Achterbahn zum Auftakt

Die deutlich zugespitzte geopolitische Lage beförderte auch den deutschen Aktienmarkt klar ins Minus. Der Dax verlor in der Spitze zwei Prozent, konnte sich jedoch am Nachmittag über der Marke von 13.200 Punkten stabilisieren.

BRYAN R. SMITH/AFP/Getty Images

Unabhängig davon, über wie viel Gewinne sich Anleger 2019 freuen durften, interessiert jetzt nur noch, wie 2020 wird. Nach den ersten zwei Handelstagen ist klar: Es wird turbulent. Anleger erlebten zwei Extreme. Zunächst eine euphorische Eröffnung am Donnerstag, bei der Börsianer die offizielle Bestätigung Trumps feierten, die erste Stufe eines Handelsabkommens mit China zu unterzeichnen. Dow und DAX schlossen je gut ein Prozent im Plus. Tags darauf löste der US-Angriff auf einen ranghohen ­iranischen Militär Krisenängste aus. Nach einem anfänglichen Kursrutsch bis auf 28.500 Punkte erholte sich der Dow Jones Industrial wieder und schloss bei 28.635 Punkten – 0,8 Prozent niedriger als am Rekordvortag. Der marktbreite S&P 500 sank um 0,7 Prozent auf 3.235 Zähler. Der technologielastige NASDAQ 100 verlor 0,9 Prozent auf 8.794 Punkte.

„Die Märkte haben auf einen Grund gewartet, um nach zuletzt gutem Lauf Luft zu holen. Nun haben sie ihn mit der Tötung des iranischen Generals bekommen“, sagte ein Marktbeobachter. Aus Sorge vor einem neuen Krieg flüchteten Investoren aus Aktien in als sicher empfundene Anlageformen wie etwa Anleihen oder Gold.

Andere Einflussfaktoren wie etwa Konjunkturdaten konnten das Bild nicht ändern. Die Stimmung in der US-Industrie war im Dezember überraschend auf dem niedrigsten Stand seit über zehn Jahren angekommen. Mit dem Iran-Konflikt einher ging ein deutlich steigender Ölpreis, was sich belastend vor allem bei Fluggesellschaften auswirkte, auf die nun möglicherweise höhere Kerosinkosten zukommen. Aktien von United Airlines, Delta Air Lines oder American Airlines sackten zwischen 1,6 und fünf Prozent ab.

Zu den Gewinnern wurden dagegen Rüstungskonzerne: United Technologies zum Beispiel waren mit 0,14 Prozent der einzige knappe Gewinner im Dow, Boeing schlossen nur knapp im Minus. Am breiteren Markt rückten die Aktien von Lockheed Martin deutlich um 3,6 Prozent vor, jene von Northrop Grumman sogar um 5,4 Prozent.

Schlecht war die Stimmung bei den traditionellen Autobauern Ford, Fiat Chrysler und General Motors, wie Kursverluste von mindestens 2,2 Prozent bei deren Aktien zeigen. GM erlitt in den drei Monaten bis Ende Dezember einen Verkaufsrückgang von gut sechs Prozent im Jahresvergleich, bei Fiat Chrysler betrug das Minus zwei Prozent.

Die deutlich zugespitzte geopolitische Lage beförderte auch den deutschen Aktienmarkt klar ins Minus. Der Dax verlor in der Spitze zwei Prozent, konnte sich jedoch am Nachmittag über der Marke von 13.200 Punkten stabilisieren. Letztlich verlor der Leitindex 1,25 Prozent auf 13.219 Zähler. Der MDAX der mittelgroßen Werte schloss 0,6 Prozent tiefer bei 28.451 Punkten.

An den wichtigsten europäischen Börsenplätzen wirkte sich der Konflikt hingegen weit weniger dramatisch aus. Der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) als Leitindex der Eurozone sank um rund 0,5 Prozent. Die Leitindizes der Börsen in Paris und London gingen sogar mit leichten Gewinnen aus dem Handel.

Vor allem Airline-Aktien, die erfahrungsgemäß besonders sensibel auf geopolitische Spannungen reagieren, wurden europaweit massiv verkauft. So sackten die Titel der Lufthansa als klares Schlusslicht im Dax um 6,5 Prozent ab. Im frühen Handel hatten sie den tiefsten Stand seit Oktober 2019 erreicht. In ihrem Sog verloren die Titel von Fraport 3,8 Prozent.

