Neuverfilmung von ‚Die Drei Musketiere‘ erzählt auch D’Artagnan ganz neu

Ein britischer Film besetzt den berühmtesten Musketier der Welt durch einen Schwarzen – und zeigt damit ungeheure Respektlosigkeit gegenüber dem Werk und seinem Schöpfer Dumas, der selbst afrikanischer Abstammung war.

Screenprint: via Youtube/Signature Entertainment

Disney zensiert Dagobert Ducks Lebensgeschichte, Fräulein Knüppelkuh aus Roald Dahls „Matilda“ darf kein Pferdegesicht mehr haben und D’Artagnan ist jetzt schwarz. Richtig gelesen: Der sympathische Gascogner, der zu den drei legendären Musketieren Athos, Porthos und Aramis stößt, erfreut sich seit diesem Jahr einer merklichen Dunkelpigmentierung.

Verantwortlich dafür ist ein in diesem Jahr erscheinendes Machwerk aus dem Vereinigten Königreich – nicht zu verwechseln mit einem ebenfalls in diesem Jahr erscheinenden Film von Martin Bourboulon, in dem an D’Artagnans Herkunft nicht gerüttelt wird. Bereits nach der Veröffentlichung des ersten Trailers spotteten die User im Internet, man hätte die Geschichte besser in „Three Woketeers“ umbenannt. Und überhaut: Rochefort ist weiterhin der böse, weiße, einäugige Bösewicht? Warum nicht noch ein indischer Porthos und ein transgeschlechtlicher Aramis?

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Zwar ist die Diskussion um Neuverfilmungen des Abenteurerstoffes von Alexandre Dumas nicht neu. Im Grunde kann man sie bis in die 1970er zurückdatieren. Die Frage muss erlaubt sein, wie ein Musketierfilm die Versionen mit Michael York, Richard Chamberlain, Christopher Lee, Faye Dunaway, Charlton Heston und Raquel Welch übertreffen kann – das gilt auch für die unter dem Namen „Rückkehr der Musketiere“ spielende Fortsetzung, in der die später aus „Sex and the City“ bekannte, männerverschlingende Kim Catrall als ebenso erotische wie mörderische Rächerin auftritt. Insbesondere das schauspielerische Niveau dieser Reihe setzt bis heute Maßstäbe: Oliver Reed hat in diesem Film nicht nur Athos gespielt. Er war Athos.

Wer einen schwarzen D’Artagnan aus dem Hut zaubert, läuft daher von Anfang an Gefahr, sich den Vorwurf einzuhandeln, mangelndes Handwerk und Talent durch Ideologie und Provokation wettzumachen. Das trifft weniger den Schauspieler des D’Artagnan (Malachi Puller-Latchman) selbst, dem die unangenehme Rolle zufällt, als Maskottchen woker Kulturvandalen das Schicksal des levantinischen Mohren zu teilen, der seinen Dienst versehen muss, weil es das große Rad des Zeitgeistes so will. Die Bürde des woken Mannes wiegt schwer, lastet man also den Spott auf dem Hauptdarsteller ab, den man an die Front schickt, um sich dann später – wie schon bei der Tolkien-Travestie auf Amazon mit ihren schwarzen Elben – über den präzise kalkulierten Mob aus Rassisten und denen, die man dazu deklarieren will, auszulassen. Wer im „Kampf gegen Rechts“ auf der richtigen Seite steht, muss sich nicht mehr für den angerichteten Schund rechtfertigen.

Zwei Fakten faszinieren an der Entscheidung. Zum Ersten: Dieselbe Blase, die nunmehr vorschreibt, dass Homosexuelle nur noch von Homosexuellen gespielt werden dürfen und es anprangert, wenn Europäer oder US-Amerikaner Asiaten spielen, tut in diesem Fall so, als seien sie farbenblind. Königin Elisabeth I. und D’Artagnan gehen als schwarz durch; dass Peter Sellers dagegen vor fast einem halben Jahrhundert den chinesischen Detektiv Sidney Wang mimte, finden die Tugendpriester trotz seines Auftritts in der genialen Komödie „Eine Leiche zum Dessert“ heute gar nicht mehr lustig. Mal ist Identitätspolitik zweitrangig, dann ist sie wieder das Alpha und Omega.

