Mit Starlink sind die Amerikaner im globalen Wettlauf ins All davongeeilt. IRIS² heißt die Antwort der EU auf die amerikanische Dominanz: eine Art Starlink-Klon, der die technologische und geostrategische Lücke schließen soll. Das Projekt droht allerdings an der EU-Zerfaserung zu scheitern. Ein Streit um Arbeitsplätze ist bereits entbrannt.
IMAGO / Image Press Agency
Immer wieder Elon Musk. Der amerikanische Unternehmer ist zum großen Ärgernis der EU-Bürokraten geworden und kämpft wohl nur noch mit Donald Trump um die Krone der Persona non grata Europas. Ganz gleich, ob mit seiner Kommunikationsplattform X, mit Teslas Angriff auf die deutsche Automobilproduktion oder mit dem Satellitennetzwerk Starlink: Musk ist zum Symbol der scheinbar übermächtigen Konkurrenz aus Übersee geworden.
IRIS² nennt sich das EU-Pendant zu Starlink, das den geostrategischen Befreiungsschlag bringen soll. 348 Satelliten, davon 330 in niedrigen und 18 in mittleren Erdumlaufbahnen, sollen ein eigenes EU-Netzwerk bilden. Ursprünglich waren 290 Satelliten mit einem Investitionsvolumen von 10,55 Milliarden Euro vorgesehen. Inzwischen betragen die Gesamtkosten für das Projekt mehr als 15,6 Milliarden Euro, rund 48 Prozent mehr. Wer wagt es da noch, privates Geld in ein Vorhaben zu stecken, dessen Kosten derart aus dem Ruder laufen?
Sie gefallen sich in Brüssel, Berlin und Paris in der Rolle der geostrategischen Zentralplaner. Allerdings haben sie aus der Vergangenheit nichts gelernt und wiederholen ihre organisatorischen Fehler auf manische Weise. Alles droht im altbekannten Verteilungskampf der Europäer zu ersticken. Auch die europäische Raumfahrt folgt dem Prinzip der sogenannten geografischen Rückführung: Aufträge fließen grob im Verhältnis zu den geleisteten Mitgliedsbeiträgen – politische Beteiligung ist wichtiger als technologische Kompetenz oder ökonomische Clusterbildung.
Aerospacelab in Belgien soll 264 Satelliten für 2,4 Milliarden Euro bauen, OHB in Bremen 18 Satelliten für knapp eine Milliarde, Airbus steuert weitere 66 bei. Jeder Mitgliedstaat fordert seine Fabrik und seine Jobs. Politiker brauchen Erfolgsgeschichten, und die EU muss als Gemeinschaftsprojekt und Erfolgsstory verkauft werden.
Ein solches Wirtschaftsmodell mag über gewisse Zeiträume für die Bürokratie nützlich sein, es mag politische Karrieren fördern und den Staat immer wieder als den Macher im öffentlichen Bewusstsein manifestieren. Prosperität, Fortschritt und gesellschaftliche Dynamik werden so allerdings vorsätzlich abgetötet.
Der Blick auf das Zahlenwerk von IRIS² bestätigt den Verdacht: Das System ist im Vergleich mit der Konkurrenz aus Amerika im höchsten Maße ineffizient. Allein schon der Finanzrahmen von 15,6 Milliarden Euro für 348 Satelliten zeigt die Misere: 45 Millionen Euro kostet jeder einzelne Satellit, wohlgemerkt ohne Start-, Boden- und Betriebskosten. Während Starlink seine Produktion bereits skalieren kann und auf wiederverwendbare Raketen und eigene Nachfrage setzt, verteilt Europa noch immer politisch fragwürdige Aufträge, verheddert sich in seinem Bürokratismus und erstickt so den Innovationsprozess, der letzten Endes die Kosten dämpfen würde.
Hinzu tritt noch das Problem der Startkapazität. SpaceX brachte 2025 allein 165 Falcon-Raketen ins All, davon 123 mit eigenen Starlink-Satelliten bestückt. Europa kam auf acht Orbitalstarts, die Ariane 6 flog dabei viermal.
Diese Strategie birgt allerdings ein nicht auflösbares Paradox: Um aus der Falle der Abhängigkeit herauszukommen, geriete man erneut in Abhängigkeit – diesmal von Elon Musk, SpaceX und damit unmittelbar in den Einflussbereich des Weißen Hauses.
Brüssels Bürokraten haben sich selbst in die Bredouille gebracht. Sie wären sicherlich die letzten, die die technologische Lücke zu schließen vermöchten. Europa braucht findige Unternehmer, potente Investoren und einen marktwirtschaftlichen Rahmen, der sie alle zusammenbringt. All dies existiert in der EU nicht.






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