Wie private Geldverleiher die Regierungen umgarnten, um fortan als Zentralbanker das Geld der Nationen zu kontrollieren. Von BB Wertmetall
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Während der Wirren der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen, die im 17. Jahrhundert überall in Westeuropa zwischen katholisch, protestantisch und in England anglikanisch geprägten Regenten und Bevölkerungsgruppen herrschten, ergaben sich immer wieder Möglichkeiten für ambitionierte Geldverleiher, ihren Einfluss entscheidend auszuweiten. Zwar hatten Kriege schon immer viel Geld gekostet, inzwischen war es aber üblich, zusätzliche Soldaten und Ausrüstung sowie die laufende Unterhaltung der Armeen in Kriegszeiten mit Krediten zu finanzieren.
Glänzende Geschäftsmöglichkeiten für gewiefte Finanziers, die oft parallel mehrere Kriegsparteien finanzierten und durch die ganze Dynastien wie die Fugger entstanden waren. Doch Reichtum genügte ihnen nicht länger, sie wollten Kontrolle über das Geld der Nationen, und so wurde im 17. Jahrhundert ein enormer geldgeschichtlicher Entwicklungssprung gemacht. Damals wurden die Grundlagen für das heutige Finanzsystem gelegt, und seit dieser Zeit ist die weitere Geschichte des Geldes mit der Geschichte des Bankwesens verknüpft.
Die Veränderungen begannen mit der 1609 gegründeten Amsterdamer Wechselbank (niederländisch Amsterdamsche Wisselbank). Diese nahm Gelder in den unterschiedlichsten Währungen an und schrieb die Einlage jeweils in Bankgulden gut, für die die Stadt Amsterdam die vollständige Deckung in Silber garantierte.
Diese Bankgulden waren eine virtuelle Verrechnungseinheit, mit denen die Bank bargeldlosen Zahlungsverkehr zwischen verschiedenen Konten ermöglichte und so das Buch- oder Giralgeld in Europas Banken endgültig etablierte. Daher wird offiziell die Amsterdamer Wechselbank als erste Zentralbank der Welt angesehen.
Recht bald darauf, im Jahr 1613, wurde in Amsterdam auch das erste öffentliche Börsengebäude eröffnet und der öffentliche Schwedische Banknote „Kredit-Zettel“ von 1666 Effektenhandel mit Anleihen und Aktien begründet, was dann 150 Jahre später zum ersten internationalen Börsencrash führte. Die ersten öffentlich gehandelten Aktien waren übrigens die der Niederländischen Ostindien-Kompanie, die den modernen, finanzwirtschaftlich getriebenen Imperialismus begründete. Ein Skandal um illegal vergebene Kredite an die Ostindien-Kompanie (Kreditgeschäfte waren der Amsterdamer Wechselbank gesetzlich nicht gestattet) führte ab 1794 zum Niedergang der Bank, die 1820 endgültig schloss.
Die geldgeschichtlichen Neuerungen setzten sich in Europa 1656 mit der Gründung der ersten Notenbank der Welt in Schweden fort. Die von Johan Palmstruch gegründete Palmstruch-Bank, auch Stockholms Banco genannt, erhielt 1661 vom schwedischen König das Recht, eigene Banknoten herauszu- geben, die der schwedische Staat als legales Zahlungsmittel („legal tender“) behandelte.
Angeblich war dieses Papiergeld durch Gold gedeckt, was nicht stimmte, wie sich bereits sechs Jahre später herausstellte. Denn als 1667 aufgrund der schwedischen Kupferkrise viele Banknotenbesitzer die Einlösung in Gold verlangten, wurde die Bank zahlungsunfähig. Palmstruch wurde 1669 zum Tode verurteilt, die Strafe später in lebenslange Haft umgewandelt.
Daraus kann gelernt werden, dass Papiergeld von Anfang an nicht, wie heute immer wieder behauptet, zur Erleichterung des Zahlungsverkehrs eingeführt wurde, sondern um den Mangel an Silber und Gold für das eigene Gewinnstreben zu kompensieren.
