Gibt es die Notwendigkeit einer „bürgerlichen Revolution“?

Gehört es sich, in Deutschland zu einer Revolution aufzurufen? Ist es Zeit für eine neue Versammlung in der Paulskirche? Für einen Sturz des Kaisers? Für noch einen Mauerfall? Markus Krall sagt, es gelte, unsere bürgerliche Freiheit und unsere bürgerlichen Werte zu verteidigen.

Wer zu einer Revolution aufruft, der muss unvermeidlich mindestens drei Themen bearbeiten: Er muss erstens die Mängel des vorgefundenen Ist-Zustandes erläutern. Er muss zweitens einen Soll-Zustand beschreiben, der demgegenüber als vorzugswürdig anzustreben sei. Und er muss drittens einen Weg aufzeigen, wie es sich von diesem Ist zu jenem Soll kommen lasse. Das ist zwangsläufig ein beeindruckendes Arbeitsprogramm, zumal für eine Massengesellschaft der Gegenwart, die hochtechnisiert in die komplexesten internationalen Beziehungen verwoben ist. Alleine dies lässt jedwede planvolle Änderung prima vista schier unmöglich erscheinen, von gezielten Verbesserungen gar nicht zu reden. Doch Markus Krall arbeitet sich in seinen zehn Kapitelschritten ebenso sachkundig wie fast ausnahmslos überzeugend durch seine Materie. Dem Leser bleibt am Ende kaum Platz für Zweifel: So, wie es ist, kann es nicht bleiben. So, wie er es skizziert, sollte es vernünftigerweise tatsächlich sein. Und so, wie er die Vorgehensweise umreißt, kann es wohl auch funktionieren. Wohlan!

Im Ausgangspunkt steht die Erkenntnis, dass Freiheit und Wohlstand der Bürger, wie sie insbesondere auf der Ordnungspolitik der Bonner Republik für Deutschland gewachsen waren, zu Gegenständen eines veritablen sozialistischen Bevormundungs- und Umverteilungsangriffes geworden sind. In der Wollkleidung des scheinbar harmlosen Linksliberalismus, wie Krall es nennt, wird eine revolutionäre Gleichmacherei betrieben, die jedes Maß verloren hat. Dies gelte es zu erkennen und einzugestehen. Betrieben werde diese Umverteilung faktisch von einem Typus des neofeudalistischen Sozialisten, der in der Gestalt eines neuen europäischen Adels eine „classe distributive“ errichtet und also Politik am demokratischen Souverän vorbei etabliert hat. Wolle man die Demokratie nicht ganz zu einer Travestie ihrer selbst verkommen lassen, wolle man also lieber bürgerliche Freiheit leben, statt vollends Knechtschaft in Verarmung zu erleiden, gelte es, genau jetzt die Frage nach der Konterrevolution zu stellen.

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Wer glaubt, Markus Krall habe mit seiner dahingehenden Darstellung in den ersten beiden Kapiteln terminologisch überreizt und er werde den Beweis für solch‘ robuste Behauptungen nicht erbringen können, der sieht sich bitter getäuscht. Krall liefert Nachweise. Er liefert sie mit Substanz. Und er liefert sie in der Gestalt einer profunden, interdisziplinären Kasuistik.

Den Anfang seiner empirischen Beweisführung bildet ein Kapitel über die politische Klasse des Landes an sich. Ihr attestiert der Volkswirt Krall schlichtweg ein ökonomisches Komplettversagen. Dass demokratische Politik in Deutschland traditionell mehr Geld ausgibt, als ihr zur Verfügung steht, ist zwar für sich gesehen alles andere als neu. Doch warum die Konsequenzen aus dieser permanenten finanziellen Überbeanspruchung nicht allein auf den Kontenblättern fatal sind, zeigt er eingängig am weiteren Kontext dieses Dramas: Um die in gigantischen Maßen angehäuften Schuldenberge überhaupt noch mit Zinszahlungen bedienen zu können, hat die politische „classe distributive“ inzwischen weltweit bewirkt, den Zinssatz ihrer Zentralbanken auf – oder gar unter – die Nulllinie zu reduzieren. Warum dies weit mehr ist als nur ein finanztechnisches Detail, erläutert der Ökonom: Die Höhe des Zinses, der in einer Gesellschaft gezahlt wird, ist nämlich alles andere als eine rein willkürliche Größe, sondern – unter normalen, gesunden und manipulationsfreien Umständen – eine lebendige Variable ihrer generellen Produktivität und ihres Wachstums. Je effizienter die Geldentleiher arbeiten können, desto höher steigt auch der Preis, den sie ihren vorläufig auf eigenen Konsum verzichtenden Geldverleihern für die vorübergehende Kapitalüberlassung zahlen können: „Der Zins wird damit zum Preis der in einer Gesellschaft vorhandenen zeitlichen Konsumpräferenzen bei gegebenem technologischen Produktivitätsfortschritt.“

