Ladestrom für Elektroautos wird viel teurer

Das Hochgeschwindigkeitsladenetz Ionity erhöht seine Preise drastisch. Man glaubt sich das erlauben zu können, weil der Strom nunmehr "grün" sei.

Sean Gallup/Getty Images

So kann man eine deftige Preiserhöhung von acht Euro auf 73 auch ausdrücken: Das Hochgeschwindigkeitsladenetz Ionity »stellt sein Preismodell um«. Das schnelle Laden von Elektroautos wird deutlich teurer. Ab 31. Januar 2020 kostet eine Kilowattstunde sagenhafte 0,79 €. Dagegen erscheinen jene 30 Cent für die Haushaltskilowattstunde geradezu wie ein Schnäppchen.

Ionity betreibt in Europa rund 200 Schnellladesäulen mit 860 Ladeanschlüssen an Autobahnen, die durchweg eine konkurrenzlos hohe Ladeleistung von bis zu 350 kW bereitstellen. Da fließt ordentlich Strom durch, und dabei können schon einmal die Stecker kräftig heiß werden. Noch kann kein aktuelles Elektroauto diese maximale Ladepower ausschöpfen.

Bisher hat der Betreiber pauschal acht Euro für eine Ladung unabhängig, wie viel Strom geladen wurde, verlangt. Doch jetzt klopft Ionity verstärkt an das grüne Gewissen der Elektrofahrer: »Wir liefern 100 Prozent Grünstrom an allen Stationen und eine Hotline, die rund um die Uhr in sieben Sprachen kontaktiert werden kann.«

Da grünes Gewissen deutlich teurer kommen kann, hat sich das Joint Venture, hinter dem BMW, Daimler und der Volkswagen-Konzern stehen und an dem sich auch Ford und Hyundai beteiligt haben, für »ein faires und transparentes Preismodell europaweit in unserem High Power Charging-Netzwerk« entschieden. Resultat des fairen Preismodells: Einmal einen Porsche Taycan mit 90-Kilowatt-Akku volladen kostet bei Ionity künftig 73 Euro, ein BMW i3 immer noch 33 Euro, viermal so viel wie bisher.

Ionity verspricht auch dann kurze Ladezeiten, wenn an den Stromtankstellen gleichzeitig vier bis sechs Elektroautos gleichzeitig geladen werden sollen. Das soll ohne Power Sharing funktionieren, also ohne dass die Ladeleistung für alle ladenden Autos gleichmäßig herab gesenkt wird. Überdies wirbt Ionity mit einem komfortablen, sicheren und einfachen »Ladeerlebnis« und Ladesäulen, die mit dem »iF Design Gold Award 2019«- Preis ausgezeichnet wurden.

Mit den sündhaft teuren Strompreisen wird das Fahren mit einem Elektroauto allerdings auch deutlich teurer, das Interesse dürfte weiter nachlassen, wenn der Preisvorteil entfällt. Der Vorteil der geringen Verbrauchskosten gegenüber Benziner und Diesel schmilzt damit zusammen.

Mit Ionity hat der erste Betreiber von Ladesäulen den Anfang gemacht und die Preise für den Ladestrom drastisch angehoben. Der Aufbau des europäischen »High-Power-Charging Networks« für den Langstreckenverkehr hat bislang nur Milliardensummen gekostet, verdient wurde bisher nichts. Dass sich das ein Unternehmen nicht lange erlauben kann, erscheint nur logisch. Lediglich Tesla sagt deutlich, dass mit seinen Supercharger-Ladestellen kein Geld verdient werden soll.
So zerrinnt er, jener vermeintliche Vorteil der scheinbar billigen Elektromobilität, wenn erst einmal die wahren Kosten auf den Tisch kommen müssen.


