Karl Lauterbach bei Markus Lanz: Krebs und Krankenhaussterben

Markus Lanz führt am Mittwochabend keine oberflächliche Diskussion. Stattdessen geht er auf Faktensuche: Warum muss es in Deutschland zu einem Krankenhaussterben kommen? Und wie steht es um die Krebsforschung? Lauterbach kann wieder viele Reformen versprechen – aber kommen sie auch?

Screenprint ZDF
Lauterbach ist kurzsichtig. Also nicht, weil er nicht gut sieht. Sondern, weil seine Politik kurzsichtig ist. Unter dem Gesundheitsminister wurde Cannabis legalisiert – aber nicht geregelt, wie Cannabis legal und kommerziell produziert werden darf. Nur der private Anbau, oder in Cannabis-Social-Clubs ist erlaubt. De facto ist die Cannabis-Legalisierung eine Geldwaschmaßnahme für Dealer und die Kartelle, die sie versorgen.

Aber die Cannabis-Legalisierung soll nicht Zentrum dieser Sendung sein. Markus Lanz selbst hat sichtlich keine Lust mehr auf dieses Thema. Es geht um die Krankenhausreform, an der Lauterbach seit seinem Amtsantritt arbeitet. Sie ist dringend notwendig: „Wir haben das teuerste Gesundheitssystem in Europa, wir haben eine durchschnittliche Lebenserwartung, die sich in den letzten 10 Jahren nicht günstig entwickelt hat“, die Digitalisierung von Praxen und Krankenhäusern gehe nicht voran, analysiert der Gesundheitsminister selbst.

Teil des Problems sind die Krankenhäuser. Es gibt 1.700 Krankenhäuser in Deutschland, 80 Prozent von ihnen sind defizitär, ein Drittel der Betten ist leer. Nun ist das Gesundheitswesen kein Kaufhaus, es kann auch einen Mehrwert für die Gesellschaft bringen, wenn es Verlust macht. Wenn so viele Krankenhäuser sich aber nicht tragen können, ist das ein Hinweis auf ein strukturelles Problem. Regelmäßig gehen Krankenhäuser bankrott. Investitionen in den Bau, die Ausrüstung usw. sind so nicht möglich.

Die späte Reform

Lauterbach will die Zahl der Krankenhäuser reduzieren und spezialisieren. Die Experten in der Runde finden das auch gut. Antje Höning, Journalistin (Rheinische Post), und der Onkologe Michael Baumann erklären beide: Es gibt zu viele Krankenhäuser. Die von Lauterbach geforderte Spezialisierung von Krankenhäusern läuft schon; für die optimale Krebsversorgung hat sich neben den Krankenhäusern ein Netzwerk spezialisierter, fachlich breit aufgestellter Krebs-Zentren gebildet, in dem die Hälfte aller Krebsfälle behandelt wird. Die Patienten hier hätten eine deutlich höhere Überlebenschance, lobt Baumann seine eigene Organisation.

Das Problem ist, wie Lauterbach die Reform organisiert. Jahrelang passierte: nichts. Der Minister war beschäftigt mit Corona-Horrormeldungen und der Cannabis-Legalisierung. Jetzt kommt es zu einem „kalten Krankenhaussterben“, so Höning. Allein 2023 haben 40 Krankenhäuser Insolvenz angemeldet. Natürlich kann man versuchen, solche Krankenhäuser mit Geld zuzuschütten. Aber die Krankenhäuser „erleiden das Kaufhof-Galeria-Schicksal“. Die Krankenhäuser schlittern von Insolvenzantrag zu Insolvenzantrag. 2024 werden vermutlich 80 Krankenhäuser einen Insolvenzantrag stellen.

Lauterbach erwidert: Am Ende wurden nur sieben Krankenhäuser geschlossen. Das ist kein Krankenhaussterben. Aber was es sehr wohl ist, das vernachlässigt der Minister, ein ungeplantes Sterben der Krankenhäuser. Wenn die Zahl der Kliniken reduziert werden muss, dann muss genau geplant werden, welchen Kliniken die Reanimation verwehrt wird. Stattdessen gehen die Krankenhäuser bankrott und plötzlich sind sie nicht mehr da.

Lauterbach wird mit der Realität konfrontiert: Corona ist vorbei. Die Probleme des Landes, wie Pflegermangel, Gesundheitsversorgung, Ärzteschwund müssen angegangen werden. Talkshows reichen da nicht.

Lauterbachs Plan ist nicht nur, die Krankenhäuser zu reduzieren, sondern die Struktur der Krankenversorgung komplett umzukrempeln. Bisher bietet jedes Haus fast alles an: Geburtenstation, Notfallchirurgie, orthopädische Knieoperationen, Krebsbehandlung. In Zukunft sollen Landkrankenhäuser auf das täglich Notwendige reduziert werden – Kindsgeburten, Notfallversorgung, Herzinfarktrettung usw. Knieoperationen, Krebspatienten: Komplexe und spezialisierte Fälle sollen an Zentren verwiesen werden.

Die Gefahr besteht, dass die Landbevölkerung unterversorgt wird. Schnell kann es passieren, dass das nächste Krebszentrum eine Autostunde entfernt ist. Wohingegen in den Städten alle wichtigen Zentren vorhanden sind.

Eine hochtechnische Diskussion

Es ist keine neue Diskussion: Lauterbach vertrat die These, dass Krankenhäuser reduziert werden müssen, schon vor der Corona-Krise. Die notwendige Krankenhausreform kommt spät. Wie sie umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt: Denn ein Plan ist nur so gut wie seine Umsetzung. Und so schlecht die Ampel im Planen ist, noch schlechter ist sie in der Umsetzung.

Diese Sendung von Markus Lanz ist spannend. Die Probleme des Gesundheitssystems sind evident und dringend. Es ist aber eine hochtechnische Diskussion. Von der üblichen Oberflächlichkeit politischer Phrasen ist keine Rede. Noch spannender wird es, als Lanz den Onkologen Baumann zu neuesten Entwicklungen in der Krebsforschung befragt. Jetzt muss der Gesundheitsminister liefern. Hoffentlich besser als bei der Cannabis-Legalisierung.

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Kommentare ( 22 )

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Zum alten Fritz
4 Tage her

Was nützen Krankenhäuser ohne Ärzte und Krankenschwestern? Wer einen ordentlichen Abschluss hat verschwindet aus Deutschland.

Sterling Heights
5 Tage her

So ist das, wenn man mit hochkompetenten Parteimitgliedern wie Esken, Klingbeil und Co. zusammenarbeitet. Lauterbach ist zu 150 % linksgruener Politiker, den ich nicht ernst nehmen kann und der unserem Gesundheitswesen schadet.

Riffelblech
5 Tage her

Lauterbach als Reformer — um Himmels Willen bloß nicht !
Der Hat doch schon die Helios Kliniken totreformiert,hat zusammen mit Ulla Schmidt die ambulante Versorgung der Hausärzte fast zum Erliegen gebracht und hat in der CoronakRise zwar jeden Tag „ Erkenntnisse aus Hawart „ aber trotz allem nur Blödsinn geredet und vollbracht .
Seine sagenhafte Cannabisfreigabe ist der Witz des Jahrhunderts .
Und so was darf in einem der sensibelsten Bereiche des Lebens herumwirtschaften wie ein wilder Elefant in der Tomatenplantage — armes Deutschland!

