Blackbox Sichtflug 1: Blick zurück nach vorn

Notizen aus der Berlinerrepublik: Gabriel macht blau. Und in München machen sie auf dicke Hose. Viele Schüler verstehen nur Bahnhof, in NRW sind die Knäste voll. Und George Clooney sagt zu Angela Merkel: Chakka, du schaffst es! Die vergangene Woche, aufgezeichnet von Stephan Paetow.

Die Lunte glimmt

♦ Die Bundeskanzlerin äußerte sich entsetzt über russische Bombardements in Aleppo. Verständlich: jede Bombe ist eine zu viel! Aber bombardieren wir nicht irgendwie mit, als Ziel-Sucher der Amis? Töten deren Bomben nicht? Zerstören deren Bomben nicht? Entsetzen die Merkel nicht? Vielleicht sollten die Bundeswehr-Tornados, die über Syrien als Paparazzi und Ziel-Finder unterwegs sind, ihr Material den Russen zur Verfügung stellen. Damit die noch genauer treffen. Oder will Putin gar nicht die treffen, die wir treffen wollen? Trifft er vielleicht die, die unsere Tornados schützen wollen? Dann müsste man noch mal ganz neu nachdenken, was unsere Flieger da eigentlich machen..

Russische Bodentruppen unterstützen Assad-Offensive, meldet vorwurfsvoll spiegel online. Vielleicht sollten die mal einen Militärexperten hinzuziehen. Selbst Ursula von der Leyen weiß, dass der Krieg gegen den Terror ohne Bodentruppen nicht zu gewinnen ist. Und die Russen wollen gewinnen. Was der Westen will, sollte er vielleicht mal erklären. Viele der Bundestagsabgeordneten, die für den Kriegseinsatz stimmten, haben nämlich keinen Schimmer, gegen wen sie die Bundeswehr überhaupt in den Krieg geschickt haben. ARD-Interviews brachten schockierende Aussagen zu Tage.

Derzeit beharkt türkische Artillerie die mit den Amerikanern verbündete Kurden, und die Saudis beginnen mit der Truppenverlegung in die Türkei.

Jeder mit Verstand zieht seinen Allerwertesten da schnellstens raus, wie etwa die Kanadier, die ihre Kampfjets nach Hause beordert haben.

Dicke Hose in München

Die Sonne scheint in der bayerischen Hauptstadt, bestes Randale-Wetter für die Krawalleros. Angeblich 3.000 Linke provozieren Polizei und Bevölkerung, obwohl ihre eigenen Leute in der Regierung  sitzen und den Kriegsblödsinn mitspielen.

Im Bayerischen Hof, bei Schampus und Häppchen, machen derweil die üblichen Verdächtigen auf dicke Hose. Nato Generalsekretär Stoltenberg betont, dass der Westen ganz viele Atomwaffen habe und klingt damit wie ein „mutmaßlicher“ Selbstmord-Attentäter auf einer „Sicherheitskonferenz“.

Russlands Medwedew spricht vom Kalten Krieg, der schnell ziemlich heiß werden könne und die kalten Krieger von spiegel online berichten schaudernd, bezogen auf den Russischen Premier: „Ein Eishauch zieht durch den Saal.“ Nun, vielleicht, weil der aus der Kälte kam – in Moskau herrschten „gefühlte – 2 Grad“ laut weather.com.

Was wohl bei den anderen durch den Saal wehte? Schwefelgeruch?

Pleitegeier Poroschenko und Polens Duda heizen die Anti-Russenstimmung an. Putin würde Europa destabilisieren, unsere allseits geliebte Heimstatt von Frieden, Freundschaft und – Solidarität. Die Herren haben gemerkt, dass Frankreichs Außenminister eher freundlich von und mit den Russen spricht, sie fürchten wohl um zukünftige EU-Gelder.

Wie immer bei solchen Konferenzen gibt es auch Skurriles zu melden: 15% der Teilnehmer sind Teilnehmerinnen wurde festgestellt, und die Damen veranstalteten ein Meeting „entre nous“, wo Männer nur als Security- und Servicepersonal zugelassen waren.

Wirtschaft in Theorie und Praxis

Viele Banken pfeifen aus dem letzten Loch, Pleitegeier umfliegen manchen Turm aus Glas und Stahl. Da ist eine Sturmfront im Anmarsch, die Börsen zittern schon.

