Pressestimmen nach dem Anschlag: Die Hauptstadt unfreiwillig im Manöver

Der Tonfall, in dem viele Medien von dem Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin berichten, ähnelt fatal dem, den schon die „Vulkangruppe“ in ihrem Bekennerschreiben verwendet. Mit dem simplen Begriff „linksterroristischer Anschlag“ fremdelt man vielerorts.

picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Der rbb überschreibt seine Bilderstrecke mit einem fidelen „Bilder vom Stromausfall: Im Berliner Südwesten“, dort bleibt es duster. Immerhin gibt es fotografische Beweise, dass der Regierende Bürgermeister inzwischen an die Seite seiner Bürger geeilt ist.

Beim ZDF klingt das so, als ob es seiner Erklärung, „… bei den Tätern handele es sich offenkundig um Linksextremisten“ nicht ganz zustimmt.

Gleich nach dem Brandanschlag auf die Kabelverbindung des Kraftwerks Lichterfelde, als man in höchsten politischen Kreisen wahrscheinlich noch die letzten Stunden der Ruhe vor dem Neuen Wahljahr 2026 pflegte, klang das alles noch ganz harmlos: „Da gab es in einer Kabelbrücke einen Brand“. Oder wie es der Berliner Sender Radio Teddy so schön für junge Hörer moderierte: „Da haben welche an einer Leitung gekokelt“.

Nur wenige Nachrichtendienste erklären das aktuell so klar, verständlich und detailliert wie Holger Douglas bei Tichys Einblick:

Nun kann man verstehen, wenn nicht jeder Journalist über das technische Fachwissen verfügt, die Attentäter als das hinzustellen, was sie sind: nämlich nicht etwa „linke Gruppen von Aktivisten, die ideologisch unterwegs sind …“ (Mutmaßung der Berliner Energieministerin Franziska Giffey im Interview), sondern bestens informierte und ausgerüstete Sabotagetrupps. Unverständlich ist allerdings, dass sich der Begriff „Stromausfall“ in der Überschrift vieler Artikel hartnäckig halten kann. Bei der kürzlichen Schließung durch Drohnenflüge bedrohter Europäischer Flughäfen hat auch niemand von „Flugausfall“ geschrieben.

Vieles wird da herunter geschrieben, das am Thema vorbei geht oder ablenkt. Vielleicht ja nur, um die vorgeschriebene Zeichenzahl zu erfüllen. Etwa mit ungeduldigen Fragen, wie lange es denn nun noch dauere: rbb24 spezial „Blackout in Berlin – Wie lange noch?“

Dass die Betreibergesellschaft mittlerweile ein paar Tausend Gebäude wieder ans Netz anschließen konnte, wird bei der Tagesschau ausführlich gefeiert.

Die Zahl der – noch bis Donnerstag – Betroffenen wird ständig wiederholt, immer mit Bezug auf die Haushalte. Die Einzelnen, die im Dunklen und ohne Heizung aushalten müssen, bleiben bis auf Ausnahmen seltsam unsichtbar. Empörte Bürgerstimmen sind eher selten, es überwiegt eine resignierte Fröhlichkeit, dass es nicht schlimmer gekommen ist.

Wenige nennen das Szenario, wie hier die Frankfurter Rundschau, klar „einen Albtraum“. „Eiseskälte, kein Strom, keine Heizung – seit Samstagmorgen …“ Bei n-tv distanziert sich Linksparteichef Jan van Aken etwas linkisch von dem linken Anschlag: „Diese Aktion ist total Panne, da ist sich die gesamte Linkspartei einig, dass das nicht richtig ist.“

Bei n-tv heißt es auch: „Manch einer greift nun auf Kerzenlicht zurück … zunächst ist ein Stromausfall nicht so dramatisch. Der gewohnte Herrnhuter Stern des Nachbarn brennt nicht. Eigentlich zu verkraften. Auch die Handys haben kein Netz. Informationen sind rar. Dann werden Pflegeheime evakuiert. Anwohner begreifen allmählich den Ernst der Lage.“

Der rbb tröstet mit einer Reportage vor dem Rathaus Zehlendorf, wo Maren Schellenberg (Grüne) gerade eine Videokonferenz des Krisenstabs abgehalten hat und vor dem Krankenhaus Waldfriede, wo auf Notstrom „umgeswitcht“ werden musste. Marin Matz, der innenpolitische Sprecher der SPD, darf im Studio den Rat loswerden, dass man nun „bestimmte Sachen schon zu Hause haben sollte“. Abschließend ist man noch froh, denn der Autoverkehr, „der rolle wenigstens“ – andere „müssten sich auf dunkle Stunden und Tage einstellen …“.

