Bei Lanz: Ist Trumps Venezuela-Coup innenpolitisch motiviert?

Markus Lanz bohrt mehrmals nach, doch Philipp Amthor windet sich um eine klare Positionierung zu einem Social-Media-Verbot für Jugendliche herum. In der Sendung geht es außerdem um die Motive von Donald Trump und die Hintergründe der Verhaftung von Nicolás Maduro. Geht es für Trump in Venezuela um Öl? Von Fabian Kramer

Screenprint: ZDF / Markus Lanz

Das neue Jahr ist noch nicht einmal einen Monat alt und hat schon den ein oder anderen politischen Kracher parat. Mit einem spektakulären militärischen Coup brachten amerikanische Spezialkräfte den sozialistischen Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro, außer Landes. Donald Trump ließ durch diesen präzisen Schlag die Muskeln spielen.

Rechtlich ist das amerikanische Vorgehen äußerst umstritten, um es vorsichtig auszudrücken. Doch Trump ist nun nicht gerade dafür bekannt, dass er sich allzu sehr mit den Untiefen des internationalen Völkerrechts auseinandersetzt. Für Deutschland und die Europäer sollte klar sein, dass die USA zu jeder Zeit und an jedem Ort in der Lage sind, unabgesprochene Tatsachen zu schaffen. Auch der Polit-Talk bei Markus Lanz beschäftigt sich unter anderem mit dem amerikanischen Vorgehen in der südlichen Karibik.

Zu Gast bei Lanz ist der mittlerweile nicht mehr so ganz Jungspund CDU-Philipp Amthor, den der Moderator ganz schön in die Mangel nimmt. An vielen Stellen der Sendung muss Amthor seine Antworten sorgfältig abwägen, um nicht ins Schwimmen zu kommen. Die Plauderrunde am späten Donnerstagabend bietet dem geneigten Zuseher durchaus den ein oder anderen unterhaltsamen Moment. Nichts desto trotz wird man als Zuseher, wie eigentlich bei jeder Talkshow, den Eindruck nicht los, dass man sich im Kreis dreht.

Social-Media-Verbot für Teenager?

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther ist in der bundesrepublikanischen Politiklandschaft dafür bekannt, dass er gerne einmal den ein oder anderen gewagten Vorschlag macht. So wollte der von Parteifreunden spöttisch „Genosse Günther“ genannte Ministerpräsident seine Union koalitionär für ganz Linksaußen öffnen, obwohl die Partei einen Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linkspartei beschlossen hat. Bei Markus Lanz platzierte Günther die unrealistische Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Teenager.

Freie Medien als Feindbild
Wie viel Diktatur darf es sein, Herr Günther?
Der ZDF-Moderator konfrontiert an diesem Abend den CDU-Politiker Philipp Amthor mit Günthers Forderung. „Es muss eine sichere Möglichkeit zur Verifizierung geben“, meint Amthor zu einer möglichen Umsetzung eines Social-Media-Banns für Teenies. Aus der Sicht von Amthor sei es von zentraler Bedeutung, dass die Politik jetzt eine breite Debatte darüber führe. Einen eigenen Standpunkt zum Thema will er sich nicht so leicht entlocken lassen. „Es braucht einen Abwägungsprozess“, weicht er aus.

Journalistin Eva Quadbeck spricht in der Sendung mehr Klartext. „Ich bin für Regulierung“, erklärt sie. „Justiziable Inhalte sind ein Problem“, findet sie. In der Tat sind gerade sexualisierte und gewaltverherrlichende Inhalte auf den Social-Media-Plattformen sehr weit verbreitet und leicht zugänglich für Minderjährige. Allerdings wäre dieses Problem sehr leicht zu lösen. Würde eine Social-Media-Plattform dem nationalen Medienrecht unterliegen, wäre der meiste unliebsame Wildwuchs an kritischen Inhalten Geschichte. Es ist bis heute ein Rätsel, wieso die Politik die Plattformbetreiber nicht dem Medienrecht unterwirft.