Eine zerstörerische Wirkung dieses organischen Zusammenhanges entfaltet sich indes, sobald der Zins künstlich auf null manipuliert wird. Dann nämlich lässt sich für die potentiellen Geldverleiher durch einen vorübergehenden Konsumverzicht kein individueller Vorteil mehr erzielen. In der Folge dessen, erläutert Krall, verkehrt sich die beschriebene Wirkungskette in ihr exaktes Gegenteil: „In der Welt der Geldplanwirtschaft tauschen Zins und Wachstum ihre Kausalitätsrichtung. Hier bestimmt nicht das Wachstum den Zins, sondern der Zins das Wachstum.“ Die Realwirtschaft geht – induziert durch dysfunktionale, von bildungsfernen Akteuren beschlossene und willfährigen Experten umgesetzte Politik – in den Niedergang.

Frappierend an diesem Zusammenhang ist allerdings nicht nur die primäre ökonomische Wirkung der kausalen Schubumkehr. Am Beispiel Japans zeigt Markus Krall den darüber hinausgehenden, sekundär destruktiven Folgeeffekt, dass bei negativzinsbedingt fallenden Einkommen und zugleich geldpolitisch verursachten Immobilienpreisblasen auch die Geburtenrate bei den nun finanziell bewegungsunfähig gemachten jungen Eltern rückläufig ist: „Die demografische Katastrophe ist praktisch nicht mehr umkehrbar.“ Diese volkswirtschaftliche Kettenreaktion führt zusätzlich zu einer demographischen Überalterung der schrumpfenden Gesellschaft, deren notwendige Versorgung die bei allem knapper werdenden Ressourcen noch weiter auszehrt: „Wir können in Japan in Zeitlupe dabei zusehen, wie ein Volk Selbstmord begeht.“

Wirtschaftliche Scheinblüte
Markus Krall: „Aufruf zu einer bürgerlichen Revolution“
Man dürfte kaum fehlgehen mit der Annahme, dass genau diese Beobachtung bei der Geld-, Zins- und Bevölkerungsentwicklung auf einen geradezu naturgesetzlichen Zusammenhang hindeutet. Ein nicht politisch manipulierter Zins ist ein gleichsam natürlicher Zins, der Menschen ermöglicht, einander Informationssignale mit Realitätsbezug zu senden und der genau dadurch langfristig strukturell gesellschaftsstabilisierend wirkt. Eine solche Anbindung der Zinspreissignale an reale Umgebungsbedingungen verhindert daher auch, dass eine Gesellschaft durch exponentielle Wirkungen eines Zinses oder gar infolge Zinswuchers als Ganzes in jene traumatische „Zinsknechtschaft“ fallen könnte, die manche Ideologen bisweilen als Teufel an die Wand malen.

