Neue Rekorde in New York, Konsumenten in Deutschland optimistisch

VW mit Gewinnwarnung, Covestro vor Aufnahme in den DAX, Japan vor Neuwahlen.

© Spencer Platt/Getty Images

Eigentlich gab es für die Bären zuletzt reichlich Futter: Die anhaltenden Provokationen durch Nordkoreas Diktator Kim Jong-un und die harschen Repliken von US-Präsident Donald Trump ließen Kriegsängste hochkochen. Auch die neue US-Handelspolitik gemäß Trumps Credo „America first“ wird inzwischen konkret. Sie erweist sich, wie befürchtet, als sehr protektionistisch, wie das Beispiel der gegen die kanadische Firma Bombardier auferlegten Strafzölle in Höhe von 220 Prozent zeigt. Doch all das kümmert Börsianer kaum. Die Bullen behalten die Oberhand. Angesichts der niedrigen Inflationsraten in den USA raten erste US-Notenbanker zudem, die Leitzinsen erst mal da zu lassen, wo sie sind.​

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Die Börsianer hörten das gern. Der marktbreite, 500 Werte umfassende S&P 500 Index setzte im Verlauf mehrmals Bestmarken, die letzte kurz vor Schluss bei 2.519 Punkten. Nur hauchdünn darunter, beim Stand von 2.519 Punkten ging der Index aus dem Handel. Der Technologiewerte-Index Nasdaq Composite erreichte bei 6.498 Zählern seinen bisher höchsten Stand und schloss gegenüber Donnerstag 0,66 Prozent höher bei 6.496 Punkten. Der Dow Jones Industrial rückte im späten Handel ebenfalls in die Gewinnzone und schloss 0,11 Prozent höher bei 22.405 Punkten. Damit fehlen dem Leitindex nur wenige Zähler bis zu seinem Rekord. Positiv war damit auch die Quartalsbilanz mit plus 4,9 Prozent.

Deutschlands Konsumenten bleiben überaus optimistisch. Das zeigt der aktuelle GfK-Konsumklimaindex. Vor allem die Einkommenserwartungen eilen dank des boomenden Arbeitsmarkts von Rekord zu Rekord. Die Nachfrage der Konsumenten dürfte daher die deutsche Wirtschaft weiter stützen. Einzig die leicht steigenden Preise trüben die Euphorie etwas. Die Bundestagswahl hatte dagegen noch keinen Einfluss. Sollte die Koalitionsfindung sich aber hinziehen, dürfte dies auf die Stimmung drücken. „Wenn es eine Hängepartie gibt, könnte sich das negativ auf die Stimmung auswirken“, meint GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl.

Für den deutschen Aktienmarkt ging es entsprechend am Freitag nach oben. Der DAX schloss ein Prozent höher bei 12.829 Punkten. Für den historisch eher schlechten Börsenmonat September weist der Index ein beachtliches Plus von gut 6 Prozent auf. Damit hat sich der Index seinem Allzeithoch bis auf 123 Punkte genähert. Nun beginnt das traditionell starke Schlussquartal an der Börse. Einige Marktteilnehmer dürften am Montag einen Brückentag nehmen, so dass die Börse erst am Mittwoch richtig in Fahrt kommen dürfte.

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Hauptthema am Freitag war Volkswagen, denn der Autobauer lieferte eine Gewinnwarnung ab. Die Aktie schloss dennoch nur 0,3 Prozent leichter bei 138 Euro nach einem Tagestief bei 132,85 Euro. Im dritten Quartal belasten negative Sondereinflüsse von voraussichtlich rund 2,5 Milliarden Euro das operative Ergebnis. Analysten hatten in ihren Schätzungen teilweise höhere Belastungen angesetzt und sahen in dem Kursrücksetzer eine Kaufgelegenheit.

Merck bildeten mit einem Minus von 3,3 Prozent das Schlusslicht im DAX. Bayer stiegen um 2,1 Prozent, Covestro zogen um 0,4 Prozent an. Bayer hat sich von einem weiteren Paket an Covestro getrennt und einen Entherrschungsvertrag mit der früheren Polymer-Tochter abgeschlossen. Die Covestro-Aktie rückt mit dem gestiegenen Streubesitz einer Aufnahme in den DAX näher.

Wie man aus Krisen politischen Vorteil schlägt, zeigte in der vergangenen Woche Japans Premier. Shinzo Abe nutzt die zunehmenden Spannungen um Nordkorea, um Neuwahlen am 22. Oktober anzusetzen. Begründung: „Die Eskalation der Bedrohung durch Nordkorea macht eine Abstimmung über meine harte Linie gegen das Regime nötig.“ Für Beobachter ist allerdings ausgemacht, dass Abe so seine Position als Premierminister für die kommenden Jahre sichern will. Denn die Nordkorea-Krise nutzt zurzeit Abes Popularität, die zuvor wegen zahlreicher Skandale stark gelitten hatte. Sollte Abes Schachzug Erfolg haben, dürfte Japans Börse profitieren, da er als Premier seinen wirtschaftspolitischen Reformkurs fortsetzen wird. „Die Investoren würden die relative Stabilität begrüßen, welche eine dritte Amtszeit Abes bis 2021 bringen könnte“, erklärt Kwok Chern-Yeh, Chef japanische Aktien bei Aberdeen Standard Investment.​

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