Subventionslotto für Investoren – Merz verteilt großzügig und glaubt, die Wirtschaft anzukurbeln

Beim „Invest in Germany Summit“ versucht die Bundesregierung alles, um die Wirtschaft wiederzubeleben: Investitionsbooster, Start-up-Strategie und eine hochsubventionierte Staatswirtschaft. Finanziert wird dies mit Schulden, Rechnungszustellung an die Kindeskinder inklusive. Die werden einmal die jetzt erschaffene Wirtschaftsbrache erben.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Große Bühne für den Bundeskanzler: Die Wirtschaft werde in diesem Jahr bis zu 850 Milliarden Euro am Standort investieren, tönte Friedrich Merz am Dienstag auf dem Investitionsgipfel „Invest in Germany“. Große Töne für einen Mann, der außer Steuererhöhungen, Insolvenzrekorden und einer rekordverdächtigen Kapitalflucht wahrlich nichts zustande gebracht hat.

Ein Blick auf die tatsächliche Lage und eines ist klar: Merz wird ganz bestimmt kein wirtschaftlicher Prometheus mehr sein, der diesem Land das Feuer bringt. Ganz im Gegenteil: Bei den Investitionen handelt es sich um längst verplante Routinebeträge jener Unternehmen, die, wenn sie können, vor dem Kanzler und seiner Regierung Reißaus nehmen.

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Am Montag erwartete den Kanzler unter anderem Jensen Huang, Chef des amerikanischen Chipgiganten Nvidia, zum Talk auf der Bühne. Da war Tacheles angesagt, und als es um den Investitionsstandort ging, wurde Huang deutlich, wohl zu deutlich für den Geschmack des Kanzlers. Auf die Frage nach der Regulierung künstlicher Intelligenz gab Huang dem Kanzler zu verstehen: Wenn die KI-Industrie in Deutschland nicht erfolgreich werde, gebe es auch nichts zu regulieren. „Gib Deutschland eine Chance“, forderte er Merz auf.

Das saß. Der Amerikaner brachte den deutschen Bürokratismus auf den Punkt. Als Chef eines energiesensitiven Konzerns wird Huang zudem wissen, woran vor allen Dingen Deutschland leidet: am energiepolitischen Solipsismus seiner irrsinnigen Energiewende.

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Dass Nvidia gemeinsam mit der Telekom und einigen anderen Konzernen eine Industrie-Cloud-Lösung in Deutschland plant, ist an sich schon verwunderlich. Aber der europäische Markt ist noch immer ein Gigant. Jeder, der kann, wird versuchen, selbst diesen vertrockneten Acker zu pflügen. Zumal: In der Regel warten Subventionen auf jeden Wagemutigen, wie der Bundeskanzler nicht müde wurde zu betonen. Denn Merz schob schnell einige hundert Millionen an Fördermitteln nach, um sich medienwirksam an der Initiative Industrial AI Cloud zu beteiligen – politisch verständlich, aber eine klare Medienmanipulation.

Doch sei’s drum, auf die hundert Millionen mehr oder weniger kommt es im Pleitestaat Deutschland wohl auch nicht mehr an. Etwa 321 Milliarden Euro an direkten und indirekten Subventionen, so der Ökonom Lars Feld, steuerte der deutsche Staat im vergangenen Jahr in die Kanäle seiner Subventionswirtschaft. Das sind sieben Prozent des BIP, ein ungeheurer Betrag, der in diesem Jahr spielend die 350-Milliarden-Euro-Schwelle überschreiten dürfte.

Denn es genügt dem Staat nicht mehr, mit der grünen Kunstökonomie einen Zweig der Staatswirtschaft zu finanzieren. Nein, es muss noch ein eigener, künstlich aufgeblähter Rüstungssektor hinzutreten, der mit einem doppelten Wehretat auf dem besten Wege ist, zum Ende der Legislaturperiode 3,5 Prozent des BIP oder 160 Milliarden Euro für sich in Anspruch zu nehmen.

