Große Hotelkette meldet Insolvenz an

Ein „Beben in der deutschen Hospitality-Wirtschaft“ nennen es Branchen-Fachmedien. Die Berliner Revo Group betreibt europaweit 260 Hotels, allein bei uns 125 Häuser mit 5.500 Mitarbeitern. Jetzt ist kein Geld mehr da.

IMAGO / Rüdiger Wölk

Eine knappe Meldung für viele Schicksale: „Die Revo-Hospitality-Gruppe, einer der größten Hotelbetreiber Europas und Franchisenehmer von Marken wie Pullman oder Hyatt, hat für rund 140 seiner Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Charlottenburg eingereicht.“

Die Firma ist Europas größter „White-Label-Betreiber“: So nennt man ein Unternehmen, das Hotels unter dem Namen bekannter Ketten bewirtschaftet. Revo führt Häuser unter anderem für Accor, Hilton, Hyatt, Marriott, Mövenpick und Radisson sowie für verschiedene andere Marken.

In der Fachwelt gingen die ersten Augenbrauen hoch, als Revo das Hotel Mövenpick in Berlin-Kreuzberg und das Hotel Vienna House in Potsdam zumachte. Da war zu ahnen, dass etwas nicht stimmte.

Unternehmer Ruslan Husry gründete den Konzern im Jahr 2008 mit nur einem einzigen Hotel in Leipzig. Auf der Firmen-Website lässt er sich als „visionären Eigentümer“ bejubeln. Von Beginn an setzte er auf geradezu brutale Expansion. Allein seit 2020 ist die Zahl der zur Gruppe gehörenden Hotels von damals 51 auf inzwischen etwa 260 gestiegen. Zuletzt übernahm Husry am 1. April 2025 weitere 70 Häuser der Marken „H-Hotels“ und „H World International“.

Das war offensichtlich der Brocken, an dem er sich verschluckt hat.

„Die Akquisition der neuen Hotels war mit erheblichen Kosten verbunden“, teilt das Unternehmen mit. „Andererseits stiegen die Übernachtungszahlen nicht wie erwartet, und auch der geplante Umsatz für 2025 wurde nicht erreicht.“ Die vom Gericht beauftragten Insolvenzverwalter erklären, die schnelle Expansion habe zu „Doppelstrukturen und Integrationsproblemen“ geführt. Übersetzt: Das Management war überfordert.

Neben der Selbstüberschätzung spielen aber auch deutschlandtypische Probleme eine wichtige Rolle. Die Insolvenzverwalter weisen ausdrücklich darauf hin, dass die starke Anhebung der Mindestlöhne sowie erhöhte Kosten für Mieten, Energie und Lebensmittel das Geschäft enorm belastet haben.

Die Revo Group hat ihre Aktivitäten in etwa 140 Einzelgesellschaften aufgesplittet. Für die meisten wurde eine Sanierung in Eigenverwaltung beantragt. Falls man Investoren findet, sollen die Geschäfte langfristig weitergeführt werden. Jedenfalls ist das der Plan.

Die Hotels bleiben einstweilen geöffnet, der Betrieb geht weiter. Die betroffenen Mitarbeiter sollen erst einmal bis März 2026 weiter Geld bekommen: Bis dahin hat die Interims-Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit eine Vorfinanzierung der Gehaltszahlungen beantragt.

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Kommentare ( 13 )

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Wolf
1 Stunde her

Die haben halt Zimmer an Touristen und Reisende vermietet. Hätten auf Flüchtlinge, ähm, Schutzsuchende setzen sollen. Aber jetzt kann man die Gebäude enzsp nutzen – win-win. Sozusagen

Raul Gutmann
1 Stunde her

So bedauerlich diese Nachricht aus der Wirtschaft sein mag, so erwartbar ist sie.
Leider hat die bewußte Deindustrialisierung als konkreter Ausdruck politischen Selbsthasses noch nicht die Wahlkabinen erreicht.
1989 hieß es mit Galgenhumor zutreffend „Die Zone ist im A..ch“.
Welche Charakterisierung verdient der DDR-Nachfolgestaat im Jahr 2026?

hho
1 Stunde her

Kein Problem, die Kommunen brauchen doch Hotelplätze für die Geflüchteten: 15-Jahres-Vertrag, und anschließend bekommt man die Häuser noch auf Kosten des Steuerzahlers saniert.

Michael Palusch
1 Stunde her
Antworten an  hho

Könnte hier klappen und wahrscheinlich ist das mit Insolvenz in Eigenverantwortung gemeint.
Denn mir fällt außerhalb ähnlicher Fälle gerade kein Beispiel ein, bei dem dieses Insolvenzmodell zur nachaltigen Gesundung eines Unternehmens geführt hätte.

Last edited 1 Stunde her by Michael Palusch
Michael Palusch
1 Stunde her

Revo führt Häuser unter anderem für Accor, Hilton, Hyatt, Marriott, Mövenpick und Radisson sowie für verschiedene andere Marken.

Das ist in etwa so, wie wenn man einen teuren Mercedes kaufte um dann unter der Haube Renault-Technik vorzufinden oder traditionsbewußt auf VW zu setzen, aber dann einen Ford fährt.

Last edited 1 Stunde her by Michael Palusch
roffmann
2 Stunden her

Von einem Hotel zum Hotel-Imperium , da muss sich tot und dämlich verdient worden sein ? Aber wieso haben die anderen alle verkauft ?

Dr. Meersteiner
2 Stunden her

Die mächtige und finanzstarke Asylindustrie investiert hier bestimmt gerne.

Gernoht
2 Stunden her

Das gibt wieder erstklassige Unterbringungsmöglichkeiten für Neuhinzukommende.

Haeretiker
2 Stunden her

Ruslan Husry wollte noch am 1. April (sic!) 2025 „die Hospitality-Branche nicht nur neu definieren, sondern neu erfinden“. ( https://www.hotelbau.de/aktuelles/ruslan-husry-launcht-die-revo-hospitality-group/ )
Der Mann kam 2004 nach Deutschland. Keiner weiß woher, keiner kennt sein genaues Geburtsdatum, keiner weiß welche Bildungs- und Berufserfahrungen er hat, aber er besitzt (Stand 30.11.25) 8 Mio$.
Das sind Fachkräfte wie sie die brd braucht.

Last edited 2 Stunden her by Haeretiker
Klaus D
2 Stunden her

Mindestlöhne sowie erhöhte Kosten für Mieten, Energie und Lebensmittel das Geschäft enorm belastet haben…hier wäre interessant wie hoch jedes für sich genommen „enorm“ belastet hat. Der mindestlohn kanns nicht sein da es im hotelgewerbe gar nicht so viele gibt die so wenig verdienen. Die meisten bekommen mehr da sie eine ausbildung haben wie zb hotelfachangestellter, koch, manager. Am meisten wird das versagen der manager gekostete haben, dann kommen die mieten. Strom dürfte auch nicht so viel sein da ein hotel ganz sicher kein energieintensiver betrieb ist. Und lebenmittel auch nicht da die kunden das meistens extra zahlen müssen (dazu buchen). Da… Mehr

Teiresias
2 Stunden her

Wer braucht auch Hotels in einem Land, aus dem die Leute wegwollen?