Deutlicher Rückgang beim Wohnungsbau 2023 erwartet

Einerseits Auftragswellen, andererseits fehlende Rohstoffe. Alle acht Wochen blickt die Wohnungswirtschaft auf massivste Preissteigerungen. Doch das ist nicht erst seit dem Ukraine-Krieg der Fall.

IMAGO/Sven Simon

Rasant ansteigende Preise beim Wohnungsbau sind nicht erst seit dem Ukraine-Krieg zu verzeichnen. Bereits im Jahr 2021 gab es Preissprünge bei Baustoffen. Holz, Beton und Stahl verteuerten sich so sehr wie seit Beginn der Preiserhebungen 1949 noch nie. Insbesondere die höheren Energiepreise wirkten sich auf den Bausektor aus, wie das Statistische Bundesamt im Jahresrückblick auf 2021 im Februar 2022 mitteilte. Schon 2021 wirkten sich gestiegene Erdölpreise verteuernd auf Baustoffe wie etwa Bitumen für Dachabdichtungen aus. Auch Farben und Lacke waren um knapp 30 Prozent deutlich teurer als im Vorjahr.

Nun, im April 2022, hagelt es Warnungen von allen Seiten vor einem Einbruch des Wohnungsbaus in Deutschland im kommenden Jahr. „Wir haben eine Riesen-Auftragswelle, und gleichzeitig fehlen die Rohstoffe. Wir haben alle acht Wochen massivste Preissteigerungen“, so ein Sprecher des Landesverbands der bayerischen Bauinnungen in München. „Da wird es Einbrüche geben, und zwar ganz deutliche“, erklärt Hans Maier, Direktor des Verbands der bayerischen Wohnungswirtschaft (vdw).

Bundesbauministerin
Geywitz ist gegen Eigenheime, die sich ohnehin bald keiner mehr leisten kann
Dies mache die Kosten neuer Bauvorhaben sowohl für die auftraggebenden Wohnungsunternehmen, als auch für viele ausführende Baufirmen und Handwerker unkalkulierbar. „86 Prozent der Wohnungsgenossenschaften und der sozial orientierten Wohnungsgesellschaften in Norddeutschland schätzen die Aussichten für den Neubau derzeit als schlecht beziehungsweise als sehr schlecht ein“, sagt ein Sprecher des Verbands der Vermieter in Hamburg. Der Verband vertritt überwiegend sozial orientierte Vermieter wie Genossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften.

„Alle Beteiligten am Bau bezahlbarer Wohnungen – die Baustoffindustrie, die Bauunternehmen, Handwerker, Architekten und die sozialen Vermieter – stehen derzeit vor der Aufgabe, angesichts der exorbitanten Preissteigerungen bezahlbaren Wohnraum zu errichten. Eine ‚Mission Impossible‘“, heißt es in einer Pressemitteilung des Hamburger Verbands. „71 Prozent der VNW-Unternehmen wollen Neubauprojekte verschieben.“ Offenbar hat dies auch mit sogenannten Preisgleitklauseln bei öffentlichen Bauaufträgen zu tun, initiiert vom Bundesbauministerium und Bundesverkehrsministerium. Diese ermöglichen nachträgliche Preisanpassungen, was auf scharfe Kritik der Wohnungswirtschaft stößt.

Doch nicht nur der Einbruch der Bauwirtschaft im Jahr 2023 macht Sorgen. Die Zeichen stehen jetzt schon auf Sturm. Vor einer Woche veröffentlichte der Hauptverband der deutschen Bauindustrie eine Umfrage, wonach 91 Prozent der Unternehmen über Preissteigerungen und 78 Prozent über Lieferengpässe klagen. Wobei von den Befragten lediglich 27 Prozent Baumaterial aus Russland oder aus der Ukraine beziehen.

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Aktuell geben Baustofflieferanten für viele Materialien derzeit nur noch tagesaktuelle oder gar keine Preise mehr an. Da Bauunternehmen und Bauherren in den Verträgen meistens vor Baubeginn Festpreise abmachen und derzeit die Materialpreise so stark steigen, befürchtet die Bauindustrie trotz derzeitiger Auslastung am Ende Verluste einzufahren. Dazu kommt: Wegen fehlender Fachkräfte „stellen wir uns darauf ein, dass Unternehmen bald Kurzarbeit anmelden müssen.“

Schwierig für die Bauwirtschaft sind daneben die zahlreichen Bauvorschriften. Für alles und jedes gibt es technische Vorschriften und DIN-Normen, die vor allem für den Wohnungsneubau alles komplexer, materialintensiver und für einen ständigen Preisanstieg sorgen. Rund 3700 Normen sind für das Bauen in Deutschland relevant.

Kommt nun auch noch die Brüsseler Sanierungspflicht hinzu, die alle Eigentümer dazu verdonnern will, ihre Häuser und Wohnimmobilien zu dämmen, nämlich durch Mindeststandards für Gebäudeeigentümer, oder auf Englisch: Minimum Energy Performance Standards, dürfte der Markt komplett schlappmachen und die Kosten für Häuslebauer oder Erwerber von Eigentumswohnungen noch weiter in die Höhe treiben. Aber auch die Mieten werden sprunghaft steigen. Die steigenden Mietnebenkosten kommen noch hinzu.

