Wenn Steuergelder zur Beute werden

In seinem Buch neu erschienenen Buch "Der Asylkomplex" berichtet Björn Harms über die Schattenseiten der Migrationspolitik und wie Steuergelder zur Beute werden.

Während ganze Industriezweige in Deutschland zusammenbrechen, Arbeitsplätze zu Hunderttausenden verschwinden und das Bruttoinlandsprodukt kaum noch floriert eine Branche weiterhin unbeirrt: die Asylindustrie. Als weitverzweigte Branche kennt sie keine Rezession oder Auftragsflaute. Ihre Geschäftsgrundlage ist staatlich garantiert, Steuermittel fließen reichlich.

Da sich die Masseneinwanderung nach Deutschland trotz sinkender Asylerstanträge noch immer fortsetzt, kann auch die Asylindustrie aufatmen: Die fetten Jahre sind längst nicht vorbei. Seit 2015 haben die flüchtlingsbedingten Ausgaben den deutschen Steuerzahler je nach Schätzung zwischen rund 400 Milliarden Euro und einer Billion Euro gekostet.

Das Buch der Stunde
Für eine Wende in der Migrationspolitik: Fakten auf den Tisch!
Die Profiteure der Masseneinwanderung stammen dabei aus unterschiedlichsten Milieus: Immobilienkonzerne, private Vermögende und selbst der Bund stellen ihre Objekte den Landesregierungen und Kommunen zur­ Verfügung, um sie in Flüchtlings- und Wohnheime umzuwandeln. Der Steuerzahler ist gezwungen, nicht nur den Umbau, sondern auch Miete und Unterbringung der Asylbewerber über Jahre hinweg zu finanzieren. Während der finanzielle Nutzen in den Händen einiger weniger Akteure verbleibt, treffen die sozialen Folgen – etwa sinkende Immobilienwerte im Umfeld oder eine Zunahme der Kriminalität vor Ort – häufig die lokale Bevölkerung.

Neben der Unterbringung haben sich durch das Anreizsystem des Staates auch in anderen Bereichen zahlreiche Dienstleister etabliert, die aus der anhaltenden Migrationskrise Kapital schlagen. Über die vergangenen Jahre bildete sich ein Asylkomplex, der sich seine Leistungen fürstlich entlohnen lässt und über angeschlossene NGOs versucht, die Politik in seinem Sinne zu beeinflussen. Dienstleister aus dem Bereich der Wohlfahrtspflege verdienen kräftig mit, genau wie das Sicherheitsgewerbe, Anbieter von Wohn- und Funktionscontainern, Betreiber von Integrationskursen, Anbieter von Zelthallen, Caterer, Reinigungsfirmen, Sanitätsdienste oder auch Busunternehmen. Reihenweise verteilen die Kommunen öffentliche Aufträge, während die Länder und der Bund Rechnungen begleichen, ohne sie genauer zu prüfen. Auch die seit Jahrzehnten existierenden Asyl-Lobbygruppen, die Grenzen und Abschiebungen gleichermaßen ablehnen und bekämpfen, gehören zu den Profiteuren.

Eine Flaute ist für diesen Wirtschaftszweig vorerst nicht in Sicht. Seit 2015 stellten über drei Millionen Menschen einen Asylerstantrag in Deutschland. Von einer unter Bundeskanzler Friedrich Merz versprochenen Migrations-wende ist das Land weit entfernt, auch wenn die Bundesregierung anderes behauptet: »Wir haben aus einer Migrationswelle eine Migrationswende gemacht«, erklärte beispielsweise Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im Mai 2026. Man habe »Ordnung geschaffen dort, wo Unordnung herrschte«.

Die Migrationswende, die keine wurde

Tatsächlich ist von den vollmundigen Versprechen, die Friedrich Merz bereits am 23. Januar 2025 der Öffentlichkeit präsentiert hatte, nach einem Jahr Regierungszeit nicht viel übrig geblieben. Wir erinnern uns: Im Januar 2025 hatte ein 28-jähriger Afghane im Aschaffenburger Schöntal-Park ein zweijähriges Kind und einen 41-jährigen Helfer erstochen.

Tichys Lieblingsbuch der Woche
„Wir verlieren dieses Land“ - oder der Medienkrieg
Merz versprach anschließend: »Ich werde im Fall meiner Wahl zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland am ersten Tag meiner Amtszeit das Bundesinnenministerium im Wege der Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers anweisen, die deutschen Staatsgrenzen zu allen unseren Nachbarn dauerhaft zu kontrollieren und ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurückzuweisen. Es wird ein faktisches Einreiseverbot in die Bundesrepublik Deutschland für alle geben, die nicht über gültige Einreisedokumente verfügen. Das gilt ausdrücklich auch für Personen mit Schutzanspruch.«

Dieses faktische Einreiseverbot für »alle« hat es seit der Regierungsübernahme im Mai 2025 nie gegeben. Über die deutsch-polnische, deutsch-österreichische oder deutsch-tschechische Grenze strömen weiter Menschen aus Nicht-EU-Staaten ins Land, wenngleich die Zahl der Asylanträge deutlich zurückgegangen ist. Doch bedeuten sinkende Asylantragszahlen genauso wenig ein Ende der Massen-einwanderung, wie eine sinkende Inflationsrate niedrigere Preise nach sich zieht. Oder käme jemand auf die Idee zu behaupten, er hätte Schulden abgebaut, nur weil seine Verbindlichkeiten in diesem Jahr weniger stark angestiegen sind als zuvor? Der Zuzug nach Deutschland verlangsamt sich zwar, aber er setzt sich kontinuierlich fort.

