Der wahre Wettbewerb läuft in Islamabad

In Islamabad holt die 19-jährige Nigerianerin Hajara Dan’azumi den Titel der besten Koran-Rezitation – mit 99,5 Punkten und Preisgeld. Ein Wettbewerb wie Paris-Dakar fürs Gehör: Kampfrichter im Dauerloop, Zuschauer im Härtetest, das Kalifat zum Warmhören. Von Thilo Schneider

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Vergessen Sie das Bundesverdienstkreuz oder die Nobelpreise für Physik, Chemie, Frieden oder Literatur: Völlig unbemerkt von der offiziellen Weltöffentlichkeit hat im vergangenen Jahr in Islamabad eine junge Frau einen ganz außerordentlichen Preis in einem wirklich harten Wettbewerb geholt: Die Nigerianerin Hajara Dan’azumi, zarte 19 Jahre alt, hat sich gegen harte internationale Konkurrenz aus anderen Staaten des einzig wahren Glaubens durchgesetzt und im „Internationalen Koran-Wettbewerb“ den Preis für die beste Koran-Rezitation geholt. Wir gratulieren an dieser Stelle recht herzlich.

Sie ist keine Unbekannte bei den Wettbewerbsrichtern: Bereits im Februar 2024 holte die Ausnahmeathletin, die an der Gombe-Universität in Gombe nebenbei Botanik studiert, wenn sie keine Verse auswendig lernt, in Jordanien den ersten Platz und konnte damit 40 Konkurrentinnen aus 38 Ländern auf die Plätze verweisen. Ihre Performance und ihr fabelhaftes Gedächtnis belohnte die Jury damals mit einem satten Preisgeld von 5 Millionen Naira (immerhin knapp 3.000,- €) und einem Stipendium.

Ihr Werdegang im Wettbewerb lässt sich nur als „kometenhaft“ beschreiben. Bereits 2020, im zarten Alter von 15 Jahren belegte Hajara Dan’azumi einen hervorragenden vierten Platz bei den 34sten nationalen Koranrezitationswettbewerben in Lagos mit einer schon damals außergewöhnlich guten Bewertung von 97,1 Punkten, die sie jetzt auf sagenhafte 99,5 Punkte ausbauen konnte. Wobei sie – ein weiteres Wunder – immer noch als 19-Jährige geführt wird. Nicht einmal Mohammed persönlich dürfte den Koran derart exakt und schön interpretieren können, aber grau ist alle Theorie: Hören Sie doch selbst einmal rein.

Drei Minuten neunundfünfzig, die sich lohnen und der Track lässt sich problemlos auch rückwärts abspielen, ohne dass man einen Unterschied merkt! Lachen Sie nicht! Diese Wettbewerbe sind härter als Paris-Dakar zu Fuß in Gummiflossen. Versetzen Sie sich in die Lage der Kampfrichter, die sich mehrere Tage ein dutzend Mal hintereinander die immer gleichen Koranverse in nur in Nuancen anderer Interpretation anhören müssen und dann entscheiden sollen, wer am besten rezitiert hat und der ultimative Gewinner ist. Dazu braucht es neben einem guten Gehör und guten Augen auch eine außergewöhnlich hohe Leidensfähigkeit, an der so mancher Navy-Seal scheitern würde!

Ich habe mir diverse Videos der verschiedenen Wettkämpfe angesehen, damit Sie es nicht tun müssen (und um mich auf das kommende Kalifat vorzubereiten) und mich dabei auf die Scharf Kampfrichter konzentriert. Ich habe schon Leichen gesehen, die wesentlich lebendiger wirkten. Das muss man wollen! Eine echte Strapaze, auch für die Zuschauer, von denen sich der ein- oder andere lieber auf die Ersteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffflasche wünschen mag.

Falls Sie aber trotzdem rund zwei Stunden Lebenszeit haben und diese nicht mit dem Dschungelcamp oder dämlichen Handyspielen verschwenden wollen – hier geht’s lang. Ich hatte Sie gewarnt. Wie aber geht es jetzt mit der Gewinnerin weiter? Schätzungsweise wird es die rezitierende Biologiestudentin nicht ganz einfach haben, einen guten Mann zu finden, denn heißt es in den westlichen Staaten spöttisch „Gekocht habe ich nichts, aber schau mal, wie ich da liege“, so wird der künftige Ehegatte der Athletin abends nach getaner Andacht im Tee- oder Kaffeehaus mit freundlichen Koranzitaten statt einer landesüblichen Mahlzeit begrüßt.

