Bei Hart aber Fair zu Organspende: verordneter Altruismus?

Am Anfang zeigt sich eine ungewohnte Konstellation: CDU-Mann Jens Spahn ist für eine (sanfte) Pflicht, die Grüne Frontfrau Annalena Baerbock dagegen. Diese Irritation wird während der Sendung aber immer unwichtiger – weil die anderen Gäste das übliche Polit-Sprech verweigern und tiefgründig über Leben und Tod reden.

Screenprint: ARD/hart aber fair

„Den eigenen Tod, den stirbt man nur.

Doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.“

(Mascha Kaléko, „Verse für Zeitgenossen“, 1960)

Es klingelt an der Tür. Der Hausherr öffnet. Da stehen zwei Männer in Krankenpfleger-Uniformen. Es entsteht, hier leicht verkürzt, folgender Dialog:

Krankenpfleger:

„Können wir Ihre Leber haben?“

Hausherr:

„Ich benutze sie noch.“

Krankenpfleger (greift sich den Organspenderausweis des Hausherrn):

„Jetzt machen Sie uns doch bitte keine Schwierigkeiten.“

Hausherr (zeigt auf den Organspenderausweis):

„Da steht doch drauf: ‚im Falle des Todes‘.“

Krankenpfleger:

„Es hat noch nie jemand überlebt, dem wir die Leber herausgenommen haben.“

Typischer, absurder, tief schwarzer Humor der Komiker-Legenden von „Monthy Python“. Die Szene stammt aus ihrem Film „Der Sinn des Lebens“ („Teil 5: lebende Organverpflanzung“, 1983). Und wie immer bei den militant tabulosen Briten, ist das, was sie zeigen, grotesk überzeichnet.

Aber es ist die groteske Überzeichnung eines realen gesellschaftlichen Phänomens.

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Bei „Hart aber fair“ am Montagabend ist groteske Überzeichnung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht das pädagogische Sendeziel. Allerdings erreicht man im Leben bekanntlich nicht immer, was man will – und manchmal erreicht man stattdessen auch das, was man nicht will. Dazu kommen wir gleich noch.

Das ist die Ausgangslage: Es gibt in Deutschland nicht annähernd genügend Spenderorgane für die Patienten, die eine Transplantation brauchen. 9.400 Patienten stehen auf den Wartelisten für Organtransplantation. 2018 wurden nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 955 Organspendern 3.113 Organe für Transplantationen entnommen und Patienten auf den Wartelisten transplantiert – das sind im Schnitt also etwa drei Organe pro Spender. Somit gibt es etwa zehnmal mehr Patienten als Spender, die Lücke bei den Organen beträgt etwa 1:3.

Eine überparteiliche Abgeordnetengruppe um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat deshalb die sogenannte Widerspruchslösung auf den Gesetzesweg gebracht. Sie besagt im Kern, dass man im Todesfall automatisch Organspender wird – es sei denn, man hat zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen. Bisher ist es umgekehrt: Man spendet nicht – es sei denn, man erklärt ausdrücklich, dass man spenden will.

Spahn, so kann man sich das vorstellen, will die Werkseinstellungen des Bundesbürgers ändern: Bisher werden wir standardmäßig als Nicht-Organspender ausgeliefert, künftig sollen wir standardmäßig Organspender sein.

Der Vorstoß ist umstritten, Fragen wirft er reichlich auf: Hilft dieser neue Gesetzesvorschlag überhaupt, damit es bald mehr Spenderorgane gibt? Und selbst wenn: Wird nicht womöglich ein inakzeptabler moralischer Druck auf diejenigen ausgeübt, die eigentlich nicht spenden wollen?

Chantal Bausch ist Studentin der Betriebswirtschaft und 27 Jahre alt. Als sie zwölf war, entzündete sich ihr Herzmuskel. Mit 14 brauchte sie eine Transplantation – und bekam ein Spenderherz. Heute macht die junge Frau wieder Leistungssport, außerdem wirbt sie leidenschaftlich für mehr Organspenden. Spahns Vorschlag unterstützt sie – weil sich dadurch, sagt sie, Menschen mit dem Thema auseinandersetzen müssten, die das ansonsten nicht tun würden. Viele seien im Prinzip zur Organspende bereit und würden nur deshalb nicht tatsächlich zu Spendern, weil sie sich nie aufgerafft und einen Spenderausweis unterschrieben hätten.

