Subventionswirtschaft: Der Interventionsstaat spielt sich als Heiland auf

Bundesregierung und EU-Kommission zeigen sich von der anhaltenden Rezession unbeeindruckt. In freie Industriekapazitäten stößt der Staat mit Subventionsprojekten vor. Der Prozess des Umbaus der Wirtschaft in eine zentral geplante Kommandowirtschaft lässt sich anhand einzelner Beispiele gut nachvollziehen, etwa beim Umgang mit der Meyer-Werft.

picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Die Meyer-Werft in Papenburg zählt zu den industriepolitischen Landmarken der Bundesrepublik. Die 1795 gegründete Werft im Emsland erlebte Aufstieg und Wandel, überstand die Zeit Napoleons und beide Weltkriege und hielt stand, als der Schiffbau in Deutschland in die Krise geriet und zu großen Teilen nach Südostasien verschwand. Gegen die neue Konkurrenz behauptete sich der Standort mit Ingenieurskunst, flankiert von politischer Vernunft.

Die Ems wurde vertieft, um die gigantischen Kreuzfahrtschiffe – diese schwimmenden Städte – weiterhin am heimischen Standort produzieren zu können. Man bewies Pragmatismus, erhielt Arbeitsplätze und schuf Vertrauen bei Investoren. Das war das alte Deutschland.

Grüner Kommandostaat

Den ideologischen Schlägen des neuen Deutschland, das seinen klimasozialistischen Umbau zum alternativlosen Paradigma erhob, konnte die Traditionswerft im Jahr 2024 nicht mehr standhalten. Simultan zur Energiekrise, traten steigende Rohstoffkosten und eine teure regulatorische Verdichtung, die dem Betrieb im Zusammenspiel schwer zusetzten. Bund und Land zogen die Notbremse, stützten die Firma mit einer Kapitalspritze in Höhe von jeweils 200 Millionen Euro und sicherten gemeinsam mit einer Bürgschaft von 80 Prozent Kreditgarantien von 2,6 Milliarden Euro. Die Probleme wurden mit Kredit überdeckt, die Produktion am Standort war vorübergehend gesichert.

Blitzlichtgewitter und Applaus für den Landesfürsten, der Staat feierte sich als Retter. Leicht gerät dabei aus dem Blick, dass eben dieser aktivistische Staat der Quell der Krise ist: Regeln, Regulieren, Besteuern – die Energiewende tritt in die Phase der Sichtbarkeit ein, und die Politik weiß nicht recht, wie sie damit umgehen soll.

Das grüne Ziel fest im Blick, eine CO2-freie Ökonomie, die dem politischen Handeln einen Rahmen geben soll – nun kollabiert das halluzinierte Trugbild. Subventionen und Bürgschaften verbleiben als handlungsstrategischer Reflex. Der Transformationspfad soll im Gewand der sanften Umsteuerung und mit punktuell-strategischen Rettungsaktionen begleitet werden, damit der Niedergang nicht sichtbar wird.

In Sachsen-Anhalt dasselbe Spiel. Um den Kollaps des Chemiezentrums in Leuna zu verhindern, schritt die Landesregierung unter Federführung der CDU bei der insolventen Domo Chemicals Leuna mit einem Überbrückungskredit ein.

Auch bei den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden ist es die Landespolitik, die mit hohen Millionenbeträgen den Betrieb der defizitären Standorte am Leben hält. Die Beispiele staatlicher Intervention zur partiellen Erhaltung der wirtschaftlichen Kernsektoren und Infrastruktur häufen sich in diesen Wochen.

Der staatliche Zentralplaner begleitet diese Eingriffe mit einer kalkulierten Kommunikationsstrategie. Interventionen dienen nicht der Lösung struktureller Probleme, sondern der Verschleierung politischer Fehlentscheidungen – bezahlt mit dem schleichenden Verlust der Kaufkraft der Steuerzahler.

Standardprozedere Rettungseinsatz

Es wirkt wie die Ironie der Geschichte, wie ein zynischer Brandbeschleuniger des Verfalls: Je weiter die von der Politik angestoßene Krise fortschreitet, desto mehr Gelegenheiten bietet sie zum medienwirksamen Auftritt des politischen Heilands.