Versetzen Sie sich auch mal in seine Lage oder stellen Sie sich umgekehrt vor, Ihr Ehepartner (m/w/d) würde Sie abends mit Bibelzitaten aus Ihrer Erschöpfung zu reißen versuchen. Es hat doch einen Grund, warum katholische Priester nicht heiraten dürfen? Hajara Dan’azumi ist der beste Beweis, dass sich Religion und Wissenschaft nicht unbedingt gegenseitig ausschließen müssen, sondern nur sollten. Immerhin wird sie, wenn es ihre knappe Zeit zulässt und sie vielleicht sogar Doktorin der Biologie wird, möglicherweise beweisen, dass der gute alte Charles Darwin ein verblendeter Vollidiot war und Gott den Menschen gemacht hat, indem er Adam in die Nasenlöcher blies und aus der Rippe seines Prototypen dann Eva bastelte. Man weiß es ja nicht, es war ja niemand dabei. Also, außer Gott und Adam. Der läppische Biologie-Nobelpreis wäre ihr sicher.

Sollte hingegen die berufliche Perspektive als Biologin scheitern, so könnte Hajara Dan’azumi immerhin die erste Frau werden, die als Muezzinin die wahren Gläubigen zum Gebet ruft. Also, sofern der Islam vorher seine eigene Art der Aufklärung erlebt. Hoffnung dazu gibt es jedenfalls: Nach islamischer Zeitrechnung befinden wir uns im Jahre 1446. Die dreihundert Jahre sitzen die Gewinner dieses härtesten aller Wettbewerbe locker singend auf der rechten Wange ab, die ihnen die Christen gerne hinhalten.


(Weitere Siegerehrungen des Autors unter www.politticker.de)

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten

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Kommentare ( 22 )

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22 Comments
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Michael W.
1 Tag her

Dafür landen die alle in der Hölle. Muslime verstehen da eigentlichen keinen Spaß. Den Koran rezitiert man nicht zum Wettbewerb, sondern für den Glauben. „Er liest, jedoch denkt er nicht sorgfältig darüber nach.“ Ob die bei dieser Rezitation darüber nachgedacht haben? „Es ist nicht erlaubt, mit dem ehrenvollen Mushaf [Anm.:gedruckter Koran] die Toilette zu betreten.“ “Reist nicht mit dem Qur’aan in das Land der Feinde, da ich befürchte, dass sie ihn in die Hände bekommen.” Es dürfte also in ganz Europa keinen Koran geben! „Er sollte den Quran jeden Monat beenden und das ist das Mindeste.“ Das bedeutet, jeder Moslem… Mehr

Retlapsneklow
1 Tag her

Gibt es im Westen auch sowas? Keine Glosse. Zum Beispiel die zahlreichen Horrorfilme im TV. Warum gucken sich Leute sowas an? Wollen sie geschockt werden und dann im Schock rumlaufen? Masochismus! Oder Schlagersänger, die von Liebe singen und dabei ein so angestrengtes Gesicht schneiden, als ob sie unter größter Anstrengung etwas aus ihrem verborgenen Innersten hervorholen wollen, das nicht so recht raus will. Dabei bleibt es bis zum Schluss. Mission unfinished. Fehlt noch der eine oder andere schrille Schrei zwischendurch, der besagt, dass dem Sänger etwas weh tut. Als Zuschauer geht es einem dann entweder auch so – oder er… Mehr

Deutscher
1 Tag her

„Gekocht habe ich nichts, aber schau mal, wie ich da liege“
😅

Verzeihtnix
1 Tag her

Deutschland zahlte alleine in 2023 an Pakistan 155 Millionen Entwicklungshilfe.
Knapp 100 Millionen deutscher Steuergelder flossen 2022 in Form von Entwicklungshilfe nach Nigeria.
Aus der EU und damit auch deutsches Geld kommen Dutzende Millionen hinzu.
Alle Jahre wieder. Auch dieses Jahr.

