IWF erwartet deutlich weniger Wirtschaftswachstum – vor allem in Deutschland

Deutschland wird laut Prognose des Internationalen Währungsfonds besonders von den globalen ökonomischen Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine betroffen sein. IWF-Ökonom Gourinchas zeichnet ein düsteres Bild einer inflationären Entwicklung.

IMAGO / Pixsell
Container-Schiff im Hafen von Rijeka, Kroatien, 1. September 2021

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturprognose wegen des Kriegs in der Ukraine deutlich nach unten korrigiert. „Die globalen Wirtschaftsaussichten wurden stark zurückgeworfen, vor allem wegen der russischen Invasion in der Ukraine„, schreibt IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas am Dienstag. Die Weltwirtschaft habe sich vor dem russischen Angriff auf die Ukraine noch nicht richtig von der Corona-Pandemie erholt. Im Vergleich zur Januar-Prognose hat der IWF seine Prognose für das globale Wachstum sowohl für 2022 als auch für 2023 auf 3,6 Prozent nach unten korrigiert.

Vor allem in Europa rechnet der IWF nun mit geringeren Wachstumsraten sowie schweren Rezessionen in Russland und der Ukraine. Russlands Wirtschaft wird demnach 2022 um 8,5 Prozent einbrechen und 2023 noch einmal um 2,3 Prozent schrumpfen. 2021 hatte sie noch 4,7 Prozent zugelegt. Für die Ukraine rechnet der IWF mit einer Rezession von mindestens 10 Prozent.

Für Deutschland rechnet der IWF für 2022 mit einem Wachstum von 2,1 Prozent – das ist die niedrigste Rate aller europäischen Länder, die der IWF untersucht hat. Im kommenden Jahr 2023 soll das Wachstum in Deutschland aber auf 2,7 Prozent steigen, während Frankreich und Italien deutlich langsamer wachsen. Langfristige Prognosen sind allerdings naturgemäß höchst unzuverlässig.

Bundesfinanzminister Christian Lindner hat die gesenkte Konjunkturprognose des IWF als ein „weiteres Warnsignal“ bezeichnet. „Weniger Wachstum in Verbindung mit steigender Inflation ist eine gefährliche Kombination“, sagte der FDP-Politiker am Dienstag in Berlin. Es gebe ökonomisch kein „einfaches Weiter so“.

Gourinchas zeichnet in seinem Beitrag ein düsteres Bild einer inflationären Entwicklung: „Der Krieg ergänzt die Reihe von Angebotsschocks, die die Weltwirtschaft in den letzten Jahren getroffen haben. Wie seismische Wellen werden sich seine Auswirkungen weit und breit ausbreiten – über Rohstoffmärkte, Handel und finanzielle Verbindungen. Russland ist ein wichtiger Lieferant von Öl, Gas und Metallen sowie zusammen mit der Ukraine von Weizen und Mais. Das verringerte Angebot dieser Rohstoffe hat ihre Preise stark in die Höhe getrieben. Am stärksten betroffen sind Rohstoffimporteure in Europa, dem Kaukasus und Zentralasien, dem Nahen Osten und Nordafrika sowie Subsahara-Afrika. Aber der Anstieg der Lebensmittel- und Kraftstoffpreise wird Haushalte mit niedrigem Einkommen weltweit treffen, einschließlich in Amerika und dem Rest Asiens.“

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Kommentare ( 22 )

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Contra Merkl
1 Monat her

Für Konsum muss man Geld haben. Durch Steuererhöhungen, Energiewende, unkontrollierte Massenmigration, Milliarden für die EU, Geldgeschenke in alle Welt, hat aber der Bürger immer weniger in der Tasche.
Obendrauf kommen noch Inflation, steigende Preise durch immer höhere Energiepreise. Da bleibt halt der Konsum und Wirtschaftswachstum auf der Strecke.

H. Priess
1 Monat her

Wir wären dann immer noch im positiven Bereich? Das ist vom IWF aber eine durchaus sportliche Annahme. Ich tippe eher auf ein negatives Wachstum. Diese Formulierung sollte den Älteren ja noch bekannt sein, das gabs früher schon. Den Ukrainekrieg für das wirtschaftliche Dilemma Verantwortlich zu machen ist auch sehr durchsichtig. Der wirkt nur als eine Art Katalysator der die allgemeine, durchaus gewollte, Wirtschaftsentwicklung beschleunigt. Es werden interessante Zeiten kommen.