Während sich Japan so infolge seiner Geldpolitik entvölkert, kollabiert in Deutschland und in der Europäischen Union der Rechtsstaat: „Die Politik fiskalischer Verantwortungslosigkeit und die Unterlassung der Ahndung der permanenten Verstöße gegen den Vertrag von Maastricht haben eine Situation geschaffen, bei der die Geldpolitik wählen muss zwischen der verbotenen Staatsfinanzierung oder der Pleite.“ Bei seiner ebenso sachkundigen wie ausführlichen Kritik an der Euro-Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes konnte Markus Krall noch nicht wissen, dass dieses Gericht nach Erscheinen seines Buches in seiner ersten deutschen „ultra-vires-Entscheidung“ am 5. Mai 2020 den rechtsstaatlichen Mut finden sollte, den kompetenzwidrigen Entgleisungen der Europäischen Zentralbank und des Europäischen Gerichtshofes bei Anleihekäufen entgegenzutreten. Was er allerdings dennoch zutreffend prognostizierte, war der infolge jenes Karlsruher Urteiles flugs ausgesprochene Widerwille der „classe distributive“, diesem verfassungsjuristischen Ordnungsruf aus Deutschland zu folgen. Der bei Abfassung dieser Rezensionszeilen deutlich aufkeimende Institutionenkonflikt zwischen den deutschen Behörden und denen der EU unterlegt die Befürchtung, dass die verfassungsrechtliche Ordnung in einem Kollaps versinken könnte.

Seine empirische Beweisführung zum kulturmarxistisch organisierten Niedergang namentlich der bundesrepublikanischen Institutionen führt Krall sodann zu den deutschen Kirchen und den deutschen Medien. Statt die irdischen Knappheiten – und den also augenscheinlich von Gott gewollten menschlichen Zwang zu einem geordneten Umgang damit – zum Anlass zu nehmen, den grundlegenden biblischen Eigentumsschutz des „Du-sollst-nicht-Stehlen“ zu predigen, haben sich die Kirchenvertreter Deutschlands längst zu willigen Helfern einer hemmungslos umverteilenden Klasse gemacht.

Sie agieren dadurch im Ergebnis wie eine beliebige Variante der allgegenwärtigen Nichtregierungsorganisationen, jagen mit ihrer Terminologie von einer „Erhaltung der Schöpfung“ dem ökologischen Zeitgeist und mit fehlverstandener „Kapitalismuskritik“ dem unreflektierten Gemeinwohl-Sozialismus hinterher. Ihre Unfähigkeit, sich auf eigene Traditionen zu besinnen und dem übergriffigen Sozialstaat mit einem Plädoyer für christliche Werte und Menschenwürde selbstbewusst entgegenzutreten, bringt ihnen trotz allem im Ergebnis nicht den Respekt ihrer Gegner, sondern lediglich deren Verachtung. Die Kirchen marginalisieren so ihre gesellschaftliche Bedeutung. Statt ihre überkommene, ausgleichende Rolle eins Gegengewichts gegen die Übergriffigkeiten eines überbordenden Staates zu pflegen, biedern sie sich dem Umverteilungsmoloch an und gleiten dabei selbst ab in reine Folklore, in geschmacklosen Aktivismus, in eine weltanschauliche Gemischtwarenhandlung. Das aus falsch verstandener Rücksichtnahme im Dienstwagen zurückgelassene Dienstkreuz ihrer höchsten Vertreter verleugnet im Kern die christlichen Traditionen der mitteleuropäischen Aufklärung und damit zugleich die Grundlagen unserer Freiheit im Staate als Basis materiellen Wohlstandes.

Nebenwirkungen des EZB-Krisenmanagements
Der Tabubruch des Bundesverfassungsgerichts
In ebensolcher Weise haben sich die Medien, die private Presse ebenso wie der staatliche Rundfunk, in der Analyse Markus Kralls als außerstaatliches Korrektiv gegen die Machtüberschreitungen der umverteilenden Klasse selbst entkräftet: „Je kritikloser und lobhudelnder die Medien die Mächtigen behandeln, desto unfreier ist die Gesellschaft.“ Claqueure der Macht sind nicht unabhängig. Mit anreizpsychologisch professionell „geframten“ Begriffen verbreiten sie stattdessen Unvollständigkeiten. Sie haben weithin aufgegeben, zwischen Tatsachen und Meinung hinlänglich zu unterscheiden. Im Ergebnis verunmöglicht eine dergestalt in Selbstzensur befangene Presse den Bürgern, sich tatsächlich eine unabhängige eigene Meinung zu bilden. Unter dem Camouflagebegriff einer „Regulierung des Internet“ etabliert sich vor aller Augen eine weitere von fremden Interessen korrumpierte Zensur. Die Rede in den Worten der „political correctness“ ist in Wahrheit nicht rücksichtsvoll, sondern sie steht ihrerseits unter Korruptionsverdacht. Am Ende einer gefilterten Informationsleitung mit „depriorisierten“ Meldungen und „dethematisierten“ Inhalten kann schlechterdings kein mündiger Bürger mehr stehen.

