Geld als Machterhaltungsmittel oder Alternativen in der Geldpolitik

„Über Geld spricht man nicht." Diesen vermeintlichen gesellschaftlichen Grundsatz wirft Benjamin Mudlack mit seinem Buch „Neues Geld für eine freie Welt – Warum das Geldsystem kein Herrschaftsinstrument sein darf“ über Bord. Und das aus guten Gründen!

Es ist eines der dickeren Bücher in meiner 16 Meter hohen Bücherwand. Aber Benjamin Mudlacks Buch ist eine Extra-Stütze wert. Nicht weil es um Geld geht, von dem wir bekanntlich immer zu wenig haben und das doch nicht glücklicher macht, wenn wir es besitzen – wie das wohl nur diejenigen sagen, die keine Aussicht auf ein Bad in Geld haben wie Dagobert Duck. (Der bekanntlich auch in Sorge lebte und geizig ein armes Leben fristete.)

Wahrscheinlich ist es dessen Bild vom Geldspeicher in den Micky-Maus-Heften, das unser Bild von Geld prägt – gelagert in Form von güldenen Talern und ein paar grünen Dollarscheinen dazwischen.

Aber Geld wird nicht gelagert; es liegt nicht passiv herum bis es von der Panzerknacker-Banke geklaut wird – auch wenn sich Tresore als Versteck eignen und prall gefüllt sind, wie der Einbruch in den Tresorraum der Sparkasse von Gelsenkirchen-Buer zeigt: was passiert, wenn es plötzlich in Umlauf gerät?

Was für die Bestohlenen ein schrecklicher Vorgang ist, könnte sich ökonomisch positiv auswirken: Nachfrage entsteht, und damit Einkommen und Arbeitsplätze.

Denn: Geld schläft nicht. „Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zur andern“, sagt das Kinderlied aus der Vor-Handy-Zeit und ist damit näher an der modernen Geldpolitik als Micky Maus.

TICHYS LIEBLINGSBUCH DER WOCHE
Wie robust ist der verfassungsrechtliche Schutz des Bargelds?
Die funktioniert tatsächlich ein wenig wie die Panzerknacker-Bande von Gelsenkirchen: Schuldenpolitik zur Ankurbelung der Wirtschaft macht die Bürger ärmer in der Hoffnung, die Wirtschaft ins Laufen zu bringen und Wohlstand für Alle zu schaffen. Beim Phänomen Geld verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse; wir benutzen es ständig (gerade leert sich wie von Zauberhand mein Bankkonto, ohne dass ich einen Finger rühre). Und doch wissen wir nicht, was wir tun und was geschieht.

Was ist Geld überhaupt? Mittlerweile ist auch das Handy „Geld“, man kann damit bezahlen. Morgen angeblich per Augen-Scan.

So alltäglich der Umgang mit Geld auch ist, so weitreichend sind die Irrtümer, die darüber herrschen. Deshalb beleuchtet Benjamin Mudlack in seinem umfassenden Werk die Auswirkungen durch das schier endlose Geldschöpfen der Zentralbanken genauso wie die zinsplanerische Festlegung des Zinses.

Bevor er sich diesen komplexen Zusammenhängen widmet, startet der Autor bei den Grundlagen und legt dar, was überhaupt Geld ist und wie zum Beispiel Wert und Preis zusammenhängen.

All dies ist das Fundament, um schließlich nachvollziehen zu können, wie Geld als Herrschaftsinstrument eingesetzt und missbraucht werden kann und wie es missbraucht wird. Auch die Herkunft des Geldes sowie die Frage, ob es überhaupt eine optimale Geldmenge gibt, diskutiert er.

In seine Überlegungen bezieht Benjamin Mudlack auch die Ideen großer Vordenker mit ein. Es finden sich in seinem Buch Analysen zu Gedanken von unter anderem Ludwig von Mises, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich August von Hayek und Carl Menger. Mit einer Symbiose aus Theorie und praktischen Beispielen gelingt es dem Autor einen Ausblick auf einen alternativen Umgang mit Geld zu geben: freies, entpolitisiertes Geld.

So ist ein Nachschlagewerk entstanden, das man als Stichwortgeber benutzen kann, auch und gerade für Begriffe, die man ohne Nachdenken benutzt: Was ist Inflation? Wie entsteht sie?

Immer wieder weist Benjamin Mudlack auf die Kluft hin, die zwischen dem tatsächlichen Zustand und Wirken von Geldpolitik und Medienberichterstattung einerseits und der wirtschaftlichen Realität andererseits besteht. Weil kaum jemand das Thema Geld für sich durchdringt, ist der Manipulation und dem politischen Missbrauch Tür und Tor geöffnet; in diesem Fall ist es der Zugang zu unserem ganz persönlichen Geldspeicher, egal ob Tresor oder Handy.

Die Allgegenwart und sogar streckenweise Allmächtigkeit von Geld stehen im krassen Gegensatz zur Unwissenheit über das Wirken der Mächte dahinter: Zentralbanken, Großunternehmen, Politikern, Kriegstreibern und Kriegsgewinnlern, Investoren, Konsumenten, Sparern, Bankern, Beratern.

Geht die Weltherrschaft des Dollars zu Ende und wird durch eine BRICS-Währung ersetzt, und wie soll das funktionieren? Kehren wir zum Gold als Geld zurück oder geht es vorwärts in den Bitcoin? Benjamin Mudlack lässt keine Frage aus und ist um keine Antwort verlegen.

Benjamin Mudlack, Neues Geld für eine freie Welt. Warum das Geldsystem kein Herrschaftsinstrument sein darf. Mit einem Vorwort von Carlos A. Gebauer. Edition Sandwirt, Hardcover, 576 Seiten inklusive 130 Grafiken, Diagramme und Fotos, 50,00 €.


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Kommentare ( 1 )

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Haba Orwell
10 Stunden her

> All dies ist das Fundament, um schließlich nachvollziehen zu können, wie Geld als Herrschaftsinstrument eingesetzt und missbraucht werden kann und wie es missbraucht wird.  Meine Frau ließ kürzlich ein Podcast eines polnischen Geopolitik-Experten laufen, wo die Rede war, mit welchen rabiaten Methoden Trump seine Dollarinis der übrigen Welt aufzwingen will – während die Welt von den USD wegkommt. Auch die Ereignisse in Venezuela haben was damit zu tun – die Chinesen kaufen Öl für Yuans, nicht für USD. Für den Experten war es übrigens keine Demonstration der Macht, sondern der Ohnmacht – wenn man Macht hat, werden etliche US-Wünsche… Mehr