Das Rezept der Zentralplaner: Während die echte Wirtschaft in die Knie geht, vom Standort flüchtet oder mit einer Rekordinsolvenzwelle in diesem Jahr von wenigstens 30.000 Pleiten zu einem wirtschaftlichen Albtraum mutiert, wächst wenigstens die schuldenfinanzierte Traumfabrik der Staatswirtschaft.

Auch die Sorge der Anleihenmärkte vor einer deutschen Schuldenkrise im Zuge einer Neuverschuldung von über fünf Prozent in diesem und etwa sechs Prozent im kommenden Jahr lässt das Duo Merz-Klingbeil kalt. Ihre Strategie: Fördermittel in die Wirtschaft pumpen, bis der Kreditmarkt glüht.

Investitionsbooster nennt sich dieser Sozialismus heute. Unter seiner Flagge werden jetzt jedes Jahr 40 Milliarden Euro allein im Klima- und Transformationsfonds verbrannt, verheizt in einem Sonderschuldenvermögen von einer halben Billion Euro, dessen Mittel größtenteils an Unternehmen fließen, die tatsächlich nichts von dem produzieren, was Verbraucher oder andere Betriebe tatsächlich nachfragen. Eine Günstlingswirtschaft, eine Form politischer Korruption, die nicht als solche benannt werden darf. Man kann es nicht mehr anders sagen: Sie haben sich in Berlin in einen Schuldenrausch gesteigert. Das hilft, die Realität zu verdrehen und Kurs zu halten.

Die Realität sieht tatsächlich dramatisch aus: Unsere Wirtschaft fährt auf Verschleiß, investiert inzwischen nicht einmal mehr die Summe, die nötig wäre, die bestehenden Produktionskapazitäten wenigstens in der Schwebe zu halten – die Abschreibungen übersteigen die Bruttoinvestitionen. Die wichtigste Stellschraube der Ökonomie, die Nettoinvestitionsquote, ist seit einem Jahr negativ.

Im vergangenen Jahr lag die Quote bei minus 0,23 Prozent. Sie wird in diesem Jahr wohl bei minus 0,75 Prozent liegen, da die realen Bruttoinvestitionen im ersten Halbjahr erneut um 1,5 Prozent eingebrochen waren. Wir sehen wieder einmal: Niemand verbrennt sein Geld leichtfertig am toxischsten Wirtschaftsstandort Europas.

Das ist ein wirtschaftliches Desaster, die Garantie für eine Armutsspirale, die sich auch in den maroden Staatsfinanzen widerspiegelt. Die Antwort der Politik: zermürbende Gerechtigkeitsdebatten, ein Umverteilungsspektakel, das in Berlin nun zu offenem Sozialismus degeneriert.

Ein Blick auf die Nettoinvestitionsquote der 1990er-Jahre zeigt das Ausmaß der ökonomischen Zerstörung durch Klimaregulierung, Energiewende und Wohlfahrtswahn: Seinerzeit lag die Quote bei etwa sieben Prozent, bevor sie von Dekade zu Dekade fiel, um nun in den negativen Bereich zu kollabieren.

Sieben Prozent – kalkuliert anhand der gegenwärtigen Wirtschaftsleistung – würde die Privatwirtschaft jährlich 300 Milliarden Euro mehr investieren lassen, als es gegenwärtig der Fall ist. Eine fantastische Zahl, eine Bankrotterklärung für unsere Politik.

Und selbst unter den wirtschaftlichen Bedingungen der ersten Dekade unseres Jahrhunderts sähe die Lage wesentlich rosiger aus: Bei einer Nettoinvestitionsquote von etwa dreieinhalb Prozent wäre der wahre Investitionsbooster noch immer die deutsche Wirtschaft – mit jährlich 150 Milliarden Euro.

