CDU im Norden will Zuckersteuer und Energy-Drink-Verbot für Jüngere

Während im für Ernährung zuständigen Bundesministerium nach der Phase grüner Volkserziehung inzwischen wieder Vernunft und Augenmaß agieren, geht die CDU Schleswig-Holstein ihren eigenen ideologiegeleiteten Weg. Sie will gesüßte Getränke besteuern. Der Kauf von Energy-Drinks soll erst ab 16 Jahren erlaubt sein. Von Detlef Brendel

picture alliance / ABBfoto | -

Unsinn muss nur oft genug wiederholt werden, um zu einer vermeintlich wahren Erkenntnis zu werden. NGOs plädieren traditionell für eine Zuckersteuer. Als Minister für Ernährung hat Cem Özdemir immer wieder mit diesem Gedanken gespielt, aber es damit nicht einmal bis ins Kabinett gebracht.

Eine Zuckersteuer, so die schlichte Vorstellung, soll durch Reduzierung des Zuckergehalts in den Produkten schlank machen. Die Engländer haben ihre Hersteller in der Lebensmittelwirtschaft damit drangsaliert. Zudem haben sie mit der Androhung von Werbeverboten die Unternehmen in ihren Freiheiten limitiert. Die ideologische Milchmädchenrechnung geht allerdings nicht auf.

Für fiskalisch verteuerte Produkte gibt es preiswertere Alternativen und Werbung macht nicht dick, weil es nicht um die Initiierung von Hungergefühl, sondern um Markenpositionierung geht. Die Ursachen für unliebsame Pfunde sind nicht Preis und Medienkonsum, sondern der Lebensstil.

Es weihnachtet sehr
Feindbild Zucker
Fakten aus Deutschland zum aktuellen Bewegungsmangel: Eine Studie der Institute für Sportwissenschaft an den Universitäten Köln und Würzburg zeigt, dass die im Sitzen verbrachte Zeit kontinuierlich ansteigt. Jeder Deutsche sitzt täglich rund 9,2 Stunden. Jüngere Menschen im Alter von 18 bis 19 Jahren bringen es sogar auf über zehn Stunden Sitzen pro Tag. Was diese Ruhestellung mit körperlicher Vitalität und Kalorienverbrauch macht, muss nicht detailliert erläutert werden.

Auch Politiker in England agieren wider besseres Wissen. Sowohl die Epidemiologen an der Cambridge University als auch das dortige Institut für Behavioural Economics and Policy haben in ihren Untersuchungen eindrucksvoll dokumentiert, dass dieser Weg der politischen Einflussnahme auf das Ernährungsverhalten der Menschen keinen Effekt auf der Waage zeigt. Wissenschaftlich basierte Fakten dürfen nicht stören. So werden mit paternalistischen Maßnahmen zumindest ideologische Stärke und politische Handlungsfähigkeit demonstriert. Die NGOs applaudieren und die Verbraucher essen und trinken, was ihnen schmeckt.

Auch in der deutschen Politik ist Lernfähigkeit nur partiell ausgeprägt. Während im für Ernährung zuständigen Bundesministerium nach der Phase grüner Volkserziehung inzwischen wieder Vernunft und Augenmaß agieren, geht die CDU Schleswig-Holstein einen anderen Weg und bedient sich an der ideologischen Resterampe. Mit der Rendsburger Erklärung vom 19. September 2025 wurde die bundespolitische Forderung nach der Einführung einer Zuckersteuer auf gesüßte Getränke beschlossen.

