Bei Lanz: Viel Venezuela und ein bisschen Stromausfall

Die erste Lanz-Sendung im neuen Jahr ist ein bisschen wie die Kanzlerschaft des Friedrich Merz. Die meiste Zeit geht es um Probleme am anderen Ende der Welt, und nur die letzte halbe Stunde ist Deutschland an der Reihe. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ZDF / Markus Lanz

Der US-Angriff auf Venezuela und die geopolitischen Erschütterungen sind die zentralen Themen bei Lanz. Die Lage der Welt soll ausgerechnet Elmar – „Joe Biden ist geistig topfit“ – Theveßen einordnen. Der umstrittene ZDF-Korrespondent aus Washington sieht „ein neues Weltbild“ und zitiert US-Außenminister Marco Rubio. Dem gehe es ja nicht um die Demokratie in Venezuela, sondern um das Wohlbefinden der USA. Außerdem: Viele Amerikaner seien der Meinung, „Trump kümmere sich zu viel um den Rest der Welt und zu wenig um das eigene Land“. Das werde Folgen haben. Kuba, Grönland – überall neue Krisenherde. Theveßen warnt: „Ich glaube, der Druck wird massiv werden auf die Menschen in Grönland.“

Der Politologe Peter Neumann sieht Europa im Zugzwang. Empörung über den Angriff der Amerikaner sei „ja noch keine Strategie.“ Die Mittelmächte bräuchten vielmehr dringend „eine neue Strategie, wie wir am Tisch der Großmächte noch einen Platz bekommen“. Trumps Idee einer Grönland-Annektion sieht er eher als „Riesen-Drohkulisse“: Wahrscheinlich werde es ein irgendwie geartetes Abkommen geben, ohne militärischen Druck aufzubauen. Das nächste politische Ziel der USA werde wohl eher Kuba betreffen.

Die venezolanische Aktivistin Paola Bautista de Alemán, führende Oppositionspolitikerin, die 2025 in die USA floh, gibt sich hoffnungsfroh: Sie erhofft sich nach dem Militäreinsatz den Beginn einer neuen Entwicklung Venezuelas hin zu einer Demokratie. Das Land sei von fremder Einflussnahme bestimmt. Beim Angriff am 3. Januar seien 32 Kubaner gestorben – diese hätten zur Präsidentschaftsgarde Maduros gehört. Diese Tatsache zeige, „dass wir bereits von kubanischen Kräften beherrscht werden“. Der Angriff sei aber auch eine „geopolitische Entscheidung“ gewesen, denn „80 Prozent des Öls, das Venezuela fördert, geht nach China“.

Matthias Miersch sieht in Venezuela eine „Blaupause für die Despoten dieser Welt“. Der SPD-Fraktionsvorsitzende warnt: Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew habe „ja bereits die Entführung des Bundeskanzlers in Erwägung gezogen“.

Wenn Miersch spricht, kommt bei Michael Bröcker regelmäßig Bewegung in die Glieder. Egal, was der Genosse sagt, der Chefredakteur von TableMedia schüttelt permanent den Kopf – seien es die Rente, der Berliner Stromausfall oder die Pläne der SPD. Überaus gelassen reagiert Miersch etwa auf die eigenen Umfragewerte. „Wie sehr frustet das?“, will Lanz wissen. Miersch: „Es frustriert mich überhaupt nicht, es ist ein Ansporn.“

Sein geniales Rezept ist das, was ein Berufspolitiker nun einmal am besten kann: „Da geht es jetzt darum, Wahlkampf zu machen.“ Oder, Thema Stromausfall in Berlin und die Pannen beim Umgang damit. Miersch wiegelt ab: „Es ist nicht geschlafen worden gänzlich.“ Und dass sich zu dem Anschlag eine linksextreme Terrorgruppe bekannt hat, beschreibt ein Miersch so: Es seien „Gruppen, die sich ständig gründen und als links bezeichnen“. Und überhaupt, es gebe ja neben Stromausfällen auch viele andere große Herausforderungen, etwa Cyberkriminalität.

Bröcker ist da klarer: „Das ist linker Terror, und das muss so ausgesprochen werden.“ Hinter dem Anschlag auf die Stromversorgung stecke eine „klassisch klassenkämpferische Denke“. Die Täter hätten „keine wirkliche Forderung“ außer dem „Kollaps der westlichen kapitalistischen Gesellschaft“. Der Staat habe sich viel zu lang auf die vermeintliche Gefahr von Rechts konzentriert. Beide Extreme – von links wie von rechts – müssten endlich „mit der gleichen Härte bearbeitet werden“.

Politologe Neumann erkennt im Berliner Terroranschlag die schiere Angst der Linken vor dem Untergang. Die ständig steigenden Umfragewerte der AfD stellten für sie eine „existenzielle Bedrohung“ dar. Irgendwann entlade sich die Panik in Form von Gewalt, wie sich auch in den Brandanschlägen auf das Auto des AfD-Politikers Bernd Baumann oder das Jagdschloss der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis gezeigt habe. Linksextremismus sei eine deutlich unterschätzte Gefahr.

Für die Reaktion der Stadt Berlin auf den Stromausfall hat Bröcker, der selbst im Krisengebiet wohnt, keinerlei Verständnis. Manche Behörde wisse gar nicht, dass sie zuständig sei. Ein Gutachten des Landesrechnungshofs habe bereits vor einiger Zeit ergeben, dass manche Behörden nicht einmal wüssten, dass sie Katastrophenschutzbehörden sind.

Lanz sehnt einen „Helmut-Schmidt-Moment“ herbei, also jemanden, der die Sache in die Hand nimmt und sich kümmert, so wie Schmidt 1962 als Hamburger Bürgermeister bei der Jahrhundertsturmflut. Aber so etwas, sagt Lanz, „das passt nun zu Kai Wegner, dem Regierenden Bürgermeister, ja so rein gar nicht“. Wegner hatte sich nach dem Terroranschlag ins Home Office gesetzt, um die Entwicklung per Telefon zu verfolgen.

