Industrie-Sterben: Thyssen-Krupp schliesst Grob-Blechwerk in Duisburg

Das Aus für das 1963 gegründete Werk des Thyssen-Krupp-Konzerns in Duisburg ist für die Region ein Tiefschlag. Die IG-Metall fordert nun die Verstaatlichung. Doch der Staat ist auch ein Grund für den Niedergang.

picture alliance/dpa | Fabian Strauch

Weiteres Aus eines Betriebes aus der Metallindustrie in Nordrhein-Westfalen: Am 30. September 2021 soll Schluss sein mit der Produktion von Grobblechen bei Thyssen-Stahl in Duisburg-Hüttenheim. Das 1963 gegründete Werk, das Stahlbleche für Bauindustrie, Schiffbau und Pipelines produziert und 1970 vom Thyssen-Konzern gekauft wurde, wird stillgelegt. 800 Mitarbeiter sind betroffen, 90 Prozent von ihnen sollen in anderen Thyssen-Standorten untergebracht, der Rest über Altersteilzeitregelungen abgefunden werden.

Der Vorstand von Thyssen-Krupp beginnt jetzt mit den Planungen, um das Werk stillzulegen. Es bewege sich seit langem in einem äusserst schwierigen Marktumfeld, heisst es, und schreibe seit Jahren rote Zahlen.

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SPD und IG Metall (»Schwarzer Tag für den Stahlstandort NRW und die Beschäftigten«) zeigen sich »entsetzt« über die drohende Schliessung. Doch Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW ( Motto: »Gesundheit sichern! Beschäftigung und gute Arbeit sichern! Einkommen sichern! Familien sichern! Zukunft sichern!«) mein Rat zu wissen: »Die aktuelle Situation zeigt, wie dringend notwendig eine Staatsbeteiligung für den Stahlbereich von Thyssen-Krupp ist

Auch die Oberbürgermeister von Bochum, Essen, Duisburg und Dortmund forderten im Herbst Staatshilfen. Doch die, so Thyssen-Finanzvorstand Klaus Keysberg in einem Interview mit der Rheinischen Post, seien kein geeignetes Mittel, den Stahlbereich zu unterstützen. Darauf habe man sich »nach intensiver Prüfung mit der Bundes- und Landesregierung« verständigt. Die Kosten sollten vielmehr gesenkt werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund wirft Thyssen-Stahl schwere Managementfehler vor. In Duisburg werde Stahl unter ökologisch besseren Bedingungen als woanders produziert. Der DGB vergisst allerdings, die deutlich höheren Kosten dazu zu nennen, die die Produktion ausserhalb jeder Konkurrenzfähigkeit stellen.

Damit geht die Zerstörung des traditionsreichen Stahlherstellers weiter. Im Frühjahr noch hat die Konzernspitze versucht, einen Käufer für das Grobblech-Werk zu finden. Doch dieser Versuch scheiterte, als die Saarstahl AG absprang. Die WAZ berichtet aus einem Schreiben des Stahlvorstandes an die Mitarbeiter: »In den letzten Monaten konnte trotz intensiver Suche kein Käufer gefunden werden, der den Geschäftsbereich fortführen würde.«

Thyssen-Stahl wird bereits seit Jahren in einer Zangenbewegung zerrieben. Die Produktion werde zunehmend nach Indien und China verlagert, berichten Fachleute, dort wachse auch der Bedarf. Gleichzeitig verteuere die Bundesregierung die Kosten für Energie in einem solch exorbitanten Ausmass, dass sich kaum ein Werk mehr lohne. Es gebe zwar Ausnahmen des Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), die aber reichten bei weitem nicht aus, damit sich der Betrieb lohnt. Zusätzlich steigen die Kosten der vielen Auflagen, mit denen die schwarz-grüne Bundesregierung die Unternehmen drangsaliert. Letztlich wirke die Coronakrise wie ein Brandbeschleuniger; die Nachfrage nach den Produkten aufgrund sei dramatisch eingebrochen.

