Bei Maischberger: Transatlantisches Zittern

Donald Trump ein „Großmaul“, „Lügner“, und nicht zu vergessen: „korrupt“. So beschreiben die Gäste bei Maischberger den US-Präsidenten und die AfD als seine „nützlichen Idioten“. Und ach so – falls es Ihnen heute noch niemand gesagt hat: Sie arbeiten zu wenig, deshalb geht es der deutschen Wirtschaft so schlecht.

Screenprint: ARD / Maischberger

US-Präsident Donald Trump spielt nicht nach den Regeln – und bekommt scheinbar doch das, was er will. Für das „regelbasierte Deutschland“ ist das ein Problem. Genau genommen für die Gäste von Sandra Maischberger. Auch Maischberger ist nun wieder aus ihrem Winterschlaf erwacht und – welch Wunder – befasst sich mit dem Problem aka Trump, welcher über das Wasser laufen möchte. Und auch wenn sich die Situation rund um Grönland entschärft hat, sehen ihre Gäste keine Hoffnung für eine regelbasierte Zukunft. Taz-Journalistin Anna Lehmann und RND-Journalistin Kristina Dunz malen hierfür ein drastisches Bild von China, Russland und dem bösen Trump – die AfD werfen sie natürlich mit in den Topf.

Ein bisschen stolz zeigt sich Lehmann aber schon, hätte die EU doch gezeigt, dass sie mit den Zöllen für die USA im Wert von 93 Milliarden Euro Trump Angst gemacht hat. Auslandsreporter der WELT Constantin Schreiber sieht das alles etwas realistischer: „Also meine Prognose oder meine Analyse wäre schon, dass es vor allem immer die innenpolitischen Debatten oder die Widerstände in den USA sind, die für Trump wichtig sind. Also was die Europäer sagen und tun (…) ist nicht das, was ihn beeindruckt.“ Anscheinend sind immerhin an Schreiber die Streitereien und Uneinigkeit der EU nicht vorbeigegangen.

Constantin Schreiber über Linke
„Warum sie bei Gaza schreien und beim Iran schweigen“
Dennoch sieht Schreiber eine Zeitenwende für „unsere Demokratie“: „Es ist wirklich die Frage, was funktioniert, Demokratie oder Autokratie. Und das wird im Grunde gerade verhandelt. Und ehrlicher Weise muss man sagen, die Demokratie schlägt sich nicht gut.“ Da haben wir es wieder: der Kampf um unsere Demokratie. Und vorbildlich, wie im ÖRR-Skript empfohlen, kommen die drei Propheten auf die AfD und ihre Verbindungen zu Trump bzw. Elon Musk zu sprechen. Lehmann betitelt die AfD als „nützliche Idioten Trumps“ und Dunz betitelt Trump im nächsten Atemzug als „Großmaul“ und „Lügner“. Etwas gemäßigter reagiert Schreiber, der Trump und der AfD dieselben Ziele zuordnet, welche die „Verteidigung des Abendlandes“ wie auch „Migrationswiderstand“ umfasst. Das sind schockierende Ziele für den linksgrünen Mainstream.

Auch Maischbergers Gesprächsrunde mit dem SPD-Politiker Hubertus Heil und dem AfD-Politiker Tino Chrupalla ist keine Glanzleistung des objektiven Journalismus. Das Gespräch beginnt schon damit, dass Heil Freundschaft nur noch zu den amerikanischen Bürgern zeige, aber nicht mehr zu den von diesen gewählten Politikern. Die nächste, aber nicht letzte aggressive Frage von Maischberger richtet sich an Chrupalla: ob Trump ein Vorbild in Sache Migration sei – um gleich reinzugrätschen, dass die US-Einwanderungsbehörde ICE eine Mutter von drei Kindern umgebracht hätte. Und so geht es dann weiter: über Russland-Spionage, China-Spionage oder rechtsextreme MAGA-Unterstützer – erst Maischberger, dann wieder Heil. Im Hintergrund kichern währenddessen zwei Mädchen miteinander und der Applaus wird mit zunehmender Erregung von Heil lauter.