„Das Pleiterisiko der Deutschen Bank hat sich verdoppelt“ steht in der Welt zu lesen. Wenn die Bank kracht, dann Gute Nacht. Vor dem geistigen Auge tauchen die Herren Breuer, Ackermann und Jain auf, und man kann sich den Spruch nicht verkneifen: Gestern noch auf ziemlich hohen Rossen, heute schon herabgeschossen.

Und siehe da, auch Tsipras steht mal wieder ante portas. „Geht Griechenland bald schon wieder das Geld aus?“ fragt die FAZ. Die Frage dürfte wohl eine rhetorische sein.

Gottseidank kann so etwas unseren SPD-Wirtschaftsminister Gabriel nicht aus der Ruhe bringen, er hat sich ein paar Tage freigenommen. Seine Tochter hat Scharlach. „Und meine Frau muss schließlich ihre Praxis offen halten.“ Gottseidank ist der Mann nicht wichtig, außerdem ist immer auch Wahlkampf, und er hofft auf ein paar Wählerinnenstimmen.

Sie wissen ja, eines der Hauptprobleme der EU-Wirtschaft ist, dass die Deutschen so erfolgreich sind und die Südländer abgehängt werden. Da scheint sich nun die Wende abzuzeichnen: „Sozialpädagogen sind die gefragtesten Akademiker“ weiß der Spiegel. Sie seien gefragter als Ingenieure. Die EU-Wirtschaft wird`s freuen, lässt sich doch so am besten das Nord-Süd-Leistungsgefälle nachhaltig begradigen.

Lange war es eher still um Alfa (nicht Romeo!). Aber nun: Old Lucke is back. Sein neues Thema: Cash! Nur Bares ist Wahres! Allein ist er damit allerdings nicht!

Von Närrinnen und Narren

♦ Der Kölner Express zieht Rosenmontagsbilanz: 673 Strafanzeigen, 55 Sexualdelikte. Polizei erteilte 1.369 Platzverweise. Laut Polizei kam es zu mehr Anzeigen bei gleichzeitig weniger Besuchern. Die Polizei vermutet, dass dies an der gesunkenen Hemmschwelle zur Anzeigenerstattung nach den Silvester-Übergriffen liegt. Bezogen auf Anzeigen von Frauen wegen Sexualdelikten klingt das in etwa so: Unsere Mädels machen auch jeden Trend mit.

♦ Aschermittwoch fällt aus in Bayern wegen des Zugunglücks. Verständlich bei der jährlichen CSU-Gaudi. Bei der SPD weniger, da waren diese Veranstaltungen immer ziemlich nahe an einer Trauerveranstaltung.

Chakka! Wir schaffen das!

Knapp 20.000 Abschiebungen letztes Jahr, bei rund 200.000 Ausreisepflichtigen. Bremen, die Multikulti-Perle im Norden, schiebt so gut wie gar nicht ab. Wenn sich das bei den Betroffenen herumtwittert, wird Bremen als erstes wegen Überfüllung geschlossen. Pleite ist es eh.

♦ Endlich bekennt auch Hollywood Farbe in der Causa Migranti. George Clooney unterstützt die Kanzlerin. Was dabei herauskommt? Mindestens ein Selfie für Angela mit George.

♦ Die Altmark Zeitung schreibt, zwei afghanische Familien hätten sich geweigert in eine Neubauwohnung einzuziehen. Man habe ihnen schließlich ein Haus versprochen. Nun sitzen sie wieder in der Notaufnahme und engagierte Sozialarbeiter versuchen, das Problem zu lösen. Ein engagierter Makler wäre den Afghanen wahrscheinlich lieber. Die wichtigste Frage: Wer hat denen nur das Haus versprochen?

♦  NRW-Gefängnisse platzen aus allen Nähten, meldet die Rheinische Post. Keine Einzelzellen mehr frei. Das ist, ehrlich gesagt, ein bisschen merkwürdig bei der Toleranzpolitik im kunterbunten Abenteuerbundesland. Findet auch SPD-Justizminister Kutschaty und will das Gejammer nicht glauben. Er ist der Meinung, „dass die vorhandenen Kapazitäten ausreichen“. Vielleicht sollten sie einfach noch weniger Razzien in „Little Morocco“ an der Düssel machen! Alerdings: Hat er auch die Verbrechensflut „von rechts“ einkalkuliert?

♦ Verblüffende Überschrift bei spiegel online: „Zahl der Hinweise auf mutmaßliche Terroristen unter Flüchtlingen steigt“. Hoffentlich werden solche Zeilen in der Redaktion diskutiert. So was ist Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten! Und was ist eigentlich ein „mutmaßlicher“ Terrorist?