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Kommentare ( 92 )

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U.M.
28 Tage her

Die Industrie wandert ab und Yücel wird Recht behalten, dass Deutschland in ein Rübenacker umgewandelt wird. Und unsere Politiker spielen kräftig mit!

Einwerfer
28 Tage her

Was seltsamerweise bei dem ganzen Sterben von Branchen praktisch nie thematisiert wird, ist die Tatsache, dass mit der produzierenden Industrie auch die daran hängenden Zulieferer insbesondere des Maschinenbaus unter die Räder kommen. Mit dem Verschwinden der Unterhaltungselektronik und deren Bauteileindustrie nach Asien konnte sich kein dazu nötiger moderner Maschinenbau in Deutschland etablieren, mit dem Verschwinden der Textilindustrie verschwand der Textilmaschinenbau zu großen Teilen und mit dem Schließen der Kohlegruben wird dies auch den dazu gehörenden Herstellern blühen. Und nun ist die Stahlindustrie dran. Was noch problematischer ist: Auch der Nachwuchs an Ingenieuren verschwindet und die Lehrstühle werden nicht mehr besetzt.… Mehr

armin wacker
26 Tage her
Antworten an  Einwerfer

Sie haben so Recht. Hoffentlich merken Mal die Arbeiter, dass die sozialistische IG Metall ihre Arbeitsplätze zerstört.

Mocha
26 Tage her
Antworten an  Einwerfer

Ich stimme Ihnen zu. Erschreckend finde ich nur die Dummheit der Bürger. Die wählen genau die Politiker, die das alles verursachen. Die Arbeitnehmer schimpfen gemeinsam mit der Gewerkschaft auf die Arbeitgeber und merken nicht mal, dass die Politik schuld ist. Wenn einem bei Steuerklasse I die Hälfte vom Einkommen abgenommen wird, muss der Arbeitgeber eben mehr bezahlen. Keiner in ganz Deutschland stellt die Frage, warum der Staat so viel abzwackt und was er damit anstellt. Es gibt keine Mittelverwendungskontrolle. Statt dessen bedanken sich alle, für eine Entlastung von 50 Cent bei der Steuer.

Johann Thiel
29 Tage her

In der Ofendecke von Stoßofen-1 müsste eigentlich noch ein altes PtRh-Pt-Element von mir stecken, wegen der Schieflage damals und im Reglerraum hinter der Warte muss noch irgendwo ein alter 144er Siemens-Schreiber und ein Quecksilber-U-Rohr von mir rumliegen. Die brauchen die Klamotten doch jetzt nicht mehr. Ich werd‘ die mal anrufen. Da könnt‘ ich dann nen prima Blutdruckmesser und ein Coronathermometer für die Angela draus bauen. Und da der Drosten sowieso ständig bei der rumhängt, kann der dann ja auch einmal in der Woche die Schreiberrolle wechseln. Muss er natürlich anständig machen, ordentlich in die Transportwalze einlegen und nicht die Auffangrolle… Mehr

bfwied
29 Tage her

Wieder ein schöner Stein aus dem Wohlstands-Industriestaat herausgebrochen! Das Land ist nicht einfach auf dem Weg ins Desaster des Elends einer Agrargesellschaft, sondern es rast dorthin. Und den Gewerkschaflern fällt nichts Sinnvolleres ein als nach der sozialistischen Verstaatlichung zur rufen! Ging nicht erst vor 30 Jahren der glorreiche Sozialismus den Bach runter? Oh nein, das war ja lt. Esken gar kein Sozialismus, aber sie weiß, was der ist und wie man ihn zur allumfassenden Volksbeglückung erschafft, Nordkorea und Venezuela zum Trotz! Ökologie ist das große Mode-Zauberwort, nur leider verstehen nur wenige ein wenig von ökologischen Zusammenhängen, die sind allerdings auch… Mehr