Warum aber sollte in Anbetracht dieser Lage gleich eine Revolution ausbrechen müssen? Lebt es sich nicht gut und gerne in Deutschland? Leben wir nicht im freiesten Deutschland, das es je gab? Ist man hier nicht gerne zu Gast, bei Freunden? Markus Krall beschreibt die Empirie der institutionellen Dekonstruktion Deutschlands und Europas als Kasuistik einer ebenso unterschwelligen wie gnadenlos konsequenten marxistischen Strategie zum Umbau der gesamten Gesellschaft. Das fatale Konglomerat aus Akteuren mit böser Absicht hier und schlicht intellektuell überforderten Mitläufern dort entfaltet seine destruktiven Wirkungen. In Anlehnung an eine anthropologische Analyse, die der russische Mathematiker, Philosoph und Dissident Igor Schafarewitsch zum überzeitlich konstanten „Todestrieb des Sozialismus“ vorgelegt hat, zeigt Krall auf, wie auch in Deutschland seit Jahrzehnten die Ehe, die Familie, das Eigentum, die Individualität, die Religion und die Kultur konsequent legislativ und administrativ destruiert werden.

In den Fokus seiner Beobachtung rückt hierbei der Kulturmarxismus, den die „Frankfurter Schule“ nach 1968 aus der ihr vorlaufenden „Kritischen Theorie“ entwickelt hat und dessen – dem Einzelnen nur scheinbar Befreiung bringender – antiautoritärer Impetus letztlich auf die Schaffung eines gesellschaftlichen Chaos als Übergang in eine schließlich angezielte autoritäre Staatlichkeit hinausläuft. Das Chaos einer Energiewende und einer gleichzeitigen Wende zur E-Mobilität beispielsweise ist also in Tat und Wahrheit keine ungewollte Nebenfolge erratischer Politik, sondern bewusstes Mittel zum Zweck für eine neue sozialistische Machtergreifung. In diesem Kampf stehen sich wirre Sonnenblütenträume des Sozialismus und die ganz praktische individuelle Handlungsfreiheit des fleißig steuerzahlenden Bürgers in direkter Konfrontation gegenüber: „Als Individuen wie auch als Gesellschaft müssen wir uns diesem Konflikt stellen.“

Kanzlerin der Journalistenherzen
Merkel und die Pfauenfederwedler der Macht
Um die Mechanismen zu erläutern, mit denen diese zunehmend rücksichtslose Distributionsklasse und ihre rückgratlosen Helfer das heraufziehende Chaos orchestrieren, begibt sich Markus Krall – in vorbildlich klarer Darstellung der komplexen Zusammenhänge – auf sein eigenes Fachgebiet: Die Bankenwelt. Er beschreibt, wie die aufgestauten Ungleichgewichte der durch Nullzinspolitik fehlgeleiteten volkswirtschaftlichen Strukturen auf das Bankwesen durchschlagen werden, sobald ein hinlänglicher erschütternder Impetus in der „zombifizierten“ Realwirtschaft gesetzt wird. Die globalen Verstrickungen des entgleisten Geldsystems und ihre somit weder durchschaubaren, noch gar irgend beherrschbaren Verknüpfungen müssen zwangsläufig dazu führen, dass es schon in allernächster Zukunft zu wild um den Erdball hüpfenden Dominoeffekten von Bankenpleiten kommen wird. Die politische Phantasie, der daraus folgenden Geldvernichtung mit staatlichen Enteignungsexzessen zu begegnen, wird – wie Markus Krall warnt – absehbar grenzenlos sein.

