Arbeitsverweigerung in Deutschland – neue Umfrage zeigt die Wut der Job-Vermittler

Bundesweit wurden 3.000 Jobcenter-Mitarbeiter – also Arbeitsplatz-Vermittler – befragt, wie sie die Quoten der Jobvermittlung deutlich verbessern könnten und wie sie gegen die Totalverweigerer im System vorgehen möchten.

picture alliance / dpa | Axel Heimken

Die Ergebnisse der Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind ziemlich eindeutig: Die Jobcenter-Mitarbeiter würden viel strenger mit jenen Arbeitslosen umgehen, die alle geltenden Regeln und Vorgaben missachten.

Zwei Drittel der Jobcenter-Beschäftigten wünschen sich höhere Kürzungsmöglichkeiten der Arbeitslosen-Bezüge, vor allem damit Bürgergeld-Berechtigte ins Jobcenter kommen: 57 Prozent der befragten Mitarbeiter sind dafür, unwilligen Sozialgeld-Empfängern die Unterstützungszahlungen zu kürzen – und zwar deutlich stärker als die bisher möglichen 30 Prozent.

Deutlich geringer mit 50 Prozent ist der Anteil derjenigen, die sich von 100-Prozent-Kürzungen bessere Arbeitsmarktchancen für Bürgergeld-Berechtigte erhoffen.

Mehr Kürzungen von Sozialgeld-Bezügen als Sanktionen erwünscht

Die Mehrheit der Jobcenter-Beschäftigten befürwortet die geltenden maximalen Kürzungshöhen bei Leistungsminderungen, wie sie laut derzeitiger Gesetzeslage möglich sind: 23 Prozent der befragten Jobcenter-Beschäftigten gaben an, sich maximal 100 Prozent Kürzungen des Regelbedarfs bei Weiterzahlung der Miete zu wünschen. Weitere 33 Prozent befürworten Kürzungen von maximal 10 bis 30 Prozent.

Höhere maximale Kürzungen als derzeit gesetzlich vorgesehen wünschen sich rund 10 Prozent der Jobcenter-Beschäftigten. Dies entspricht einer Ausweitung der 100-Prozent-Kürzung auf die Wohnkosten. Ebenfalls 10 Prozent der Befragten sprechen sich hingegen für geringere maximale Kürzungen als gesetzlich vorgesehen aus. Einen vollständigen Verzicht auf Leistungsminderungen präferieren 5 Prozent der Jobcenter-Beschäftigten.

Teuer und ineffektiv
Das Monster „Bundesagentur für Arbeit“: Immer weniger Vermittlungen in echte Jobs
Über zwei Drittel der befragten Jobcenter-Beschäftigten halten die Anforderungen für eine 100-Prozent-Kürzung des Regelbedarfs für mehr oder weniger „realitätsfern“. Fast 30 Prozent der Jobcenter-Beschäftigten stimmen zudem eher oder voll der Aussage zu, die 100-Prozent-Kürzung erschwere eine vertrauensvolle Beratungsbeziehung. „Angst und mangelndes Vertrauen können eine erfolgreiche Beratung und Arbeitsvermittlung erheblich erschweren – und damit einen wesentlichen gesetzlichen Auftrag der Jobcenter“, erklärt IAB-Forscherin Sarah Bernhard.

Mehr Druck, eine Arbeit aufzunehmen, sollte dem Gesetzgeber zufolge auch den Bundeshaushalt entlasten. 42 Prozent der Jobcenter-Beschäftigten antworten hier im Mittel mit „teils teils“ auf die Aussage, dass Einsparungen durch 100-Prozent-Kürzungen Kosten an anderen Stellen verursachen. So entstehen zum Beispiel Kosten, weil Widersprüche und Klagen zu mehr Verwaltungsaufwand führen. Bei den Geschäftsführungen gibt es sogar noch deutlich größere Zweifel am Einsparpotenzial: hier stimmen 60 Prozent der Aussage zu.

