Handelsauseinandersetzungen halten Märkte weiter in Atem

Wachstum in Europa lässt nach, Sentiment schwächelt, Gewinne der Vermögensverwalter erodieren

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Wechselhafte Zeiten erleben Börsianer nun schon eine geraume Weile. Auch in den vergangenen Tagen standen sich vor allem zwei Einflussfaktoren gegenüber: die gut laufende Bilanzsaison in den USA, wo die meisten Unternehmen positive Gewinnüberraschungen abliefern, und die protektionistischen Töne aus dem Weißen Haus. Präsident Donald Trump schockte soeben die Wall Street mit einer verschärften Drohung gegenüber China: 25 statt zehn Prozent Strafzoll auf Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar erwägt er nun. Die Aktienmärkte reagieren auf das Spannungsfeld volatiler. Der DAX arbeitet sich dabei immer noch an der 200-Tage-Linie ab. Plus und Minus halten sich die Waage.

Nach einem ruhigen Handel hat sich denn auch der New Yorker Aktienmarkt am Freitag mit Kursgewinnen ins Wochenende verabschiedet. Standardwerte legten dabei etwas deutlicher zu als Techwerte. Thema war neben den US-Jobdaten auch hier erneut der sich verschärfende Handelskonflikt zwischen den USA und China. Der Leitindex Dow Jones Industrial gewann 0,5 Prozent auf 25 463 Punkte. Auf Wochensicht bedeutet dies so gut wie keine Veränderung. Davor hatte der Dow eine vierwöchige Gewinnserie hingelegt. Der breit gefasste S&P 500 Index rückte um knapp 0,5 Prozent auf 2840 Punkte vor. Für den technologielastigen Nasdaq-100-Index ging es immerhin noch um 0,3 Prozent auf 7395 Punkte hinauf, womit er seine Gewinne der vergangenen drei Tage ausbaute.

Sorgen macht ein wenig das Wachstum in Europa. Die Wirtschaft der Eurozone verliert an Schwung. Schätzungen von Eurostat zufolge lag das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal nur um 0,3 Prozent höher als im Quartal davor. Das ist die niedrigste Wachstumsrate seit dem dritten Quartal 2016. Im Jahresvergleich gab es im zweiten Quartal ein Plus der Wirtschaftsleistung von 2,1 Prozent. Und auch die Stimmungsindikatoren deuten auf eine konjunkturelle Abschwächung hin. So ist das Ifo-Wirtschaftsklima im Euroraum von 31,1 auf 19,6 Punkte gefallen. Während sich die Lageeinschätzung der Experten leicht verschlechterte, trübten sich ihre Erwartungen deutlich ein und erreichten den niedrigsten Wert seit Ende 2012.

Weiterhin halten die geopolitischen Themen die Finanzmärkte in Atem. Nicht wenige Finanzanalysten sehen inzwischen im Ausmaß der Spannungen rund um Zölle und Handelsbilanzungleichgewichte, aber auch im wachsenden politischen Einfluss auf Investitionen und Übernahmewünsche mehr als nur vorüberziehende dunkle Wolken. Tatsächlich befürchten einige, dass die Weltkonjunktur erheblich gebremst wird. Die Analyse der Zitate von Analysten in internationalen Finanzleitmedien wie dem „Wall Street Journal“ in den letzten vier Monaten zeigt, dass die Turbulenzen sich bis dato recht unterschiedlich im Sentiment zu einzelnen Branchen niederschlagen. „Für Bau und Rohstoffe ist die Stimmung der Finanzexperten in den letzten vier Monaten nach wie vor sehr positiv“, so Matthias Vollbracht, Leiter Wirtschaftsanalyse bei Media Tenor International in Zürich. Das spreche eher gegen abrupte Absturzängste. Auch zu den Versicherern seien die Analysteneinschätzungen sehr positiv. „Am unteren Ende der Sentimentskala rangieren dagegen Autobauer und Banken, aber auch der Immobiliensektor“, so Vollbracht. Die Stimmung zu typisch defensiven Investments wie Nahrung und Konsumgüter sei dagegen noch nicht besonders positiv.
Der Meinungsbildungsprozess, ob es nun dauerhaft abwärts geht oder die Wachstumsphase doch weiter anhält, ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt wurden 3460 Zitate aus-gewertet.

Lange waren die Aktien der Vermögensverwalter deutlich lukrativer als ihre Fonds. Doch das könnte sich ändern. Denn bis 2022 muss sich die Branche auf einen deutlichen Profitabilitätsverlust einstellen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der internationalen Managementberatung Bain & Company. Die weltweit verwalteten Vermögen werden langsamer wachsen, die Kosten steigen, die Gewinne schrumpfen. Zwischen 2018 und 2022 werde der Ertrag pro verwaltetem Euro Vermögen jedes Jahr im Schnitt um sieben Prozent fallen, so Bain & Company. Der Marktdruck treffe vor allem weniger erfolgreiche Vermögensverwalter. Demnach werde die Ertragskluft zwischen den zehn stärksten und den zehn schwächsten Assetmanagement-Playern immer größer.​

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Kommentare ( 3 )

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Deutschland fährt mittelfristig vor die Wand. Ergo sind deutsche Aktien nur zum traden interessant, nicht zum langfristigen Investieren. Dem Rest der Welt gehts recht gut. Ja, das ganze Weltfinanzsystem ist wackelig, das ist es schon so lange es auf Schuldgeld basiert. Ansonsten boomt Nordamerika, Trump ist Trumpf. Auch Südamerika kommt wieder aus dem Quark, ausser Venezuela freilich, wo die Sozialisten ihre Terrorherrschaft ausüben, wie Sozialisten es eben tun. Russland kommt ebenfalls wieder aus dem Quark, auch dank steigender Ölpreise, China läuft rund, allem Mimimi zum Trotz. Ja, ja, Schuldenlasten, Blasen, Finanzsystem, böser Renminbi, schon klar. China ist ein Land, dass… Mehr
Mr. Trumps Steuersenkungen entfalten eindeutig eine positive Wachstumsentwicklung der US-Wirtschaft. Sein rüdes Auftreten in Sachen der Zölle bzw. der falschen EU-Währungs-Manipulationen, trägt ein Übriges dazu bei, dass die Konjunktur in Deutschland rasch in eine Depression abgleiten wird. In der EU ist sie ja auch nicht vorhanden und Großbritannien steht ohne Brüsseler Bevormundung eher besser als zuvor wirtschaftlich da. Weil innerhalb der EU praktisch keine Politiker vom Format eines sehr erfolgreichen Unternehmers vorhanden sind, bestenfalls die Professoren der AfD einen fundierten Verstand mitbringen, um zu sehen was alles innerhalb der Wirtschaft in Deutschland und der EU komplett planwirtschaftlich und dazu extrem… Mehr

„Sorgen macht ein wenig das Wachstum in Europa. Die Wirtschaft der Eurozone verliert an Schwung. “ Das einzig probate Mittel damit dieser „humanitäre“ Irrsinn wieder in Bahnen gelenkt wird die der Wirklichkeit entsprechen.