Bei Illner: Kommt der Regimewechsel im Iran?

Die große Schwäche des Talks an diesem Donnerstagabend ist, dass überhaupt nicht über die Auswirkungen auf die Bundesrepublik gesprochen wird. Die Spritpreise knallen rauf und es wird keine Silbe darüber verloren, was der Konflikt für die deutsche Bevölkerung und die Wirtschaft bedeutet. Von Fabian Kramer

Screenshot ZDF / Maybrit Illner

Die islamistische Diktatur im Iran gehört zu den grausamsten auf der Welt. Seit Jahrzehnten quält und malträtiert das schiitische Terror-Regime die Bürger des Iran. Obwohl die Islamische Republik Iran die USA und Israel als Erzfeinde definiert, haben westliche Politiker in der Vergangenheit versucht, einen offenen Konflikt zu vermeiden. Vor Donald Trumps Präsidentschaft wurde sogar ein Atomabkommen mit dem Mullah-Regime abgeschlossen und die internationalen Sanktionen wurden gelockert.

Doch die erste Präsidentschaft von Donald Trump bedeutet eine Zäsur in der Iran-Politik. Die USA stiegen sofort aus dem Abkommen aus und gingen auf Konfrontationskurs mit Teheran. Die Spannungen haben sich die letzten Jahre deutlich erhöht und nun hat Donald Trump reagiert. Der amerikanische Präsident hat einen Krieg angefangen.

Maybrit Illner spricht an diesem Donnerstag mit ihren Gästen über den Krieg. In der Runde sitzt mit dem gebürtigen Iraner Omid Nouripour nur ein Politiker. Man ist sich weitestgehend einig, dass Donald Trump keinen Plan hat. Diese Erkenntnis ist typisch für deutsche Talkshows. Planlosigkeit ist einer der häufigsten Vorwürfe gegenüber Trump. Zwar mag ihnen Trumps Politik nicht immer logisch erscheinen, doch es gibt sehr wohl eine Strategie. Ob diese immer ausgeklügelt ist, sei aber dahingestellt.

Es ist allerdings erstaunlich, wie verwundert die Gäste über den Angriff auf Teheran sind. Ein Angriff der USA auf den Iran ist schon seit Beginn der ersten Amtszeit von Donald Trump vor über zehn Jahren ein Thema. Es wurde in Washington immer wieder damit kokettiert, dass man den Iran angreifen könnte, falls dieser sein Atomprogramm ausweitet. Jetzt hat Donald Trump ernst gemacht. Bei den Gästen in der Runde herrscht deswegen Ratlosigkeit.

Neuer Krieg im Nahen Osten

Der Nahe Osten ist in der Welt nicht unbedingt als friedliches Pflaster bekannt. Konflikte und Kriege sind in der Region leider Alltag. Seit wenigen Tagen hat die Region einen weiteren Krieg zu verkraften. Die USA und Israel haben einen Krieg mit dem Iran angefangen. Das angegriffene Mullah-Regime antwortete mit Raketenbeschuss. Frank Sauer von der Bundeswehruniversität berichtet: “Selbst Israel kann nicht alle Raketen abfangen.”

Die Vergeltungsschläge aus Teheran trafen nicht nur die verhassten Israelis, sondern auch die arabischen Nachbarn. “Die Iranis verderben es sich mit vielen Staaten, mit denen sie sich zuvor ausgesöhnt hatten”, stellt Islamwissenschaftler Guido Steinberg fest. “In der iranischen Gedankenwelt gibt es ein Bündnis aller gegen den Iran”, begründet Steinberg die umfängliche Vergeltung. Auch Deutschland sei bedroht, meint er. “Alle Verbündeten sollen bestraft werden”, vermutet er. Ein iranischer Raketeneinschlag auf dem Gebiet der Bundesrepublik sei allerdings nicht sehr wahrscheinlich. Deutschland könnte aber durch einen Terroranschlag getroffen werden.

Für den grünen Vizepräsidenten des deutschen Bundestags, Omid Nouripour, sind die iranischen Angriffe auf viele verschiedene Ziele kein Zufall. “Es gibt ein Drehbuch”, sagt der Frankfurter Bundestagsabgeordnete. Der ehemalige Vorsitzende der Grünen sieht für Deutschland die Gefahr eines Bündnisfalls. Es bestehe die Möglichkeit, dass eine amerikanische Botschaft getroffen werden könnte, so Nouripour. “Du kannst den Amerikanern im Moment nicht nein sagen”, glaubt er.

Gibt es eine Chance auf einen Regimewechsel?