Michael W.
1 Tag her
Antworten an  Verzeihtnix

Und mit diesem Geld werden dort Christen verfolgt in Nigeria in großer Zahl auch ermordet.

giesemann
22 Stunden her
Antworten an  Verzeihtnix

Die brauchen das Geld für den fdJ, den finanziell-demografischen Jihäd. Vorbild: Gazastreifen. Der Leib unserer Mädchen/“Kinderehen“ wird uns den Sieg bescheren, Biografie: Houari Boumedienne/Houari Bu Madyan war ein algerischer Politiker und Staatschef von 1965 bis 1978.
– https://gutezitate.com/autor/houari-boumedienne
Ein Inder warnt uns ganz dezent-rezent: Weltbank-Chef Ajay Banga prognostizert weitere 800 Millionen Flüchtlinge – FOCUS online, ruhig mal lesen.
Schon klassisch: Gunnar Heinsohn: Söhne und Weltmacht. Terror im Aufstieg und Fall der Nationen – Perlentaucher und Daniele Dell’Agli – Über den Zusammenhang von Religion, Demografie und Migration – Essay – Perlentaucher

AlNamrood
1 Tag her

Ich bin sicher in 25-50 Jahren hat Deutschland auch eine realistische Chance auf den Preis. Endlich mal wieder Bester sein!

U.M.
1 Tag her
Antworten an  AlNamrood

25-50 Jahre: Nein, so lange brauchen wir mit Sicherheit nicht.

Deutscher
1 Tag her

Ein wunderbares Klangerlebnis, das den Ohren schmeichelt, den Geist erfrischt, die Sinne weckt und Lust auf mehr macht! Ich denke, ich werde meine quietschende Tür nun doch nicht ölen, denn so habe ich inmitten des Alltags immer wieder zwei Sekunden der akustischen Beglückung, die mich an dieses einzigartige Video erinnern!

Lepanto
1 Tag her

Wie peinlich ist denn dieser Text. Gibt uns das irgendeinen Mehrwert? Sich plump über diese Veranstaltung und die religiösen Gefühle von Muslimen (und Christen) lustig zu machen, ist einfach nur noch beschämend.

Und, dann machen Sie doch mal Wissenschaft ohne Religion, ohne Glauben, ohne einen Rückgriff und -bindung auf die Wahrheit und das Schöne und das Gute, ohne Gott – in einer Welt somit, in der nur das Recht der Stärkeren gilt (der Macht, der Gewalt, der Konzerne). Einen Vorgeschmack davon konnten Sie vor fünf Jahren kennenlernen.

Eine Glosse will gekonnt sein. Das ist nur noch „cringe“.

Last edited 1 Tag her by Lepanto
Verzeihtnix
1 Tag her
Antworten an  Lepanto

Jeder, der auch nur entfernt naturwissenschaftlich gebildet ist, weiß, dass alle Religionen nur Humbug sind. Religion ist etwas für dumme Menschen, die anderen hinterherlaufen, weil sie zu dumm sind, sich selbst eine Meinung zu bilden. Genau so wie Kommunismus oder Klima oder jeder x-beliebige Tik-Tok Trend. Relgionen wurden erfunden, um einen gewissen Zusammenhalt zu erzeugen, der in großen Gesellschaften erforderlich war, damit man sich nach außen verteidigen konnte, zur Unterwerfung und Einverlaibung anderer Völker und zur Bewahrung der innen Ruhe. Deutschland und Europa waren aus dieser Art von rückständigen Gesellschaften herausgewachsen. Die Auklärung machte Religionen überflüssig. Leider ist Auflärung aber… Mehr

giesemann
23 Stunden her
Antworten an  Verzeihtnix

Das ist der älteste Beruf der Welt: Die Schamanen, Druiden, Brahmanen, Rebbes, Priester, Mullahs. Die haben gemerkt, dass alle Angst vor dem Tod haben – sie selbst zwar auch – aber bis es soweit ist, lässt es sich leichter und komfortabler leben von dem Geld der noch Ängstlicheren. Das ist stabil, weil die meisten denkunfähig sind.