Abteilung Guck und Horch!

♦ Das ist doch mal eine Hausnummer: Einem Facebook-Nutzer hat das Landgericht Hamburg ein Ordnungsgeld von einer Viertel Million Euro angedroht, wenn er noch einmal beleidigende Äußerungen gegen Dunja Hayali, die Hausheilige des ZDF, ausstößt.

♦ Ein Lehrer aus Schwarmstedt, Niedersachsen, hat die AfD geliked. Die rot-grüne Landesregierung hat umgehend die nötigen Schritte eingeleitet. Sofortige Versetzung. Und Ächtung in der Walsroder Lokalpresse. Nicht gemeldet wurde, wie hoch das Kopfgeld für die Denunzianten (auch zwei CDUler dabei) ausfällt.

♦ Anti-Faschisten schaudert’s heute noch, wenn sie an die Fußballweltmeisterschaft denken. Überall freudentrunkene Massen in Schwarz-Rot-Gold auf Straßen und Plätzen. Und nun der Jubel beim Handball! Zeit-Philosoph Wolfram Eilenberger gibt einen Einblick in die verzweifelte Seele eines aufrechten Kämpfers gegen Hell-Deutschland. Er beklagt, dass die Handball-Nationalmannschaft „keinen einzigen Spieler mit dunkler Hautfarbe oder auch nur südländischem Teint in ihren Reihen“ hat und damit für „100 Prozent kartoffeldeutsche Leistungsbereitschaft“ steht. „Wenn Fußball Merkel ist, ist Handball Petry“.

Sobald Sportministerin Schwesig aus dem Mutterschutz zurückkommt, kann sie als erstes die Farbigenquote im Handball fordern! Eilenberger könnte schon mal überprüfen, ob bei genügend Redaktionskollegen die Hautfarbe ins politisch korrekte Dunkle chargiert und die Zeit sollte eine Teilauflage in Flüchtlingsheime liefern, es lesen noch zu viele „Kartoffeldeutsche“ das Blatt.

P.S.: Es gibt übrigens durchaus Menschen mit dunkler Hautfarbe und kartoffeldeutscher Leistungsbereitschaft.

Im Pisa Wunderland

♦ Neue Bildungsstudie der OECD auf Grundlage der Pisa-Daten. Tenor der Berichterstattung: Es ist besser geworden in Deutschland! Da machen folgende Zeilen gleich noch mehr Spaß: „Den Schülern falle schon schwer, die Angaben auf einer Schachtel Aspirin zu verstehen oder beim Blick auf die Benzinanzeige einzuschätzen, wie viel Sprit noch im Tank ist.“ Da bleibt nur, wenn sie erwachsen sind, gegen Kopfschmerzen Fusel einzusetzen und aufs Elektroauto umzusteigen.

♦ Die Jugend der Fuggerstadt Augsburg bekam ein Lehrstück in gelebter Demokratie vorexerziert, als 2.000 Demonstranten rote Flaggen „gegen Rechts“ und Transparente mit „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in den Wind hielten. Die AfD hatte sich das Recht erstritten, im Rathaus eine Versammlung abzuhalten, obwohl doch Schwarz-Rot-Grün in Augsburg regiert. Deshalb der spontane Aufstand der Anständigen.
Ebenso soll den Schülern Augsburgs noch energischer das neue Drei-Parteien-System erläutert werden.

Damit künftig keine Unmenschen mehr ins Rathaus kommen können, beschloss der Stadtrat eine neue Benutzungsordnung.

Fundstücke der Woche

Aus Facebook: Bill Clinton collected 12 Million $ for his memoirs. Hillary Clinton got 8 Million $ for hers. That´s 20 Million for the memories oft two people, who for years have repeatedly testified, under oath, that they couldn´t remember anything.

Arbeitsmoral I: Arbeitgeber dürfen Browserverlauf ihrer Angestellten ohne Zustimmung prüfen, lautet ein Gerichtsurteil. Nix Porno, Shoppen, oder politsch nicht korrekte Websites mehr. Vorbei die Zeiten von Philosophen wie Epikur oder Roberto Blanco und seinem „Ein bisschen Spaß muss sein!“

Arbeitsmoral II: Erst im Rahmen seiner Beförderung war aufgefallen, dass ein spanischer Beamter sechs Jahre nicht zum Dienst gekommen ist, hat die BBC gehört. Quasi die längste Siesta der Welt.

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Kommentare ( 13 )

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