Doch die Geldverleiher gaben nicht auf. Der 2017 verstorbene Investor und Geldtheoretiker Stephen Zarlenga schrieb über die Zeit ab 1680: „Von diesem Zeitpunkt an gestaltet es sich allerdings immer schwieriger, die finanziellen Aktivitäten der wichtigsten jüdischen, holländischen und englischen Finanziers auseinanderzuhalten, da sich alle derselben Methoden bedienen. Sie können nicht mehr als eine bestimmte nationale, religiöse oder ethnische Gruppe identifiziert werden, sondern gehören eher einer Gruppe beziehungsweise Bande von Finanzkaufleuten an, die nicht groß genug ist, um als Klasse bezeichnet zu werden.“
Private Notenbanken problematisch
Als 1688 der niederländische Statthalter und Protestant Wilhelm III. von Oranien mit einer Invasionsarmee in England ankam, nachdem ihn Teile des englischen Parlaments um Hilfe angerufen hatten, begann der finale Akt. Im Verlauf der „Glorreichen Revolution“ wurde Wilhelm gemeinsam mit seiner Gemahlin Maria II., die bereits englische Thronfolgerin war, 1689 zu König und Königin von England, Schottland und Irland gekrönt und gleichzeitig politisch weitgehend entmachtet. Der Krönungseid band das Königshaus eng an das Parlament, und durch die erneute Ratifizierung der Bill of Rights im gleichen Jahr wurde England endgültig zur konstitutionellen Monarchie.
England war damals bereits hoch verschuldet, und als das verfeindete Frankreich 1693 in einer Seeschlacht die englische Handelsflotte dezimierte, gab es eine Pleitewelle unter den Londoner Händlern und Schiffsversicherern. Dem König fehlte das Geld, um den Kampf mit Frankreich aussichtsreich fortzusetzen, wozu er die britische Kriegsmarine entscheidend hätte aufstocken müssen.
Die privaten Geldverleiher erkannten die Gelegenheit, schlossen sich zusammen und offerierten der Regierung einen Rekordkredit. Gegenleistung: die Erlaubnis zur Gründung einer englischen Notenbank. Geschickt machten sie Zugeständnisse an König und Parlament und erreichten so ein Gesetz, das
den insgesamt 1268 Geldgebern 1694 in London die Gründung der Aktiengesellschaft „The Governor and Company of the Bank of England“ gestattete.
Unvorstellbare 1,2 Millionen Pfund in Gold, nach damaligem Gewicht und Reinheitsgehalt rund 410 Tonnen Feingold, sollten als Gegenleistung in Form einer gewährten Staatsanleihe mit einem Zinssatz von acht Prozent per annum bereitgestellt werden. Der Coup gelang. Statt den 1,2 Millionen Pfund handelten sie das Zugeständnis aus, nur 700 000 Pfund in Gold liefern und hinterlegen zu müssen.
Der Rest wurde in selbst erzeugten, anfangs sogar handgeschriebenen Banknoten bereitgestellt. Da für dieses Zettelgeld aber ebenfalls acht Prozent Zins vom englischen Staat zu zahlen war, hebelte dies den Zinssatz für das verliehene Gold auf 13,71 Prozent. Ein glänzendes Basisgeschäft, wodurch das Privileg zur Banknotenausgabe und Kreditvergabe praktisch zum Nulltarif erworben wurde.
Zunächst fungierte die Bank von England als private Notenbank nach dem schwedischen Vorbild Palmstruchs, schaffte es jedoch im Verlauf der Zeit, sich immer weitere Privilegien und Rechte zu erkaufen.
Bereits 1697 durften die Banker eigene Noten als Zahlungsmittel annehmen, womit ihr Problem der jederzeitigen Einlösbarkeit entscheidend entschärft war. Sie erhielten zudem das Privileg, die einzige durch Gesetz begründete Bank zu sein. Und nachdem sie 1708 für die Bank von England das alleinige Notenbankprivileg für Banken mit mehr als sechs Teilhabern erworben hatten, erreichten sie praktisch in weniger als 15 Jahren nach Gründung bereits die Monopolstellung.
Später folgten weitere Privilegien wie zum Beispiel das Recht, selbst den Zinssatz festzulegen. Die Bank von England wurde damit zur „Mutter aller Zentralbanken“, denn die nun häufig sogar in den Adelsstand erhobenen Geldverleiher exportierten in der Folge das höchst lukrative Geschäftsmodell buchstäblich in alle Staaten dieser Welt.
Der methodistische Ökonom Sir Josiah Stamp, ab 1928 einer der Direktoren der Bank von England, zog ein schonungsloses Fazit: „Das Bankwesen wurde in Schlechtigkeit empfangen und in Sünde geboren. Die Bankiers besitzen die Erde. Nehmen Sie ihnen die Erde weg, lassen ihnen aber die Macht zur Geldschöpfung, werden sie mit einem Federstrich genug Geld schöpfen, um die Erde wieder zurückzukaufen.”
Johann Wolfgang von Goethe erkannte die Mechanismen und Folgen des neuen Finanzsystems schon früh und beschrieb sie in seinem Hauptwerk: „Faust. Der Tragödie zweiter Teil“, welcher erst nach seinem Tode veröffentlicht wurde.