Will eine Gesellschaft in dieser Lage also nicht vollkommen in Unfreiheit und Knechtschaft fallen, muss sie aus ihrer Mitte tragfähige Gegenkonzepte entwickeln. Das erfordert definitiv Rückgrat, denn: „Demokratische Reife erlangt man nicht schon dadurch, dass man das Privileg geschenkt bekommt, in eine funktionierende Demokratie hineingeboren zu werden. Demokratische Reife erlangt man dadurch, dass man im Angesicht von Widrigkeiten Rückgrat zeigt. Das ist wahre Haltung im Gegensatz zu kostenlosem Strammstehen vor der Obrigkeit.“

Notwendig sei daher, nun eine Art intellektuelle Denkführerschaft zu entwickeln, aus der dann Meinungsführung und schließlich die Übernahme von Regierungsverantwortung resultiere. Dies erfordere zuerst die Arbeit in einer Denkfabrik. Zu deren wesentlichster Aufgabe gehöre, die bessere Marketingstrategie im Vergleich zum noch immer weithin populären Kulturmarxismus zu entwickeln. Denn aktuell seien die Propagandisten des Sozialismus hier noch deutlich im werblichen Vorteil: „Die intellektuelle Leere ihrer Ideologie zwingt sie dazu, ihr schlechtes Produkt aggressiver anzupreisen.“

Die bürgerliche Revolution: es geht um Freiheit oder Sozialismus
Markus Krall entwirft sodann ein schon grob konturiertes Konzept, welche Berufsgruppen sich in welcher Organisationsform zu welchen Aktivitäten zusammenschließen müssen, um die Meinungsführerschaft für Freiheit und Menschenwürde im Staate zu erobern. Im wesentlichen Kern dieser Arbeit werde stehen müssen, das Zielbild für eine Wende hin zu einer freien Gesellschaft zu formulieren und es wirksam zu kommunizieren. Insbesondere die unentschiedene Mitte in allen Parteien müsse überzeugt werden, der Lüge vom „Marktversagen“ bei den in Wahrheit einzig staatlich verantworteten Bankenkrisen der Vergangenheit (und bei der bevorstehenden weltweiten Bankenkrise) öffentlich und lautstark entgegentreten zu können.

Die Europäische Zentralbank reklamiere zwar für sich „die kompetente Autorität“ zu sein. Tatsächlich bedürfe sie jedoch schnellstens der Reform „notfalls auch im nationalen Alleingang.“ Ziel einer auf freiheitliche Restrukturierungen gerichteten Politik müsse neben der Revitalisierung zentraler christlicher Werte sein, die Staatsquote auf 25 % zu reduzieren, ein absolutes Schuldenverbot für die öffentliche Hand zu implementieren und ein gesundes Währungssystem zu schaffen. In einer detaillierten Kasuistik stellt Krall einzelne Politikbereiche dar, die von dem Kopf, auf dem sie inzwischen kulturmarxistisch stehen, wieder auf ihre gesunden Füße gebracht werden müssen. Im juristischen Kern dieser Bestrebungen stehen ein konsequenter verfassungsrechtlicher Eigentumsschutz und die Rückkehr zu bürgerlicher Vertragsfreiheit.

Im Gesamtkontext aller dortigen Erläuterungen wird überdeutlich evident, warum die grundgesetzliche Weichenstellung aus dem Jahre 1949, das Eigentum des Einzelnen verfassungsrechtlich nicht hinlänglich bestandsfest gegen Mehrheitsentscheidungen gemacht zu haben, ein folgenreiches juristisches Konstruktionsdefizit markiert. Denn das Potenzial, zu Lasten von Eigentümern politisch beliebig Umverteilung betreiben zu können, korrumpiert den gesellschaftlichen Willensbildungsprozess in seinen Grundfesten, schwächt dadurch die privaten Individuen, stärkt stattdessen die Position inkompetenter politischer Entscheider und untergräbt mit seinen Kollektivierungsmöglichkeiten die individuellen Entscheidungsbefugnisse verantwortlicher Bürger. Genau die aber sind die Grundlage einer volkswirtschaftlich gesunden Gesellschaft.

Wie sichern wir unsere Freiheit und Werte?
Das Versagen der politischen Elite
Eines der vielleicht wesentlichsten Elemente aus einer langen Vorschlagsliste Kralls zur Stärkung des Verfassungsrechtes ist die Einführung einer Politikerhaftung „durch Haftungsregeln nach dem Vorbild der freien Wirtschaft“. Politische Mandatsträger, deren Vergütung sich „an ihrem tatsächlich erzielten Durchschnittseinkommen aus beruflicher Tätigkeit orientiert, das sie in den letzten vier Jahren vor der Mandatsübernahme erzielt haben“, dürften – wie hier angemerkt sei – dann auch Berufshaftpflichtversicherungen in organisch angemessenem, bezahlbarem Umfang abschließen wollen. Die notwendige Reduktion aller Staatstätigkeit auf übersichtliche Umfänge in verantwortbarem Menschenmaß wird die dann ebenso zwangsläufige wie gedeihliche Folge sein.