„Die Jobcenter stehen vor der Herausforderung, in ihren Beratungsgesprächen Sanktionierungsmöglichkeiten als glaubhaften Druck mitschwingen zu lassen und gleichzeitig eine gute Beratungsdienstleistung zu erbringen. Politik und Verwaltung können dies durch die transparente und einfache Regelung von Leistungsminderungen und einen schlanken Umsetzungsprozess unterstützen“, so Bernhard.

Die Studie beruht auf Daten aus der Befragung OnJob, in der das IAB jeweils Anfang 2024 und 2025 mehr als 3.000 Jobcenter-Beschäftigte unter anderem dazu befragt hat, wie hoch Leistungsminderungen aus ihrer Sicht ausfallen sollten, welche Hoffnungen sie mit einer Kürzung des Regelsatzes von 100 Prozent verbinden und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Die Studie ist hier abrufbar.

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Kommentare ( 16 )

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Ich bin RECHTS
4 Monate her

Wie man Bürgergeld seinen drei Kindern einfach erklärt:

1. Franz putzt die Wohnung und bekommt dafür 20 Euro.

2. Von den 20 Euro werden Franz 15 Euro wieder abgezogen (Steuern unf Abgaben)

3. Die beiden Brüder die nichts getan haben bekommen jeweils 5€ (Bürgergeld)

Ich bin RECHTS
4 Monate her

Niemand muss in Deutschland arbeiten und Steuern zahlen.
Wer verweigert bekommt Bürgergeld.

Wer aber arbeitet, muss Steuern zahlen. Und wenn er schon versteuertes Geld nicht noch einmal versteuert (Uli Hoeness) kommt in den Knast.

Fazit:
Wer gar keine Steuern zahlt wird belohnt.
Megasteuerzahler, die nach Ansicht des Staates immer noch zu wenig Steuern zahlen, werden eingesperrt.

LiKoDe
4 Monate her

Das IAB weiss vor allem nun, welche Einstellungen bei Job-Center-Mitarbeitern vorhanden sind. Eigentlich hätten die sich an Gesetze und Ausführungsbestimmungen zu richten, was nicht wenige wohl nicht schert.

Job-Center-Mitarbeiter sollen die dort gemeldeten erwerbsfähigen Arbeitslosen ohne Anspruch auf andere Unterstützung [Bürgergeldbezieher] schnellstmöglich in irgendwelche ‚Jobs‘ verramschen.

Denn für qualifizierte Arbeitsvermittlung oder gar Beratung sind sie in der Regel gar nicht ausgebildet und/oder erfahren. So nimmt es nicht wunder, dass sie gerne (einheimischen deutschen) Bürgergeldbeziehern mehr drohen und sie bestrafen möchten.

H.D.
4 Monate her

Viele unserer türkischen Mitbürger vermieten Wohnungen und Häuser in der Türkei, fahren 6 Wochen in den Sommerferien dorthin zum urlauben, beziehen hier Bürgergeld und die Kinder erhalten Geld für soziale Teilhabe oder Schulausflüge, die die Eltern angeblich nicht bezahlen können. Geprüft wird hier gar nichts.

rainer erich
4 Monate her

Mit mehr “ Reden“ und mehr Liebe , man liest davon aktuell erstaunlich viel, sollte das Problem zu lösen sein. Dann werden die Alimentierten sicher ganz wild darauf, einen Job zu bekommen. Ich kann den Frust der Vermittler gut nachvollziehen. Es ist der Frust derer an der “ Front“, die im direkten Kontakt und mit den realen Erfahrungen. Seltsam, dass die regelmässig völlig anders sind, das gilt nicht nur fuer die Arbeitsvermittler, als die Theorien der sehr gerne von „Liebe und Reden“ traeumenden Michel. Ganz ohne drastische, konsequente Massnahmen/ Sanktionen scheint es nicht zu funktionieren. Nur wer erklärt es den… Mehr

