Die von der EU-Kommission gewünschte Dämmpflicht wird die Inflation anheizen

Die Europäische Kommission will die europaweite Dämmpflicht für Wohnhäuser einführen. Was dem Klima nutzen soll, wird Mietern und Hausbesitzern hohe Kosten verursachen. Angeheizt wird also die ohnehin schon hochkochende Inflation.

IMAGO / U. J. Alexander
Dachdecker beim Anbringen der Zwischensparrendämmung von außen

Demnächst will die EU-Kommission alle Hauseigentümer dazu verpflichten, ihre Häuser und Wohnimmobilien zu dämmen. Die Kommission erklärte bereits im Sommer … „die Politik der EU in den Bereichen Klima, Energie, Landnutzung, Verkehr und Steuern so zu gestalten, dass die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden können.“ 

„Fit for 55“ nennt sich das Vorhaben. Es soll also ein energiepolitischer Rechtsrahmen gesetzt werden. Am 15. Dezember hat die Kommission nun den Entwurf für eine Richtlinie vorgestellt, in der festgelegt wird, wie das konkret aussehen soll: Nämlich durch Mindeststandards für Gebäudeeigentümer, oder auf Englisch: Minimum Energy Performance Standards. Es kommt also zu einer Sanierungspflicht für Gebäude, die viel Energie verbrauchen. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen rechnet in Deutschland mit etwa drei Millionen Gebäuden.

„Eine faktische Sofort-Verdoppelung der Sanierungsrate ist unter den aktuellen Bedingungen von knappen Handwerkskapazitäten sowie angesichts Materialmangel und -verteuerung absolut realitätsfern. Klimaschutz und bezahlbares Wohnen miteinander verbinden – das hat sich die Europäische Kommission mit ihrer großen Initiative Fit for 55 eigentlich vorgenommen. Diesem Ziel wird der Entwurf der neuen Gebäuderichtlinie noch nicht gerecht“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. 

Frans Timmermans, EU-Kommissionsvize, sagt auf Twitter, das mache schon alles Sinn. Denn vor allem Geringverdiener seien doch von schlecht isolierten Wohnungen betroffen, weil man „in einem unrenovierten Haus fast Geld aus dem Fenster wirft,“ weil Wärme durch die Fenster, Türen und unisolierte Wände und Dächer entweiche.  

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch absehbar: Wenn private Eigentümer dazu verpflichtet werden, bis 2030 ihre Häuser zu modernisieren, dürfte das definitiv Folgen für die Mieter haben. 

Wenn in den kommenden acht Jahren alle noch nicht gedämmten Wohngebäude saniert werden sollen, sind deutliche Preissteigerungen mit inbegriffen. Dazu sollen laut neuem Regierungsprogramm jährlich 400.000 neue Wohnungen entstehen – ob das verwirklicht wird, steht dahin. Kurzum: Die Eigentümer treten in einen Überbietungswettbewerb in der Bauwirtschaft für die Sanierungen ein, dazu kommen noch die geplanten Neubauten. Ergo: Die Baukosten werden massiv steigen – und damit die Mieten. 

„Den Vermietern entstehen durch die Sanierung erhebliche Kosten, die sie auf die Mieter umlegen werden“, sagte Verbandspräsident Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund der Bild.

Und wenn der Häuslebauer, der sein Eigenheim in den 60er oder 70er-Jahren vom Mund abgespart hat, die neue Dämmung nicht bezahlen kann, weil er ohnehin von einer geringen Rente lebt oder genau deshalb überhaupt das Haus gebaut hat, um im Alter wenigstens „mietfrei“ zu leben, wer kommt für die Kosten auf? Ein Klimasozialfonds für Sanierungen? 

Zwar muss der Mieter eine Erhöhung der Miete nur dann akzeptieren, wenn durch den Umbau tatsächlich Energie eingespart wird. Unterm Strich dürfte die Mietsteigerung aber die Energieeinsparungen überschreiten. Das dürfte die Inflation noch mal kräftig anheizen. 

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Kommentare ( 57 )

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zweisteinke
7 Monate her

Oh, seien Sie Gewiss, daß nicht nur hohe Kosten entstehen. Dieser Dämmschwachsinn ist ein sicherer Weg, die geplante Enteignung weiter Schichten der Bevölkerung vorzubereiten, denn mit Sicherheit werder die Totgedämmten, über und über mit Schimmel befallenen Häuser in kurzer Zeit einem Wert haben, der gegen NULL tendiert!

Teiresias
7 Monate her

Düngemittelverordnung, Feinstaubgrenzwerte et c., et c. – Die EU hat 1000 tolle Ideen, die das Leben teuer machen, Infflation anheizen und damit Schulden auf Kosten der arbeitenden Mittelschicht abschmelzen lässt.

Der „Great Reset“ lässt grüßen!

Or
7 Monate her

Ich hab zuerst „EU-Kommunisten“ und nicht „EU-Kommission“ gelesen. 😏

Allerdings hat dieser Freudsche Verleser den Artikel bedeutend sinnhaftiger gemacht.

alter weisser Mann
7 Monate her

Mit der materiellen Realität oder gar Vernunft haben diese Politdarsteller doch nichts zu schaffen
Zudem kann man doch prima die Einnahmen von Staat und ggfs. EU erhöhen, wenn man bei Nichterfüllung der irrwitzigen Vorgaben Strafgelder zieht.
Bei Sichtbarwerden negativer Folgen grätscht man dem Privateigentümer vermutlich mit Umlageverboten rein und schafft gleichzeitig Ausnahmeregeln für Gebäude der öffentliche Hand und lobbystarker Branchen.