Sichtbarer Auswuchs des zur Staatswirtschaft verkommenen deutschen Wirtschaftsmodells ist seine Inflation. Güter- oder Vermögenspreissteigerungen in der Breite sind stets die Folge staatlichen Handelns. Mal ist es die Kreditnotenpresse zur Finanzierung von Staatsdefiziten, die die Geldmenge erhöht, ohne dass neue Güter dafür produziert wurden. Ein andermal ist es die durch Regulierung, Staatsintervention und hohe fiskalische Lasten zerstörte Privatökonomie, die in die Knie geht und letztlich durch einen Nachfrageüberhang Preissteigerungen erzeugt.

Zuletzt lag die deutsche Inflationsrate im September bei 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Da die Zukunft nicht festgeschrieben ist und das Würfelspiel der ökonomischen Götter obskur bleibt, könnte das gegenwärtige deutsche Modell auch in einem Deflationsschock in Rauch aufgehen. Bricht die Ökonomie weiter ein, steigt die Arbeitslosigkeit, wird die Nachfrage kollabieren und die Preise korrigieren in die Gegenrichtung.

Dann schlägt die große Stunde der Sozialpolitiker, die mit einem neuen Schuldenfüllhorn die Gemüter beruhigen werden.

Einen Javier Milei wird dieses Land vermutlich nicht erleben.

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Kommentare ( 13 )

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13 Comments
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Koepenicker
38 Minuten her

Die Debatte um den „Invest in Germany Summit“ und die wirtschaftspolitische Ausrichtung der Bundesregierung berührt eine der fundamentalsten Fragestellungen der modernen Makroökonomie: Wie viel staatliche Lenkung ist in Zeiten globaler Strukturkrisen notwendig, und wo beginnt die Marktverzerrung? Wenn Thomas Kolbe in seiner Analyse die Maßnahmen der Bundesregierung pauschal als „Schuldenrausch“, „Günstlingswirtschaft“ und „offenen Sozialismus“ bewertet, verengt er das ökonomische Diskursfeld auf eine rein angebotsorientierte Sichtweise. Diese ideologische Perspektive greift im aktuellen geopolitischen Kontext jedoch zu kurz, da sie die realen Systemzwänge ausblendet, in denen sich Nationalstaaten heute bewegen. Ein sachlicher Vergleich zeigt, dass das Ringen um den Erhalt von Industriearbeitsplätzen… Mehr

Ombudsmann Wohlgemut
41 Minuten her

Intel wollte u.a. ja auch investieren, es gibt ständig große Ankündigungen, aber am Ende sind die Konditionen einfach so scheiße, dass man selbst mit staatlicher Unterstützung lieber die Finger davon lässt…

Siggi
46 Minuten her

Habeck II. Wer erinnert sich nicht an die geschickten Ankündigungen von North Volt und Intel, die uns letztlich Milliarden gekostet haben und nur für diese Firmen von Vorteil war. Genauso dämlich kommt nun dieser Komplettversager um die Ecke und glaubt, dass ihm noch irgend jemand glaubt. Merz kann erzählen was er will, der ist unten durch, wie die gesamte CDU/CSU und die SPD. Hätte die CVDU/CSU auf das richtige Pferd gesetzt, stünde nicht nur Deutschland heute besser da, auch unsere Gesellschaft hätte viele Opfer und viel Schaden durch die gefährlichen Invasoren bereits verhindern können. Hunderttausende wären bereits wieder in ihrer… Mehr

hes
48 Minuten her

Immer wieder interessant zu sehen, was Politiker alles tun, um keine Fehler ihrer Klasse zugeben zu müssen. Energiepreise, Bürokratie, Ausgaben und Regelungen schnell und effektiv senken, dann klappt es auch mit Investionen. Da kann der Kanzler 100 oder 1000 Mio für KI versprechen. Wenn die Energie entweder zu teuer oder gar nicht bereit steht, kann er das Geld auch gleich an die Rentner und Kinder verschenken. Dies steigert zumindest den Konsum. Aber wenn die Genehmigung eines KI Rechenzentrums dann mehrere Generationen dauert, dann kann er sich auch alles sparen. Nvidia und Siemens wollen die Fabrik 4.0 voranbringen. Wo dann diese… Mehr