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Kommentare ( 203 )

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203 Kommentare auf "Ladestrom für Elektroautos wird viel teurer"

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Die Zukunft des E-Autos nimmt der Solar-Radweg in Erftstadt vorweg, wie auch die Aussagen der Politiker dazu. Herrlich anzuschauen auf YouTube:
https://m.youtube.com/watch?v=hZikigVAE0s

Mittlerweile sind ein paar Tage ins Land gegangen, und es wird klar, was mit der Preiserhöhung bezweckt werden soll: Die ganzen Tesla Model 3-Fahrer laden bei Ionity viel günstiger als bei den Tesla-eigenen Superchargern. Bei den Tesla-Superchargern zahlen Model 3 Fahrer 33 Cent pro kWh, was sie bei einer Volladung einer 75kWh Batterie 25 Euro kostet, während sie bis Ende Januar bei Ionity nur 8 Euro pauschal zahlen. Wer ein Model 3 fährt und rechnen kann, fährt bei solchen Preisen natürlich Ionity an. Ionity wurde von den deutschen OEMs plus Ford gegründet. Die wollen natürlich ihrem Konkurrenten Tesla kein zweites… Mehr

Ach Gottchen, sowas von unfair aber auch…!
Warum ist Tesla nicht imstande, zu Ionity-Preisen anzubieten? Wird Ionity stärker subventioniert, oder ist Tesla einfach nicht konkurrenzfähig? In beiden Fällen gilt: Marktwirtschaft geht anders. (Insbesondere ist Schluchzen über die böse Konkurrenz eine fast genauso schlechte PR-Strategie wie Beschimpfen des Zielpublikums.)

Natürlich ist Tesla in der Lage, seinen Preis von 33 Cent auf 79 Cent zu erhöhen. Aber warum sollten sie? Damit würden sie nur ihre Kundschaft vergraulen. Tesla hat mit seinem Schnellladenetz der Kundschaft die Reichweitenangst und die Angst vor zu langen Ladezeiten genommen, denn mit einem Tesla kann man problemlos in der ganzen EU fahren, ohne Sorge, dass man wegen Energiemangels stehenbleibt. Sie laden alle 200km für 10 bis 15 Minuten nach, da sollten sie eh Pause machen und sich kurz die Beine vertreten, und dann geht es weiter. Darum steigt ein großer Teil der zahlungskräftigen und technikaffinen Kundschaft… Mehr
Ich glaube, Frau Baerbock arbeitet schon dran. Die Ladesäulen bekommen einfach Solarzellen oben drauf – und der Ladestrom wird automatisch und kostengünstig erzeugt. Alternative, für diejenigen, die es mit der Sonne nicht so haben, es werden Propeller auf die Ladesäulen gesetzt, die dann per Windkraft den Ladestrom erzeugen. Hierdran arbeiten schon die „propeller-heads“ in den Daniel Düsentrieb Laboratorien. Der Vorteil bei beiden – kein Netz mehr erforderlich zum Speichern der Energie. Und damit auch keine Probleme mehr mit dem Bau von Stromtrassen. So kann m/w/d die Vorteile der Elektromobilität erst richtig ausnutzen. Aus den Bereichen mit Erfordernis von 24/7-Mobilität kommen… Mehr

Offensichtlich wird sich der Preis in Zukunft aus der Ladegeschwindigkeit ableiten:
Zu Hause entspannt über Nacht laden: Günstig.
Auf Langstrecke sehr schnell laden: Teuer.

Elektroscooter zum Imponieren in den Vorgarten stellen: Günstig.
Elektroscooter zum Fahren brauchen: Teuer.
Sie können ja mal ausrechnen, wie viel eine Installation eines flächendeckenden Mittelspannungsnetzes zur zusätzlichen Versorgung von Hunderttausenden von Emobilen in den Wohngebieten kosten wird. Wird dann alles auf die Hausbesitzer umgelegt, die es an die Mieter weiterreichen.
Die Frage, woher der Strom kommen soll, wenn die Kohle- und Kernkraftwerke abgeschaltet sind, ist davon unabhängig. Psst… nicht weitersagen, sonst gibt das eine Panik: Ich habe aus sicherer Quelle gehört, dass Solarzellen nachts gar keinen Strom liefern.