Protestwaehler
1 Monat her

Das ist wie mit den Lottozahlen, alle Angaben ohne Gewähr 😉

Roland Mueller
1 Monat her

Ich tippe mal eher auf Sonderwirtschaftswachstum, statt weniger Wirtschaftswachstum. So ähnlich wie beim Sondervermögen halt, nur umgekehrt. Ich mir aber ganz sicher, dass das Sondervermögen auch ohne Prognose vom IWF auf jeden Fall wächst. Was von Prognosen vom IWF zu halten ist, hat er übrigens mit seinen „kleinen Rechenfehlern“ in Griechenland eindrücklich unter Beweis gestellt.

Irdifu
1 Monat her

Deutschlands Wirtschaft schrumpft nicht wegen Putin und der Ukraine , sondern weil die Politiker hier nur
willfährige Marionetten sind .

elly
1 Monat her

IWF erwartet deutlich weniger Wirtschaftswachstum – vor allem in Deutschland“
das ist das Ziel, auf das seit Jahren hingearbeitet wurde und für das junge Frauen, wie Luisa, Carla und Greta die Kinder & Jugendlichen mobilisierten. Nachdem die Ausrede Pandemie und Verzicht nur für die Älteren nicht ganz so zog, ist der Ukraine Krieg willkommen.

Lotus
1 Monat her

Die aktuelle Ausgabe des „Stern“ feiert auf dem Titel unseren Grünen Wirtschaftsminister. „Robert Habeck – Ein Knochenjob: Wie Robert Habeck unseren Wohlstand retten will“. Dazu fomatfüllend das Konterfei des ernst dreinschauenden Superministers.
Propagandamaschine läuft! Linksgrüne Wohlstandsvernichter werden zu selbstlosen Kämpfern für den besorgten Michel hochgejazzt. Würde die Bundesregierung nicht eine grundfalsche Wirtschafts- und Energiepolitik machen, müsste sich der tolle Robert auch nicht so verausgaben.

Schlaubauer
1 Monat her

Man sollte schon so ehrlich sein und nicht einfach nur von den Auswirkungen des Krieges zu sprechen sondern das Deutschland massiv unter den Sanktionen gegen Russland leidet.

Michael Palusch
1 Monat her

Man sollte sich einmal diesen Unfug klar machen: Angeblich bekommt ein Land wie Deutschland deswegen massive Probleme, weil im östlichen Teil eines 1000km entfernten Landes mit einem BIP von ~170Mrd $ (in etwa soviel wie das BIP von Berlin!!!) eine militärische Auseinandersetzung stattfindet. Die Exporte der Ukraine betrugen 2020 ~50Mrd $, wobei ca. 6%, also 3 Mrd $ auf Deutschland entfielen. Die Verringerung des Wirtschaftswachstums in der BRD um 1% beträgt also bereits mehr als das 5fache des gesamten Außenhandels (Importe + Exporte) mit der Ukraine. Welchen Bären will man den Leuten hier aufbinden? Also ich meine, die Probleme sind… Mehr

Last edited 1 Monat her by Michael Palusch
GefanzerterAloholiker
1 Monat her
Antworten an  Michael Palusch

60% des Mais für die Tierzucht in der EU kommt aus der Ukraine. Wird nicht geliefert (wie jetzt) , dann wandern die Tiere sofort ins Schlachthaus. Noch vor sie verhungern. Danach ist die Kapazität flöten. Und wir sind schon an diesem Punkt. Die Regierung „will den Bürger nicht beunruhigen“.

Michael Palusch
1 Monat her

Das genau ist der Punkt. Man bejammert einerseits die Energieabhängigkeit, die für Deutschland übrigens jenseits der grünen Träume auch nicht zu beseitigen sein wird, und begibt sich, wiederum dem Klimairrsinn geschuldet, andererseits zusätzlich in eine Lebensmittelabhängigkeit.
Nur mal so, die kleine DDR versorgte neben der eigenen Bevölkerung auch noch für ein Butterbrot und ein Ei die BRD. Da wurden des Nachts ganze Mastbetriebe geleert und die Schweine und Rinder verladen und gen Westen geschickt. Das ist keine DDR-Romantik, sondern soll nur zeigen, mit welchem Unvermögen wir es im woken Deutschland zu tun haben.

doncorleone46
1 Monat her

Gott sei Dank gibt es Putin. Da lügt es sich leichter. Ich habe den IWF nicht gebraucht um die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zu prognostizieren. Das Ergebnis der Merkelschen Politik unter bester Unterstützung des sozialistischen Blocks von Grüne und SPD bekommen wir die nächsten 30 Jahre zu spüren.

Thorsten
1 Monat her
Antworten an  doncorleone46

Hauptverantwortlich für diese Probleme sind die Sanktionen, die unsere Energie- und Rohstoffversorgung gefährden.
Und damit die ganze deutsche Industrie ins Wanken bringen könnte.