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Der andere Punkt: Während Hautfarbe in vielen Rollen zweitrangig sein könnte, ist sie es im Falle von D’Artagnan mit Sicherheit nicht. Denn seine Identität als Gascogner ist so ein zentraler Bestandteil der Romane, dass eine afro-europäische Herkunft bloß eines aussagt: dass sich niemand der Verantwortlichen mit dem Dumas-Stoff beschäftigt hat. Die Musketiere gehören nämlich in ihrer Zeit einer eigenen marginalisierten Gruppe an. Es handelt sich vornehmlich um Okzitanier. Die Vorlage von Athos kommt aus dem französischen Baskenland, Porthos und Aramis aus dem Béarn. Dass die vier sich anfreunden ist auch ihrer gemeinsamen Herkunft aus Südwestfrankreich geschuldet. Identität spielt also eine bedeutende Rolle.

An erster Stelle steht daher nicht die Feststellung, dass D’Artagnan schwarz ist. An erster Stelle steht die Feststellung, dass die Macher der neuen Musketier-Serie das Werk von Alexandre Dumas mit Füßen treten und offenbar keine Skrupel haben, die fundamentalsten Eckpunkte der Romanreihe herabzuwürdigen. Es handelt sich um eine gewollte Zerstörung eines abendländischen Beststellers. Dabei geht diese Zerfledderung eines Klassikers der Weltliteratur über eine bloße Travestie hinaus – denn dass dieser Klassiker ausgerechnet aus der Hand eines Enkels haitianischer Sklaven stammt, setzt dem Eklat die Krone auf.

Die Macher wollen weltoffen erscheinen, demolieren aber in Wirklichkeit das künstlerische Werk eines Mannes, der deutlich besser wusste, was Rassismus, schwarze Herkunft und europäisches Erbe bedeutet. Doch seine Regieanweisungen kümmern die Besserwisser von heute nicht. Auch hier: Neukolonialismus. Da hat man es einmal mit dem Werk eines afrikanischstämmigen Künstlers zu tun – und dann ist es den Trägern der woken Bürde immer noch nicht schwarz genug. Die Inszenierung gibt keinen Marginalisierten eine Stimme, sondern marginalisiert Dumas. Dem Teufel bleibt schließlich auch nichts anderes als die Zerstörung übrig, weil er nichts schaffen kann.

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Kommentare ( 85 )

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niezeit
9 Monate her

Der Film soll vielleicht eine späte Rache der Briten dafür sein, dass insbesondere im Fortsetzungsroman bei Dumas die Engländer als „unkultivierte, biertrinkende, puritanische Königsmörder“ ziemlich unschmeichelhaft dargestellt werden. Nationalbewusste, gebildete und stolze Franzosen riechen den Braten und konsumieren das nicht.

niezeit
9 Monate her

Ich bin „Musketier“-Liebhaber und werde mir diesen Mist nicht ansehen. Schon die Verfilmung von 2011 mit Christoph Waltz war kaum mehr auszuhalten. Mein Tipp an die geneigten Forumsbesucher: Dumas Original-Roman öfter wieder lesen, auch die ebenso brillante Fortsetzung „Zwanzig Jahre später“. Die Werke sind eben nicht nur für Kinder, wie ich als Junge dachte. Dort kann man aus der humorvollen Glorifizierung von Primärtugenden wie Tapferkeit, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit viel Kraft in dieser so affigen Zeit schöpfen.

Sabine Ehrke
11 Monate her

Ich möchte ergänzen, dass nun auch Tinker Bell .. Glöckchen .. aus Peter Pan Schwarz ist. Wenn von kultureller Aneignung geredet wird, dann ist diese Respektlosigkeit gegenüber den Erschaffer dieser Geschichten und der damit verbundene Rassismus gegen Volksgruppen und ihre Kultur ganz bestimmt eine. Es entwickelt sich, dass es grundsätzlich rassistisch ist, weiß zu sein.

