Siltronic: Habecks Exportverbot durch die Hintertür?

Bei einem der wenigen verbliebenen deutschen Chipunternehmen ist ein Milliardengeschäft geplatzt. Am 31. Januar endete die börsenrechtliche Frist, innerhalb der sämtliche Vollzugsbedingungen hätten erfüllt werden müssen. Wirtschaftsminister Habeck ließ die Frist verstreichen, dem Geschäft zuzustimmen.

IMAGO / photothek
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt hat nicht nur die notwendige Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht rechtzeitig erteilt, sondern überhaupt nichts dazu erklärt. Neue Umgangsformen zeigen der Wirtschaft gleich einmal, wo »Barthel den Most« holt, wie man im Schwäbischen sagt. Außer dröhnendes Schweigen kam nichts aus dem Wirtschaftsministerium. Bereits seit Dezember 2020 prüfte das Ministerium eine Übernahme.

Schließlich wollte Globalwafers vor dem Verwaltungsgericht Berlin mit einem Eilantrag die Freigabe für die Übernahme erreichen. Es argumentierte mit der Außenwirtschaftsverordnung, die vorsieht, dass eine Unbedenklichkeitsbescheinigung auch dann als erteilt gilt, wenn die zuständige Behörde über einen bestimmten Zeitraum hinweg untätig geblieben ist. Das Verwaltungsgericht sollte den Eintritt der fiktiven Genehmigung feststellen. Dessen 4. Kammer allerdings sah die Voraussetzungen für den angestrebten Erlass als nicht gegeben und wies den Antrag zurück (Beschl. v. 27.01.2022; Az. VG 4 L 111/22).

Für das Gericht blieb offen, ob die Anspruchsvoraussetzungen für eine Freigabe erfüllt seien. Der Fall werfe schwierige Rechtsfragen auf, die in der sehr kurzen Zeit nicht geklärt werden könnten, meinte das Gericht und tröstete den Weltkonzern, er sei nicht rechtlich gehindert, ein neues Übernahmeverfahren in die Wege zu leiten.

Der große taiwanesische Chipkonzern Globalwafers wollte das deutsche Unternehmen Siltronic übernehmen und bot die Kaufsumme von 4,4 Milliarden Euro. Siltronic ist aus dem früheren Unternehmen Wacker-Chemie hervorgegangen und produziert die Grundlage für Computerchips, sogenannte Wafer, kreisrunde Scheiben aus Reinstsilizium – Hightech-Ausgangsprodukt für die Herstellung von Computerchips. Die Bundesregierung schaffte es nicht, alle notwendigen Prüfungsschritte abzuschließen, und konnte nicht rechtzeitig bis zum 31. Januar eine Genehmigung zu diesem Milliardendeal geben.

Die energieintensive Produktion dieser Wafer ist in Deutschland aufgrund extrem hoher Energiepreise nicht mehr rentabel. Erst vor Kurzem hatte Doris Hsu, CEO von Globalwafers, angekündigt, dass der taiwanesische Gigant im Fall eines Scheiterns der Übernahme andere Investitionspläne außerhalb Europas verfolgen wolle. Über die Pläne für eine alternative Verwendung der für die Transaktion vorgesehenen Mittel will Globalwafers am kommenden Sonntag informieren. Der Konzern hatte den Siltronic-Aktionären im Zuge der Übernahmepläne rund 4,4 Milliarden Euro geboten. Mehr als 70 Prozent der Anteilseigner hatten bereits zugesagt.

Siltronic profitiert von dem derzeitigen Boom und der sehr starken Nachfrage auf dem Chipmarkt und hat – wie das Unternehmen in seiner Jahresbilanz am Mittwoch bekannt gab – seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis stieg um 41 Prozent auf 466 Millionen Euro. Das entspricht einer Gewinnmarge von 33 Prozent. Siltronic ist für das kommende Jahr optimistisch, die Kosten würden inflationsbedingt steigen und die Verkaufspreise ebenso anziehen.

Globalwafers-Chefin Doris Hsu gab bekannt, man wolle nun voraussichtlich in den Vereinigten Staaten investieren.

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Kommentare ( 19 )

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akimo
7 Monate her

So muss das. Die Leute müssen sehen, wie hier alles den Bach runtergeht

Gerner
7 Monate her
Antworten an  akimo

Je früher um so besser. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber im „Wiederaufbau“ haben wir ja ein wenig Übung. Ist jetzt „Wiederaufbau“ das Schicksal Deutschlands? Nach WKI ist er schief gegangen, nach WKII hat er gut funktioniert, nach DDR war er schon nicht mehr so erfolgreich. Mal sehen wie er nach „Ampel“ aussehen wird.

Gerner
7 Monate her

Hier prallen mehrere Effekte aufeinander und produzieren aus „Versehen“ ein gutes Ergebnis. Das unser Wirtschaftsminister nichts von Wirtschaft hält und das Ministerium offensichltlich unfähig wurde (schon länger?) ist für mich nichts neues. Das ein Gericht nicht über die eigentliche Klage entscheidet sondern über eine Sache die dem Ministerium obliegt ist neu. Nicht neu ist der Untergang der Halbleiterindustrie in Deutschland. Es gab zwar mal ein paar Sparten in der wir oben ein wenig mit mischten, doch der stetige Rückzug aus solch einer „komplizierten“ Technologie ist unübersehbar. Siltronic (ehemals Wacker-Chemie) hat doch schon längst „aufgegeben“. Trotz ehemaliger Weltmarktführerschaft ist es nicht… Mehr

Last edited 7 Monate her by Gerner
Ananda
7 Monate her

Was für eine Handhabung! Sich einfach nicht drum kümmern.
Ein wahres „Kompetenzteam“ was uns (kaputt)regiert.