Der mit Steuergeld vorgetragene Rettungseinsatz der Politik ist längst in eine Strategie des permanenten Abwehrkampfes gegen die Krise übergegangen. Die Zahl der Interventionen ist Legion, ihre Kosten verteilen sich unüberschaubar über die Haushalte von Bund, Ländern und Kommunen. An der Oberfläche dieser Politik bleibt die Reminiszenz eines helfenden Staates zurück – Nachrichten von geretteten Arbeitsplätzen und hochtrabenden Plänen für die Zukunft. Gedanken über die Ursachen der Krise werden so systematisch zerstreut.

Der große Umbau der Ökonomie, betrieben unter dem Schlagwort des Green Deal, vollzieht sich derweil mit hoher Schlagzahl und in großem Volumen. Es fällt schwer, verlässliche Summen zu beziffern. Doch allein die deutsche Energiewende hat die Billionen-Euro-Grenze längst überschritten. Die Kosten dieses fatalen Irrglaubens – einen hochindustrialisierten Standort dauerhaft allein mit regenerativen Energien betreiben zu können – werden politisch ausgeblendet.

Ehrlichkeit verlangte, auch die Folgekosten einzupreisen: erzwungene Insolvenzen, Arbeitsplatzverluste, den Abfluss von Wissen, Kapital und industrieller Substanz. Diese Schäden werden unweigerlich eine gesellschaftliche Krise und soziale Instabilität nach sich ziehen, unabhängig davon, mit welchen Mitteln die Politik nun versucht, mit der Kriegswirtschaft eine zweite Säule künstlicher Wertschöpfung neben die gescheiterte Ökowirtschaft zu stellen.

Planwirtschaft ist die ökonomisch primitivste und kulturdynamisch fatalste Form der Organisation komplexer Ökonomien. Ihre Geschichte ist eine Geschichte des Scheiterns, der Armut und des Elends, der politischen Repression sowie innerer wie äußerer Konflikte. Sie führt zwangsläufig zu Bewirtschaftungssystemen, Knappheit und dem aggressiveren Ringen um den Zugang zu immer knapperen Ressourcen.

Systemischer Wandel

Hinter der nackten Ziffer der Staatsquote, die im Falle Deutschlands inzwischen die Marke von 50 Prozent gesprengt hat, verbirgt sich ein zivilisatorischer Bruch. Wir befinden uns in einem systemischen Strukturwandel: von der Sozialen Marktwirtschaft hin zur klimasozialistischen Planwirtschaft.

Staatliches Handeln, der wachsende und nach außen geöffnete Wohlfahrtsstaat, steigende Subventionen im Rahmen der Klimapolitik, zunehmende Interventionen in den direkten Marktprozess schaffen einen unüberschaubaren Umverteilungsapparat. Dessen Komplexität, seine unzähligen Fördermittelprogramme, Einzelsubventionen und Preisgarantien sind Ausdruck einer kaum kontrollierbaren Macht – wie ein sozialer Parasit absorbiert diese Maschine die ökonomische Energie des privaten Sektors und entwickelt Selbsterhaltungskräfte.

Forderungen des Bundeskanzlers nach einem Abbau der Bürokratie sind daher wohlfeil. Die Staatsbürokratie bildet einen Staat im Staate und ist zur Schaltzentrale der politischen Macht mutiert.

Der Bürger sieht sich mit einem administrativen Vorfeld der Politik konfrontiert, das der Regierung wahlweise als Auffangbecken der wachsenden Arbeitslosigkeit oder der Fortsetzung gescheiterter Karrierewege dient. Denken Sie an die ehemalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, die der überflüssigen und ineffizienten Bundesagentur für Arbeit mit einem Heer von 100.000 Mitarbeitern vorsteht.

Der so wachsende Hyperstaat weckt eine psychopolitische Fatalität. Menschen sehen in ihm die letzte Zuflucht angesichts der grassierenden Wirtschaftskrise. Und noch immer vertraut die überwiegende Mehrheit der Deutschen dem administrativen Monstrum zu, eine Wende der ökonomischen Katastrophe herbeiführen zu können.