Nach Jahrzehnten der Repression und der Unterdrückung sehnt sich die iranische Zivilbevölkerung in ihrer überwältigenden Mehrheit nach einem Sturz des Regimes. Die Menschenrechtsaktivistin Mariam Claren berichtet: “Der Sturz des Regimes ist der Wunsch der Menschen.” Aktuell ist die Lage der Menschen im Iran sehr schwierig. “Die iranische Bevölkerung ist gefangen in einem dualen Krieg”, beklagt die gebürtige Iranerin. Zwar ist es der Wunsch der Iraner, dass der Sturz des Regimes kommt, aber ob es das Kriegsziel von Donald Trump ist, kann nicht mit letzter Sicherheit bestätigt werden.

“Jeden Tag ändert sich das Narrativ der USA”, kritisiert die Militärexpertin Nicole Deitelhoff. “Die Ziele von Trump sind unklar”, fügt sie hinzu. Diese Aussage stimmt so nicht. Die USA verfolgen seit der ersten Präsidentschaft von Donald Trump das Ziel, den Iran und sein Atomprogramm massiv zu schwächen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Trump den Befehl zum Angriff auf Teheran gibt. Durch die Massenproteste in der letzten Zeit und das brutale Vorgehen des Regimes gegen die Menschen, hat Trump seine Angriffspläne vorgezogen.

Bei den Israelis ist das Ziel ebenfalls klar. Die iranische Führung lehnt die Existenz des jüdischen Staates ab und droht mit Vernichtung. Die Militärschläge der USA und Israels haben das Regime in Teheran deutlich geschwächt. “Die Marine ist so gut wie zerstört”, weiß Omid Nouripour. “Das Regime ist militärisch stark geschwächt”, konstatiert er. Geschlagen ist es aber wohl noch eine Weile nicht. “Der Apparat nach innen ist stark”, mutmaßt die Menschenrechtsaktivistin Mariam Claren.

Islamwissenschaftler Guido Steinberg glaubt nicht an einen Sturz des Regimes. Aus seiner Sicht sei dieser Wunsch unrealistisch. Außerdem glaubt er, dass Donald Trump keinen langen Konflikt will. “Es spricht viel dafür, dass der Krieg nicht lange dauern wird“, meint Steinberg. Die große Schwäche des Talks an diesem Donnerstagabend ist, dass überhaupt nicht über die Auswirkungen auf die Bundesrepublik gesprochen wird.

Die Benzinpreise knallen rauf und es wird keine Silbe darüber verloren, was der Konflikt für die deutsche Bevölkerung und die Wirtschaft bedeutet. Es ist sehr befremdlich, dass kein Mitglied der Regierung in der Runde sitzt. Eine deutsche oder europäische Strategie in diesem Konflikt ist nämlich überhaupt nicht erkennbar.

Derweil sitzen Zehntausende Deutsche im Nahen Osten fest und wissen nicht, wann sie wieder nach Deutschland kommen. Auch hierzu gibt es in der Sendung keine Debatte. Die Sendung ist alles in allem eine Enttäuschung, weil sie keine neuen Erkenntnisse oder Antworten liefert.

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Kommentare ( 12 )

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12 Comments
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Kuno.2
1 Stunde her

Der Regimewechsel im Iran ist zunächst einmal die Sache der Iraner.
Bei den Präsidentschaftswahlen 2024 im Iran zeichnete sich das nicht ab. Man muss aber sagen, dass (egal wer gewählt wurde oder wird) sich den Vorgaben des obersten geistlichen Führers zu fügen hat. Ein gewisser Spielraum besteht dennoch. Bei einem Spaziergang durch Teheran (das kann jeder Leser Zuhause per YouTube machen) fallen jedenfalls viele Frauen dadurch auf, dass diese kein Kopftuch tragen.

Weltenwandler
2 Stunden her

Es gibt eine Gedankenstruktur, die lautet:
Ich gegen meinen Bruder;
ich zusammen mit meinem Bruder gegen meinen Cousin;
ich, zusammen mit Bruder und Cousin gegen den Rest der Verwandtschaft;
wir alle Verwandten zusammen gegen den Nachbarn ……….
In diesem Sinne soll man nicht auch nur im Entferntesten auf die Loyalität der Länder des Nahen und Mittleren Ostens mit Amerika und Israel zählen.

Waehler 21
2 Stunden her

Von der Regierungsseite war keiner eingeladen, oder wollte keiner. Aber ich denke unsere Regierung hat nur ein Ziel! Die nächste Wahl überstehen!