Die CDU wird schon eine Lösung finden, wahrscheinlich indem die Steuern auf Benzin und Diesel verdoppelt werden.

Neben der Einheitsmiete/Mietpreisbremse der ideale Weg zurück in die heimeligen, scheinbar politisch heiß ersehnten Verhältnisse der DDR.

Jeder wird sein altes, benzingetriebenes Auto so lange fahren, bis es auseinanderfällt, Ersatzteile, die es nicht mehr gibt, werden in Heimarbeit angefertigt.

Vielleicht gibt es ja im Ausland auch bald Kataloge, über die unsere reichen Verwandten in anderen Ländern uns Autos schenken können.

Schöne alte, neue Welt…

Eauto wird immer eine Nischenlösung für Wenige bleiben. Es gibt immer noch genügend kostenlose Ladestationen (momentan) und die „Druckbeladung“ brauchen die Wenigsten. Wer zudem wenig Langstrecke fährt braucht keine 1000 km Dieselreichweite. Die Steuer fällt zudem komplett weg. Der Aufwand fürs „strategisch geplante“ fahren ist natürlich aufwendig aber für Techenthusiasten nicht wirklich problematisch. Mit den absehbar anziehenden Treibstoffpreisen wird in Zukunft über die nächste BTW Wahl hinaus der Benziner und Diesel sehr teuer und eingeschränkt werden. Wer clever ist saugt alle Fördertöpfe so gut es geht leer (davon gibt es mehr als man denkt und niemand muss bei den 6000… Mehr

Nischenlösung???

Verkaufszahlen in den USA 2019:
154 836 TESLA Model 3
49 151 Merceded C-Klasse
47 827 BMW 3er
26 435 Audi A4

Anzahl verkaufter Personenkraftwagen in den USA 2019:
4 831 233 Millionen

Das wird genauso ablaufen wie beim Diesel/Heizöl. Der Strom zum Laden von Elektroautos wird massiv mit Steuern erhöht werden.

Das kommt dann dabei heraus, wenn Politiker glauben, die die besseren Techniker zu sein.

Neue Technologien müssen wachsen und ausreifen – und nicht auf Biegen und Brechen politisch erzwungen werden.

Der Preisvorteil der E-Autos ist offensichtlich ein Mythos. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Daimler (Manfred Bischoff) sagte letztens in einem Interview mit einer schweizer Zeitung: „Die [Batterien] kosten mindestens drei Mal so viel wie ein konventioneller Antriebsstrang.“

Grob überschlagen heißt das, dass jeder Batteriewechsel dem Besitzer etwa so teuer kommt wie drei kapitale Motorschäden. Toll!

Quelle:
https://ecomento.de/2020/01/16/daimler-aufsichtsratschef-keiner-verdient-mit-elektroautos-geld/

Wie bei vielen anderen Lösungen sind die initialen Investments höher während man durch niedrige Wartungs- und Betriebskosten über mehrere Jahre gerechnet sparen kann.

Nicht umsonst stellen Firmen wie UPS auf modernere Antriebslösungen (elektisch) um: Es rechnet sich. Der schnelle Entwicklungsfortschritt in der Technik führt dazu, dass davon immer mehr Anwendungsfälle profitieren können.

