Scheidendes Mitglied warnt: In 30 Jahren könnte es keine Öffentlich-Rechtlichen mehr geben

Bendix Lippe war mit 24 Jahren das jüngste Mitglied im Fernsehrat des ZDF. Das Aufsichtsgremium muss er nun verlassen. Für die Jugend ist dort nur ein Viertelplatz vorgesehen. Weil ARD und ZDF eben diese Jugend nicht erreichten, werden sie vielleicht in 30 Jahren nicht mehr da sein, schreibt er in einem Gastbeitrag für DWDL.

imago/Eibner

Es sind die Quoten vom Freitag. Aber es könnten die Quoten von jedem Tag sein, an dem kein Fußball im ZDF läuft: Das Zweite ist Marktführer bei allen Zuschauern, aber nur der sechst häufigste gesehene Sender bei den Bürgern unter 50 Jahren. Seine Krimis „Der Staatsanwalt“ und „SOKO Leipzig“ sind bundesweit die beiden meist gesehenen Sendungen des Abends, aber nicht mal jeder zehnte Zuschauer ist unter 50 Jahren. Beim Staatsanwalt sind gerade mal 5,6 Prozent der Zuschauer nach dem 15. Juli 1972 geboren worden. Das ZDF ist das Bällebad für alte Leute.

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Solche Ergebnisse sind kein Zufall. Die Strukturen lassen nichts anderes zu. Formal ist das ZDF von der Politik unabhängig. Stattdessen soll es durch ein Gremium kontrolliert werden, das repräsentativ für die Gesellschaft stehen soll. Doch die Wirklichkeit sieht so aus: Es sind Vertreter von Parteien oder von Regierungen, die von Parteien gestellt werden. Aber es sind auch Verteter von Kirchen, Gewerkschaften und Verbänden im Rat. Die Mitglieder sind im Durchschnitt 57 Jahre alt, unter 35 Jahren ist keiner, dafür sind zehn Personen älter als 70 Jahre.

Die Rechnung stammt von Bendix Lippe. Er war im Fernsehrat und muss diesen jetzt verlassen. Geschickt hatte ihn das Bundesministerium für Jugend, Familie, Senioren und Frauen. In den nächsten drei Amtszeiten sitzen auf dem Platz des Ministeriums Vertreter der drei anderen Ressorts. Während die katholische Kirche 21,6 Millionen Mitglieder hat – Tendenz stark fallend – und mit zwei Plätzen im Fernsehrat vertreten ist, spricht dort nur einer für junge Menschen. Und auch das eben nur alle sechs Jahre. Kirchen und Gewerkschaften stünde es frei, selbst junge Vertreter zu schicken. Doch die „Aufwandsentschädigung“ und andere Vergünstigungen nehmen gerne die Großkopferten unter den Funktionären mit.

Wie dieser Rat dann arbeitet, darüber hat Lippe einen Gastbeitrag geschrieben, den DWDL veröffentlicht hat. Ein Portal, das sich auf Medienthemen spezialisiert hat. Der Beitrag lässt gut erkennen, warum das ZDF trotz all seiner finanziellen Möglichkeiten nur eine Plattform für Wintersport-Marathons, schlecht gemachte Krimis und Pilcher-Kitsch ist – ein Bällebad für alte Leute halt. Der Fernsehrat soll Impulse aus der Gesellschaft geben, damit das Programm besser wird. Doch dieser leistet das nicht, und es ist auch nicht gewollt, wie Lippe es bei DWDL beschreibt: „Wer den Lerchenberg kennt, der weiß allerdings auch: Veränderung ist nicht die liebste Beschäftigung des ZDF.“ Vor allem, wenn es um das junge Publikum gehe. Die Fernsehmacher seien daher nicht gerade neugierig auf die Vorschläge, die aus dem Rat kämen.