Im vergangenen Jahr kamen allein über das Asylsystem 113 236 Personen ins Land oder wurden hier geboren, was die Einwanderung einer Großstadt wie Jena oder Koblenz bedeutet. Demgegenüber gab es nur 22 787 Abschiebungen. Das heißt, auf eine Abschiebung kommen etwa fünf neue Asylanträge. All diese Personen müssen versorgt werden, sie brauchen ein Dach über dem Kopf, medizinische Hilfe, sie haben ein Anrecht auf Sozialleistungen und ­ müssen Integrationskurse besuchen. Ein ganzes Heer an Migrationsanwälten steht bereit, um ihr Bleiberecht vor den deutschen Verwaltungsgerichten auszufechten.

Zusätzlich zur klassischen Asyleinwanderung und der Möglichkeit des Familiennachzugs kam vor wenigen Jahren eine neue Zuwanderungswelle hinzu: Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 sind ­weitere 1,3 Millionen ukrainische Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, ohne ein Asylverfahren durchlaufen zu müssen. Sie hatten unmittelbar Anspruch auf Bürgergeld, Wohnraum und Krankenversicherung – ein Sonderweg, der den deutschen Sozialstaat zusätzlich belastete.

Noch im März 2016 hatte der damalige Unionsfraktionsvorsitzende Volker Kauder der Bevölkerung versichert: »Niemandem wird etwas weggenommen, weil Flüchtlingen geholfen wird. Nirgendwo ist gekürzt worden.« Die nackten Zahlen widersprechen ihm deutlich. Denn den Deutschen ist etwas weggenommen worden. Das Geld, das die Migrationskrise seit 2015 verschlang, fehlt ganz einfach an
anderer Stelle.

Wer die Kosten trägt

Um eine vollständige Übersicht über die Gesamtkosten der Flüchtlingskrise zu gewinnen, habe ich mich intensiv durch das Zahlenmaterial von Bund und Ländern gewühlt. Erstmals liegt so eine umfassende Auflistung aller flüchtlingsbedingten Ausgaben seit 2016 vor – eine Summe von rund 400 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Investitionsrückstand der deutschen Kommunen ist 2026 laut dem Deutschen Institut für Urbanistik auf ein Rekordhoch von 231,2 Milliarden Euro gestiegen, immerhin 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Betroffen vom stetigen Verfall sind vor allem unsere maroden Schulen, denen 68,9 Milliarden Euro fehlen, sowie unsere Straßen und die Verkehrsinfrastruktur, wo eine Lücke von 53,7 Milliarden Euro ent-
standen ist.

Stattdessen versickern Milliarden in einem ausufernden Sozialstaat, der von politischen Eliten verwaltet wird, die als Lösung für die demografische Krise im Land lediglich eine Antwort kennen: mehr Einwanderung, egal wie und egal zu welchen Folgekosten. Wenn aber die Sozialkassen zur Finanzierungsquelle einer ausufernden Migrationspolitik werden, die in der Bevölkerung längst auf
breiten Widerstand stößt, dann gerät auch das Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürger ins Wanken.

Tatsächlich ächzen die Sozialsysteme schon jetzt unter den sich auftürmenden Lasten, die sich durch die demografische Krise verschärfen. »Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar«, warnte Bundeskanzler Friedrich Merz im August 2025. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sah noch im selben Monat einen drohenden Zusammenbruch des Sozialstaats voraus: »Wenn die Regierung nichts tut, wird der Kollaps unweigerlich kommen.«

Die Folgen der Migrationspolitik belasten also ein System, das ohnehin schon an den Grenzen seiner Möglichkeiten angelangt ist, nun aber für immer mehr Menschen geöffnet wird.

In seinem letzten Großessay »Das Migrationsproblem« warnte der im September 2016 verstorbene­ Historiker Rolf Peter Sieferle nachdrücklich, dass Massenzu­wanderung und ein funktionierender Sozialstaat strukturell unvereinbar sind. Der Wohlfahrtsstaat sei eben kein »freies Gut«, erklärte Sieferle, sondern eine Genossenschaft, ein Club mit definierter Mitgliedschaft – aufgebaut auf Solidarität und Vertrauen innerhalb eines klar umrissenen Nationalstaats. Wer Leistungen erhalte, ohne je eingezahlt zu haben, beanspruche kein abstraktes Menschenrecht, sondern greife in die Tasche derjenigen, die noch einzahlen.