Ihr Argument hier ist also eigentlich: Das Widerspruchsmodell macht automatisch aus all jenen Organspender, die bisher nur zu faul oder zu bequem oder zu sonst was waren, um einen Organspenderausweis zu unterschreiben. Spahn wird wenig später etwas aristokratischer formulieren, aber identisch argumentieren.

Werner Bartens ist promovierter Mediziner und tut das nicht, ganz und gar nicht sogar. Der Wissenschaftsjournalist der Süddeutschen Zeitung lehnt Organspenden grundsätzlich ab. Sein Hauptargument ist, dass Organspender nur hirntot, aber nicht wirklich tot seien. „Die Menschen, denen Organe entnommen werden, sind zu diesem Zeitpunkt de facto noch nicht tot, sondern befinden sich im Sterbeprozess: Das Herz schlägt noch, es existieren noch rudimentäre Hirnfunktionen.“ Die Diagnose „hirntot“ sei überhaupt nur entstanden, um Menschen Organe entnehmen zu dürfen.

Ulrike Sommer ist Schriftstellerin und lebt seit sechs Jahren mit einer Spenderniere von ihrem Mann. Sie sagt: „Es ist ein Geschenk, das ich nur von ihm annehmen konnte.“ Persönlich und insgesamt ist die Ehefrau von Ex-DGB-Chef Michael Sommer aber gegen Organspenden. Sie habe schon vor sehr langer Zeit für sich entschieden, weder selbst Organe zu spenden – noch Organspenden von Fremden anzunehmen: „Wenn ich nicht geben will, kann ich auch nicht nehmen.

Es ist ein Satz, der die ganze Sendung über im Hintergrund mitschwingt.

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Mit Annalena Baerbock wird die Diskussion dann (partei)politisch. Das kann man der Grünen-Vorsitzenden schlecht vorwerfen, schließlich wird hier ja auch über ihre Politik debattiert (Baerbock hat ein alternatives Modell zur Spahn’schen Widerspruchslösung angekündigt). Vorwerfen muss man ihr aber, dass sie das ernsthafte und nachdenkliche Niveau der Sendung nachhaltig senkt.

„84 % sind für Organspenden – also fast alle Menschen in Deutschland,“ sagt sie. Die anderen 16 %, von denen möglicherweise nicht wenige sehr rationale Gründe für ihre abweichende Meinung haben, werden sich freuen, dergestalt aus dem Kreis der „Menschen in Deutschland“ hinaus definiert zu werden. Die Grüne nimmt Organspende-Gegner – wie den Mediziner Bartens oder Ulrike Sommer – lediglich zur Kenntnis, setzt sich aber mit keiner Silbe mit deren Argumenten auseinander.

Ein solches Argument, ein hellsichtiges dazu, kommt von einer Passantin, die für eines dieser berüchtigten Einspielfilmchen vom WDR-Kamerateam überfallen wurde: „Meine Bedenken sind einfach, dass vielleicht zu schnell Organe entnommen werden.“ Das wäre eine Diskussion wert gewesen. Hinter vorgehaltener Hand erzählen Krankenhausärzte durchaus, dass man vermutlich nicht in jedem Fall ausschließen könne, dass ein Hirntod wegen des Bedarfs an Spenderorganen auch womöglich mal ein klitzekleines Bisschen zu schnell festgestellt werden könnte.

Das kann man als Verschwörungstheorie und Unverschämtheit gegenüber den Ärzten abtun. Oder man befasst sich etwas intensiver mit dem Organspendeskandal 2012 und öffnet sich der Erkenntnis, dass Ärzte eben auch nicht immer nur die edelsten der Menschen sind.

Aber die Argumente der grundsätzlichen Organspende-Gegner, also von 16 % der Deutschen, kommen bei Baerbock nicht vor. Wenn die aber kühl ignoriert werden können, stellt sich doch irgendwie die Frage, weshalb wegen eines Problems, von dem (siehe oben) 9.400 Menschen betroffen sind, nun alle erwachsenen Bundesbürger eine Erklärung abgeben müssen?

Das findet indes auch Jens Spahn völlig normal: „Die Zahlen sind immer schlechter geworden.“ Es gebe zu wenig Organspender, das müsse doch geändert werden. Und überhaupt sei die Widerspruchslösung ja keine Organabgabepflicht – sondern die Pflicht, sich darüber Gedanken zu machen.