In welchem Maße die gegenwärtigen Strukturen bereits dysfunktional geworden sind, erhellt ein abschließender Blick, den Markus Krall auf die von den Theologen des Mittelalters beschriebenen sieben Todsünden wirft. Wo die Wollust Ehe und Familie zerstört, Neid und Gier die Eigentumsordnung untergraben, Völlerei denkfaul und Trägheit arbeitsfaul gemacht haben, wo der Zorn gegen Herrschende und der Hochmut der Herrschenden die Stimmung prägen, da steht offensichtlich eine Katharsis vor der Tür.

Im Interesse einer freien Gesellschaft und eines angemessenen Wohlstandes ihrer Mitglieder ist zu hoffen, dass möglichst bald eine hinreichende Zahl von verantwortungsbewussten Bürgern die nötige Sensibilität zum Erfassen der Lage entwickelt und das Rückgrat zur Verteidigung einer Verfassung der Freiheit findet. Die Sozialisten in allen Parteien mögen kraft ihrer Inkompetenz befähigt sein zur Dekonstruktion gewachsener Strukturen. Wortschöne Propaganda und die bloße Expertise der allgegenwärtigen Berufsversager zur Intrige reichen indes nicht hin, um nach dem Chaos wieder eine dauerhaft funktionierende Gesellschaft zu gestalten. Dafür braucht es Bürger mit Ethos, Sachkenntnis und Rückgrat. Und für genau die hat Markus Krall sein Buch geschrieben.


Carlos A. Gebauer ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht und freier Publizist.

Markus Krall, Die bürgerliche Revolution. Wie wir unsere Freiheit und unsere Werte erhalten. LangenMüller, 300 Seiten, 22,00 €.


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Kommentare ( 16 )

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friedrich - wilhelm
5 Monate her

……nachdem ich der initiative von m. krall eine e-mail gesandt habe und keine rückantwort kam und ich hier die kommentare lese, habe ich keine hoffnung mehr, daß irgend eine revolution kommt, oder eine bewegung zur änderungt der lage entstehen wird! daaher:
bye, bye deutschland, forum und te for ever!

friedrich – wilhelm, jasper/can.

friedrich - wilhelm
5 Monate her
Antworten an  friedrich - wilhelm

….daher erspare ich mir jeden gedanken daran, eine solche bewegung ideell und monetär zu unterstützen!

SpenglersPriest
6 Monate her

Darüber hinaus: ob Japan sich entvölkert ist absolut nicht gesagt. Über 100 Millionen Japaner. Die Bevölkerung mag schrumpfen, aber warum sollten nicht irgendwann die Geburtenraten wieder steigen? Das Land ist dicht besiedelt. 80 Millionen Menschen auf der Fläche wäreb auch nicht das Ende. Der japanische Weg scheint mir jedenfalls besser als der Deutsche. Die japanische Kultur wird länger bestehen als die deutsche Kultur. Und die Japaner werden noch lanfe in Frieden und Wohlstand leven. Bei den Deutschen wird das micht so sein.

Politkaetzchen
6 Monate her

Ich bezweifle, dass in Deutschland je eine Revolution stattfindet. Die Meisten finden die Zustände super, freuen sich über Verbote und Steuern und am sonsten wird brav fürs Klima und gegen Rääääächts gehüpft, um wenigsten die Illusion einer Rebellion aufrechtzuerhalten.

Hoffnungslos
6 Monate her

Richtig: eine unabhängige deutsche Zukunftswerkstatt muss her. Wo steht Deutschland heute, wo kann es hingehen. Keine Sonntagsreden und interessanten Vorträge nur für gebildete Senioren, sondern Konzepte, Ideen, Pläne für eine Zukunft, die Menschen wieder Perspektiven in unserem Land bieten kann. – Wer gründet, wer finanziert diese Ideenwerkstatt?

