Brüsseler Höhenrausch: Starlink-Klon IRIS-2 verheddert sich in EU-Bürokratie

Mit Starlink sind die Amerikaner im globalen Wettlauf ins All davongeeilt. IRIS² heißt die Antwort der EU auf die amerikanische Dominanz: eine Art Starlink-Klon, der die technologische und geostrategische Lücke schließen soll. Das Projekt droht allerdings an der EU-Zerfaserung zu scheitern. Ein Streit um Arbeitsplätze ist bereits entbrannt.

IMAGO / Image Press Agency

Immer wieder Elon Musk. Der amerikanische Unternehmer ist zum großen Ärgernis der EU-Bürokraten geworden und kämpft wohl nur noch mit Donald Trump um die Krone der Persona non grata Europas. Ganz gleich, ob mit seiner Kommunikationsplattform X, mit Teslas Angriff auf die deutsche Automobilproduktion oder mit dem Satellitennetzwerk Starlink: Musk ist zum Symbol der scheinbar übermächtigen Konkurrenz aus Übersee geworden.

FRONTALANGRIFF VON MUSK
Starlink attackiert klassisches Geschäftsmodell von Telekom und Co.
Gerade Starlink erweist sich in diesen Tagen als strategisches Problem. Es geht nicht nur um die drohende technologische Revolution im Bereich des Mobilfunks. Deutsche Technologien und Investitionen, beispielsweise bei der Telekom, könnten schon bald obsolet sein, wenn Starlink mit seinem Satellitennetzwerk den europäischen Markt erobert. Auch die ukrainische Armee nutzt die Satellitenkommunikation von Starlink und ist nur einen Knopfdruck davon entfernt, buchstäblich zu erblinden, wenn das Weiße Haus die Anweisung zum Abschalten gibt. So viel Korporatismus muss auch in Amerika sein.

IRIS² nennt sich das EU-Pendant zu Starlink, das den geostrategischen Befreiungsschlag bringen soll. 348 Satelliten, davon 330 in niedrigen und 18 in mittleren Erdumlaufbahnen, sollen ein eigenes EU-Netzwerk bilden. Ursprünglich waren 290 Satelliten mit einem Investitionsvolumen von 10,55 Milliarden Euro vorgesehen. Inzwischen betragen die Gesamtkosten für das Projekt mehr als 15,6 Milliarden Euro, rund 48 Prozent mehr. Wer wagt es da noch, privates Geld in ein Vorhaben zu stecken, dessen Kosten derart aus dem Ruder laufen?

FLUCHT IN DIE RÜSTUNG
Zivile Industrie geht, die Rüstung kommt – und verbrennt dabei die Zukunft
Die Finanzierung soll durch den kommenden EU-Haushalt sichergestellt werden – dieses 2-Billionen-Euro-Monstrum, in dem sich der Wunsch der Europäer nach einem eigenen Militärsektor, nach grüner Kunstökonomie sowie nach strategischer Autonomie im Weltall kristallisiert. Die ersten Starts sind für 2029 geplant. Der Dienst soll 2030 schrittweise aufgenommen werden.

Sie gefallen sich in Brüssel, Berlin und Paris in der Rolle der geostrategischen Zentralplaner. Allerdings haben sie aus der Vergangenheit nichts gelernt und wiederholen ihre organisatorischen Fehler auf manische Weise. Alles droht im altbekannten Verteilungskampf der Europäer zu ersticken. Auch die europäische Raumfahrt folgt dem Prinzip der sogenannten geografischen Rückführung: Aufträge fließen grob im Verhältnis zu den geleisteten Mitgliedsbeiträgen – politische Beteiligung ist wichtiger als technologische Kompetenz oder ökonomische Clusterbildung.

