Börsen vor dem Super-Bowl auf Rekordkurs

Turbulenzen gibt es dieser Tage an den Börsen in Hülle und Fülle. Doch nach den Verkäufen vor einigen Tagen, die neuerliche Corona--Ängste auslösten, haben die Märkte wieder in den Hausse-Modus geschaltet. Beruhigend, dass hierfür nicht nur Gerüchte und Spekulationen sorgten, sondern auch Fakten.

© Getty Images

In den USA läuft die Berichtssaison auf Hochtouren, inzwischen hat etwa die Hälfte der 500 Mitglieder des breiten US-Index S & P 500 ihre Ergebnisse für das vierte Quartal 2020 vorgelegt. Laut Daten des Analysedienstes IBES haben 83 Prozent der Firmen die Gewinnerwartungen übertroffen. Auch viele DAX-Konzerne legten überzeugende Zahlen vor, etwa der Industriekonzern Siemens, der Chiphersteller Infineon erhöhte die Prognose. Und: Die Gewinnentwicklung insgesamt gewinnt an Fahrt. So sollen die S & P 500-Firmen nach einer Stagnation im Weihnachtsquartal ihre Gewinne im ersten Jahresviertel 2021 um rund 20 Prozent, im zweiten Viertel um rund 50 Prozent steigern. Der Basiseffekt macht es möglich. Die Fakten könnten die Börsen noch eine Weile anschieben. ​

Die Kauflaune der Anleger an der New Yorker Wall Street setzte sich zum Wochenschluss jedenfalls erst einmal fort. Der Freitag war der fünfte Gewinntag in Folge für den Dow Jones Industrial. Seinem Ende Januar erreichten Rekordhoch näherte er sich dabei zeitweise bis auf rund 20 Punkte an. Der marktbreite S&P 500 und die technologielastigen Nasdaq-Indizes dagegen konnten ihre Bestmarken bereits wieder übertreffen.

Vor allem die Hoffnung auf eine allgemeine nachhaltige konjunkturelle Erholung trieb die Kurse weiter an, hieß es. Insbesondere angesichts der fortschreitenden Impfkampagnen und des erwarteten Corona-Hilfspakets. Entsprechend seien die Börsen „aktuell recht immun gegenüber negativen Nachrichten“, wie etwa Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sagte.

Letztlich legte der Dow um 0,3 Prozent auf 31.148 Punkte zu. Sein Wochenplus beträgt damit 3,9 Prozent. Für den S&P 500 ging es am Freitag um 0,4 Prozent auf 3.887 Punkte hoch. Der Nasdaq 100 rückte um 0,3 Prozent auf 13.604 Punkte vor.

Unter den Einzelwerten stiegen an der Dow-Spitze die Aktien von Nike um 3,2 Prozent. Johnson & Johnson legten um 1,5 Prozent zu. Der Pharma- und Konsumgüterkonzern beantragte bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung für seinen Corona-Impfstoff.

Zuvor hatte schon der deutsche Aktienmarkt die Rally der vergangenen Tage fortgesetzt, brach am Ende aber noch ein, so dass der deutsche Leitindex DAX schließlich unverändert bei 14.057 Punkten schloss. An einem weiteren Rekordhoch scheiterte der deutsche Leitindex zuvor denkbar knapp. In der Tagesspitze hatten dem DAX am Vormittag gerade einmal knapp 18 Punkte für ein historisches Hoch gefehlt. Auf Wochensicht steht ein Aufschlag von knapp fünf Prozent zu Buche.

An der DAX-Spitze stand am Freitag erneut die Bayer-Aktie, die erneut auf den Durchbruch im langen und zähen Streit mit US-Klägern um den Unkrautvernichter Glyphosat reagierte. Die Aktie baute die Gewinne vom Vortag weiter aus und schloss vor dem Wochenende gut 2,8 Prozent im Plus.

