministisch und inklusiv“ etikettieren läßt. – Schöne neue Welt.
Allerdings wird das Phantasma einer „Energieerzeugung“ jenseits fosiler Basis (streng physikalisch ist natürlich deren Umwandlung) spätestens dann zusammenbrechen, wenn die Wohnungstemperatur unter 10 Grad Celsius fällt.

Heinrichg
1 Monat her

Die Deindustrialisierung ist eine Sache. Doch das Hauptproblem sind Erziehung und Schulbildung zur absoluten Inkompetenz in jeder Beziehung. Und das dreht niemand mehr um.

Donostia
1 Monat her

Deindustrialisierung ist grün-rot-schwarze Politik um CO2 neutral zu werden. Läuft würde ich sagen. Der Wähler bestätigt den Weg bei jeder Wahl. Als Nächstes kann man dies bei der Wahl in BW wieder beobachten. Der Wählerwille wird umgesetzt.

Manfred_Hbg
1 Monat her

Tja, erst lassen sich die blöden Deutschen ihre Technik von China klauen und abkopieren und anschließend sorgen die blöden Deutschen dann auch noch für ihren eigenen (auch) wirtschaftlichen und technologischen Verfall und Absturz.
– – – –
DOCH dank immer mehr ins Land flutender „Fachkräfte“ aus den vor allem islamischen und afrikanischen Drittweltstaaten und den dadurch auch immer mehr werdenden Döner-Buden, Barber-Shops, Shisha-Bars und African-Shops, ist nun ja -Allah sei Dank- die Rettung für „Made in Germany“ und unseren Sozialstaat nah und „Schland“ wieder auf allen Ebenen Exportweltmeister.

H. Hoffmeister
1 Monat her

Dafür können wir ganz innovativ chinesische Windmühlen und Solarpanels auf Ackerflächen und im Wald aufstellen und den erzeugten Zufallsstrom per Garantieabnahme – egal zu welchem Zeitpunk geliefert, egal in welcher Menge – zum garantierten Preis – eine Kugel Eis pro kWh – am Weltmarkt platzieren. Das macht uns so schnell keiner nach !

Apfelmann
1 Monat her

Nun ja. Eigentlich können wir uns auf die Schultern klopfen. China ist ein Paradebeispiel das Entwicklungshilfe funktioniert. Was hat gerade Deutschland in den letzten Jahrzehnten an Entwicklungshilfe und Technologietransfer nach China gepumpt. Und es hat super funktioniert. China prosperiert – auch dank unserer Hilfe. Eigentlich müssten wir froh sein das China die Transformation zu einem guten Industrieland so erfolgreich geglückt ist. Ziel erreicht. Nun meckern aber auch wieder alle rum. Einigen wäre es lieber unsere zig Millarden Entwicklungshilfe wären sinnlos verpufft und China wäre noch immer das technologisch rückständige Entwicklungsland.

CasusKnaxus
1 Monat her
Antworten an  Apfelmann

So ein Quatsch. Wir sollten uns erstmal wieder auf uns konzentrieren, hier ist soviel im A…h, es gibt hier Regionen und Wirtschaftsbereiche, die wieder Entwicklungshilfe bräuchten

MartinKienzle
1 Monat her

Herr Heiden, ich bitte Sie: Chinas Produktpiraterie soll das Gütesiegel „Made in Germany“ gefährden, das gegenwärtig eine Talsohle durchschreiten mag, die allerdings (zeitnah) überwunden wird, das bedeutet, dass sich deutsche Produkte (international) weiterhin großer Beliebtheit erfreuen werden, da sich darin die deutschen Tugenden widerspiegeln, die keineswegs durch Chinesen nachzuahmen sind?

Lucius de Geer
1 Monat her
Antworten an  MartinKienzle

Mit derselben deutschen Arroganz hat man sich einst auch schon von den Japanern die Butter vom Brot nehmen lassen – Ergebnis ist bekannt.

WandererX
1 Monat her
Antworten an  MartinKienzle

Wunigstens ein intelligenter Mensch hier, Herr Kienzle. Der Anteil der Billigmaschinen steigt halt in der Welt. Und: KI ist nicht das Thema bei den Zahlen,