*****

Es fehlen Organe, also werden die Bürger zu Spendern gemacht (es sei denn, sie widersprechen ausdrücklich). Die Politiker am Tisch – Spahn, Baerbock, Michael Sommer – streiten über die Details der Umsetzung in die Tat, aber sie hinterfragen nicht den Ansatz dieser Idee. Aber wenn ein Mangel das wirklich rechtfertigt – was könnten wir dann künftig noch spenden müssen, pardon: sollen? Blut? Rückenmark? Eizellen für unfruchtbare Frauen? Altkleider?

Und wieso sollten mit derselben Begründung nicht noch andere Pflichten für andere Dinge eingeführt werden? Wahlpflicht? Oder irgendeine andere Pflicht in einem Bereich, in dem – scheinbar oder tatsächlich – ein Mangel herrscht?

Ist es wirklich Aufgabe von Politik, ein gesellschaftliches Umdenken zu erzwingen? Spahn bekennt sich zu einem klaren „ja“: „Ich sage das aus einem gesellschaftlich-moralischen Ansatz.“ Das ist der eine Punkt, den Moderator Plasberg leider komplett verschläft – er stellt die grundsätzliche Frage nicht: Ist es wirklich Aufgabe von Politik, dass sie sich mit Moralfragen befasst? Die Grünen haben damit angefangen, die CDU macht damit weiter – selbst ein vermeintlich Konservativer wie Jens Spahn.

Er ist, um es mit einem abgewandelten Zitat aus Goethes „Faust I“ von 1808 zu sagen, „ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft“.

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Das WDR-Kamerateam lotet dann noch einen journalistischen Abgrund aus: Man fragt Passanten „Wie stehen Sie zur Organspende?“ Und dann fragt man sie, ob sie einen Spenderausweis haben.

Das ist genau das Missverständnis, um das die ganze Sendung leider einen riesigen Bogen macht: Ich kann grundsätzlich für etwas sein, ohne es selbst konkret zu tun. Ich kann die Möglichkeit zur Organspende grundsätzlich gutheißen – und trotzdem selbst nicht Organspender sein wollen. Das ist eine der grundlegenden menschlichen Freiheiten – und sie ist nicht, auch nicht über eine sogenannte Widerspruchslösung, irgendwie durch den Staat zu vermitteln.

Außer Ulrike Sommer sagt das den ganzen Abend leider niemand.

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Kommentare ( 171 )

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Im Gegensatz zu vielen anderen Themen und Sendungen war die Besetzung und auch die Äußerungen der Beteiligten wirklich fair. Ich konnte kein Argument, auch das vom Autor angesprochene, vermissen. Im Gegenteil, es wurde alles gesagt.

Jetzt nehmen die mich schon zu Lebzeiten aus wie eine Weihnachtsgans! Jetzt auch noch nach meinem Tode……..?

Spahn möchte ein Gesetz zur Organspende einführen und kann nicht die medizinisch, notwendigen Grundbedingungen vorweisen.
– keine keimfreien Kliniken
– kein geschultes medizinisches Personal
– keine grundsätzliche Obduktion
Es wird so wie die Energiewende: nicht durchdacht, nicht effizient, gut subventioniert und teuer an Leib und Leben für den Bürger.

Kleiner Nachtrag darüber mit wem man es bei Herrn Spahn zu tun hat:
(Es erleichtert die Antwort auf die Frage, auf wessen Seite er steht.)

https://www.lobbycontrol.de/2012/11/cdu-gesundheitsexperte-brisante-nebeneinkunfte/