Gerade in volatilen Zeiten sollten Fondsmanager beweisen, was in ihnen steckt. Und gleich zwei Studien zeigen nun, dass dies den Geldprofis 2020 tatsächlich ganz gut gelungen ist: So hat die Rating-agentur Scope für die acht wichtigsten Aktienfonds-Peergroups untersucht, wie hoch der Anteil der Fonds ist, die 2020 den Vergleichsindex schlagen konnten. Demnach lag die Outperformance-Ratio der insgesamt mehr als 2100 betrachteten Aktienfonds bei 46 Prozent und damit deutlich höher als noch im Vorjahr. Auch der„Aktiv-Passiv-Navigator“ von Lyxor ETF zeigt, dass viele aktive Manager ihre Portfolios gut gemanagt haben. Laut dem „Aktiv-Passiv-Navigator“ übertraf die Mehrheit der aktiven Manager 2020 ihre Benchmark. So übertrafen 66 Prozent der europäischen Large-Cap-Manager ihre Bench-mark. „2020 war beispiellos und forderte das Geschick der aktiven Manager extrem heraus,“ erklärt selbst Vincent Denoiseux, Head of ETF Research and Solutions bei Lyxor Asset Management. „Dennoch haben viele aktive Aktienmanager im Großen und Ganzen ihren Anspruch erfüllt, Portfolios auch in Zeiten starker Marktturbulenzen zu schützen.

Viel wird europaweit derzeit über den langsamen Impfstart geklagt. Zu Recht, denn die Verzögerungen bei der Corona-Impfaktion haben einen hohen finanziellen Preis. Nach einer Untersuchung des Kreditversicherers Euler Hermes liegen die Staaten beim Impfen derzeit fünf Wochen hinter ihrem Plan. Sollten sie diese Zeit nicht aufholen, entstünde in der EU in diesem Jahr ein Schaden von bis zu 90 Milliarden Euro aufgrund weiterer Corona-Einschränkungen. Der Studie zufolge erspart jeder investierte Euro, mit dem die Länder den Impfprozess beschleunigen können, vier Euro an Ausfällen durch die Folgen der Beschränkungen.

Das 55. Super-Bowl-Endspiel in der Nacht zu Montag wird nicht nur von schätzungsweise 800 Millionen Fans weltweit, sondern auch von Investoren an den Bildschirmen gebannt beobachtet. Schließlich gilt der Ausgang des Duell zwischen Vorjahresgewinner Kansas City Chiefs und Gastgeber Tampa Bay Buccaneers mit Quarterback-Legende Tom Brady als guter Fingerzeig für Börsianer. Denn der Kampf des besten Teams aus der National Football League (NFC) gegen das erfolgreichste Team aus der American Football League (AFC) zeigt eine statistische Auffälligkeit, die wissenschaftlich nicht zu begründen, aber immerhin auffällig ist. Gewinnt das Top-NFC-Team, dieses Jahr die Tampa Bay Buccaneers, wirft laut Schaeffer’s Investment Research der Dow Jones danach mit im Schnitt rund 10,3 Prozent Plus beinahe doppelt so viel ab, als wenn die beste AFC-Mannschaft (Kansas City) das Finale für sich entscheidet. Anleger müssen aber nicht verzweifeln, wenn auch dieses Mal wie im Vorjahr der leicht favorisierte AFC-Vertreter Kansas City Chiefs die Trophäe gewinnt. Denn in den zwölf Monaten danach legte der Dow Jones Index trotz dieses -Ergebnisses und des Pandemieschocks immerhin rund neun Prozent zu.


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RMPetersen
3 Monate her

Für mich als Börsenneuling war der Crash durch diese ganze Corona-Sch***e die Initialzündung, Aktion zu kaufen. Mitte März habe ich begonnen und danach jeden Monat weiter gekauft, und insgesamt habe ich bisher 35% gewonnen.
Die am Anfang gekauften deutschen Titel haben sich mehr als verdoppelt, die Enttäuschungen waren französische (- bis auf ENGIE), spanische (Telefonica), italienische (Eni).
Börsenkapitalismus ist doch was herrliches, oder? Schade nur, dass ich nicht die huntertfachen Summen einsetzen kann …