Guzzi_Cali_2
4 Monate her

Ich wäre dafür, diese sogenannte „Agentur für Arbeit“ komplett abzuschaffen. Irgendwo stand mal, wieviel Menschen die „Agenten“ tatsählich in Arbeit bringen – verschwindend. Die AfA kostet mehr, als sie bringt. Auf einmaql wären die „Agenten“ selber arbeitssuchend. Wer nicht über die reichhaltigen Job-Portale oder Inserate oder Blindbewerbungen in Lohn und Brot kommt, soll bitte gleich Sozialhilfe beantragen. Aber auch da wird es in Zukunft ganz eng. Das Regime hat es geschafft, Deutschland zu zerstören und solange es noch eine soziale Hängematte gibt, begreifen das die Leute nicht. Das Erwachen wird derb sein – und dann heißt es „ranklotzen“ – und… Mehr

humerd
4 Monate her

„Die Jobcenter-Mitarbeiter würden viel strenger mit jenen Arbeitslosen umgehen, die alle geltenden Regeln und Vorgaben missachten.“ sofern diese Arbeitslose gebürtige Deutsche sind und nicht Zweitpass Deutsche oder Migranten. Sorry, im Bekanntenkreis erlebt: eine Ü60erin mit  Approbation zur Apothekerin ohne eigene Apotheke, wurde arbeitslos nachdem der ältere Apotheker seinen Laden geschlossen hatte. Sie sollte zunächst im nahen Briefverteilzentrum Briefe sortieren , dann als Erntehelferin bei der Gurkenernte jobben. Ihr wurde angedroht das Arbeitslosengeld I, also noch nicht einmal Brügergeld, zu streichen, wenn sie ablehnt. Ehemalige Kollegin, auch Ü60 verlor in der Reorganisation ihren Job. Sie wurde in einem „Qualifizierungskurs modernes, digitales… Mehr

Last edited 4 Monate her by humerd
Kraichgau
4 Monate her

Schon mal journalistisch das Perpetuum mobile eruiert,das die Jobcenter mit den „Weiterbildungen“ in den von Gewerkschaften und staatlich betriebenen Fortbildungsstätten vollziehen?
Denn der einzige Zweck dieser „Weiterbildungsstätten“ ist die Auslagerung formal arbeitsloser Menschen in einer andere Statistik,da JEDER,auch die Jobcenter, genau wissen,das die maximal 2 jährigen Fortbildungen weder dem Bedarf noch den Qualifikationsanforderungen der Firmen entsprechen.
Dieser teure Wasserkopf wird auch durch Steuermittel am Leben erhalten und produziert nichts als Frustration und nach Abschluss wiederum Arbeitslosigkeit

ChrK
4 Monate her

Die Jobcenter-Mitarbeiter würden viel strenger mit jenen Arbeitslosen umgehen, die alle geltenden Regeln und Vorgaben missachten.

…nur für Detlef und Manfred, vielleicht noch Pawel und Antonio, oder auch für Ali und seine 40 Cousins? Frage für einen Freund ohne Bademantel…

Kassandra
4 Monate her

Ich hätte mal gerne eine Blick ins Amt dieser Arbeitsplatz-Vermittler und wüsste gerne, wie viele davon noch Hiesige sind. Und dann, wie die Kunden dort eingeordnet werden müssen – und zwar nicht nur hinsichtlich IQ und hier gebräuchlichen Kompetenzen – sondern auch wegen sozialisierten hier bislang üblichen Fähigkeiten, ohne die eine „Vermittlung“ gar nicht stattfinden kann. In den USA werden die wieder nach Hause geschickt. . Zudem: man gab mal wieder viel Steuergeld für Nonsens aus, da die richtigen Fragen gar nicht gestellt werden dürfen. Kann man erforschen, was das kostete und wen das wie lange beschäftigten half? Sieht ziemlich… Mehr