HRR
6 Monate her

Die Kirchen in Deutschland predigen unverdrossen ihren eigenen, man könnte auch sagen verdienten Untergang
Bei der nicht enden wollenden überwiegend islamischen Migration nach Deutschland ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der Islam die Geschicke des Landes teilweise oder ganz übernehmen wird. Diesbezügliche Aktivitäten von Clan-Strukturen sind nicht mehr wegzuleugnen.
Im Vorlauf auf die Zukunft vertritt die Null-Zins-Politik bereits exakt die Ideologie des Islam, da der Koran ein Zinsverbot fordert (welches aber mittels Rechtskniffen den Scharia-Bestimmungen angepasst werden kann).

SpenglersPriest
6 Monate her
Antworten an  HRR

Vielleicht konvertieren die dann und versuchen ihre Machtbasis auf diese Weise zu erhalten. Jesus, Mohammed: verkauft wird, was beim Kunden ankommt.

Gerd M
6 Monate her

Einer der besten, mitreissendsten und intelligenteten Texte. Respekt und Danke. Ich hoffe man hört noch mehr von Ihnen

Thomas Hellerberger
6 Monate her

Zwei Anmerkungen: Auch Deutschland entvölkert sich. Es spielt für diesen Vorgang keine Rolle, ob sich jede Generation – wie in Japan ausschließlich und in Deutschland grundsätzlich – durch Gebärverzicht reduziert – oder ob die Autochthonen, wie in Deutschland und den meisten westeuropäischen Nationen zusätzlich durch Einwanderer aus dem Balkan, Osteuropa, Asien und Afrika oder Lateinamerika ersetzt werden und daher die Einwohnerzahl nicht sinkt. Einwanderer, egal woher, sind und werden KEINE Deutschen, ansonsten macht der Bergriff Deutsche überhaupt keinen Sinn, wenn er an keine ethnische und kulturelle Komponente mehr gebunden ist, denn Deutschlands schiere Existenz und seine Grenzen werden eben nur… Mehr

Hannibal Murkle
6 Monate her
Antworten an  Thomas Hellerberger

Im Ruhrgebiet stammen die meisten „Autochtonen“ aus Osteuropa, spätestens nach ein paar Generationen. In Osteuropa kann man wiederum oft deutsche Vorfahren finden. Ein TE-Artikel vor ein paar Wochen war mit dem Begriff „slavogermanische Bevölkerung“ weiter.

Frank v Broeckel
6 Monate her

„Bürgerliche Revolution“ !!!!

Umschreibung dafür, nach fünf Jahren NICHT mehr auf den durchschaubaren Ersatzenkeltrickbetrug ‚Flüchtlinge“ dauerhaft hereinzufallen, weil alle anderen alteuropäischen Völkerschaften ihre eigenen wenigen jungen Menschen zur Aufrechterhaltung ihrer eigenen Staaten selbst dringend benötigen!

Richtig erkannt, selbständiges Denken ist heutzutage bereits zu einem revolutionären Akt geworden!

Frank M.
6 Monate her

Die Bertelsmann Stiftung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Qualität des gemeinschaftlichen Miteinanders:

„Wir messen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und liefern so ein besseres Verständnis aktueller gesellschaftlichen Entwicklungen. Wir aktivieren die Potentiale zur Stärkung des Zusammenhalts vor Ort und bringen Partner zusammen, um das Miteinander im Gemeinwesen positiv zu gestalten.“

Die Bertelsmann Stiftung wie mglw. ebenfalls andere entscheidende Stellen wissen offenbar um die Zusammenhänge Bescheid. Nur eben driftet die Gesellschaft gegenwärtig leider eher auseinander. Hier sollten die „aktivierten Potentiale zur Stärkung des Zusammenhalts“ wohl besser nochmals überprüft und ggf. nachjustiert werden, damit die Gesellschaft letztlich wieder zusammenfindet.

Gisela Fimiani
6 Monate her

Das Buch sei jedem Demokraten, dem die freiheitlich bürgerliche rechtsstaatliche Gesellschaftsordnung am Herzen liegt, dringend empfohlen.