Das eigene Interessen diskutiert werden kommt sowieso nicht in Betracht, nur der wertegeleitete Auftrag Deutschlands zur Rettung der Welt und Versorgung seiner Politiker ist opportun. Und! Alle die am Tisch sitzen machen sich keine Sorgen um den Benzinpreis, der könnte für diese Leute auch bei 5€ liegen. Notfalls lässt man andere Leute bis 80 arbeiten.

BeastofBurden
2 Stunden her

Sehr guter Artikel heute in der Daily Mail von Haviv Rettig Gur. Erklärt, dass parallel zwei Kriege stattfinden. Auf dem kleineren Feld ein regionaler Konflikt zwischen Iran und Israel, in den momentan auch andere Staaten mit hineingezogen werden. Auf dem größeren Feld der für die USA viel wichtigere Konflikt, bei dem es um eine Weichenstellung für die nächsten 30 Jahre geht, nämlich ob der Versuch Chinas gelingt, die USA aus ihrer Vormachtsstellung zu verdrängen. In dieser chinesischen Strategie ist Iran ein enorm wichtiger Baustein, wirtschaftlich (billiges weil sanktionsbewehrtes Erdöl in rauhen Mengen) wie geostrategisch (Vorposten und Bastion im Nahen Osten).… Mehr

GrafZahl04
2 Stunden her

Der Nahe Osten ist in der Welt nicht unbedingt als friedliches Pflaster bekannt. Konflikte und Kriege sind in der Region leider Alltag Das ist doch noch sehr freundlich ausgedrückt. Iran-Irak Krieg – Golfkrieg – Libanon – Syrien ! Islam bedeutet doch Frieden, nur komisch dass in diesen Regionen so gut wie nie Frieden herrscht. Was das für die deutsche Wirtschaft und Steuerzahler allgemein bedeutet? Die Antworten könnten die Wähler an der Wahlurne verunsichern. Bei Corona ging alles sehr schnell….aber hier? Warum nicht mal sagen , ok wir machen Rambo Zambo und sagen mal 4 Monate die Spritpreise einfrieren. Was eine… Mehr

humerd
2 Stunden her

Nach Toni Hofreiter, ist jetzt auch der Grüne Nouripour auf Kriegspfad. Natürlich flankiert vom fürsorglichen Narrativ “ NATO Beistand“ und wie immer Ukraine first Der Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) hält eine deutsche Beteiligung am Irankrieg im Rahmen der Nato für denkbar. „Wenn jetzt die amerikanische Botschaft in Riad in die Luft gesprengt wird und es -zig amerikanische Tote gibt – ich kann nicht ausschließen, dass die Amerikaner dann in den Nato-Rat kommen und sagen, jetzt brauchen wir aber die Unterstützung aller“, sagte Nouripour in der ZDF-Sendung maybrit illner. „Dann würden die Deutschen natürlich sofort zustimmen.“ Man könne den US-Amerikanern in der jetzigen Situation nicht einfach… Mehr

Nibelung
2 Stunden her

Da kommt vorher der Regimewechsel in den USA, denn die Russen und die Chinesen beliefern den Iran mit hochpräzisen Raketen und diese Typen aus Washington achten auch garnichts mehr und versenken ein Kriegsschiff der Iraner in indischen Hoheitsgewässern, wo die Mafia noch harmlos war im Vergleich zum Regierungsterror auf der ganzen Welt und das wird ihnen nicht bekommen, denn man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben.

Das alles wird noch böse enden und die Verzweiflung steht ihnen doch im Gesicht geschrieben, denn sollte der Iran sich durchsetzen ist es um ihr Prestige geschehen, vom finanziellen Untergang ganz abgesehen.

Logiker
2 Stunden her

Falsche Frage:

„Bei Illner: Kommt der Regimewechsel im Iran?“

Richtige Frage:

„Kommt der Regimewechsel in Deutschland und der EU ?“

Abraxas1609
2 Stunden her

Ich dachte immer, die Iranischen Mullahs seien so nett. Immerhin hat ihnen Bundespräsident Steinmeier doch so herzlich zum 45. Jahrestag der Revolution gratuliert – auch in meinem Namen! Und nun plötzlich eines der schlimmsten Regime der Welt??? Ich bin verwirrt…
Was mich nicht verwirrt ist die Tatsache, dass im ÖRR nicht über die Probleme im eigenen Land gesprochen wird. Die eigenen Bürger sind unseren Politikern wurscht, außer von einer Partei, aber die wird ja nie eingeladen. Deswegen spricht man nicht über die Sorgen der Bundesbürger.

Last edited 2 Stunden her by Abraxas1609
Spyderco
2 Stunden her

,,Moral muss man sich leisten können.“

Deutschland kann es nicht!