Stattdesen sei das Gremium, das die Gesellschaft repräsentieren soll, zu einer Art politischer Spielwiese verkommen: 20 von 60 Plätzen seien ohnehin schon für die Politik reserviert. Doch auch die Vertreter von Kirchen, Gewerkschaften oder Verbänden würden sich ohne Not den Parteienlagern unterordnen. Um Spielchen zu spielen: etwa einen Ausschuss-Vorsitz zu erhalten. Noch einen kleinen Zuschuss zum Salär, noch ein wenig Luft ins Ego – statt ernsthafter Programmkritik: „Insgesamt ist im Fernsehrat alles irgendwie politisch“, schreibt Lippe bei DWDL. Mitglieder, die „normal“ blieben, bekämen keine Zuarbeit und könnten sich so zum Beispiel nur schwer durch Haushaltspläne kämpfen.

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Lippe sieht keine gute Perspektive fürs ZDF und die öffentlich-rechtlichen Sender generell: „Vieles muss sich ändern, damit der öffentlich-rechtliche Rundfunk in 20 oder 30 Jahren überhaupt noch existiert.“ Junge Leute müssten in die Entscheidungen eingebunden werden. Die Plattform „funk“ hält Lippe dabei für „einen richtigen Start“. Diese Netz-Plattform haben ARD und ZDF gegründet, um ein Publikum unter 30 Jahren zu erreichen. Doch bisher fällt Funk vor allem durch grün-linke politische Belehrung und durch bizarre Sex-Beiträge auf.

Es müsse schnell eine „erhebliche, finanzielle Umschichtung“ folgen, fordert Lippe bei DWDL. Sprich: Das Geld müsste in Programme investiert werden, die ein Publikum ansprechen, das im Leben steht – statt es nur passieren zu lassen. Doch ZDF-Intendant Norbert Himmler hat bereits mehrfach angekündigt, an seiner Politik nichts ändern zu wollen, die Existenz des Senders weiter mit der Marktführerschaft bei allen Zuschauern zu rechtfertigen. So bleibt das ZDF das Bällebad für alte Leute.

Ach so: Der Fernsehrat hat Marlehn Thieme als Vorsitzende wiedergewählt. Die 65-Jährige führt das Gremium seit sechs Jahren. Bekannt wurde sie in dieser Funktion durch Initiativen wie … oder durch Zitate wie …, also dadurch, dass sie die Funktion hat. Sie ist Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, wodurch sie in den Fernsehrat kam und den leitet, um ihn zu leiten.

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Kommentare ( 121 )

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schwarzseher
27 Tage her

Die Zwangsgebühren ( ich nenne sie Schutzgeld ) werden bleiben, auch wenn niemand mehr die Öffentlich-Unrechtlichen einschaltet.

Mausi
27 Tage her

„In 30 Jahren“ sagt alles über D aus. Bei uns braucht alles „30 Jahre“, also viel zu lange. So lang, bis alles zu spät ist. So lang, dass man sagen kann, Nichtstun ist auch eine Entscheidung.

Oneiroi
27 Tage her

Kaum zu glauben, dass ZDF den größten Marktanteil unter allen Zuschauern regelmäßig erreichen kann. So gibt es natürlich keinerlei Anreize etwas zu ändern. Ganz im Gegenteil sehen die sich doch darin bestätigt gutes Programm zu machen und werden mehr davon liefern. Evtl. fehlen Älteren die Fähigkeiten oder die Lust sich selbst ein alternatives Programm zu gestalten. Faszinierend, wenn man bedenkt, dass die Zuschauer wohl mehrheitlich zu der Gruppe gehören, die am meisten durch das ZDF als „erziehungsbedürftig“ angesehen werden. Die Psychologie dahinter dürfte interessant sein. Die Leute schauen sich ein Programm an, dass ihnen sagt, was für schlechte Menschen sie… Mehr