Die „taz“ findet für ihre Berichterstattung das kleine Wortspielchen „Ohne Netz und Boden“ und ist der Meinung, dass „der andauernde Strom-Blackout in Teilen des Berliner Südens zeigt, wie angreifbar und verwundbar die Infrastruktur der Hauptstadt ist“.

Die Tagesschau setzt ans Ende einer langen Schadensaufnahme die lapidare Feststellung: „Erwartet wird, dass ein Gros der Betroffenen bis Donnerstag ohne Strom bleibt. Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt verschärfen das Problem für die Betroffenen.“

Das Magazin Stern bringt die dpa-Meldung: „Bei kaltem Wetter und Schneefall sitzen Zehntausende im Südwesten Berlins ohne Elektrizität da. Ursache ist ein Feuer. Aber was steckt dahinter?“, und ergänzt später selbst: „Linksextreme ‚Vulkangruppe‘ soll hinter Stromausfall in Berlin stecken … es bleibt noch immer dunkel in Teilen Berlins.“

Für den Focus meint Markus Altmann erklären zu müssen: „45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen sind plötzlich ohne Strom. Warum Berlins Regierungschef Wegner von Terrorismus spricht … das Bekennerschreiben zur Brandstiftung, die in Berlin für einen großen Stromausfall sorgte, wird in Sicherheitskreisen als authentisch angesehen. Das berichtet der rbb.

Dies stammt von der linksextremen „Vulkangruppe“. Die Gruppierung ist in Berlin nicht unbekannt. Seit rund 14 Jahren fällt die Vulkangruppe in Berlin immer wieder mit Feuerattacken auf Autos, Unternehmen und Infrastruktur auf. Im Mai 2025 hatte sie ein Trafohäuschen im Nobel-Viertel Dahlem angegriffen und hernach proklamiert, dass sich die Gesellschaft Reiche nicht mehr leisten könne. Warum die „Feuerattacken“ nicht Brandstiftungen und „Dahlem“ nicht einfach „Dahlem“ heißen kann, bleibt unklar.

Altmanns Kollege Sebastian Scheffel bringt es hingegen auf den Punkt: „Linksextreme System-Hasser wüten in Berlin“.

Das Magazin der Spiegel berichtet über den Wutanfall der Ehefrau von Christian Lindner, Franca Lehfeldt, die auf Instagram „gegen die Landesregierung ausgeteilt habe“, weil „der Stromausfall in Teilen der Hauptstadt auch deren Wohnort beträfe“. „Zehntausende Berlinerinnen und Berliner“, so der Spiegel, „müssen derzeit ohne Strom und Heizung auskommen, und das vermutlich auch noch mehrere Tage.“

Bei der Süddeutschen Zeitung klingt das alles nach Abenteuerulaub: „Brandanschlag in Berlin. Sechs Tage ohne Heizung, Warmwasser und Licht. Berlinerinnen wie diese Frau nutzen im Bahnhof Wannsee ihre Handytaschenlampen, um im Stockfinsteren etwas zu sehen.“

Ebenso bei Corinna Budras für die FAZ aus Berlin mit „Licht ist plötzlich Luxus“: „Die Rollläden bleiben unten, die Powerbank kreist, und die Kerzen spenden kaum Licht: Unsere Autorin schreibt über ihr Wochenende ohne Strom – der erst mal auch nicht wiederkommt.“

Die Berliner Zeitung formuliert klar, worauf es jetzt eben ankommt: „Schnee und Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf: Die Anwohner dort müssen sich darauf einstellen, fünf Tage ohne Strom und Heizung auszukommen.“

Den Vielen, die in immer kälter werdenden Häusern bleiben müssen, ist zu wünschen, dass die Techniker die Stromverbindung bald reparieren können. Und den Tätern, dass sie bald in einer schlecht geheizten Untersuchungszelle sitzen …

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Kommentare ( 134 )

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Ein Mensch
11 Stunden her

Da sich die Mehrheit der Berliner auch einen Krieg mit Russland wünscht, jedenfalls wenn man das Wahlverhalten betrachtet, können sie sich schon mal dran gewöhnen wie der E-Fall aussieht. Ganz wichtig wäre noch zu erwähnen, bleibt in Berlin und geht uns im Brandenburgischem nicht auf den Sack. Reicht schon wenn ihr an jedem WE durch unsere Landschaft gurkt.

