Der Ex-Grüne Boris Palmer glaubt, dass die Grünen wieder richten werden, was sie in Baden-Württemberg 15 Jahre lang angestellt haben. Ob er unter Cem Özdemir Minister wird, sagt er nicht. Dafür darf Russen-Rassen-Expertin Florence Gaub bei Maischberger mal wieder zartes NATO-Odeur versprühen. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ARD / Maischberger
Boris Palmer, von den Grünen einst verstoßen und seit seinem Parteiaustritt politisch heimatlos, macht bei Maischberger eine klare Ansage, ohne eine klare Ansage zu machen. Ob er unter dem vermutlich nächsten Ministerpräsidenten Cem Özdemir selbst ins Kabinett eintreten werde, will er trotz wiederholten Nachhakens nicht verraten. „Ich will die Frage einfach gar net beantworten. Sie können die jetzt in fünf Varianten stellen, ich beantworte die nicht.“
Seine Heimat malt er in trostlosen Farben: „Der Bosch schmeißt zigtausend Leute raus. Die Mittelständler sind in einer Insolvenzwelle, in den kommunalen Haushalten sind Löcher bis zum Erdmittelpunkt. Stuttgart verliert die Hälfte seiner Gewerbesteuer. Das muss man sich mal klarmachen. Wir stehen in einer Debatte, wo es heißt: Werden wir das neue Ruhrgebiet? Das neue Detroit?“
Dietmar Bartsch, Palmers Kombattant im Doppelinterview, kontert mit der wesentlichen Frage: „Wer hat eigentlich die letzten zehn Jahre in Baden-Württemberg regiert?“ Palmer regiert gewohnt hemdsärmelig: „Ist mir egal, ich nicht.“ Dass die Grünen das Land vor die Wand gefahren haben, ist für ihn kein Grund zur Schelte, denn „das hilft jetzt alles nicht, das ist rückwärtsgewandt. Sie haben recht, die haben da regiert, aber jetzt sind die Probleme da und sie müssen gelöst werden. Da hilft nur nach vorne gucken.“
Immer wieder versucht Maischberger, Palmer seine Ministerambitionen zu entlocken. Hubertus Meyer-Burkhardt auf dem Journalistenpanel hatte zuvor geraunt, das sei ja wohl offensichtlich, denn sonst würde Palmer ja gar nicht in eine Talkshow gehen. An diese These will die Moderatorin erinnern, kommt jedoch leicht ins Straucheln. „Der Herr Hubertus“ habe gesagt, setzt sie an, nur um wenig später Dietmar Bartsch als „Herr Ramelow“ anzusprechen.
Die beiden nehmen’s gelassen. Bartsch, seit 1977 in der SED (jetzt Die Linke), ist dagegen, dass Özdemir Palmer in sein Kabinett holt: „Ich kann ihm eigentlich nur raten – im Sinne späterer Wahlergebnisse –, dass er’s nicht macht.“ Für die Grünen orakelt er: „In fünf Jahren wird es verdammt, verdammt schwer, einen Wahlsieg zu wiederholen.“ Bartsch selbst hat an diesem Abend leichtes Spiel. Im Publikum lauter Fans, darunter sogar ein einsamer, extrem frenetischer Dauerklatscher. Da lässt sich prima die ein oder andere steile These heraushauen. Etwa: „Natürlich hat der Verbrenner keine Zukunft, das weiß auch jeder.“
Die extrem gestiegenen Benzinpreise regen an diesem Abend zwar jeden auf, aber senken will sie niemand. Bartsch fordert eine Übergewinnsteuer für die Konzerne, Journalistin Helene Bubrowski (Table Media) findet, „der Staat kann nicht immer die schützende Hand über uns halten“, und Meyer-Burkhardt erinnert daran, dass beim Benzin das meiste Geld der Staat verdient. Energie- und Umsatzsteuer würden die Hälfte des Preises ausmachen: „Bummelig 95 Cent pro Liter gehen erstmal nicht an die Mineralölkonzerne“, sagt er. Und hat er denn eine Idee? Ja, „das Kartellamt müsste tätig werden“. Aha.
Boris Palmer präsentiert sich – ohne jegliche Ambitionen, versteht sich – als Macher. Bei der letzten Wahl habe er sogar Merz gewählt, denn „mir brennt der Kittel“. Er appelliert an den Bundeskanzler: „Das muss jetzt dieses Jahr laufen. Leute, das geht so nicht weiter.“
Palmer, so Palmer, gehöre zu den Leuten, denen es ernst sei. „Uns ist wichtig, dass das Ergebnis stimmt und nicht, was im Parteiprogramm steht.“ Ihm gehe es um „Dinge, die funktionieren“. Seine 16 Millionen Euro teure, beheizte Fahrradbrücke erwähnt er in diesem Zusammenhang nicht. Auch nicht, wie der Hardliner seinerzeit die Corona-Impfpflicht durchprügeln wollte – bis hin zur Beugehaft. Manche Dinge funktionieren eben nicht ganz so gut.
Auch beim Thema Migration gibt Palmer den Potentaten: „Wir schieben schwere Straftäter nach Afghanistan ab, und das ist richtig so.“ Wer „50 Einträge im Strafregister“ habe, müsse eben weg, egal wohin. Palmer: „In der Genfer Flüchtlingskonvention, Artikel 33, steht eindeutig, dass man sogar in Kriegsgebiete abschieben darf, wenn der Mensch zur Gefahr für das Gastland, das Aufnahmeland wird.“
Russland, wir erinnern uns: das europäische Land ohne Europäer. Gaub hatte einst einen veritablen Shitstorm geerntet, weil sie bei Markus Lanz gehetzt hatte: „Wir dürfen nicht vergessen, auch wenn Russen europäisch aussehen, dass es keine Europäer sind.“
Für Donald Trump sieht Gaub schwarz: „Er braucht eine Erfolgsgeschichte, die er erzählen kann. Ich denke, der Iran wird es nicht sein.“ Und was sagt sie zu der unverhohlenen Drohung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj gegen seinen ungarischen Kollegen Viktor Orbán? Er hatte gedroht, das ukrainische Militär in sein Privathaus zu schicken, wenn Orbán weiterhin die EU-Gelder blockiere. „Ich muss ein bisschen schmunzeln“, sagt Gaub allen Ernstes. Selenskyj habe die Nerven verloren, und das sei nach allem, was er durchmache, ja nachvollziehbar.
Möglicherweise ist Selenskyj auch kein Europäer …




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Cem Özdemir heiratete im Wahlkampf so herrlich romantisch am Valentinstag. Zusammen mit Braut und Boris Palmer lieferte er so schöne Bilder. Das honorierten halt die WählerInnen.
Die Grünen verloren 2,4%, die CDU gewann 5,6% hinzu, beide Parteien haben jeweils 56 Mandate. Größter Gewinner war die AfD mit einem Plus von 9,1%. Die Grünen werden zu Gewinnern hoch gejubelt und die CDU spielt dieses Spiel auch noch mit.
Es ist jetzt keine Zeit für Schuldzuweisungen, wir müssen den Blick nach vorne richten-der klassische Satz, wenn der Karren an die Wand gefahren ist. Palmer ist nach Daniel Günther der nächste Politiker mit Identitätsstörung, er weiß nicht mehr ,dass er bei den Grünen war und ist deshalb auch nicht verantwortlich. Der Schwabe lügt wie ein Sauerländer.
Das hat sich der Palmer wiedermal als ganz wichtiger, egozentrischer Problembär und großer Bescheidwisser vorgeführt und viele finden ihn gut. Auch wenn er drollig krampfhaft behauptet, sich nicht anzudienen, wo er seit dem Wahlabend nichts anderes tut.
„Seine Heimat malt er in trostlosen Farben“ ….Ja klar, 15 Jahre grünregiert und weitere 5 stehen an.
Palmer? Ist das jener Mensch, der damals sogenannte „Ungeimpfte“ in Beugehaft und ihnen das Geld nehmen wollte (https://www.welt.de/politik/deutschland/article235810706/Boris-Palmer-will-Beugehaft-fuer-Impfverweigerer.html)? Dass dieser Mensch weiterhin eine öffentliche Bühne erhält, stellt die Verkommenheit des Besatzerkonstruktes BRD (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25) abermals unter Beweis, das endlich zur dessen Auflösung führen muss!
Ich bin mir nicht sicher wofür Boris Palmer steht und ob ich ihn für geeignet halte. Während Corona forderte er die Stichpflichtverweigerung mit 50.000 Euro zu sanktionieren, „denn damit würde man die Stichgegner überzeugen können“, sich eine (völlig unerprobte und von jeglicher Herstellerhaftung befreite) Substanz gegen Corona injizieren zu lassen. Und bei der letzten Wahl habe er Merz gewählt, was erstens völliger Unsinn ist, denn nur Parteien oder lokale Direktkandidaten können gewählt werden, und zweitens ein völliger Unsinn ist, denn Merz war und ist genausowenig wählbar wie Scholz! Der ÖRR glänzt halt wieder mal mit der Einladung von bedeutungslosen Talkpartnern… Mehr
„Der Bosch schmeißt zigtausend Leute raus. Die Mittelständler sind in einer Insolvenzwelle, in den kommunalen Haushalten sind Löcher bis zum Erdmittelpunkt. Stuttgart verliert die Hälfte seiner Gewerbesteuer. Das muss man sich mal klarmachen. Wir stehen in einer Debatte, wo es heißt: Werden wir das neue Ruhrgebiet? Das neue Detroit?“
Wussten die Wähler in BW das VOR der Wahl?
Wenn nein – warum nicht. Warum sagt Palmer das erst jetzt?
Wenn ja – dann wünsche ich der Baden-Württembergern viel Spass in der Armut.
Wussten die Wähler in BW das VOR der Wahl?
Ja, sie wussten es. Auch die Nichtwähler .