Boris G
28 Tage her

Den Öffentlich-Rechtlichen wird es ergehen wie den Kirchen: Langsamer aber stetiger Mitglieder/Zuschauerschwund. Das geht nur so lange gut, wie der Staat dennoch das Geld kassiert. Die Zahlungen sind nicht in Stein gemeißelt, wie das Beispiel UK, Frankreich und Schweiz (wo die Bürger allerdings gerade pro Rundfunkgebühren entschieden haben) zeigt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

fatherted
28 Tage her

Glaube ich nicht. Eher an eine weitere Gebührenerhöhung noch in diesem Jahr. Die ÖR brauchen keine Zuschauer…selbst wenn keiner mehr einschaltet….bekommen sie ihr Geld…und kein Politiker wird das in Frage stellen. Die Abstimmung mit den Füßen hat doch schon längst begonnen. Die U-30er schauen kein ÖR mehr…es sind noch die Alten….und die werden zunehmend vergrault. Sterben die Geburtenstarken Jahrgänge weg….schaut keiner mehr…da kann man in Tagesschau und Co. auf Online hinweise so viel man will…auch den Mist guckt keiner. Trotzdem….die ÖR werden bleiben….es sei denn es gäbe ein „politische Umwälzung“ in Deutschland hin zu einer Demokratie mit Volksentscheid…das ist aber… Mehr

Fieselsteinchen
28 Tage her

In 30 Jahren? Das wird vorher passieren, aber die „Demokratie“Abgabe (=Gehirnwäschesteuer) wird bleiben, auch wenn nichts mehr ausgestrahlt wird.
Wann habe ich das letzte Mal ZDF oder ARD gesehen? Das dürfte Sommer 2015, Griechenland, gewesen sein. Danach: Danke, nie wieder! Veräpfeln und Für-Dumm-Verkaufen lassen muss ich mich in meinen eigenen vier Wänden nicht. DDR1, DDR2 und die Aktuelle Kamera hatte ich schon mal!

Robbitobbi
28 Tage her

Muß man eigentlich GEZ auch noch bezahlen, wenn der Strom wochenlang oder länger ausfällt und man die ÖRR deswegen leider* nicht mehr nutzen kann? Frage für einen Freund vor dem Hintergrund dass die Grünen so weiter machen wie bisher. Entsprechend unserer Analyse müßte spätestens um den Jahreswechsel herum der TV-Betrieb auf Kurbelantrieb umgestellt werden. Die Kurbel sowie die GEZ würden wir uns gerne ab dann schon sparen! Nicht erst in 30 Jahren!

Kassandra
27 Tage her
Antworten an  Robbitobbi

Stornieren Sie die Einzugsermächtigung. Dann kann nicht mehr einfach so von Ihrem Konto abgebucht werden – die GEZ wird Rechnungen schicken müssen. Und wie das bei Ausfällen von Computern gelingen wird, sei dahin gestellt.

Petrus55
28 Tage her

Warum sollte es die öffentlich „rechtlichen“ in 30 Jahren nicht mehr geben?
Selbst wenn nur noch insgesamt ein zwei Millionen überhaupt zuschauen ist das Überleben gesichert, dank der Zwangsgebühren, die jeder zahlen muss, egal ob er schaut oder nicht.

Exilant99
28 Tage her

Die Dame findet Funk toll? Alles klar. Funk ist wirklich die übelste Woke Propaganda die der ÖR je hervorgebracht hat. Da laufen den ganzen Tag nur irgendwelche Sachen über Klima und Transgender, Sex und „soziale Gerechtigkeit“. Am schlimmsten ist aber Deutsche Welle. Der ÖR fürs Ausland. 24/7 deutsche Propaganda in Spanisch, Arabisch, Englisch und Deutsch. Interessant wird es aber dann, wenn auf dem spanischen, englischen und deutschen DW Kanal ein Doku über Homosexuelle und Transgender Moselsm aus Berlin läuft, die aber niemals auf dem arabischen DW Kanal veröffentlicht wird. Wieso wohl? Na ja, bezahlt ja alles der deutsche Steuerzahler und… Mehr

Fred Katz
28 Tage her

Das wäre ein schöner Tag!
Wer braucht Hetzmedien, die gegen Israel hetzen und Abbas in den Arsch kriechen?
Wer Abbas so liebt, soll auch bei Abbas leben!