HansKarl70
22 Stunden her

Die Mehrheit bekommt das, was gewählt wurde, nennt man doch Demokratie oder?

R.Baehr
22 Stunden her

Sind die Berliner in der Masse mittlerweile komplett verbl……..das sie immer noch in den Umfragen so gut wie keine Änderung in der politschen Landschaft wollen? Scheinbar sind die sogenannten Vorfälle noch immer viel zu wenig und die Auswirkungen vernachlässigbar, das ist einfach für einen Normalbürger mit Hausverstand unfassbar.

Rob Roy
23 Stunden her

überwiegt eine resignierte Fröhlichkeit, dass es nicht schlimmer gekommen ist

Die Berliner Abendschau macht Hofberichterstattung, lobt das Engagement privater Bürger und Vereine („man hält zusammen“) und vermeidet das böse Wort „linksextremistischer Anschlag“, wo es nur geht. Kritik am Krisenmanagement, dem Bürgermeister oder seiner „Energiesenatorin“: Fehlanzeige.
Was noch fehlt, wäre eine vom RBB geschickte Andrea Kievel, die den betroffenen Bürgern vorführt, wie man sich mit Hochprozentigem warmhält.

Last edited 23 Stunden her by Rob Roy
Dr. Rehmstack
1 Tag her

Nun macht mal halblang, unser Ex Bundes Priester Gauck hat doch ganz offen bekundet, dass ein bisschen Frieren für die Freiheit dazugehört und wie ich den kenne, sitzt er jetzt auch bei einstelligen Temperaturen an seinem Schreibtisch, also bitte nehmt Euch ein bisschen zusammen. Es war doch auch nur mutmaßlich ein Anschlag! Dabei fragt wieder keiner, wie es den neuen Bürgern geht, die sind doch solche Temperaturen überhaupt nicht gewohnt, denen muss doch zuerst geholfen werden, oder?

Riffelblech
1 Tag her

Wegsehen -Negieren – Haltet den Dieb – „ wir können es nicht gewesen sein „
Typische Linksgrünrote Reaktionen auf diese Sauerei der Antifa .
Und die ÖR halten sich genau an dieses Szenario ,was braucht es noch Beweise worin dieser Regierungsfunk und Propagandafernsehen ihre Berechtigung setzen.
Keine Demonstrationen kein Aufstand der Berliner die ihrem Roten Rathaus mal Dampf unterm bräsigen Hintern machen .
Lieber frieren sie ,lieber werden sie mit massiven Verlusten zurückgelassen,nur kein Zweifer an der Obrigkeit .
Was für ein elendes feiges Volk ?

Privat
1 Tag her

Und die zuständigen politischen Figuren sprechen von einem – „Vorfall“ !
Aber nicht von einem verbrecherischen Anschlag weil die Gangster zu den links/grünen zählen.
Was ist hier nur los.

Privat
1 Tag her

Es gibt nur noch die absolute Unfähigkeit gepaart mit der absoluten Dummheit in der BRD – das Frühere Deutschland. Jetzt nach dem linksextremen Terroranschlag hat die grüne „Bürgermeisterin“ von Kreuzberg den Einsatz der Bundeswehr mit Händen und Füßen abgelehnt. Das THW (technisches Hilfswerk) hat mit Wissen der deutschen Machthaber über 1700 eigene Notstromaggregate die hier für schwere Notfälle bereit standen in die elendige UA verschenkt- für einen fremden Krieg, der Deutsche nichts angeht. Deshalb müssen jetzt in Berlin viele Alte und Kranke frieren. Der sogenannt Bürgermeister Wegner, der zu gerne bei Schwulen Demos mitläuft hat sich nach dem Anschlag einen… Mehr

Kontra
1 Tag her

Wie sich eine gewisse Frau Slomka offensichtlich quälen muß, überhaupt über dieses Thema im heute journal zu berichten, spricht schon Bände!

OJ
1 Tag her

Berliner Blackout: Überall fehlen Notstromaggregate und Hilfsgüter – vielleicht mal die Ukraine fragen❗

Privat
1 Tag her
Antworten an  OJ

Diese Typen werden nichts davon hergeben. Die nehmen alles was sie kriegen können.

Or
1 Tag her
Antworten an  OJ

Die Notstromaggregate, die in die Ukraine gegangen sind ?
Die können Sie auf diversen Schwarzmärkten dort käuflich erwerben.