Trotz der Gefahren, die von Social-Media für Minderjährige ausgehen können, will Quadbeck, dass auch Minderjährige die Plattformen nutzen können. „Ich bin gegen ein Verbot für Social-Media“, meint sie. Moderator Lanz möchte an diesem Punkt auch gerne von Philipp Amthor einen klaren Standpunkt wissen und bohrt nochmal nach. Doch Amthor flüchtet sich in Allgemeinplätze und schweift ab. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“, antwortet der mecklenburg-vorpommersche Bundestagsabgeordnete dem Moderator. Dieser ist zunehmend genervt. „Sie antworten nicht auf meine Frage“, bemängelt Lanz. Trotz der Bemühungen von Lanz bleibt es dabei. Amthor windet sich wie ein zitternder Aal und antwortet nicht auf die Frage.

Trump verhaftet sozialistischen Präsidenten spektakulär

Bei dieser militärischen Aktion dürften selbst die Macher von James Bond gestaunt haben. In bester Action-Film-Manier verhafteten amerikanische Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in seinem Schlafzimmer. Noch Tage nach dieser atemberaubenden militärischen Aktion stehen viele Münder geschockt offen. Aller Orten wird über die Motive von Donald Trump und die Hintergründe der Verhaftung von Maduro gemutmaßt.

Mediale Bigotterie
Wie das Völkerrecht zur Phrase wird
„Offiziell ist es als Polizeiaktion deklariert“, berichtet der in den Staaten lehrende Ökonomie-Professor Rüdiger Bachmann. „Eine Dimension ist das Öl“, erklärt er. In Venezuela werden die größten nutzbaren Ölreserven der Welt vermutet. Allerdings ist in dem sklerotischen planwirtschaftlich-organisierten Staat nicht an eine gewinnbringende und effiziente Förderung des wertvollen Bodenschatzes zu denken. Außerdem handelt es sich beim venezolanischen Öl um Schweröl, welches schwierig zu verarbeiten ist. „Die Planwirtschaft hat kein Equipment für eine vernünftige Förderung“, analysiert Ökonom Bachmann richtig. „Es geht um geopolitische und innenpolitische Signale“, vermutet der Professor hinter der Aktion. Damit dürfte er ins Schwarze treffen.

Der US-Präsident steht innenpolitisch gehörig unter Druck. Trump muss schwache Beliebtheitswerte verbuchen und sich mit der Affäre um den verurteilten Sexualstraftäter Epstein herumschlagen. Da könnte es durchaus im Kalkül des Präsidenten liegen, wenn er durch Ablenkungsmanöver in der Außenpolitik andere Schlagzeilen produziert. Von Seiten des deutschen Bundeskanzlers gab es wenig Kritik für Trump. „Für die Europäer ist es wichtig, die Amerikaner nicht zu verärgern“, äußert Journalistin Eva Quadbeck. „Das Völkerrecht ist heruntergekommen“, kritisiert sie.

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Kommentare ( 10 )

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10 Comments
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November Man
9 Stunden her

Ist Philipp Amthor als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung nicht für den Bereich Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau zuständig? Wann und was arbeitet der eigentlich, außer in Shows herumsitzen und große Reden führen? Von Bürokratieabbau wenigstens ist in Deutschland nicht zu merken. Amthor sollte besser vor seiner eigenen Türe kehren. Vom Shootingstar zum Rohrkrepierer – die Karriere des einstigen CDU-Newcomers Philipp Amthor kennt nur eine Richtung. Ob der Amthor-Augustus Intelligence-Lobbyismus-Skandal, schönes Foto mit einem Nazi, unklare und dubiose Spenden-Machenschaften mit TikTok oder überhöhte Geschwindigkeit mit Führerscheinsperre, es ging nach wie vor steil bergab. „Merkels Bubi“, „Planierraupe aus Ueckermünde“, „Harry… Mehr

November Man
9 Stunden her

Trump geht es nur um Öl und die Macht über das Öl. Selber hat die USA auf Dauer zu wenig. Von Rußland bekäme die USA genügend Öl, muss es aber bezahlen. Also muss man das Öl im ölreichen Venezuela in großen Mengen stehlen. Um erst sein Land zu versorgen und den Rest zu völlig überhöhten Preisen an die unbedarften Europäer zu verkaufen. Denn die wollen dummerweise kein hochwertiges und günstiges Öl aus Russland. Das heißt für die Europäer, noch massiv weiter ansteigende Preise. „Der Hehler ist nicht besser als der Stehler“   