Der grenzenlose Staat
Deutschland in der Hand der NGOs
Sieferle sprach in diesem Zusammenhang vom »Todesstoß« für ein System, das einst geschaffen wurde, um Kranke, Alte und Arbeitsunfähige in einer überschaubaren Solidargemeinschaft aufzufangen, nicht aber, um eine offene
globale Zuwanderung dauerhaft zu alimentieren. Im April 2026 lebten laut Ausländerzentralregister über eine Million Migranten in Deutschland, deren Asylantrag mindestens einmal abgelehnt wurde. Etwa die Hälfte von ihnen stammt aus den Ländern Afghanistan, Türkei, Irak, Kosovo, Serbien und Syrien. Zum Teil wurde ihre illegale Einwanderung nachträglich durch Aufenthaltserlaubnisse legalisiert.

Genau hier setzt das Unbehagen an, das in immer breiteren Schichten der Bevölkerung spürbar wird. Es ist kein dumpfes Ressentiment, kein blanker Rassismus, der sich hier Bahn bricht, sondern eine ökonomisch nachvollziehbare Reaktion. Wer ein Leben lang in die Sozialkassen eingezahlt hat und am Ende mit einer Rente knapp über dem Grundsicherungsniveau auskommt, dem erschließt sich nur schwer, warum abgelehnte Asylbewerber Anspruch auf vergleichbare oder höhere Transferleistungen haben sollen. Am Ende geht es immer um die Frage der Verteilungsgerechtigkeit.

Worum es in diesem Buch geht

Über die Kosten der Asyleinwanderung zu sprechen, heißt deshalb nicht, einer Gruppe von Menschen ihre Würde abzusprechen. Wer sollte es Migranten aus dem Nahen Osten oder Afrika verübeln, in Europa ihr Glück zu suchen? Nein, es bedeutet vielmehr, sich auf die Suche nach den Profiteuren der Asyleinwanderung zu begeben und sich zu fragen, ob die derzeitige Masseneinwanderung einen Nutzen für Deutschland hat.

Der Steuerzahler hat schließlich ein Recht darauf, zu erfahren, wofür sein Geld ausgegeben wird. Das gilt für Verteidigungsausgaben oder die Bildungspolitik genauso wie für die Migrationspolitik. Wenn ein Politikfeld jährlich zweistellige Milliardenbeträge bindet, ist die Diskussion darüber keine Hetze, sondern Grundlage jeder vorausschauenden Politik. Zumal dieses Politikfeld sich mittlerweile den Kräften der Marktwirtschaft völlig entzogen hat.

Wie viel Geld fließt also in den Asylkomplex? Wer sind die wahren Gewinner der Flüchtlingspolitik? Wer verdient an staatlich subventionierten Unterkünften, welche politischen Verbindungen bestehen im Hintergrund, und warum wird über diese Profiteure kaum berichtet?

Das vorliegende Buch soll einen Einblick in die Strukturen der Asylindustrie
bieten, eines Wirtschaftszweigs, der gerade im Sozialbereich für einen Job-Turbo sorgt und Unternehmen schnelle Gewinne verspricht. Wie viele Asylunterkünfte es in Deutschland überhaupt gibt, konnte bislang niemand öffentlich beziffern. Auch der Bundesregierung liegen dazu keine Zahlen vor. Deshalb habe ich alle 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland einzeln um Auskunft gebeten.

Das Ergebnis liefert ein detailliertes Bild davon, wo und in welchen Größenordnungen sich die Strukturen der Asylindustrie konkret entfalten. Im Verbund mit den Ausgaben von Bund und Ländern entsteht eine zusammen-hängende Vermessung eines Politikfeldes, dessen wahre Dimensionen bislang im Dunkeln lagen. Hier tritt der Asylkomplex erstmals in seiner ganzen Dimension zutage: ein milliardenschweres Geflecht aus Profiteuren, Lobbyisten und Bürokraten, das sich vom Steuerzahler aushalten lässt, während dem Land das Geld für Schulen, Straßen und Renten ausgeht.

Dieses Buch nennt Namen, Summen und Zusammenhänge und bietet Interviews mit Insidern aus der Sozialindustrie, die erzählen, wie die alltägliche Arbeit vor Ort abläuft. Tauchen wir also ein in eine Branche, die nicht trotz, sondern dank der Krise am Leben gehalten wird.

Björn Harms. Der Asylkomplex. Wenn Steuergelder zur Beute werden. LMV, Paperback, 250 Seiten, 24,00 €


Mit Ihrem Einkauf im TE-Shop unterstützen Sie den unabhängigen Journalismus von Tichys Einblick! Dafür unseren herzlichen Dank!!>>>  

Unterstützung
oder €

Kommentare ( 0 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen