Ausbau des Kanzleramts: Ein Fass ohne Boden

600 Millionen Euro sollte das neue Kanzleramt kosten, nun sattelt die Bundesregierung wegen Planänderungen noch einmal 30 Millionen drauf. Wieso nicht noch einen Graben mit Zugbrücke dazu, bei so viel Verachtung für den Souverän?

IMAGO / Jürgen Ritter

Darf es noch etwas mehr sein? Das Prestigeprojekt „Kanzleramt“ ist wieder um ein neues Kapitel reicher. Wie die Bild-Zeitung berichtet, verteuert sich das bisher auf 600 Millionen Euro geschätzte Projekt um weitere 30 Millionen Euro. Schuld daran sei eine „Planänderung“: Unter der Spree soll zusätzlich ein neuer Tunnel gebaut werden. Man gönnt sich ja sonst nichts.

In smarten und ökologischen Zeiten darf auch der Naturschutz nicht fehlen. Zum Ausgleich dafür, dass für den Neubau Bäume gefällt werden müssen, plant die Regierung Baumverpflanzungen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen. Wie eh und je reagiert das Bundeskanzleramt auf Kritik damit, dass Büromangel herrsche. Dem Übel der wuchernden Bürokratie tritt man nicht mit der Axt entgegen, sondern baut dafür ein größeres Terrarium.

Der neue Berliner Flughafen heißt Kanzleramt
Das Kanzleramt wird zum Millionengrab
Man mag die Kritik am Protzbau als Neiddiskussion oder Populismus abkanzeln. Die Idee, die Stellen langfristig abzubauen, traut man sich als konstruktiven Vorschlag nicht einmal auszusprechen. Dass aber das Millionengrab Kanzleramt ausgerechnet in einer der wirtschaftlich angespanntesten Phasen ohne Rücksicht auf die Verhältnisse im Land vorangetrieben wird, grenzt an Verachtung.

Während der Bürger nach galoppierender Inflation und explodierenden Preisen mit der Gasumlage neuerlich zur Kasse gebeten wird, versüßen sich die Granden der Ampel das Leben. Die Bundesregierung hätte die Möglichkeit, statt die Heizung abzudrehen oder den Lichtpalast Bundespalast abzudimmen ein deutliches Zeichen zu setzen.

Wer landesweite Annoncen in die Zeitungen zum Energiesparen setzt und zeitgleich an der größten Regierungszentrale der westlichen Welt baut, sollte sich nicht wundern, wenn er jede Glaubwürdigkeit verspielt.

Doch auch dafür gibt es ja bewährte Mittel: Mit einer zusätzlichen Investition zur Verlängerung des angedachten Bundestagsgrabens könnte man die Spree umleiten und aus dem Kanzleramt eine Insel der Seligen mit Zugbrücke bauen. Dann bleibt auch der Pöbel im Wutwinter mit Sicherheit draußen.

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Kommentare ( 14 )

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Alf
1 Monat her

Im Vergleich zum Schaden, den die Ampel mit ihrer Politik anrichtet, sind die Kosten des Kanzleramtes ein richtiges Schnäppchen.

AnSi
1 Monat her

Den Büromangel könnte man ganz leicht mit der Schrumpfung des BT beheben.
Das Geld, was man für den Um- und/oder Neubau dieser „Hütte“ benötigt und geradezu „verbrennt“ hätte man gut für andere Projekte verwenden können. Ich schlage mal „Gasumlage“ oder „Schulsanierungen“ vor. Sicher fallen uns da noch 1000 andere sinnvollere Projekte ein, aber da kann man halt nicht so schön den Michel schröpfen. Der ist wiederum sehr geduldig. Für eine Abschlagszahlung für Gas oder Strom nimmt der demnächst auch gern einen Kredit auf.
Irre, einfach nur noch irre dieses Schland!

StefanZ
1 Monat her

Wofür eigentlich? Wir gönnen uns ein Mega-Parlament, ein neues Versailles für die Abgeordneten und werden von der EU regiert. (s. Maut oder die Aussetzung der Umsatzsteuer auf die Gasumlage)
Die einzig wichtige Aufgabe, die Abstimmung für die Diätenerhöhung, kann man auch schnell auf der grünen Wiese durchwinken. Nicht nur der ÖRR ist zutiefst marode.

Iso
1 Monat her

Stilistisch ist das Kanzlerkubus ein Fall für die Abrissbirne und würde eher in eine Plattenbausiedlung passen. Statt dieser leblosen Betonwürfel sollte ein Neubau zum Reichstag passend gestaltet sein und nicht wie eine Abflughalle aussehen.

rainer erich
1 Monat her

Und wieder folgt die Frage, wie der verachtete und bekämpfte Souverän damit umgeht, mit dem neofeudalen Protz und der Verschwendung seiner Gelder. Antwort : Er, der Souveraen, der aber keiner sein will, laesst es sich gefallen, gleichgültig, nicht verstehend oder sogar begeistert. Und nun? Die Prognose sei “ gewagt“, da geht noch mehr, viel mehr und der Souverän wird auch das hinnehmen. Seine Bereitschaft zur Unterwerfung und Opferung gegenueber seinen Machthabern ist grenzenlos. Wir werden es ganz sicher noch bewundern duerfen.

EinBuerger
1 Monat her

Ich finde es witzig, aber auch gut, dass die überhaupt kein Gespür haben. Sei es Lindnder mit seiner Sylthochzeit. Sei es Merz mit seinem Flieger. Seien es die GEZ-Granden. Und nun das Kanzleramt.
Natürlich könnte man auch noch die 1 Milliarde für den Bundestag anführen und viele andere Dinge.

FZW
1 Monat her

Eines ist – denke ich – jetzt schon allen klar: bei den 30 Mio. Mehrkosten wird´s nicht bleiben.

Hoffnungslos
1 Monat her

Die größte Regierungszentrale der westlichen Welt. Was will uns diese rotgrüne Bundesregierung damit sagen? Globaler Führungsanspruch? Von der VR China Demokratie lernen? Langsam habe ich den Verdacht, dass die Vorurteile vieler europäischere Länder Deutschland gegenüber nicht ganz unberechtigt sind. Wir scheinen tatsächlich ein gewisses Potential an Weltmachtsfantasten und Größenwahnsinnigen zu haben.

T. Ruebsal
1 Monat her

Was nützen ein Zugbrücke und paar Meter Wassergraben, wenn das ganze Land brennt? Die „Politik“ betreibt auch hier nur Augenwischerei. Okay 😉

Alleswasrechtist
1 Monat her

Naja, angesichts der zahlreichen wie schwerwiegenden Fehler seit Merkel nehmen sich die steigenden Kosten vom Kanzlerumbau eher lächerlich aus. Ich hoffe gleichwohl, die Regierungsdarsteller einschließlich dem 1-Minutenduscher, dem 18-Grad-Schwitzenden und der Stromimnetzspeichernden werden sich wohlfühlen.