Viele erkennen nicht oder wollen nicht wahrhaben, dass ihr persönliches Schicksal als Kollateralschaden auf dem Weg zum neuen Deutschland von der Politik billigend in Kauf genommen wird. Zur Not gibt es ja das Netz der Transfergesellschaften oder den Öffentlichen Dienst als sedierenden zweiten Arbeitsmarkt.

Wie kann es sein, dass der Blick auf die Gegebenheiten der Ökonomie verstellt scheint? Staatsaffine Medien wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk agieren synchronisiert und senden die Botschaft in den öffentlichen Äther: Sorgt euch nicht! Im Notfall halten wir die Wellenschläge der Rezession wie Wellenbrecher zurück.

Es entsteht eine hoch subventionierte Scheinwelt, finanziert mit steigenden Abgaben und immer höheren Staatsschulden. Die Garantie für den Aufwuchs übernimmt die Europäische Zentralbank für den Fall, dass Investoren das Vertrauen in den Standort oder in die Zukunft dieses Wirtschaftsmodells verlieren. Die Illusion der Machbarkeit legt sich im affirmativen Medienspiel wie ein Schleier vor den Verfall.

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Kommentare ( 23 )

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23 Comments
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Mausi
1 Monat her

Holzmann, DB – in AG umgewandelt, aber entgegen der Pläne nie an die Börse gebracht, Meyer-Werft. Wo hat der Staat jemals erfolgreich planwirtschaftlich gewirtschaftet?

Memphrite
1 Monat her

Planwirtschaft an sich ist genauso gut oder schlecht wie der „frei Markt“. China ist zur größten und innovativsten Wirtschaft durch eine kluge Planwirtschaft aufgestiegen. Die Sowjetunion ist in den 20er und 30er Jahren von einem Agrarstaat zur einer modernen Industrienation aufgestiegen (Sowjetmacht +Elektrifizierung) und konnte nur dadurch die erste Supermacht, Deutschland, besiegen. Japan und Korea haben das selbe mit ihren strat. Industrien gemacht. Wichtig sind primär zwei Punkte: 1. Das Ziel der Planung muss auf einer pragmatischen, wirtschaftlichen beruhen. Die CO2 neutrale Wirtschaft ist es eben nicht, sondern das genau Gegenteil. Ideologische Selbstzerstörung. 2. Wenn die Planung das Ziel erreicht… Mehr

Michael W.
1 Monat her

Nichts davon geschah versehentlich, die Folgen wurden nicht übersehen. Alles geschah mit voller Absicht und mit dem Wissen, was passieren wird. Alles war geplant, auch der Abfluss von Wissen und die Auslagerung der Industrie.
Immer wieder von „Versehen“ zu schreiben wirkt, als wären auch die „alternativen“ Medien Teil des Systems.
Die Links-Grünen möchten Deutschland in einen Agrarstaat verwandeln wie einst Pol Pot Kambodscha. Er schloss alle Schulen (Verdummung greift bei uns auch um sich!) und vertrieb die Städter aufs Land, um Reis zu kultivieren. Dort verhungerten daraufhin 25% der Bevölkerung.

Andreas Stueve
1 Monat her

So bitter wie es ist, die Realität ist immer rechts. Das mussten Honecker, Mittag und Krenz auch irgendwann feststellen. Argentinien versank als eins der reichsten Länder im sozialistischen Sumpf. Das Vereinigte Königreich mutierte unter dem Druck und der Erpressung durch kommunistische Gewerkschaften zum wirtschaftlichen Zwerg. Eines Tages wird der 9. November wiederkehren, an dem die Deutschen wieder einmal aus Not, Verzweiflung und Unterdrückung ein verrottetes System stürzen. Die Frage ist nur, wie viele Jahre die Leute noch leidensfähig sein werden.