Das große Scheitern
Ernährung darf nicht Erziehung durch Grüne sein
In der Erklärung wird darüber hinaus sogar die angebliche Sinnhaftigkeit einer allgemeinen Zuckersteuer unterstrichen. Was gut schmeckt, kommt auf den fiskalischen Prüfstand. Von Marmelade bis Schokolade lassen sich Einnahmen mit der Begründung einer nationalen Schlankheitskur generieren. Steuern lenken jedoch nicht Präferenzen und Einkaufsverhalten. Im Bundesland zwischen den Meeren haben ideologische Hirnwäsche und Indoktrination der NGOs während der letzten Jahre ihre Spuren hinterlassen. Obwohl zahlreiche wissenschaftliche Studien klar belegen, dass Strafsteuern keine Veränderung der Ernährung initiieren und erst recht nicht das Gewicht bei Kindern und Jugendlichen reduzieren, sind Politiker im Norden noch nicht in der Realität angekommen.

Im Rahmen ihrer Klausurtagung in Rendsburg hat die CDU in Schleswig-Holstein die Erklärung zur Kinder-, Jugend- und Familienpolitik beschlossen. Das Programm „Miteinander. Füreinander. Generationsübergreifend zusammenhalten“ wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Diesen Glauben an eine maßregelnde Politik hat Özdemir in seiner Ampel-Koalition immer vermisst.

Es ist ein Glaubensbekenntnis frei von Fakten und gespickt mit Vermutungen. Die CDU-Experten formulieren, „ein Weg zur Reduktion von Adipositas (könnte) auch die Einführung einer Zuckersteuer sein, für die wir uns einsetzen. In anderen Ländern wurde erfolgreich gezeigt, dass dadurch der Zuckergehalt in Lebensmitteln und Getränken sichtbar gesunken und somit auch die Aufnahme gesunken ist“. Beweise für den frommen Wunsch gibt es nicht. Im Gegenteil.

Und weil die Strategen schon einmal bei der Regulierung sind, geht es weiter. „Energydrinks erfreuen sich weltweit wachsender Beliebtheit – sowohl in Deutschland als auch international. Gerade junge Heranwachsende sind eine Zielgruppe, um die Leistungsfähigkeit zu steigern und Müdigkeit zu bekämpfen. Die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf- und Nervensystem sind deutlich. Gerade für einen heranwachsenden Körper kann ein übermäßiger Konsum schädlich sein. Vor diesem Hintergrund wollen wir die Altersgrenze für den Konsum anheben.“ Der Kauf von Energy-Drinks soll erst ab 16 Jahren erlaubt sein. Kein Problem. In Schleswig-Holstein zählt heißer Rum mit Wasser und Zucker zu den traditionellen Energy-Drinks.

Detlef Brendel ist Wirtschaftspublizist.

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Kommentare ( 64 )

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Reinhard Schroeter
1 Monat her

Buntschland wird vor die Wand gefahren, und denen fällt nichts besseres ein.
Die müssen wirklich so blöde sein.
Lässt sich nicht anders erklären als mit Dummheit und Ignoranz.

Der Ingenieur
1 Monat her

Wäre doch ganz einfach:

Zuckersteuer bei Süßgetränken einführen und Umsatzsteuersatz für Zucker von 7 auf 19% erhöhen, dafür aber die GEZ-Gebühren und den ÖRR abschaffen!

Der Ingenieur
1 Monat her

Eine Zuckersteuer für zuckerhaltige Getränke bzw. eine Erhöhung des Umsatzsteuer-Satzes von 7% auf 19% für Zucker, halte ich für sinnvoll, wenn man gleichzeitig die Steuersätze von Mineralwasser, süßstoffhaltigen Getränken und Süßstoff von 19% auf 7% senken würde.

Deutsche
1 Monat her
Antworten an  Der Ingenieur

Irre wie irgendwelche Reflexautomaten hier die Minus Bewertungen verteilen. Keine Ahnung, keine Denkleistung aber schlecht bewerten.

palimpalim2020
1 Monat her

Früher dagegen, bin ich nun für Zucker- und Fettsteuern. Es ist entsetzlich, welche fetten Wracks in der Stadt umherwanken, nicht nur Alte, sondern auch viele Jugendliche. Die Steuern auf Mästwaren sollten direkt zur Finanzierung der Krankenkassen gehen.