Dabei scheint Heil eine echte Freude daran zu haben, Maischberger auf seiner Seite zu haben. Als Chrupalla dann auch noch sagt, dass man akzeptieren müsse, dass die Krim Russisch bleibt, verlässt Maischberger endgültig die Bühne objektiven Journalismus. Auch Heil hat seinen Spaß daran, Chrupalle zu beschimpfen und zu beleidigen – von: „Sie sind das Trojanische Pferd Putins in Deutschland!“ über: „Sie können ja nicht mal das Wort Metapher definieren“, hin zu: „Sie und Ihre Spießgesellen“.

Drangsalierung der AfD
Inkompetenz der Regierung wird strafbar – für den, der sie benennt
Die letzten Waffen Maischbergers gegen Chrupalla sind dann wie gewohnt Zitate von Maximilian Krah und Björn Höcke. So geht wieder einmal eine einseitige linksgrüne Talkshow gegen ihr Ende zu. Kritische Fragen an den SPD-Politiker Hubertus Heil, dessen Partei bei Umfragen auf einstellige Werte zurast, gibt es von Maischberger keine. Das war zu erwarten.

Zum Schluss packt Maischberger dann das Thema deutsche Wirtschaft an – die ja nur bergab geht. Kanzler Friedrich Merz fordert von den Bürgern mehr Arbeit und mehr Leistung. Und Dunz ist von dieser Idee ganz angetan. Plötzlich fehlt es ihr an „Begeisterung für dieses Land“ und man soll doch einfach mal eine Stunde länger arbeiten. Wie der Kanzler seiner arbeitenden Bevölkerung Arbeitsverweigerung unterstellen kann und gleichzeitig Milliarden verteilt und die Wirtschaft ruiniert, das kritisiert an diesem Abend niemand.

Stattdessen wird der langjährige Unternehmens- und Politikberater Roland Berger von Maischberger befragt. Er lobt Merz für seine „exzellente Außenpolitik“ und unterstellt Trump, er sei korrupt. Und überhaupt, würde er sich nicht wie die amerikanischen Unternehmer aus Silicon Valley verhalten: „Ich hätte das nie gemacht, ich bin kein Schleimer.“ Dass Maischberger nicht erwähnt, dass Berger jahrelang die CDU und auch die SPD beraten hat, muss wohl ein Versehen der Moderatorin sein – aber es war ja auch irgendwie zwischen den Zeilen abzulesen.

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Kommentare ( 16 )

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16 Comments
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Klaus D
1 Stunde her

mehr Arbeit und mehr Leistung….Merz hat hier doch nicht ganz unrecht. Gerade unsere elite ist so was von faul geworden. Vergleicht man zb was deutsche manager arbeiten im internationalen vergleich ist das „wenig“. Dagegen arbeitet der arbeiter viel da er viele und ständig überstunden machen muss. Wir haben einfach zu viele die für das was sie „verdienen“ viel zu wenig tun. So bekommt man wenn man ihn leiharbeit geht als erstes gesagt das immer auch viele überstunden anfallen werden.

Danton
1 Stunde her

Wird denn alles Güntherisiert? Es hieß doch immer die AfD seien die nützlichen Idoten von Putin. Wird jetzt behauptet, das man das nie so gesagt hat? Und dann, dass das was man kund tat sich doch bestätigt hätte? Um hernach zu behaupten man hätte das als Privatperson gesagt, aber als Politiker im Amt immer darauf hingewiesen, das die AfD der Stoßtrupp Trumps ist? Und darf man noch behaupten das man die AfD weder für das eine noch das andere hält? Ist das schon ‚Antidemokratisch‘ im Sinne Günthers?