H. Hoffmeister
1 Monat her

Der Beitrag von Herrn Kolbe trifft es. Deutschland/EU sind wirtschaftlich nach Jahrzehnten grünwokelinker Politik abgewirtschaftet. Ein durch und durch korrodiertes Wohlstandsfundament (Industrie/Infrastruktur/Bildung etc) bricht an immer mehr Stellen ein und die Verursacher legen teure, aber provisorische Spanplatten drüber, die allerdings nur kurze Zeit wirken, bis auch sie kaputt sind. Die Diagnose: palliativer Zustand nach chronischem Gebrauch von Politikmitteln aus der sozialistischen Mottenkiste, finanziert aus dem Fiat-Geldsystem eines Pseudokapitalismus (echter Kapitalismus verwendet werthaltiges Kapital).

Radisal
1 Monat her

Leider verstehen 80% der Menschen es nicht, oder profitieren davon.
Deshalb können die Mächtigen es machen.
Sehr guter Artikel.

ThomasP1965
1 Monat her

In einer Weltökonomie, in der Player wie China ein Modell verfolgen ihre Industrien und Unternehmen mit Subventionen zuerst zu Größe bringen, dann zu helfen die Konkurrenz auszuschalten, um ein Monopol zu erreichen, kann hier ernsthaft jemand meinen ohne „Gegensubventionen“ überleben zu können? Der freie Markt ist global betrachtet eine Fiktion. Denn kapitalistische Unternehmen drängen automatisch danach, Konkurrenz auszuschalten, um als Oligo- oder Monopolist später geradezu unanständige Gewinne machen zu können. Viele Merger dienen dazu. Die Magnificent 7 aus den USA sind voller Beispiele für dieses Verhalten (z.B. Facebook+Whatsapp…). Diese Form des Kapitalismus, der Größe belohnt ist auch alles andere als… Mehr

Deutsche
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Nur „dumm“ wenn man die echte Wirtschaft sabotiert und die idiologischen Produkte mit unseren Steuergeldern künstlich am Leben erhält.
Der Markt bereinigt sich normalerweise von nicht tragfähigen Ideen und Produktionen. Die Planwirtschaft der Besserwisser betoniert Fehlentwicklungen.

Milton Friedman
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Internet-Oligarch und JD Vances politischer Pate Peter Thiel hat es selbst in seinem Buch so formuliert: StartUps, strebt Monopole an! Wie man gerade im Gewerbe der Werften so ein naives Liberalala-Freie-Marktwirtschafts-Gedusel in die Welt setzen kann ist mir rätselhaft: Dass Werften in Deutschland in den 1970/80ern bereits durch koreanische Staatswerften vernichtet wurden, scheint der Autor genauso wenig mitbekommen zu haben, wie dass im Jahre 2026 China mit seinem Staatskapitalismus die gesamte Weltwirtschaft dominiert. Scheint ein klarer Fall von Milton Friedman’schen Wunschdenken: Frei nach dem Motto, wenn China seine Industrie subventioniert, profitieren wir am meisten davon. Dass dieses Wir sicher nicht… Mehr

Last edited 1 Monat her by Milton Friedman
BellaCiao
1 Monat her

„Bundesregierung und EU-Kommission zeigen sich von der anhaltenden Rezession unbeeindruckt.“

Wirtschaftliches Schrumpfen ist von der EU und der Bundesregierung gewollt – oder wird jedenfalls durch deren Politik hervorgerufen. Denn die Rezession ist gut für das „Klima in Deutschland“ (sic!).

Früher dachte man doch tatsächlich noch, das Klima bzw. die Erderwärmung sei ein globales Problem.

Aber inzwischen droht uns in Europa ja eine Eiszeit, wie mit Hilfe neuester »Klimamodelle« berechnet wurde:
https://youtu.be/67q-eHEHlnY

Also: frieren statt verglühen – oder irgendetwas dazwischen.

Last edited 1 Monat her by BellaCiao
humerd
1 Monat her

sorry, aber ich höre und lese dauernd das laute Geplärre der Verbände, Vertreter aus der Wirtschaft, des Mittelstandes nach „Förderungen“ also Subventionen. Wer Subventionen abkassiert soll sich bitte nicht über Bürokratismus beklagen