F.Peter
7 Monate her

Wenn man bedenkt, wieviele in diesem Land in Miete und in Altbauten wohnen, dann kann man sich leicht vorstellen, das der Großteil der Bevölkerung von den steigenden Kosten betroffen sein wird. Und dass die Mieterhöhung deutlich über den Heizkosteneinsparungen liegen, kann man heute schon nach Ausführung von energetischen Maßnahmen nach dem deutschen Recht bei den betroffenen Mietern in Erfahrung bringen. Und dass die erhöhte Miete auch dann noch bleibt, wenn die Sanierungskosten längst eingespielt sind ist auch keine neue Weisheit mehr. Weiterhin stellt sich die Frage: Wenn doch das Klima immer wärmer wird in unseren Breiten, was soll dann der… Mehr

alter weisser Mann
7 Monate her
Antworten an  F.Peter

„Mieterhöhung deutlich über den Heizkosteneinsparungen“
Da erhöhen wir einfach die Heizkosten, schon „rechnet“ sich das.

Or
7 Monate her
Antworten an  F.Peter

„ Wenn doch das Klima immer wärmer wird in unseren Breiten, was soll dann der ganze Aufwand noch?? Installieren wir dann in ein paar Jahren dann Klimaanlagen, damit es in den Wohnungen nicht zu warm wird????“

Nein das geht doch nicht. Das wäre ja vernünftig. Und Vernunft ist weder eine Kernompetenz der EU noch der Bundesregierung.

Endlich Frei
7 Monate her

Es macht schon fassungslos, wie unerreichbar in Deutschland mittlerweile das Grundbedürfnis nach einer Wohnung/Haus ist.

jorgos48
7 Monate her

Wie soll die Energiedämmung an Fachwerkhäusern aussehen, die zT 200 Jahre und älter sind? Eine Wärmeisolierung von außen, mit zB Styroporblöcken, würde das Fachwerk zerstören, da ein Feuchtigkeitsaustausch nicht mehr möglich ist.

Deutscher
7 Monate her

So ist es. Eine neue Dienstleistungsindustrie wird auch aufblühen: Die professionelle Schimmelbekämpfung und Lüftungsanlagendesinfizierung.

Wer die Folgen von Zivilisation, Technisierung und Industrialisierung mit mehr vom selben verändern will, hat nichts kapiert. Aber kapieren hieße, vom ideologischen Dogma abzulassen. Das haben Linke noch nie gekonnt, weder rote noch braune und die Grünen können´s wohl auch nicht. Lieber rennt man wieder mal blind in den Abgrund.

Last edited 7 Monate her by Deutscher
Deutscher
7 Monate her

Die Grünen können nur Kompromisslosigkeit und Extremismus:

https://www.welt.de/wirtschaft/article235775158/EU-Plaene-Habeck-pocht-auf-Nein-zur-Atomkraft.html#Comments

Die geborenen Faschos.

In 50 Jahren werden Flüssigsalzreaktoren der Standard sein. Außer in Deutschland, natürlich. Das wird dann damit beschäftigt sein, seine Windräder zu verschrotten. Die Betonfundamente wird man einfach im Boden belassen, wo sie den Wasserkreislauf beeinträchtigen. Aber es war ja alles für eine tolle Ideologie.

Last edited 7 Monate her by Deutscher
Gottfried
7 Monate her

Dann wird einfach ein Gesetz gemacht, dass es dem Vermieter verbietet, diese Kosten an den Mieter weiterzugeben.

Deutscher
7 Monate her
Antworten an  Gottfried

Dann sollten sich auch Vermieter dafür einsetzen, dass die Löhne der Mieter steigen, anstatt FDP zu wählen und gegen höhere Mindestlöhne zu sein. Denn, wie es Klabautermann weiter oben schreibt: Was nicht rein soll, kommt auch nicht raus.

Albert Pflueger
7 Monate her
Antworten an  Deutscher

Es interessiert niemanden, wofür Vermieter sich einsetzen. Sie sind nicht viele.

jorgos48
7 Monate her
Antworten an  Deutscher

Wer arbeitet für den Mindestlohn? Friseure und andere Dienstleister im Niedriglohnsektor, viele Inhaber solcher Geschäfte können keine höheren Mindestlöhne zahlen. Geiz ist geil! Solange der Kunde nicht bereit ist für Dienstleistungen mehr zu zahlen ändert sich nichts. Der/Die Arbeitssuchende wird nicht eingestellt oder als Scheinselbständiger beschäftigt.

egal1966
7 Monate her
Antworten an  jorgos48

Nun ja, grundlegend haben sie ja recht.
Nur der Kunde muss auch finanziell dazu in der Lage sein, mehr für solche Dienstleistungen zu zahlen.

Solange also der Bürger weiterhin von Staat mit Steuern und Abgaben „wie eine Zitrone ausgequetscht“ wird, woher soll das Geld kommen?