Die Stimmung hier ist völlig paranoid. Es geht bei der Diskussion nicht darum, ob man Organspender sein will oder nicht, sondern ob es eine Widerspruchslösung geben soll oder nicht. Fakt ist eben, dass immer irgend jemand eine Entscheidung treffen muss. Nach derzeitiger Regelung können auch die Angehörigen gefragt werden, wenn eine klare Entscheidung des Hirntoten fehlt. Wir haben also eine Rechtslage, die die schlechteste denkbare ist. Jeder sollte einen solchen Ausweis, entweder mit Zustimmung oder mit Ablehnung einer Organentnahme tragen. Alles andere bedeutet eine Abschiebung der Verantwortung auf andere. Das gleiche gilt für eine Patientenverfügung. Entscheidungen muss man selbst treffen… Mehr
Dachte das Thema sei durch, ist doch ausgiebig hier diskutiert worden aber egal: Wer einen Ausweis mit sich führt hat sich entschlossen und festgelegt ob ja oder nein. Wer keinen mit sich führt hat sich auch entschlossen – nämlich vorerst NICHT zum Spender zu werden. In den letzten jahren ist man von den Kassen ja förmlich mit den „Schlacht-Ausweisen“ bombardiert worden, deshalb zieht auch Unkenntnis nicht. Die jetzige Regelung durchaus zufriedenstellend, denjenigen welche gierig auf profit sind natürlich nicht. Das Ausschlachten eines Menschen bringt etwa 12000 €, wenn die Ersatzteile dann verkauft werden. Oder ist hier jemand der Ansicht das… Mehr
@ Stolzer Sachse. Es ist mir egal, ob Ihrer Meinung nach das Thema durch ist oder nicht. Sie sind nicht das Maß der Dinge! Ich sage meine Meinung immer. Die brauchen sie nicht zu lesen, wenn es Ihnen nicht passt. Sie haben auch meinen Kommentar nicht verstanden. Ich sprach auch davon, dass nach derzeitiger Rechtslage auch andere Personen über die Hirntoten entscheiden können. Nein, so einfach wie Sie die Lage darstellen ist es nicht. Wenn Sie sich ein Tatoo anbringen lassen – Ihre Sache. Das ist jedoch nicht Maßstab allgemeinen Handelns. Auch mein Beispiel mit dem Krematorium haben Sie nicht… Mehr
Genauso geht es mir mit bei ihrem Geschwurbel. Doch ,doch ich gehöre zum Maß aller Dinge, denn ich gehöre zur Gattung des Homo Sapiens, welcher bekanntlich die „Krone der Schöpfung“ oder wie ich es gern bezeichne der Evolution ist. 🙂 Oder kennen Sie etwa noch höherentwickelte Wesen ? dann immer her damit. Nach jetziger Rechtslage können keine „anderen Personen“ über die Ausweidung eines Sterbenden entscheiden, das dürfen nur die engsten Familienmitglieder! Dort wo solche nicht vorhanden mag eine Grauzone existieren, aber auch da sind „Entscheidungen Fremder“ illegal. Derjenige ist nicht als „Spender“ einzustufen und normal zu bestatten. punkt!! Das Thema… Mehr
Ach, jetzt auf einmal können andere Personen doch über die Organspende entscheiden? Was hatte ich in meinem Eingangspost geschrieben? Rückzugsgefechte, stolzer Sachse? Nein, ich finde die Rechtslage nicht gut. Eine Widerspruchslösung finde ich sauberer. Und ob das Thema „durch ist“ oder nicht, entscheiden nicht Sie. Sie sollten lernen, auch andere Meinungen ertragen zu können, dann schaffen Sie es vielleicht auch, nicht nur über Ihre eigenen Witze zu lachen. Das mit der Leichenschau gehört doch gar nicht hier her. Sie haben das Beispiel mit dem Krematorium offensichtlich immer noch nicht verstanden. Ich hätte als Beispiel auch eine Obduktion nennen können. Wer… Mehr

Ja, ja @ Hummel
Da Sie den angebotenen Link scheinbar verweigern erübrigt sich jedes weitere Wort.
Auf Ihr weiteres Geschwurbel etwas Nettes 🙂
Daß du ihn durchschautest hat dir noch keiner verziehen, er mag noch so gut dabei weggekommen sein.“
(A. Schnitzler)
mfg
mors, mors

Ich habe nicht die Absicht, mit Ihnen das Für und Wider von Organspende zu diskutieren. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich bin kein Paternalist. Ich plädiere hier für die Widerspruchslösung, da ich die bisherige Regelung nicht gut finde. Ein kluger Mensch schafft das, die beiden Themen unterscheiden zu können.
Noch was, halten Sie sich nicht so sehr an Autoritäten. Versuchen Sie immer selbst zu denken und zu argumentieren.