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Ich bin nicht sicher ob alle Kriege durch die Banken provoziert werden, aber alle Kriege der Gegenwart sind Kriege der Banken. Sie finanzieren den Krieg und manchmal auch der Versucht einer Bank zu entfliehen ist genau der Grund für den Krieg. Wer noch dazu US Öl unter den Füßen hat, der lebt gefährlich.
Ach Herr Ullmann, Sie plazieren auf Tichys Ihre feudalen, anti-kapitalistischen Nummern, um Ihr Business, den Edelmetall-Handel zu promoten. Schon bei Ihrem letzten Artikel postete ich die verfügbaren Goldmengen auf dem Planeten, die als Deckung für Geld bei weitem nicht ausreichen. Gold besitzt, genau, wie Geld, nur den Wert, den der Mensch ihm beimißt. Wenn Sie grundsätzlich an die degenerierende Wirkung von Geld oder Gold rangehen wollten (was Sie ja gar nicht wollen, Sie sind, wie Hebräer & Asen dem Golde erlegen, tanzen um den Mammon), müßten Sie in das Jahr 700 vor 0. zurück, als Phönizier oder Lyder das Geld… Mehr
„Schon bei Ihrem letzten Artikel postete ich die verfügbaren Goldmengen auf dem Planeten, die als Deckung für Geld bei weitem nicht ausreichen.“
Bitte um Erklärung, wieso nicht.
Wenn derzeit ein (EIN!!) Bitcoin 79500 Euro wert ist, wieso sollte dann nicht eine Goldunze auf zum Beispiel 100.000 Euro kommen können? Oder 1 Million?
Der Punkt ist: nutzt man Gold wieder zur Währungsdeckung, brauchen Leute, die welches besitzen, bis hinein in die fünfte Generation niemals wieder zu arbeiten.
Entweder das, oder aber privater Goldbesitz wird bei Androhung mindestens lebenslanger Haft verboten.
Es gibt 300k Tonnen verfügbares Gold auf dem Planeten. 54k Tonnen liegen noch abbaubar im Boden. Pro Jahr werden um die 3k Tonnen abgebaut. (Das reicht nicht für den weltweiten Warenwert.) Das heißt, ohne neue Vorkommen, ist in 18 Jahren Schluß mit dem Goldminen-Business. Die Kosten der Goldgewinnung sind vielleicht mit den extrem hohen Kosten der Krypto-Schürfung vergleichbar. Der Unterschied zwischen Krypto & Gold ist gewaltig. Wenn man, wie gerade im Südwesten Berlins den Strom abstellt, ist Krypto nicht mehr existent, Gold schon. Gold ist ein seltenes, relativ nutzloses, aber schönes Metall, welches nicht oxidiert. Geld wird bei einer vernünftigen… Mehr
„.. Palmstruch wurde 1669 zum Tode verurteilt ..“
„.. Zunächst fungierte die Bank von England als private Notenbank nach dem schwedischen Vorbild Palmstruchs ..“
Vielen Dank für diesen Artikel, was für eine Bande von Halsabschneidern! Mehr muss man nicht wissen, als hier geschrieben steht.
> Glänzende Geschäftsmöglichkeiten für gewiefte Finanziers, die oft parallel mehrere Kriegsparteien finanzierten und durch die ganze Dynastien wie die Fugger entstanden waren. Oder auch andere: https://uncutnews.ch/rothschild-co-blackwater-und-trump-alte-netzwerke-tauchen-im-venezuela-konflikt-erneut-auf/ > „… Nathaniel Rothschild lobt Donald Trump nach dessen Angriffen auf Venezuela mit den Worten: „Gut gemacht.“ … Eine weitere Verbindung führt zurück in Trumps eigene Vergangenheit: Wilbur Ross, später Wirtschaftsminister in Trumps Kabinett, spielte in den 1980er-Jahren eine zentrale Rolle, als Trump nach der raschen Expansion von Resorts International in Atlantic City in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts standen seine drei Casinos kurz vor der Übernahme durch Gläubiger. Mit Unterstützung… Mehr
Wie war das noch mal bei Hitler mit dem internationalen Finanzjudentums das zu vernichten war? Bewegen wir uns da politisch/gesellschaftlich und natürlich auch wirtschaftlich nicht auf sehr dünnem Eis?
Prima Artikel…geht’s weiter?
Der geneigte Leser kann, bei entsprechender Phantasie, leicht erahnen, warum es ständig auf dieser Welt irgendwo kracht.
Ausbaden?…nur die Kleinen.
Gut gesprochen. Das Thema sollte vertieft werden.