Die Entrüstung in Brüssel, Berlin und Paris war gewaltig, als der Diesel-Deal des US-Präsidenten mit Russland aktuell von Donald Trump auf Truth Social kommuniziert worden ist. Doch die EU selbst shoppt weiter Rekordmengen an Flüssiggas bei russischen Lieferanten.
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Iuliia Mendel, die frühere Mediensprecherin von Wolodymyr Selenskyj, erinnert aktuell die Social-Media-Öffentlichkeit an die Einkaufspolitik der Europäischen Union, die durchaus als irritierend bezeichnet werden könnte: „Die EU importiert die Rekordmenge von 12,18 Millionen Tonnen an russischem Arktis-LNG in den ersten neun Monaten des Jahres 2026, das ist ein Anstieg von 9,5 Prozent im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres.“ Und die nun Selenskyj-kritische Ukrainerin zitiert dazu Sebastian Rötters, den Sanktionskampagnenleiter bei der deutschen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald: „Das sind im Durchschnitt mehr als 44.000 Tonnen pro Tag. Selbst nach der Sommerflaute hat Europa mehr importiert als in der gleichen Periode des Vorjahres.“
Die Zahlungen der EU-Nationen an Russland für LNG-Importe in den ersten neun Monaten: 7,88 Milliarden Euro. Seit 2022 waren es 45 Milliarden Euro für russisches LNG, und von der Zeit ab der Invasion Russlands im Februar 2022 bis zum Herbst 2026 zahlte die Europäische Union mehr als 238 Milliarden Euro an Russland für fossile Brennstoffe und Flüssiggas.
Allein im vergangenen September landeten noch 792.440 Tonnen Yamal-Flüssiggas im Wert von schätzungsweise 818 Millionen Euro in europäischen Häfen, davon fast drei Viertel nach Frankreich (in den Häfen Dunkirk und Montoir). Weitere Mengen nahmen die Niederlande und Portugal ab. Hauptabnehmer europäischer Yamal-Mengen sind seit Jahren Frankreich, Belgien (über Zeebrugge), Spanien und die Niederlande. Frankreichs TotalEnergies hält einen Anteil am Yamal-Projekt und hat auch langfristige Abnahmeverträge. Es ist dabei anzunehmen, dass große Gas-Mengen auch weiterverkauft werden – vermutlich auch nach Deutschland.
Importstopp in zweieinhalb Monaten
Yamal LNG startete im Jahr 2017 und baute die Exporte nach Europa stetig aus: Nach den Pipeline-Sperren und der Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines stiegen die LNG-Lieferungen stark an und kompensierten teilweise den Ausfall. 2024 lag der EU-Anteil an russischen LNG-Exporten bei über der Hälfte. 2025 importierte die EU mehr als 15 Millionen Tonnen allein aus Yamal – das sind drei Viertel der Projekt-Exporte. Trotz eines Verbots neuer Verträge und der seit April 2026 geltenden Einschränkungen für kurzfristige Kontrakte liefen die Lieferungen weiter. Der vollständige Importstopp für bestehende langfristige Verträge ist von der EU-Führung erst für den 1. Januar 2027 vorgesehen.
Iuliia Mendel, die frühere Sprecherin von Präsident Wolodymyr Selenskyj, spricht von einem „double standard“: Europa verurteile den Krieg und kritisiere den Diesel-Deal Donald Trumps mit Russland, aber bleibe zugleich Russlands wichtigster Abnehmer von LNG-Gas.
Auch Ralph Schöllhammer, der bekannte österreichische Politikwissenschaftler und Professor am Mathias-Corvinus-Collegium in Budapest, kommentiert kritisch die Empörung in Brüssel über Trumps Diesel-Abkommen: „Ich denke, dass die EU wirklich nicht die USA belehren sollte, wenn es darum geht, fossile Brennstoffe von Russland zu kaufen und damit den Krieg zu finanzieren. Die EU gibt 19-mal mehr für russische Energie und Düngemittel aus als die USA, daher ist die hysterische Reaktion auf ein paar Tonnen Diesel reines Theater.“
Die hohen Einnahmen aus den Energie-Exporten finanzieren bekanntlich auch die russische Kriegsführung in der Ukraine.


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