Ich kann Ihnen nur zustimmen, jeder muss für sich selbst die Verantwortung übernehmen. Das zumindest hat die ganze Diskussion der letzten Monate bei mir bewirkt und ich habe mich gegen Organspende entschieden. Ich möchte in Ruhe sterben und ich gestehe das auch anderen Menschen zu. Sollte ich so schwer erkranken, dass nur eine Organspende helfen würde, dann ist das mein Schicksal, welches ich annehmen würde. Keinesfalls hätte ich die Erwartungshaltung, dass in den Sterbeprozess eines anderen Menschen eingegriffen wird, um für mich ein Organ zu entnehmen. Ist das Gesetz erst einmal verabschiedet, dann werden wir es erleben, dass Geschäfte mit… Mehr

Ich gönne dem Lauda die neue Lunge wirklich – aber die war verdammt schnell vor Ort, um transplantiert zu werden.

@ Bambu. Ich sehe ähnlich es wie Sie. Ich möchte bei mir auch keine Transplantation eines Spenderorgans, u. a. weil ich für mich lebensverlängernde Maßnahmen ablehne. Ich weiß aber nicht, ob ich das noch so sehen werde, sollte ich z. B. mal schwer erkrankt von ständigen Nierenkoliken geplagt werden und ein Spenderorgan könnte für einige Jahre wieder für mehr Lebensqualität sorgen. Was Organhandel und Zweifel an der Diagnose Hirntod einzelner Patienten betrifft, brauchen wir auf Gesetze nicht zu warten. Das gibt es jetzt schon. Was Organhandel betrifft, vielleicht sogar mehr als wenn die gesetzlichen Regelungen klarer wären als es bislang… Mehr

Grundsätzlich würde ich davon ausgehen, das jemand der wirklich Organe spenden will, einen entsprechenden Ausweis mit sich führt.
Man tritt unter Umständen an Angehörige eines Hirntoten heran, um an dessen Organe zu gelangen und dann muss dieser entscheiden. Dann zeigt es sich, ob Menschen in der Familie über wichtige Themen, die im Alltag eintreten können, sprechen.

Boudicca. So der Idealfall. Ich weiß nicht, ob alle die spenden wollen einen Ausweis haben. Ich glaube nicht. Die wenigsten setzen sich mit diesem Thema überhaupt auseinander. Es wird kaum darüber nachgedacht, so zumindest mein Eindruck. Das Thema wird einfach verdrängt, es ist unangenehm.

Das Thema wird verdrängt. weil es unangenehm ist. Wer nicht unmittelbar betroffen ist setzt sich nicht damit auseinander. Es ist eine Konfrontation mit der eigenen Verletzlichkeit, Krankheit, Tod und Trauer.

Die Stimmung ist keineswegs paranoid.

Es geht um Datensammlung, Auswertung und Verwertung. Fehlt dann der Widerspruch, ist implizit eine Zustimmung zu unterstellen.

Damit wird der passiv Zustimmende zur potentiellen „Ware“, die vom Recht geschützt ist. In einem Land, das nicht einmal die existierenden Parallelgesellschaften wirksam unter Kontrolle halten kann, in welchem immer noch hunderttausende Menschen ohne Ausweis und festgestellte Identität zirkulieren, in welchem Ordnungs- und Sicherheitskräfte systematisch dezimiert wurden.

Und indem andererseits die Datenkrake mit größter Begeisterung immer fetter gefüttert wird … . Cui bono?

Es geht um möglichen Missbrauch und den Schutz davor.

Ihnen ist aber klar, dass nach derzeitiger Rechtslage andere die Entscheidung treffen können, wenn vom Betroffenen keine Erklärung vorliegt? Entscheidungen muss immer jemand treffen. Insofern ist die Widerspruchslösung eine saubere Sache. Sie zwingt dazu, sich selbst mit der Sache zu beschäftigen. Die derzeitige Rechtslage verleitet die Leute, ihre Entscheidung auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben, weil sie sich mit der Sache nicht auseinander setzten wollen. Das bedeutet in der Praxis, dass die Entscheidung einfach auf Angehörige abgedrückt wird, auch was lebenserhaltende Maßnahmen betrifft. Ich war auch schon in der glorreichen Rolle, dies tun zu „dürfen“. Und dann musste ich versuchen… Mehr
Ein wichtiger Gedanke! Jeder halbwegs zivilisierte Mensch besitzt heutzutage eine Patientenverfügung, um seinen Angehörigen die Entscheidung zu ersparen, ob sie ihn die nächsten zehn Jahre die Wand im Pflegeheim anstarren lassen sollen. Darin regelt man auch diese Frage. Am besten mit einer Fristenlösung zur Abschaltung lebenserhaltender Massnahmen. Man kann beispielsweise verfügen, dass drei voneinander unabhängige und auch räumlich getrennt praktizierende Gutachter den Hirntod feststellen müssen oder man bestimmt eine Frist bis zur Abschaltung von mehreren Wochen oder Monaten, wonach dann der Körper und seine Organe freigegeben sind. Das steht dann in der Patientenverfügung, deren Einhaltung die angehörigen überwachen sollten. Im… Mehr