Aerospacelab in Belgien soll 264 Satelliten für 2,4 Milliarden Euro bauen, OHB in Bremen 18 Satelliten für knapp eine Milliarde, Airbus steuert weitere 66 bei. Jeder Mitgliedstaat fordert seine Fabrik und seine Jobs. Politiker brauchen Erfolgsgeschichten, und die EU muss als Gemeinschaftsprojekt und Erfolgsstory verkauft werden.

Überschießender Staatsapparat
Bürokratie außer Kontrolle: Das Ende des ökonomischen Zyklus gewinnt Kontur
Letztlich erstickt alles im europäischen Etatismus, im Bürokratismus und in einem kleinlichen Parteienwettbewerb, der eine Steuerung über marktwirtschaftliche Prozesse nicht mehr zulässt. In den USA wird immerhin freies Unternehmertum zugelassen, bevor es in den Staatskorporatismus eingegliedert oder den Regeln Washingtons unterworfen wird, wenn es um strategische Interessen von nationaler Bedeutung geht. In der EU wird selbst dieses Minimalprinzip der Marktwirtschaft grob missachtet, weshalb sich eine Kultur des Bürokratismus etablieren konnte, die letzten Endes die Errichtung einer Staatswirtschaft ermöglicht.

Ein solches Wirtschaftsmodell mag über gewisse Zeiträume für die Bürokratie nützlich sein, es mag politische Karrieren fördern und den Staat immer wieder als den Macher im öffentlichen Bewusstsein manifestieren. Prosperität, Fortschritt und gesellschaftliche Dynamik werden so allerdings vorsätzlich abgetötet.

Der Blick auf das Zahlenwerk von IRIS² bestätigt den Verdacht: Das System ist im Vergleich mit der Konkurrenz aus Amerika im höchsten Maße ineffizient. Allein schon der Finanzrahmen von 15,6 Milliarden Euro für 348 Satelliten zeigt die Misere: 45 Millionen Euro kostet jeder einzelne Satellit, wohlgemerkt ohne Start-, Boden- und Betriebskosten. Während Starlink seine Produktion bereits skalieren kann und auf wiederverwendbare Raketen und eigene Nachfrage setzt, verteilt Europa noch immer politisch fragwürdige Aufträge, verheddert sich in seinem Bürokratismus und erstickt so den Innovationsprozess, der letzten Endes die Kosten dämpfen würde.

Hinzu tritt noch das Problem der Startkapazität. SpaceX brachte 2025 allein 165 Falcon-Raketen ins All, davon 123 mit eigenen Starlink-Satelliten bestückt. Europa kam auf acht Orbitalstarts, die Ariane 6 flog dabei viermal.

Elon Musk setzt Maßstäbe
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Dabei läge eine temporäre Lösung auf der Hand. Die EU könnte Kapazitäten bei SpaceX erwerben, wie es mit Starshield gemacht wurde: SpaceX schuf das Satellitennetz, startete es und lässt es vom US-Militär betreiben – eine Symbiose aus Privatwirtschaft und staatlichen Interessen. Die EU könnte vertraglich gesicherte Kapazitäten, Startdienstleistungen und Notfallkommunikation einkaufen und sich temporäre Linderung, also temporäre Souveränität, verschaffen. Statt 15 Milliarden Euro müsste man ein wesentlich geringeres Budget aufbringen und könnte zeitgleich den Prozess einer marktwirtschaftlichen Ausrichtung im Bereich der Raumfahrt einleiten.

Diese Strategie birgt allerdings ein nicht auflösbares Paradox: Um aus der Falle der Abhängigkeit herauszukommen, geriete man erneut in Abhängigkeit – diesmal von Elon Musk, SpaceX und damit unmittelbar in den Einflussbereich des Weißen Hauses.

Brüssels Bürokraten haben sich selbst in die Bredouille gebracht. Sie wären sicherlich die letzten, die die technologische Lücke zu schließen vermöchten. Europa braucht findige Unternehmer, potente Investoren und einen marktwirtschaftlichen Rahmen, der sie alle zusammenbringt. All dies existiert in der EU nicht.

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