Last edited 11 Monate her by Sabine Ehrke
Sabine Ehrke
11 Monate her

Der Freizeitpark Efteling in den Niederlande hat nun in der Droomvlucht auch schwarze Elfen wo wir doch alle wissen, Elfen sind eine sehr heterogene Gruppe von Fabelwesen in Mythologie und Literatur. Elfen sind Naturgeister, die ursprünglich aus der nordischen Mythologie stammen. Auch in der keltischen Mythologie spielen sie eine zentrale Rolle, ebenso im mittelalterlichen Aberglauben. Das ist Kultur. Nun ich schrieb, ob sie gedenken, auch asiatisch aussehende Elfen aufzustellen und Pinocchio aus schwarzem Holz schnitzen zu lassen. Die Antwort war, dass Kinder sich in den Figuren wiedererkennen sollen. Das scheint mir dann nur für Kinder mit schwarzer Haut zu gelten.… Mehr

Reini
1 Jahr her

Lebenszeit für das Anschauen solch wokegetrimmten Mülls würde ich nicht verschwenden.
Mir reicht es schon, wenn keine Werbung über den Bildschirm flimmert, bei der nicht ein Quoten..PoC durchs Bild läuft.

Deutscher
1 Jahr her

Also auf mich wirkt dieser „D’Artagnan“ eher wie aus einem Spaghetti-Western entlaufen. Und warum trägt er keinen zeitgenössischen Bart? Das schürt doch wieder Zweifel am Integrationswillen des schwarzen Mannes in Europa!

Last edited 1 Jahr her by Deutscher
Phil
1 Jahr her

Schon bereits vor der Jahrhundertwende haben ich und ein guter Freund darüber gewitzelt, wer wohl den/die/das nächste*n „Captain“ in einer logischen Fortsetzung der Star Trek Serie mimen würde, welche ethnisch-kulturellen und gesellschaftlichen, sowie körperlichen Attribute diese Person mitbringen müsste um dem vorangegangenen „vielfaltstechnisch“ und „inkludierend“, sowie „religiös“ gerecht zu werden, bzw. was den Endpunkt dieser Entwicklung* markieren sollte. *Junger weisser Mann, alter weisser Mann, schwarzer Mann mittleren Alters, weisse Frau etc. PP Wir sind zum Schluss gekommen, dass der letzte „Captain“ der Serie folgerichtig ein Cerebral behinderter, Rollstuhlfahrender Mann mit Indianisch-Jüdischen Wurzeln namens Häuptling-Rabbi-Ismael der-mit-dem-Wolf-tanzt sein müsste, damit wir auch… Mehr

Phil
1 Jahr her

Ich bin ein wahrer Filmenthusiast (oder besser gesagt war es einmal, jetzt hält sich dies in Grenzen) mit einer Sammlung von weit über 1’000 Filmen auf DVD und Blueray, der ganze woke Blödsinn interessiert mich einen Scheiss. Vor Wokistan gab es wirklich gute Filme, welche auch die jetzt zum Mainstream avancierten Themen auf eine vielfältige, entzückend, ehrliche und auch manchmal überzeichnete Art und Weise Thematisiert haben. Ich möchte da, was die ganze Weibchen-Männchen-Sache und alles was dazwischen liegt, auf den Film „Priscilla, Königin der Wüste“ verweisen, ein Film mit sensationellen Schauspielern und einer mitreissenden Handlung. Durchaus als einer meiner vielen… Mehr

Jan des Bisschop
1 Jahr her

Dass ein PoC eine der beliebtesten Rollen der Literaturgeschichte spielen darf, ist ein Höhepunkt der Wokeness. Die Wokekita tut ihm keinen Gefallen, er muss in der Darstellung scheitern, denn selbst wenn er gut wäre, würde ihm immer das Attribut anhängen, er hat die Rolle nur bekommen, weil er Schwarz ist und dies ist für die Woken Volkserzieher genug.

bani
1 Jahr her

Den Film werde ich nicht sehen Bestimmte historische Filme sollten einen Bezug zur Realität haben