Denken wir das einmal weiter. Wenn dem Staat jetzt ein Recht auf den toten Körper eingeräumt wird, so wäre es doch nur konsequent wenn dieses im nächsten Schritt auf den lebenden auszudehnen, beispielsweise im Sinne einer Verpflichtung zur gesunden Lebensführung. Denn, wer seinen Körper ruiniert, beispielsweise durch Rauchen, Trinken, No Sport, handelt demnach doch gemeinschaftsschädigend.
Vielleicht findet sich dieser Punkt dann irgendwann sogar im StGB als Tatbestand der „Organhinterziehung“ oder des Organvandalismus.
(PS ich würde Lebervandalismus bevorzugen…)
PPS Übrigens fast alles schon mal da gewesen…

Selbstverständlich ist die Zurverfügungstellung der eigenen Organe nach dem Tod eine bedenkenswerte Menschenpflicht. Wird man aber bereits zu Lebzeiten „katasterisiert“ in form computermäßiger Erfassung und sind die Krankenkassendaten und Laborberichte ebenfalls irgendwo gespeichert, ist es eine Frage der Zeit, wann alle Daten, gegebenenfalls illegal zusammengeführt werden. Das ideale Opfer mit den entsprechenden Merkmalen, vielleicht einer seltenen Blutgruppe, noch unterstützt durch die „Fitnessdaten“, welche dessen Sportuhr laufend erfasst, ist dann für den jeweiligen „Nachfrager“ durch die laufenden Datenerfassungen leicht ermittelbar … . Ich denke, alles weitere zu möglichen Missbrauchsszenarien kann jeder selbst erschliessen. Irgendwann könnte es dann vielleicht von Vorteil sein,… Mehr

Ich bin erschrocken wie hier über das Thema diskutiert wird! Ich wünsche niemanden das er mal in seiner Familie/ Freundeskreis auf so eine lebensverlängernde Maßnahme angewiesen ist. Bin tief traurig…

Was mir bei der Gesetzesvorlage nicht klar ist,
das ist folgendes:
vor einiger Zeit wurde das im Bundestag diskutiert, mehrheitlich haben die Redner es abgelehnt. Ich frage mich, warum das nun wieder auf dem Tisch ist? Ich hatte es bei Phoenix live gesehen.
Merkwürdig.

Sie beschäftigen uns. Beständig.
Damit der große Elefant weiter möglichst unsichtbar bleibt und in Ruhe wachsen kann.

Jeder sollte sich einmal selber fragen was ist wenn man selbst betroffen ist. Wenn es einem schlecht geht und man sterben muss weil es keine Organe gibt. Man könnte auch festlegen, dass nur die Organe bekommen die selbst spenden. Es wäre spannend ob Betroffene dann auch von persönlicher Freiheit schwadronieren.

Und was ist mit den Menschen, die nicht spenden können, weil sie z.B. Medikamente nehmen müssen, oder schon transplantiert sind ( ein transplantiertes Organ hält nicht ewig) …haben die dann einfach Pech gehabt?

>> zu schon transplantiert <<
die bekommen dann ein 2. oder vielleicht sogar 3. ?
obs am nötigen Zaster liegt weiß ich nicht, aber googeln Sie mal: "Fürst Thurn u. Taxis Transplantation "

Man kann hier lesen: https://chrismon.evangelisch.de/organspende
wo meiner Ansicht nach von den “Gottesfürchtigen “ Verrat an "Gottes Schöpfung" begangen wird.

und zum Ausgleich auch hier über die Erfahrungen von Betroffenen und Ärzten: https://initiative-kao.de/