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Kommentare ( 18 )

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NighthawkBoris
1 Monat her

Und als Krönung des Desasters eine weitere brilliante Fachfrau der SPD als Bauministerin: Klara Geywitz. Die SPD und ihr Personal: Schlimmer geht immer. Hauptsache die Quote stimmt.
Das wird noch lustig in D, bei dem was Frau Faeser hier tagtäglich einströmen lässt.

alter weisser Mann
1 Monat her

Ab heute auch wieder KfW-Förderung … höhere Auflagen und weniger Geld (das verbraucht die Ampel halt anderswo, nicht beim Steuerzahler).
Dann bauen die Leute, die rechnen müssen, wenn überhaupt Mindeststandard und ganz ohne Staatsgeld.

jwe
1 Monat her

Ich denke, der Autor hat etwas falsch verstanden. Im Koalitionsvertrag stehen jährlich 400.000 neue Wohnungen. Schaut man sich die jährlich „Zuwachszahlen“ in Deutschland bei der Bevölkerung an (vor allem bei den Erwachsenen), muss man sich schon fragen, wo die ansonsten unterkommen wollen. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man Zwangszuweisungen gemacht bei jedem, der noch freie Wohnfläche hatte. Ich nehme an, das man da zwar nicht wieder hin will, aber wo soll das enden ? Steigende Mieten ins unermessliche?

Innere Unruhe
26 Tage her
Antworten an  jwe

Es wäre gut.
Die Eltern sollen bei der Wahl gezwungen werden, zuerst an die eigenen Kinder zu denken.
Wenn die Kinder in drei Jahren horrende Mieten zahlen müssen, weil die Eltern für zu viel Zuzug gestimmt haben, dann ist es eben so.
Wenn die Enkelkinder zu wenige Freunde finden, die Deutsch sprechen, dann ist es so.
Ja, es muss schlimmer werden. Man muss gezwungen werden, Prioritäten zu setzen. Die Wahl „Fremdenfeindlichkeit“ vs. hohe Mieten kann jeder für sich selbst treffen.

Ronaldo
1 Monat her

Die Ampel steuert doch längst um. Geywitz hat doch schon bei Einfamilienhäusern festgestellt, dass da doch zumeist nur ältere Menschen drin leben, für die das Haus doch eigentlich viel zu groß ist. Verkürzt gesprochen wird also schon gesagt, dass mehr Wohnungen nicht notwendig sind, sondern wir alle einfach ein bisschen mehr zusammenrücken müssen. Klingt also nach dem üblichen Sozialismus. Wobei das neuerdings als „ökologisch“ gelabelt wird.

Last edited 1 Monat her by Ronaldo
Lotus
1 Monat her

Das ZDF brachte vor einigen Wochen einen Bericht zum Thema. Wenn ich mich recht erinnere im „Mittagsmagazin“. Die Frage, wie die Bundesregierung ihre ehrgeizigen Wohnungsbauvorhaben bei stark steigenden Preisen realisieren will, war vom ZDF schnell beantwortet: Vater Staat müsse eben mehr Geld bereitstellen. Das Leben kann ja so einfach sein, wir sind reich und stark!

Albert Pflueger
1 Monat her

Bauwillige stehen vor einem weiteren Problem: Haben sie ein Projekt geplant, müssen sie es finanzieren. Diejenigen, die ihre Finanzierung vor Beginn der exorbitanten Preissteigerungen mit der Bank vereinbart haben, können mit dem Darlehensbetrag ihr Bauvorhaben nicht zu Ende bringen. Sie können es aber auch nicht stoppen, da sie aus dem Darlehensvertrag nicht mehr rauskommen, ohne fast die gesamten Zinsen für die gesamte vereinbarte Zinsfestschreibungsdauer an die Bank als Entschädigung zu zahlen.

Guzzi_Cali_2
1 Monat her

Ich bin als Bauschlosser tätig und ich kann das alles nur bestätigen. Wenn man dann noch sieht, was die „Wohnungen“ kosten, wird einem schummrig. Vor kurzem haben wir Geländer an einer früher als „obere Mittelklasse“ einzustufende Wohnung in einem Mehrfamilienhaus angebracht. Dieses Haus steht ca. 40 km von einer Landesmetropole in einem Dorf (!), die Wohnung im obersten Stock mit 130 qm kostet verträumte 1,2 Mio. Euro – und ist verkauft! Das muß jemand gekauft haben, der geerbt hat – anders ist das nicht zu erklären. Und dann diese vollkommen bescheuerten Dämmvorschriften. Da haut man 20 cm Dämmung auf die… Mehr

alter weisser Mann
1 Monat her

Das sind nur erste Impressionen, wie es überall klemmen wird bei der Erfüllung der großmäuligen Ansagen der Ampel. Realwirtschaft lässt sich nicht weglabern. Keine Maurerkelle bedienen können, noch nie Beton gemischt, noch nie Bauprojekt umgesetzt … aber vom Bauen reden wie die Großen. Wenn man die Bauwirtschaft nur richtig eng reglementiert und ihr möglichst viele Auflagen macht, dann entstehen ganz sicher mehr Wohnungen. Klar doch Frau Geiwitz. …. Übrigens auch so eine mit purer Parteikarriere frei von belastenden beruflichen Kenntnisse, schon gar nicht im Fachgebiet ihres Ministeriums, hätte auch Verteidigungsministerin werden können … oder Dingsbums. Und justament nach dem Verlust… Mehr

MisterX
1 Monat her

Ach herrje, wo sollen dann all die Gäste wohnen? Aber gut, unsere Politik kümmert sich auch lieber um so Dauerbrenner wie „Corona“, „Klima“ oder „Weltfrieden“. Reale Probeme existieren in deren Welt doch gar nicht.

Endstadium0815
1 Monat her

Nach 16 Jahren DDR Merkel und nun die nächsten Jahre mit den rotfaschisten SPD/Grüne ( Mitläufer FDP) hat es dieses Land endlich geschafft. Früher hiess es noch Standort Deutschland, bald heisst es, hier stand Deutschland.