Kassandra
1 Stunde her

Wenn einem Argumente fehlen und man deshalb auf Inhalte gar nicht eingehen kann bleibt einem ja gar nichts, als Menschen persönlich anzugreifen. . Frau Johler, diesmal macht mich das, was die sich trauen zu senden, sogar beim Lesen Ihrer Kritik noch aggressiv. Eine Unverschämtheit, wie die gegen den Rundfunkstaatsvertrag zu senden belieben und es der lange dumb gemachten Masse vorzusetzen belieben. „Werden Sie doch jetzt nicht affig“ soll einer gesagt haben – und ich schreibe das Tino Chrupalla zu – getroffen hätte er damit allemal. Zum ersten Satz: glücklicherweise fehlen ihnen im Studio noch die Messer. Unglück für uns, dass… Mehr

Bubi1111
1 Stunde her

Alles total niveaulos und von Dummheit geprägt – Sie haben immer noch nicht Trump verstanden und Amerika: die Show ist für das dortige Publikum und es geht um die Durchsetzung von strategischen Interessen und um das Überleben des Dollars und der geschrumpften Macht der USA. Dazu werden die Samthandschuhe ausgezogen und der Hegemon ist aufgewacht und wird seine Interessen stärker durchsetzen und eine Gangart höher stellen – Panama und Venezuela ist der Anfang – Kuba ist sicher als nächstes dran usw. Man müsste halt seine Scheuklappen abnehmen und über den Tellerrand schauen – die richtigen Analysten lesen oder schauen. Voraussetzung: die eigenen Narrative… Mehr

Galen
1 Stunde her

Trump hat leider recht. Mit den heutigen Linken und woken Globalisten kann man nicht anders umgehen. Die halten sich an das Recht nur, wenn es Ihnen nutzt. Sonst ermächtigen Sie sich selbst. Einige Beispiele: Anschläge auf die Infrastruktur in Deutschland, unzählige Gewalttaten der Antifa, Gewalt gegen ICE-Beamte in Amerika, die BLM-Unruhen in Amerika um nur einige zu nennen. Dazu kommen regelbasierte Zensur (Twitter-Files), Denunziationsportale unterhalb der Strafbarkeitsgrenze, Verlagerung politisch gewollten Verhaltens in das Privatrecht (NGOs), Anzeigen gegen Kritiker (etc. Ballhaus). Man miss verstehen: diese Linken halten sich nur an Regeln, die sie selbst für tichtig halten und nur so lange… Mehr

eifelerjong
1 Stunde her

Ich habe mir bei Wikipedia die Vita der Krisina Dunz angesehen.
Von DEM, was allgemein als „Arbeit“ bezeichnet wird, konnte ich nichts lesen.
Im Übrigen, wer 50 mal mit Merkel mitreisen durfte, dem unterstelle ich eine extreme Systemnähe.

Deutscher
1 Stunde her

Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter und lässt die EU im wahrsten Sinne links liegen.

Buck Fiden
1 Stunde her

Warum tut sich Chrupalla das an – mit einem Handelsklasse III- Politiker wie Heil in Maischbergers Bütt zu steigen? Ich habe die Sendung ausschnittsweise gesehen. Und ich muss mutmaßen, dass wieder die üblichen Bestell- Claqueure als Publikum installiert waren. Heil war unerträglich. Aber typisch SPD, grosse Klappe und nichts handfestes vorzuweisen. Realität – nein Danke! Gesprächskultur? Au weia! Heil blendet gerne die SPD- Taten aus, die fragwürdig sind, zB die Hakenkreuzschmierereien des BaWü- SPD- Landtagsabgeordneten, Stegners Aserbaidschan- Connection, Pistorius´BW- Versagen und so weiter. Heil unterschlägt völlig, dass die SPD bis auf wenige Ausnahmen in den letzten 26 Jahren mit an… Mehr

Peter Klaus
1 Stunde her

Hubertus (Un-)Heil, Kurzfassung Lebenslauf: Kreissaal – Vorlesungssaal – Plenarsaal. 11 (!!) Jahre Politikwissenschaften- und Soziologiestudium. Wir brauchen noch mehr von solchen!

Nibelung
1 Stunde her

Wer waren denn die nützlichen Idioten für die Amis seit Jahrzehnten, als es die AFD noch garnicht gegeben hat und diese Frage stellt sich zwangsläufig, denn derzeit bekleckern sie sich auch nicht mit Ruhm und kuschen wie gewohnt, während die AFD den Ausgleich sucht zwischen Washington und Moskau und wer da aus nützlichen Aspekten heraus von Idiotie spricht, sollte man in den Spiegel sehen, damit er den wahren Idioten sehen kann.