Ingolf Paercher
5 Tage her

Ich hab’s gesehen – Lauterbach so wirrköpfig wie immer. Am Land kommt man jetzt schon vom Nirgendwo ins Irgendwo und in der Stadt steht man sich die Beine in den Bauch, bevor man den Hauch einer Behandlung erfährt. Das ist sche**e und schon seit Jahren so. Die meisten niedergelassenen Ärzte sind Einzelunternehmer und Kliniken auch eingepfercht in ein Bezahlsystem, das keiner durchblickt und die GKV gibt einen Katalog vor, der keinem gerecht wird – so sagen alle. Ohne die PKV- Versicherten wäre das System längst zusammengekracht. Eigentlich wäre es Sache, daß sich da mal alle zusammensetzen und betriebswirtschaftliche Optimierung ohne… Mehr

Peter W.
5 Tage her

Krankenversorgung und Vorsorge ist eine zentrale staatliche Aufgabe, wie Bildung, Verteidigung und Infrastruktur und sollte niemals in die Hände von gewinnorientierten Unternehmen fallen.

Radikaler Demokrat
5 Tage her

Ünd über was soll der da dozieren? „Mein persönlicher Beitrag zum Ruin eines eines einstmals florierenden Landes“ wäre eine passende Vorlesung, aber ansonsten hat der doch noch ähnlich „viel“ drauf wie die der Kevin oder die Ricarda.
Aber Sie haben Recht, bei den heutigen Studenten kann auch der Karlatan nicht mehr viel kaputtmachen…

Winnetouch
5 Tage her

Karl Lobbybach! 100% für die Pharmaindustrie, 0% für die Patienten und das medizinische Personal. Eingekleidet wird das ganze in spärliche Versprechungen und indem sich Lauterbach selbst als Retter in der Not und moralische Instanz inszeniert. Das deutsche Wort „verschlimmbessern“ wurde für ihn geschaffen.

PaulN
5 Tage her

Der Onkologe Baumann propagiert für Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs und allgemeine Vorsorgeimpfungen gegen Krebs. So jemand ist Leiter des Krebsforschungszentrums Heidelberg, da kann einem nur angst und bange werden.

Last edited 5 Tage her by PaulN
elly
5 Tage her
Antworten an  PaulN

naja, die Pfizer Aktie boomt halt nicht mehr. Sobald Pfizer eine Impfung gegen Krebs auf dem Markt hat, gibts bestimmt bald wieder eine Diskussion um eine Impfpflicht. Ganz perfide gings, nur Geimpfte zu behandeln.

Radikaler Demokrat
5 Tage her

Ein Grundsatzfehler war die Umwandlung der Kliniken in Kapitalgesellschaften. Jetzt muß ein Krankenhaus „wirtschaftlich“ sein, ein Faktor, dem sich die normale Gesundheitsversorgung entziehen sollte. Wer krank ist, muß erstmal behandelt werden; bei nicht akut lebensbedrohlichen Erkankungen darf man gerne mal über den Sinn von bestimmten – teuren – Behandlungsmethoden in Frage stellen, und ob man jemanden auf dem Sterbebett noch 3 Tage per Apparate am Leben erhält, wenn eigentlich schon Schluß ist, darüber könnte man mal ethisch diskutieren (aber nicht mit dem „Ethikrat“); aber grundsätzlich ist genug Geld im System, um auch auf dem Land eine Klinikversorgung sicherzustellen, auch wenn… Mehr

Maunzz
5 Tage her

Lauterbachs Krankenhausreform ist die Dänemarkisierung des Kliniksystems. Vor knapp 25 Jahren gab es über 100 Vollkliniken, jetzt 18 Vollkliniken. Nicht mehr gebrauchte Kliniken sind zu Ambulanzen oder Ärztehäuser umfunktioniert, um gebündeltes Fachwissen und kurze Wege zu ermöglichen. Allerdings ist Dänemark ein Schritt weiter, als das orientierungslose Deutschland: E-Gesundheit, alle Patientendaten sind zugänglich für Ärzte. Bürger müssen innerhalb einer Woche nicht zehn Blutproben bei zehn Ärzten zu einer Krankheit abgeben. An Gesundheitsreformen sind bisher alle deutschen Bundesgesundheitsminister gescheitert.