Sidetrack
7 Monate her

„Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz“ – Umweltministerin ist Lemke.

bkkopp
7 Monate her

Die öffentlichen Information zu diesem Thema scheinen sehr unvollständig zu sein. Wacker Chemie hat Ende der 1970er die erste Silizium-Fabrik in Portland/Oregon gebaut. Ich war damals beruflich mit der Sache befasst und kenne seitdem das Produkt und die Fabrik von 1980. Was aus der Firma seitdem geworden ist findet man auf der web-site. Warum sie an eine taiwanesische Firma verkauft werden soll ist nicht bekannt. Siltronic könnte sicher auch auf eigene Rechnung überall in der Welt investieren, wo man die Produktionsbedingungen für geeignet hält. Der Verkauf scheint eher ein Finanzinteresse von Wacker Chemie und deren Aktionären zu sein. Nix genaues… Mehr

Hannibal Murkle
7 Monate her

Den interessiert die Chipherstellung nicht wirklich, nur Klimaindustrie mit Windrädern, EFuels usw. – um derer Wohl soll sich absolut alles drehen.

Aegnor
7 Monate her

Gut – das Wirtschaftsministerium ist inkompetent. Das ist nun nichts Neues und da hat sich wenig überraschend auch beim Wechsel der Führung von Altmaier zu Habeck nichts geändert. Aber warum der gescheiterte Verkauf schlecht sein soll, erschließt sich nicht. Die Taiwaner wollten an das Know-How. Angesichts der hohen Energiepreise hätten sie die Fertigung vermutlich ohnehin bald ins Ausland verlegt. Wie lange Siltronic mit deutscher Fertigung noch wettbeewbsfähig ist, wird sich zeigen, aber zumindest die drohende Abwanderung ist erstmal gestoppt. Freihandel ist eine schöne Sache – aber nur wenn alle fairplay spielen. Im (kostenintensiven und aufgrund seiner Bedeutung hochsubventionierten Halbleiterbusiness gibt… Mehr

RMPetersen
7 Monate her

Das ist doch widersprüchlich. Zuerst heisst es, die Produktion sei hier nicht mehr rentabel, dann „Das operative Ergebnis stieg um 41 Prozent auf 466 Millionen Euro. Das entspricht einer Gewinnmarge von 33 Prozent.“ gefolgt von dem Satz:
„Siltronic ist für das kommende Jahr optimistisch …“
Warum dann verkaufen?

Andreas aus E.
7 Monate her
Antworten an  RMPetersen

Das frage ich mich auch. Als Laie komme ich da allenfalls auf die Idee, daß das Unternehmen in der schnellebigen Branche mit stets enormen Investitionskosten (dauernd neue Fertigungslinien etc.) mit dem an sich doch sehr solide klingendem Gewinn nicht lange auskommen wird.

Als sicher darf immerhin gelöten, daß Habeck… naja, eben bei den „Grünen“ ist und für Deutschland nichts übrig hat.

Konradin
7 Monate her

„Globalwafers-Chefin Doris Hsu gab bekannt, man wolle nun voraussichtlich in den Vereinigten Staaten investieren.“ Na sowas…!? Das muss man jetzt nicht wirklich verstehen. Eine irrationale Aussage einer Managerin, von der man erwarten würde rational zu entscheiden. Globalwafers unter Führung von Frau Doris Hsu hatte sich doch sicher sehr bewusst und wohl überlegt im Kreise ihrer geschätzten Vorstandskollegen*innen*enden und Experten*innen*enden dazu entschieden am Standort Deutschland/Europa zu investieren – noch dazu gleich mit über 4 Mrd. Euro! Aber anstelle des nun nicht erfolgreichen Versuchs einer Direktinvestition in ein bestehendes erfolgreiches deutsches Hochtechnologieunternehmen sich alternativ für eine – doch ganz sicher ebenfalls für… Mehr

teanopos
7 Monate her

In Volkswirtschaft nicht aufgepasst? Dass diese Firma bzw. viele Firmen in Deutschland bis zur Unrentabilität zu kämpfen haben? Keine Frage. Aber woran liegt das? an den Bedingungen. Die Bedingungen werden nicht dadurch gelöst bzw. verbessert eine Firma zu verkaufen. In der heutigen „Manager“generation vielleicht, aber hier wirken insbesondere auch firmenexterne Faktoren. Insbesondere die Strompreise. Und warum will die Firma überhaupt jemand kaufen, gibt es etwa doch was zu holen? — Der Nichtverkauf ist nur ein Teil der Lösung. Der zweite Teil einer Lösung ist/wäre die Rahmenbedingungen zu verbessern. Aber dafür müssten die seit mindestens 16 Jahren regierenden grünen, roten und… Mehr