Michael Palusch
1 Monat her
Antworten an  palimpalim2020

Steuern sind nicht zweckgebunden. Wenn der Günther es mit der Gesundheit tatsächlich ernst meinen würde, würde er die Abgabe als Gebühr und nicht als Steuer fordern.

Reinhard Schroeter
1 Monat her
Antworten an  palimpalim2020

Das sind des Regimes liebste Untertanen, die von sich aus noch höhere Steuern, auf was auch immer, fordern.

Alexis de Tocqueville
1 Monat her
Antworten an  palimpalim2020

Ich halte Zucker auch für verdammt ungesund. Aber ich will nicht von militanten Veganern und tyrannischen Sozialisten regiert werden. Ich will Wahlfreiheit und Eigenverantwortung. Und Fett, Himmelherrgott, ist Ihnen die Butter nicht schon teuer genug?

Haba Orwell
1 Monat her

> Was gut schmeckt, kommt auf den fiskalischen Prüfstand. Von Marmelade bis Schokolade lassen sich Einnahmen mit der Begründung einer nationalen Schlankheitskur generieren.

Es gibt schon jetzt zu viele Steuern und nicht zu wenige. Die AfD müsste die mit einer Kettensäge zuschneiden – so wie das Kappen der CO2-Tribute versprochen wird.

Michael Palusch
1 Monat her

Was war nur zu Zeiten meiner Kindheit anders, dass es trotz der damals auch schon allgegenwärtigen Verfügbarkeit von Süßigkeiten und zuckerhaltigen Produkten kaum fettleibige Kinder gab?
Allein daran sieht man, dass Zucker allein nicht das Problem sein kann.

J.Thielemann
1 Monat her

haben in ihren Untersuchungen eindrucksvoll dokumentiert, dass dieser Weg der politischen Einflussnahme auf das Ernährungsverhalten der Menschen keinen Effekt auf der Waage zeigt ……
Es hat geklappt! Reingefallen! Das Drumherum wird diskutiert, nicht primär die Steuer an sich! Wen von den Politikern interessiert DAS denn?! Ein „Rechtfertigungs“- Grund muss her- das ist alles! Die Staatsfinanzen pfeifen auf dem aller Letzen Loch. Wo geht da noch was- „ohne Steuererhöhung“? Herr Eichel erhöhte damals die Tabaksteuer nicht zu stark, DAMIT sich nicht zu viele Raucher das Rauchen abgewöhnten!

Kaktus 61
1 Monat her

Ob der stets um seine „noch nicht so lang hier lebenden Menschen“ besorgte Genosse Günther sich das auch gut überlegt hat? Ich sag nur: Baklava.

HansKarl70
1 Monat her

Ist doch ganz einfach, zu dick heißt weniger essen und das Richtige essen und mehr Bewegung , fertig. Wo ist das Problem?

Last edited 1 Monat her by HansKarl70
Haba Orwell
1 Monat her
Antworten an  HansKarl70

Das Problem ist die Volkskrankheit des Strebens nach Murks, Verboten und Abzocken. Man sollte das ÖRR-Glotzen besteuern, zum Beispiel in Pay-TV umwandeln. 1 EUR pro Minute mindestens.

Alexis de Tocqueville
1 Monat her
Antworten an  HansKarl70

Gibt kein Problem damit. Unsere Politiker brauchen einen Vorwand für neue und/oder höhere Steuern. Also sollen wir mehr zahlen, egal wer, egal wofür. Luft haben wir ja schon besteuert. Was bleibt denn da noch, möchte man als Steuerzahler fragen, aber man ahnt die Antwort. Jede Menge! Wasser, Sonnenschein, Wind, Zucker, Atemgeräusche, Schuhgröße… Da geht noch was.

Bernd Bueter
1 Monat her

CDU: vermerkelt, sed-isiert, sozialismuserkrankt, vergrünt und kriminell…..kann weg, muß weg, kommt weg!