»Autofahren ist in Deutschland noch zu einfach und attraktiv«

Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer will Autofahren unattraktiv machen. Der grüne Alltag der "Verkehrswende" sieht in Bremen wie vielerorts eher ernüchternd aus.

picture alliance/dpa | Sina Schuldt
Autofahren sei »noch zu einfach und attraktiv«, sagt die Bremer Senatorin Maike Schaefer. Eine erstaunliche Erkenntnis angesichts des eindrucksvollen Fortschrittes in der Automobiltechnik, bei der es keine gebrochenen Arme mehr beim Anwerfen des Motors mit der Handkurbel wie in den Anfangszeiten gibt, bei der relativ zuverlässige und sichere moderne Fahrzeuge hohe Transportleistungen erbringen und bei der Insassen aufgrund fortschrittlicher aufwendiger Sicherheitstechnik viele Unfälle überleben. Schaefer kommt dennoch im Weser-Kurier zu dem Schluss: »Wir müssen den Menschen alternative Angebote machen, die attraktiver als das Auto sind.«

Schaefer ist überdies seit Anfang dieses Jahres die neue Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder und damit gleichzeitig die erste Grüne auf diesem Sessel. Sie will vorantreiben, was die Grünen »Verkehrswende« nennen. Dazu gehört das gebetsmühlenhaft vorgetragene grüne Mantra von der Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs, ohne dass sie dazu sagt, woher das Geld für die außerhalb der Stoßzeiten recht leer umherfahrende Busse und Bahnen kommen soll. In jedem Fall müsse es »Förderprogramme« geben, um vor allem auf dem Land Busverbindungen auszubauen.

Schaefers oberstes Ziel jedoch: Mal wieder Tempolimit von 130 km/h auf den Autobahnen. Dieser schon vielfach abgeschmetterte weitere Verbotsvorstoß sei ein wichtiges Thema nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Verkehrssicherheit, betont sie. Es sind zwar nur noch lächerliche 1,4 Prozent aller Straßen in Deutschland ohne Geschwindigkeitsbegrenzung befahrbar, auf 98,6 Prozent aller Straßen gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen jedweder Art.
Deutsche Autobahnen, nebenbei bemerkt, zählen zu den sichersten Streckenabschnitten. Hier passieren vergleichsweise die wenigsten Unfälle. Ein Blick ins Ausland lehrt, dass auf dortigen Autobahnen trotz Geschwindigkeitsbeschränkungen deutlich mehr Unfälle passieren.

Es lässt tief blicken, wenn Schaefer diese Marginalie zum Schwerpunkt ihrer Arbeit machen will. Hierzulande erweisen sich die Landstraßen als die gefährlichsten Strecken. Es kommt häufig zu schweren Unfällen mit tödlichen Folgen, wenn zwei Autos frontal aufeinanderprallen. Auch wenn beide nur mit 80 Kilometer pro Stunde fahren, addieren sich die Geschwindigkeiten so auf 160 km/h beim Aufprall. Wenn Maike Schaefer wirklich etwas in Sachen Verkehrssicherheit tun wollte, müsste sie hier ansetzen.

Der grüne Alltag indes sieht gegenüber den hochfliegenden Verkehrswendeplänen in Bremen – wie vielerorts – eher ernüchternd aus. Nach einem guten Dutzend Jahre rot-grüner Regierung in Bremen ist von einer »Verkehrswende« nicht viel zu sehen. Bremer beklagen weiterhin unpünktlichen und unattraktiven öffentlichen Personennahverkehr. Das Fahrrad als uneingeschränktes Verkehrsmittel der Zukunft ist auch in Bremen nicht angekommen. Einen solchen Rückschritt wollen selbst die grünsten Bürger nicht.

Während Grüne und der Radfahrverband ADFC in Bremen seit langem Brücken über die Weser fordern, plagen bisher profane Probleme wie Materialermüdungen an der Stephanibrücke. Für teures Geld erstellte externe Berechnungen zeigen: Einsturzgefahr droht.

