Aus vom Verbrenner-Aus – wirklich?

Merz feiert die Lockerung des Verbrenner-Aus als Erfolg. Doch auf jeden verkauften Verbrenner müssten rechnerisch neun Elektroautos kommen. Die EU hält am Elektrodiktat fest. Eine Rettung der Autoindustrie sieht anders aus.

picture alliance/dpa | Oliver Berg

Als Durchbruch zum Aus vom Verbrenner-Aus wird gefeiert, was Frankreichs Präsident Macron und Kanzler Merz gestern in Brüssel verabredet haben sollen. Der Ausstoß von Neuwagen soll bis 2035 nicht mehr um 100 Prozent sinken, sondern nur noch um 90 Prozent, verglichen mit 2021.

Die Zahl ist nicht neu. Im Dezember 2025 schlug die EU-Kommission 90 Prozent vor. Neu wäre jetzt, dass die verbleibenden Emissionen nicht mehr durch Gutschriften für CO2-armen Stahl oder erneuerbare Kraftstoffe ausgeglichen werden müssten. Im Gegenzug will Berlin strengere europäische Herkunftsvorgaben für Kaufprämien und öffentliche Aufträge akzeptieren, also eine Abschottung des europäischen Marktes, wie sie Frankreich als Schutz vor China will.

Doch eine solche Regelung birgt neue Risiken für Exporteure: So alarmiert der geplante Handel zwischen Friedrich Merz und Emmanuel Macron zwei Industrieverbände. ZVEI-Präsident Daniel Hager und VDMA-Präsident Bertram Kawlath warnen den Kanzler in einem gemeinsamen Brief vor strengen „Made in Europe“-Vorgaben als Preis für lockerere CO2-Grenzen. Die Branchen stehen immerhin zusammen für rund 2,2 Millionen Beschäftigte. Die Verbände fürchten höhere Beschaffungskosten, teure Doppelstrukturen und Gegenmaßnahmen wichtiger Handelspartner. China hat bereits Gegenmaßnahmen angedroht.

Doch es ist kein wirkliches Aus vom Verbrenner-Aus. Das 90-Prozent-Flottenziel lässt im Pkw-Flottendurchschnitt rechnerisch nur rund elf Gramm CO2 je Kilometer übrig. Das bedeutet in einer vereinfachten Rechnung: Bei 1.000 Neuwagen könnten 100 Verbrenner mit jeweils 110 Gramm durch 900 Autos mit null Gramm am Auspuff ausgeglichen werden. Dann müssten auf ein Verbrennerfahrzeug mit 110 Gramm neun Autos mit null Gramm am Auspuff kommen, also ein Verbrennerauto und neun Elektroautos.

Noch nichts ist darüber entschieden, ob sogenannte Plug-in-Hybride in die Rechnungen einbezogen werden dürfen oder nicht. Mit entsprechend niedrigen Prüfwerten könnten möglicherweise mehr Plug-in-Hybride verkauft werden. Auch verpflichtende Elektrifizierungsziele für Firmenflotten sollen zumindest laut FAZ unverbindlich werden.

Das bedeutet weiterhin: Autohersteller müssen für einen verkauften Benziner oder Diesel neun Elektrofahrzeuge verkaufen, damit Deutschland weiterhin die Welt retten kann.

EU-Parlament und Mitgliedstaaten müssen Änderungen erst beschließen. Merz könnte also einen kleinen Restspielraum für Verbrenner mit neuen Handelsrisiken für andere Branchen bezahlen. Eine Rettung der Autoindustrie sieht anders aus.

Das Verbrenner-Aus wird also nicht grundsätzlich zurückgenommen. Ein eng begrenzter Restmarkt ist noch keine Zukunft für eine ganze Industrie. Entscheidend ist nicht, ob irgendwo noch ein Benziner zugelassen werden darf, sondern ob Hersteller und Zulieferer weiterhin bezahlbare Fahrzeuge in wirtschaftlichen Stückzahlen produzieren können. Noch überhaupt nicht angesprochen wird dabei die komplette Infrastruktur von der Kraftstoffproduktion und -verteilung bis hin zur Frage: Ist eigentlich genügend Strom für alle da?

Die bisherige ideologische Grundrichtung „Weg vom Verbrenner“ stellt selbst die EU-Kommission nicht infrage: Sie erklärt ausdrücklich, dass auch die geringe Lockerung ein klares Marktsignal zur Elektrifizierung erhalten soll. Das ist keine gleichberechtigte Zukunft aller Antriebe, unter denen die Kunden dann frei entscheiden können.

Noch nicht.

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Kommentare ( 1 )

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Talleyrand
32 Minuten her

Wie wäre es, wenn die Elois mal ausnahmsweise von uns Morlocks etwas fundamentales lernen würden. Nämlich, dass CO2 nichts, aber auch gar nichts menschenfeindliches ist und es auch noch nie war und auch nie sein wird. Es ist nur ein Eloi-Popanz, um uns Morlocks weiterhin unten zu halten. Wer es wissen möchte, kann sich mal den alten Schmöker von H.G.Wells besorgen.