F. Hoffmann
1 Stunde her

Meines Wissens sollen die 850 Mrd.bis 2030 investiert werden, das ist aber nicht der entscheidende Punkt. Frage 1) Wer will wieviel für was investieren? Frage 2) Wieviele Investitionen waren sowieso geplant? Frage 3) Von welchen Voraussetzungen sind die Investitionen abhängig? Frage 4) Wie hoch ist der Betrag der Subventionen? zu1) welche Firmen in welchem Sektor? Z.B., sind weitere EE-Anlagen überflüssig. zu2) gerne verwendet: sowieso schon geplante Investitionen einzurechnen zu3) besteht überhaupt die notwendige Infrastruktur oder ist deren Erstellung erst mal Inhalt von Planungen (also eher „könnte sein“, „wenn, dann“)? zu4) wer bekommt warum und wofür welche Subventionen? Wie hoch ist… Mehr

Siggi
43 Minuten her
Antworten an  F. Hoffmann

Das ist doch nur hohles Bla Bla. Merz hat nicht gemerkt, dass die nur einen Scherz auf Kosten des dämlichen Merz gemacht gemacht haben. Wer auf diesen Sarkasmus der Investoren reinfällt, muss schon ziemlich verloren und blind sein.

Merz klammert sich an jeden Strohhalm, und jeder Witz ist für ihn Hoffnung und Basis für neue Lügen.

Merz taugt nichts.

verblichene Rose
1 Stunde her

Tja, dagegen ist Victor Lustig, „der Mann, der den Eiffelturm verkaufte“ wohl noch ein ernst zu nehmender Kaufmann gewesen!
Denn Herr Merz kann ja nicht befehlen, dass Unternehmen wieder in Deutschland investieren. Dann blieben also nur noch Versprechungen von massiven Subventionen. Eigentlich kann man sich dann das werben um Investoren auch gleich sparen, wenn dann Steuern und Abgaben für das Volk parallel wieder wachsen (müssen!). Und dabei wäre es doch ganz einfach: Bürokratie radikal abschaffen (nicht nur abbauen!) und allen Schneeflöckchen endlich reinen Wein einschenken. Also nicht nur vom Stadtbild und der Faulheit der Deutschen sprechen, sondern präzisieren!

AlNamrood
1 Stunde her

Subventionen sind der einzige Grund warum ausländische Firmen überhaupt nach Deutschland kommen. Ich erinnere an das Tesla-Werk. Kein normaler Unternehmer will sich endlos mit der deutschen Bürokratie rumärgern.

Waehler 21
1 Stunde her

Merz bezahlt schon für scheinbar positive Meldungen. Nichts gelingt, da macht man so etwas.

Harry Charles
1 Stunde her

NUR KINDER UND KINDESKINDER? Wer so argumentiert, spielt dem linksgrün-schwarzen Politestablishment und seiner Misswirtschaft in die Hände. Wir haben jede Menge Missstände JETZT – nicht erst in 50 Jahren (da können sie mir, ehrlich gesagt, auch schon ziemlich egal sein). Es ist müßig, hier alles wieder aufzuzählen. Die meisten Maßnahmen bringen auch nix, so lange man das Schul-/Bildungssystem nicht reformiert und wieder auf eine leistungsfähige Basis stellt. Schon da, an der Quelle, muss sozialistische Gleichmacherei bekämpft und verhindert werden. Die alte Bonner Republik war eine der stärksten Volkswirtschaften der Erde nicht zuletzt wegen ihres guten Bildungssystems. Gute Schulen machten gute… Mehr

P. Pauquet
1 Stunde her

Headline: Das ist ja toll. Woher hat er denn die Mittel bzw. das Geld? Hat er irgend eine Kompetenz das zu bewerten? Kann er hypothetischen Investoren eine verbindliche Rechtssicherheit und Standortgarantie geben. Ist er sicher von Investoren nicht betrogen, über den Tisch gezogen zu werden? Subventionen weg?
Nein! Das kann und hat er Alles nicht und niemals gehabt. Das hat er mit Bravour bewiesen. … Weiteres erspare ich mir.