Der Elektroantrieb ist keine „moderne Antriebslösung“. Elektromotoren werden seit weit über 100 Jahren zum Antrieb von Fahrzeugen genutzt und sind dort, wo sie zuverlässig mit Strom versorgt werden können, absolut konkurrenzfähig zum (mit weniger Infrastruktur-Aufwand zu betreibenden) Verbrennungsmotor (z.B. E-Loks, Straßenbahnen und Oberleitungsbussen). Wenn ich (als Laie) mir Informationen über Akkumulatoren zusammensuche (da durch die borniert-ideolgische Anti-Verbrennungsmotor-Stimmung keine offene Debatte stattfindet, muss ich suchen), dann höre ich von offensichtlich kompetenten Physikern, dass die aktuell erreichte Energiedichte von Akkumulatoren aus grundlegenden physikalischen Gründen kaum noch erhöht werden kann. Nun kann man natürlich sagen: „Ja, aber das kann durch eine neue Entdeckung… Mehr

Mehr. Der Antriebsstrang besteht doch nicht nur aus dem Motor:https://de.m.wikipedia.org/wiki/Antriebsstrang

Ja, ich weiß, deswegen „grob überschlagen“!

„Die [Batterien] kosten mindestens drei Mal so viel wie ein konventioneller Antriebsstrang.“ Erinnert mich stark an das Erlebnis, das ich Anfang der 80er Jahre in einem Autohaus der Firma Ford hatte. Sie wissen schon, damals tobte die heftige Diskussion über die Einführung der Katalysatoren. Auch das wurde zunächst von den Automobilherstellern und deren Lobbyisten abgelehnt. Jedenfalls teilte man einem Neuwagen-Interessenten mit, dass man ihm sein Modell (Escort oder so) nicht mit einem Katalysator liefern könne. Das würde den Wagen um mind. 5000,- DM verteuern. Und deshalb werde Ford auch solche Fahrzeuge in Zukunft nicht anbieten. (Übrigens gab es damals Hersteller,… Mehr

Das ist doch jedem Ingenieur schon seit Jahrzehnten bekannt… Batterie Autos haben keinen Mehrwert gegenüber einen Verbrennungsmotor. Darum braucht es ja das Märchen vom bösen klimaschädlichen CO2!
Nur über diesen Weg kann man uns Deutschen…und NUR uns deutschen Angst vor dem Weltuntergang machen um uns so den Verbrennungsmotor selbst zu verbieten…und unsere auf dem CO2 basierende Volkswitschaft=Wohlstand gleich mit!

Elektroautos sind unabhängig vom CO2 den Verbrennern inhärent überlegen. Das liegt unter anderem an den grottigen Wirkungsgraden der Verbrenner, die im Verkehr fast nie im Optimum ihrer Verbrauchskennfelder laufen, Elektromotoren haben ein wesentlich günstigeres Verbrauchskennfeld. Daher verbrauchen Elektroautos immer noch weniger, wenn die Energie auch aus arabischen Ölfeldern kommt, das Öl in deutschen Großkraftwerken verstromt und mit Übertragungsverlusten zu den E-Autos kommt. Denn das Großkraftwerk läuft immer im Optimum ihres Kennfeldes. Das kann man sich ausrechnen unter der von Daimler betriebenen Seite http://www.optiresource.org/ Da kann man leicht und spielerisch verschiedene Energieketten und Motorkonzepte (Benzin, Diesel, Wasserstoff, Elektro) von der Quelle… Mehr

Die Großkraftwerke laufen seit der Energiewende leider nicht mehr im Optimum sondern cyclen um die 50%, hauptsächlich um die wetterbedingten Schwankungen in der Einspeisung durch die Erneuerbaren auszugleichen. Großkraftwerke sind in Deutschland und anderswo in aller Regel Kohle- oder Kernkraftwerke. Ölbefeuerte Kraftwerke werden schon aufgrund ihrer hohen Betriebsgrenzkosten nur als Sputzenlastanlagen betrieben.
Daher ist die von Ihnen beschriebene „inhärente Überlegenheit“ des E-Antriebs bestenfalls hypothetisch. Ich glaube auch nicht, dass nach Übertragungs- und Batterieverlusten bei abnehmender Ladekapazität der Akkus der E-Antrieb tatsächlich so viel effizienter ist als der Verbrennungsmotor.