Grüne Idee: Ein Bauzaun, der ausgerechnet den Geh- und Radweg verengt, damit nicht mehr so viele Menschen gleichzeitig auf der Brücke stehen. Jetzt darf der Verkehr in den nächsten zwölf bis 20 Jahren nur eingeschränkt über das marode Bauwerk fließen, berichtete der Weser-Kurier. Dafür könne der Bauzaun wieder weg.

Nicht viel ist Schaefer bisher zu einem der wesentlichen Probleme des Radverkehrs in Städten eingefallen: dem Vandalismus. Auf der Straße abgestellte Räder haben meist eine kurze Halbwertzeit und werden sehr oft zum Opfer von Vandalismus. Einigermaßen neu aussehende Räder, auf denen man gut in die Innenstädte radeln kann, verbieten sich dadurch von selbst. So geht mehr Fahrradfahren in den Innenstädten garantiert nicht.

Mit mehr Fahrrädern treibt Schaefer vor allem die Zahl der Toten und Schwerverletzten drastisch in die Höhe. Die Unfallkliniken können ein dramatisches Lied von schwer verletzten Radfahrern singen. Wem es tatsächlich um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden ginge, müsste zuerst darüber reden.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 79 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

79 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
fatherted
2 Tage her

Sorry Leute…aber auf die Behauptung „auf 98,6 Prozent aller Straßen gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen jedweder Art“ hat jahrelang der ADAC vor sich hergeschoben…und verzichtet nun aus gutem Grund darauf, da die Zahl Unsinn ist. Es geht bei dem Tempolimit allein um Bundesautobahnen und Kraftfahrstraßen….es wird hier wohl niemand eine Aufhebung des Tempolimits in Innenstädten oder auf Landstraßen fordern….und was Autobahnen angeht, sind nur ca. 30% der Autobahnstrecken limitiert…der Rest ist frei.

Kuno.2
5 Tage her

Wenn das Autofahren immer noch zu billig ist, dann hat die Bremer Politikerin den Beifall der Merkel. Denn in der DDR könnte sich nur eine Minderheit ein Auto leisten. Aber Fahrräder gab es deutlich mehr.

Skeptiker
7 Tage her

Da kann man ganz deutlich sehen, wie notwendig, wie unverzichtbar die sieben Stiftungsprofessuren für „Radverkehrs-Management“ sind, die – ich glaube – irgendein Ministerium vor einer Weile gestiftet hat und von denen zumindest eine bereits besetzt ist. Natürlich mit einer Frau: https://www.ostfalia.de/cms/de/huk/kommunikation/presse/pressemitteilungen-2020/radverkehrsprofessur-ostfalia-steht-fest/

Last edited 7 Tage her by Skeptiker
Konservativer2
8 Tage her

Ich fahre selbst gerne (und, zugegeben, bei schönem Wetter) viel Rad, auch ca. 12km in die Arbeit. ABER: sind sich unsere Chef-Okos darüber klar, dass der standardnormalverteilte Radfahrer sämtliche Verkehrsregeln vergisst, sobald er auf seinen Drahtesel steigt? Einfach ohne sich umzusehen in den fließenden Verkehr auf die Straße brettern, Rechtsabbieger rechts überholen, auf unübersichtlichen Radwegen zu mehreren nebeneinander fahren, Fußgänger über den Haufen fahren… Erst die Regeln verdeutlichen, dann auf die Straße lassen, bitte!!! ÖPNV mit 80 (nicht km/h, sondernJahren)? Bei Busfahrern, die wie Lewis Hamilton fahren? Wo kein Junger mehr aufsteht, um einen Platz anzubieten? Mit 80 im Winter… Mehr

Last edited 8 Tage her by Konservativer2
Wolfsohn
9 Tage her

»Wir müssen den Menschen alternative Angebote machen, die attraktiver als das Auto sind.«
Der Satz ist unvollständig!
er geht weiter: »Und wenn sie dieses Angebot nicht annehmen, dann müssen wir sie dazu zwingen – notfalls mit Gewalt!«