chez Fonfon
29 Tage her

Das Management von ThyssenKrupp hat selbst den größten Anteil an der Misere. Es gab massive Fehlinvestitionen, dazu hat man sich die völlig falschen Führungskräfte geholt – zu Teil aus völlig anderen Branchen, die keine Ahnung vom Schwerindustrie-Geschäft hatten. Die 17 Millionen von der Aufzugssparte sind zum Teil bereits verfrühstückt und verrentet. Und Boni hat man sich in der Führungsetage peinlicherweise auch noch genehmigt. Es wird am Ende nicht genug übrig bleiben, um den Laden zu retten. Altmeier macht vergiftete Angebote und quatscht von Staatshilfen, wenn ThyssenKrupp „grünen Stahl“ herstellt, also 1 Kilo Stahl am Ende so viel kostet wie ein… Mehr

Frank G.aus D.
30 Tage her

Ich habe vor 27 Jahren bei Thyssen gekündigt. Mein Vater , mein Großvater und mein Urgroßvater waren bei Thyssen. Ich kann nur sagen ,ich habe keinen Tag deswegen getrauert. Zu der Zeit meines Austritts waren schon die ersten Zersetzungserscheinungen festzustellen . Gewerkschaftler die mehr dem Arbeitgeber wie dem Arbeitnehmer verpflichtet sind. Mitarbeiter wurden mit Prämien für Verbesserungsvorschläge geködert ,die dann aus fingierten Gründen nicht gezahlt wurden. Im Vorstand waren auch mehr Phantasten und Selbstdarsteller wie wirkliche Fachleute. Die Betriebe wurden „gesundgeschrumpft“ und dann geschlossen. Das heutige Thyssen/Krupp will doch nur noch Ingeniering in weißem Hemd und Krawatte machen. Für so… Mehr

RA.Dobke
30 Tage her

Also – mal ganz langsam bitte! Ich habe noch Ende der 80ziger Rheinhausen erlebt und da hatte die Politik erfreulicherweise echt „Schiss“, dass die 30000 die Solidarität des Ruhrgebiets gewinnen. 4-5 Millionen Bürger. Also Pobacken zusammnegekniffen die buchalterischen Sauerreien unterlassen und ZACK wurden wieder schwarze Zahlen geschrieben. Peinlich finde ich das Verhaltenunserer Regierung und der Montanwirtschaft! Da liegt der Hund begraben!!! Das Kapital nimmt im Rahnmen der Großen Freiheit die Technologie und das Geld, schert sich einen Dreck um ihre gesellschaftliche Mitverantwortung und macht mehr und bessere Gewinne in anderen Staaten und Gesellschaften. Nein so geht Globalisierung eben nicht!

beccon
30 Tage her

Wenn es ein Symbol für staatliche Mißwirtschaft mit endlosen Verlusten, auf Halde produzierten Waren, Anlagen, die nur Rauch ausstoßen uns sonst nichts, Management und Gewerkschaft Hand in Hand – nur heiße Luft produzierend gibt – dann ist das eine verstaatlichte Stahlindustrie.

  • England
  • Frankreich
  • Indien
  • Sowjetunion und Nachfolgestaaten
  • diverse Länder in Afrika

noch was vergessen…

fatherted
30 Tage her

Merke….die Arbeitsplätze sind nicht weg….sie sind nur woanders!

AHamburg
30 Tage her

Und diese Gewerkschaften marschieren doch regelmäßig mit Greta und Luisa für den Klimawahn.

bfwied
29 Tage her
Antworten an  AHamburg

Gewerkschaften hatten eine Sinn, und heute hätten sie einen Sinn! Nur leider bräuchte man dazu auch Verstand, doch der ist denen im Laufe des Galopps nach links verloren gegangen – der hatte keine Lust, sich mit Idiotien gemeinzumachen.