Männer wie Wegner oder Miersch sind ein Stromausfall in Menschengestalt. Sie geben jeder Notsituation und jedem Talkshow-Abend eine spezielle Würze. Eine Würze allerdings, nach der niemand gefragt hat, ein öder Staub aus gelangweilter Arroganz und endlosem Gelaber. Miersch etwa kann so herrlich ausdauernd politfaseln, dass einem schon nach wenigen Worten die Ohren schmerzen. Er salbadert über ungerechte Renten, über Altersarmut, Reformen und Kommissionen, die ganz bestimmt bald liefern werden.

Bröcker schüttelt noch immer den Kopf. Er erinnert Miersch daran, dass bei der letzten Wahl eine Million Wähler der SPD zur Union und zur AfD gewechselt seien.

Den ficht das nicht an. Genosse Schnürschuh redet einfach weiter. Nur irgendetwas Konkretes, das kann er leider hier und heute nicht preisgeben, bitte haben Sie Verständnis.

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Kommentare ( 43 )

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prague
1 Tag her

Das ist das feuchtes Traum der Linken, so zu Herrschen wie das der Maduro gemacht hat. Geld selbe horten und die Kritiker massakrieren, da ist keine ideologie dahinter, nur Herschsucht und Geld. Das war schon immer bei den Linken so, deshalb sind sie so empört darüber und das es noch der „böse“ Trump gemacht hat. Den Linken geht und ging NIE um die Menschen, die dadurch leiden müssen, es geht nur um sie alleine.

Logiker
1 Tag her

Bei Lanz erwartbar nichts Neues – die Gäste aus dem üblichen Personal-Pool der Redaktion rekrutiert, der sich seit Jahren nicht verändert hat.

Wesentlich interessante war gestern Maischberger.
Ein Hauch von Erkenntnisgewinn bei den Anwesenden.

Insbesondere Gabriel und Laschet zogen verbal vom Leder mit Aussagen und Formulierungen, die vor noch nicht allzu langer Zeit als Desinformation und VT galten.

derostenistrot
1 Tag her

der Elmar war Weihnachten bestimmt nicht auf Heimaturlaub in Europa.

Engelmann Hans
1 Tag her

Nun, ich bin kein Freund vom ÖRR oder Lanz… aber meiner Meinung nach ist das Leiden der Menschen in Berlin durch den linken Extremismus und die typ. Berliner Unfähigkeit im Vergleich zu dem der Menschen in Gaza, Ukraine und Venezuela etc. aufgrund des tausendfachen Rechtsbruches, der -zigfachen politischen, wirtschaftlichen Angriffe der USA und ihrer Vasallen (ich schliesse hier ausdrücklich DE im Fall Jugoslawien ein) auf souveräne Staaten mit demokratisch gewählten Regierungen(z.B. Iran) total vernachlässigbar und in dieser Sendung nicht einmal ansatzweise repräsentiert. Anmerkung: Ich frage mich was den in Berlin nun stolze Besitzer von E-Mobilen machen, denn Lithium Akkus mögen… Mehr

aviator
1 Tag her

Beim Durchzappen hörte ich von Lanz nur „Elmar“. Das wars dann für mich!

Nibelung
1 Tag her

Dazu fällt einem nur noch der Gedanke ein, lieber Gott erhalte mir das täglich Brot und Tichys Einblick, auf daß man sich über allerlei Feststellungen erregen kann, bei soviel Unsinn und teils krimineller Energie, was von den Verantwortlichen am laufenden Band produziert wird und man machtlos ist, weil die Demokratie auch genug Dumme zuläßt und damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere ins Unglück stürzt.

Martin Mueller
1 Tag her

Bei den „Diskutanten“ in der Runde kann ja nur Gesülze herauskommen.

Haba Orwell
1 Tag her

> Die Mittelmächte bräuchten vielmehr dringend „eine neue Strategie, wie wir am Tisch der Großmächte noch einen Platz bekommen“.

Zur nächstgelegenen Weltmacht netter sein? Es gibt immer noch eine in Europa? (Ich meine nicht die viel engeren EUdSSR-Grenzen.)

Kassandra
1 Tag her

„Männer wie Wegner oder Miersch sind ein Stromausfall in Menschengestalt.“ . Ja. Was aber werden Menschen erwarten, die solche wählen, wie auch den aus Brilon, was solche für sie positiv in die Wege leiten wollten? . Und nicht mal Witze von Russen verstehen: „Der SPD-Fraktionsvorsitzende warnt: Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew habe „ja bereits die Entführung des Bundeskanzlers in Erwägung gezogen“. Was sollen die dort mit dem? Gut, er könnte bald mit Khameini und Assad eine Skatrunde spielen – so die Verständnis für so was hätten. Ansonsten zeigt sich nur der Syrer bereit, sich als Augenarzt sein Leben selbst zu… Mehr

Haedenkamp
1 Tag her

#Der Verweis auf ein „Völkerrecht“ dient nationalen Regierungen als Vorwand, um z.B. im Bereich der Zuwanderung Politiken GEGEN DEN WILLEN der eigenen Bevölkerung durchzusetzen. Das „Völkerrecht“ ist im Wesentlichen ein Vehikel, das es Vertretern organisierter Interessen, seien sie in Regierungen oder in supra-nationalen Organisationen wie der EU aktiv, ermöglicht, eine demokratische Legitimation durch und Verantwortlichkeit gegenüber den eigenen Bürgern zu UMGEHEN.# Zitat von Michael Klein, Scienesfiles.