LarsPRUSSIA
9 Tage her

Die Grünen an der Regierung in Bremen sind die absolute Katastrophe. Im Wahlkampf vor der Bürgerschaftswahl quatschte Maike Schaefer bei jeder Gelegenheit von der großen Förderung des ÖPNV für Nutzer. Das erste, dass die Grünen nach der Wahl taten: Einer saftigen Fahrpreiserhöhung des ÖPNV geschlossen zugestimmt. Der Bürger soll auf das Auto verzichten und beim ÖPNV kräftig draufzahlen.

drnikon
10 Tage her

Ma könnte, man sollte, man müsste. Mit dieser Verkehrspoltik (Verkehrsbehinderungspolitik trifft es besser) seit den 1980ern wurde die Verkehrsinfrastruktur in D absichtlich aus zeitgenössisch-ideoligischen Gründen in einen Zustand versetzt, der mich immer mehr an Straßen der damaligen Ostblockländer erinnert. Wenn Straßen marode sind, Schlaglöcher sich öffnen wird ein Gefahrenschild, eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt und dann war das alles für die nächsten Jahre. Es sein kein Geld da. Wie frech und dreist ist das denn? Aber der Schlafmichel merkt es nicht. Eine Dosis ARD oder ZDF und schon ist er wieder auf politisch gewünschter Spur. Ich bin der Meinung, dass bei dem… Mehr

J. Werner
10 Tage her

Schon bei den Gründungsmitgliedern der Grünen gab es eine große Fraktion der Autohasser – nur noch im Rahmen des ÖPNV war ein Auto o. K. – weil viele dieser Leute aus großbürgerlichen Verhältnissen kamen, und in der Post-68er-Zeit stark maoistisch geprägt waren. Allenfalls war ein Auto für die WG o. K., das aber schnell einem fahrbaren Ascheimer ähnlich war. Dieser Autohaß gehört ganz sicherlich mit zur unveränderlichen DNA der teutonischen Grünen, von einigen anderen „Aspekten“ ganz zu schweigen. Dazu gehört auch das beharrliche Verweigern von naturwissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen, wenn sie ihren eigenen Ideologischen Träumereien entgegen stehen. Wie trotzige Kinder… Mehr

Karl Schmidt
10 Tage her

Die Grünen machen keine Politik für die (vielfältige) Gesellschaft, sondern spalten, indem sie Bürger bevormunden und deren Lebensweise bekämpfen. Sie suchen keine Kompromisse, sondern wollen allen Menschen vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben. Das ist nicht nur unvereinbar mit einer freien Gesellschaft, die verschiedene Interessen berücksichtigt, unterschiedliche Lebensentwürfe und Wünsche unterstützt; es ist vor allem verlogen, weil die Grünen keine Vielfalt, sondern eine ideologisch begründete Unterschiedslosigkeit schaffen wollen. Eine solche Gesellschaft ist nicht zu friedlichem Zusammenleben fähig, weil sie die Bedürfnisse der Menschen missachtet und dadurch Aggression schürt und Abgrenzung und Ausgrenzung produziert. In einem solchen von oben… Mehr

Marvin Parsons
10 Tage her

„Es kommt häufig zu schweren Unfällen mit tödlichen Folgen, wenn zwei Autos frontal aufeinanderprallen. Auch wenn beide nur mit 80 Kilometer pro Stunde fahren, addieren sich die Geschwindigkeiten so auf 160 km/h beim Aufprall.“ Das ist falsch. Der Frontalzusammenstoß entspricht einem Aufprall auf ein festes Hindernis mit 80 km/h, wenn beide Fahrzeuge gleich schwer sind. Die Geschwindigkeiten addieren sich nicht. Ob Unfallgegner oder Wand, in beiden Fällen wird man beim Aufprall von 80 auf null abgebremst. Landstraßen sind gefährlicher als Autobahnen wegen der Vielzahl der möglichen beweglichen Hindernisse, die nicht in dieselbe Richtung fahren, und dazu die festen Hindernisse neben… Mehr

Skeptiker
7 Tage her
Antworten an  Marvin Parsons

Beim frontalen Zusammenprall spielt freilich auch die Masse der Beteiligten eine Rolle: Wenn ein Fiat 500 und ein Mercedes M-Klasse aufeinanderprallen, dann passiert dem 500er mehr, dem M-er weniger als beim Aufprall auf ein festes Hindernis.