Dr. Rehmstack
10 Stunden her

Ein kleiner Vorschlag: schauen Sie sich Markus Lanz mit der unvermeidlich Eva Quadbeck, dem sich hinlümmelnden Deutsch amerikanischen Ökonomen, der offensichtlich in Amerika nicht gebraucht wird und dem berufsjugendlichen Amthor an (nur Herr Mielke war ein Lichtblick) und dann vergleichen Sie das mal mit der gestrigen Talkshow im Hangar bei ServusTV, unter anderem mit Antje Hermenau. Dann wissen Sie endgültig, wofür Sie ihre 18 € monatlich vergeuden.

Haeretiker
11 Stunden her

„Für Deutschland und die Europäer sollte klar sein, dass die USA zu jeder Zeit und an jedem Ort in der Lage sind, unabgesprochene Tatsachen zu schaffen.“
 
Und für Trump sollte klar sein, dass das „alte Europa“ ihm jederzeit boshaft in die Suppe spucken kann.

Last edited 11 Stunden her by Haeretiker
Haba Orwell
9 Stunden her
Antworten an  Haeretiker

Die neue Welt auch – der US-Senat hat ihm gerade Kriegsabenteuer ohne parlamentarische Erlaubnis strikt verboten. Auch 5 Rep-Senatoren stimmten dafür.

Haba Orwell
11 Stunden her

> Doch Trump ist nun nicht gerade dafür bekannt, dass er sich allzu sehr mit den Untiefen des internationalen Völkerrechts auseinandersetzt. Die Begrifflichkeit der Soft Power muss ihm aber erklärbar sein? Früher hiess es noch oft, die USA würden sich für die Freiheit einsetzen, was er drastisch zerstört hat. Wie würden seine Geschäfte laufen, bekämen eine Immobilien ein Bruchbuden-Image? Juri Podoljaka heute auf Telegramm: „… „Wir haben 97 % des Drogenhandels über das Wasser abgeschnitten, und jetzt werden wir anfangen, die Kartelle an Land anzugreifen. Drogenkartelle beherrschen Mexiko. Es ist sehr traurig zu sehen, was mit diesem Land passiert ist.“… Mehr

Haba Orwell
11 Stunden her

> In der Sendung geht es außerdem um die Motive von Donald Trump und die Hintergründe der Verhaftung von Nicolás Maduro. Geht es für Trump in Venezuela um Öl? Dazu brachte doch TE mal einen Artikel, laut dem es tatsächlich gerade um Öl geht. Pepe Escobar (kein ÖRR) zweifelt allerdings, ob so schnell welches geklaut werden kann: „Pepe Escobar: Wie Trumps schmierige Träume in einer dunklen Grube Venezuelas zusammenbrechen könnten – uncut-news.ch“ > „… Die großen US-Energiekonzerne sträuben sich dagegen, Vermögen in ein Land zu investieren, das möglicherweise in völliges Chaos versinkt, wenn Neo-Caligula einer Bevölkerung von über 28 Millionen… Mehr

Deutscher
13 Stunden her

Natürlich geht’s um Öl. Genauer gesagt, um die Verträge, die Venezuela und die USA hatten und die Chavez gebrochen hat, wobei er gleich noch die Milliarden teure Fördertechnik, die die US-Ölfirmen in Venezuela investiert hatten, diesen entwendete – „verstaatlicht“, wie es im linken Räuberjargon heißt.

Kurzum: Es geht darum, kriminell linke Machenschaften des Chavez/Maduro-Regimes aufzuheben und wieder legale Geschäfte zu machen.

Gerd Sommer
13 Stunden her

Toll auch heute morgen Linnemann im Morgenmagazin auf alle Fragen des Moderators:“ Wir werden drüber reden“.
Naja dann ist der Republik ja geholfen!

Brauner Bodensatz
14 Stunden her

Nur am Rande: Einen klaren Standpunkt hat der Frischling Amthor dann doch abgegeben. Er meint, Tennis-Wegener habe einen super Job gemacht. Eine Bewertung erspare ich mir.