Lepanto
22 Stunden her
Antworten an  Verzeihtnix

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“

Ihr Utopia ist in der Tat keine Einbahnstrasse, sondern eine Sackgasse.

Last edited 22 Stunden her by Lepanto
Lepanto
19 Stunden her
Antworten an  Verzeihtnix

Und noch ein Nachtrag: Ihre „Aufklärer“ waren übrigens glühende Bewunderer des Islam. Der Islam mit seinem strengen Monotheismus – ohne die Zumutungen der Inkarnation, der Jungfrauengeburt, Dreifaltigkeit und Auferstehung – wurde als vernunftgemäss und „natürliche Religion“ angesehen.

Glauben Sie nicht? Lesen Sie hier: https://www.sarto.de/allianz-gegen-das-christentum (für einen Euro erhältlich)

Michael W.
1 Tag her
Antworten an  Lepanto

Für Muslime ist der gesamte Koran heilig. Ihn aus Wettbewerbsgründen zu rezitieren ist nicht Sinn des Koran!
„Er liest, jedoch denkt er nicht sorgfältig darüber nach.“ Stammt aus einer Fatwa über das gedankenlose Rezitieren des Koran! Das ist so, als würde ein Christ aus Langeweile die Bibel lesen.

giesemann
23 Stunden her
Antworten an  Lepanto
Lepanto
21 Stunden her
Antworten an  giesemann

Diesen Widerstand gegen die osmanische Expansion haben Sie der Katholischen Kirche, dem Papstum und der Heiligen Gottesmutter Maria zu verdanken.

https://www.sarto.de/mohammed-vor-den-toren-ein-kampf-um-europa

Haba Orwell
1 Tag her

Solche Wettbewerbe gibt es in verschiedenen Religion-Versionen: https://zwst.org/de/programm/chidon-hatanach-bundesweiter-juedischer-wissenswettbewerb Möchte jemand auch über diese spotten? Was ist an der Kenntnis eigener Heiligen Schrift auszusetzen?

Deutscher
1 Tag her
Antworten an  Haba Orwell

Hier ist Deutschland, nicht Dschalalabad. Dss heißt, es gibt Meinungsfreiheit und das bedeutet, man darf spotten, auch wenn es dem linksgrün-islamischen Komplex und gewerblichen Migrationsprofiteuren nicht gefällt.

Last edited 1 Tag her by Deutscher
Michael W.
1 Tag her
Antworten an  Haba Orwell

Es geht nicht um die Kenntnis, sondern darum, dass aus der Rezitation ein Wettbewerb gemacht wird.
„Er liest, jedoch denkt er nicht sorgfältig darüber nach.“ Stammt aus einer Fatwa über das gedankenlose Rezitieren des Koran! Dieser Wettbewerb wird also nicht wegen des Glaubens, sondern wegen des Wettbewerbs gemacht.

giesemann
1 Tag her

Sie kämpfen eben, die erkannt haben, wer ihr schlimmster Feind ist. Es wird ihnen so wenig nützen wie den Konkurrenten. Die Leute haben die Schnauze voll von dem religiösen Geseire.

Bernd Bueter
1 Tag her

..wie schreibt Steve Pavlina so treffend: 10 Gründe keine Religion zu haben: 1. Spiritualität für Dumme 2. Verlust der spirituellen Tiefenwahrnehmung 3. Technisiertes Gehorsamkeitstraining 4. Zeitmanagement für’s Klo 5. Unterstützung des lokalen Pädophilen 6. Inzucht ist am Besten 7. Zwischen Schwachsinn und Heuchelei wählen 8. Vererbte Lügen 9. Mitgefühl in Ketten 10. Glaube ist Angst Die Hindus warten seit 3700 Jahren auf Kalki. Buddhisten warten seit 2600 Jahren auf Maitreya. Juden warten seit 2500 Jahren auf den Messias. Christen warten seit 2000 Jahren auf die Wiederkehr von Jesus. Die Sunnah wartet seit 1400 Jahren auf den Propheten Isa. Muslime warten… Mehr