Derweil läuft die Propagandamaschinerie für die Klimapolitik der Regierungen auf Hochtouren. Ein internationaler Green New Deal würde 143 Staaten erheblich Geld und Energie sparen sowie viele neue Arbeitsplätze schaffen, meinen beispielsweise die Forscher der Stanford University herausgefunden zu haben (in der Fachjournal „One Earth“). Die Wissenschaftler stützen sich auf Simulationsrechnungen für Energieverbrauch, Arbeitsplätze, Investitionssummen sowie Ersparnisse, die Strombedarf, Elektromobilität, Speicherkapazitäten und mehr einbeziehen. Die Ergebnisse zeigen, wie viele Wind- oder Photovoltaikanlagen, Gezeiten- oder Erdwärmekraftwerke in den kommenden drei Jahrzehnten ­installiert werden müssten. So ist es der Berechnung zufolge notwendig, weltweit über 2,2 Millionen Wind­räder onshore mit einer Leistung von fünf Gigawatt aufzustellen. Davon sind knapp fünf Prozent installiert. Schon in den kommenden zehn Jahren müsste diese Zahl rasant steigen, so die Wissenschaftler.

Vor Kurzem hat der Indexanbieter MSCI bestätigt, dass Kuwait im Mai 2020 den Status eines Schwellenlands zuerkannt bekommt und somit in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen wird. Das ist ein klares Si­gnal für Investoren, in kuwaitische Aktien einzusteigen. Experten rechnen damit, dass bis zu zehn Milliarden US-Dollar frisches Kapital nach Kuwait fließen könnte, wobei die Marktkapitalisierung der Aktien an der Börse Kuwait City derzeit gerade mal 31 Milliarden US-Dollar beträgt. Dass Heraufstufungen enorme Anziehungskraft haben, zeigt das Beispiel von Saudi-Arabien, dem 2019 der Schwellenländer-Status zuerkannt worden war. Dort stiegen die Mittelflüsse in ETFs von 250 Millionen US-Dollar 2018 auf fast fünf Milliarden US-Dollar um beinahe das 20-Fache. „Die Börse in Kuwait könnte in der ersten Jahreshälfte 2020 aufgrund des Drucks auf der Käuferseite einen starken Preisanstieg verzeichnen“, ­erklärt Abdullah Albusairi, ­Direktor bei der Kuwait & Middle East Financial Investment Company.

Die Suche nach befriedigenden Zins­erträgen treibt Investoren immer weiter um. Dabei sollten Anleger die Anleihen von US-Unternehmen mit guter Bonität (Investment Grade) im Auge haben. Denn die US-Konzerne emittieren in Europa vermehrt Bonds, die zudem durchschnittlich einen Viertelpunkt mehr Rendite bieten als die europäischer Konzerne. Darunter befinden sich bekannte Namen wie der Motorradhersteller Harley Davidson und der Konsumgüterriese Colgate- Palmolive. Dem Datenanbieter Dea­logic zufolge vervierfachte sich das Volumen der Bond-Emissionen von US-Unternehmen im Währungsraum 2019 auf 93 Milliarden Euro. Das sind 27 Prozent aller ausgegebenen Euro-Schuldtitel von Firmen außerhalb der Finanzwirtschaft, deren Bonds das Gütesiegel „Investment Grade“ tragen. Im Börsenjargon heißen im Ausland ausgegebene Anleihen von US-Firmen „Reverse Yankees“ in Anspielung auf „Yankee Bonds“, die von ausländischen Firmen in den USA emittiert werden. Die US-Unternehmen begeben dabei verstärkt länger laufende Euro-Bonds und lösen mit dem Geld kürzer laufende Dollar-Papiere ab.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 3 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

3 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Wolfgang M
4 Jahre her

Der DAX verliert 2% am Tag. Na und! So etwas passiert ständig. An einem anderen Tag gewinnt er wieder 2%.
2017 gewann der DAX 12,5%.
2018 verlor der DAX 12,7%.
2019 gewann der DAX 25,4%.
Vielleicht verliert er dieses Jahr wieder. So ist das Leben mit Aktien. Wer das nicht aushält, der muss eben mit Minirenditen bei Zinspapieren leben.

Alexis de Tocqueville
4 Jahre her

Super Idee, wir betonieren den Planeten einfach mit Windrädern zu. Saubere Energie und keine lästige Natur.

An den US- Börsen interessiert es offenbar keine Sau so wirklich, ob Donald iranische Staatsterroristen abknallt. Dow: +0,24% ; Nasdaq: + 0,56 %.
Liegt vielleicht an den Bonds, ist ja schließlich geschenktes Geld. Die US-Unternehmen können verzinste, kurzfristige Dollarschulden in zinsfreie bzw. negativ verzinste Schulden in einer Währung wandeln, die in absehbarer Zukunft eine galoppierende Inflation erleben wird. Wie geil ist das denn? Party ohne Kater, den kriegen die blöden Europäer.
Stupid german money findet eben immer seinen Weg nach Amerika.

Andrej Stoltz
4 Jahre her

Ich steig heute oder morgen wieder ein.
Politische Börsen haben kurze Beine.
Ausserdem stehen auch die Iraner mehr auf Geld als auf Krieg.
Und für die Fortsetzung der Hausse sorgt unsere EU-Zwangssteuer, genannt Negativzinsen.