Die Corona-Angst drückt auf den Dax

Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie lässt Anleger nicht los und zieht den DAX herunter. Doch die Reaktion ist übertrieben durch die Medien.

Thomas Lohnes/Getty Images

Nicht nur die Grippe hat 2020 bereits über 100 Menschenleben gekostet, auch im Straßenverkehr dürften hierzulande bereits wieder mehr als 500 Menschen gestorben sein, und das nur bei klassischen Unfällen. Die steigende Zahl der Erkrankungen wegen der hohen Feinstaubbelastung nicht mitgezählt – verantwortlich dafür unter anderem große börsennotierte Konzerne wie Volkswagen mit seinen manipulierten Abgaswerten. Eine Reaktion der Börse darauf war somit nachvollziehbar. Doch die Zahl der Toten durch Corona in Deutschland bislang: Null. Dennoch ist das Thema omnipräsent in den Medien, die von diesen Schlagzeilen leben und sie dementsprechend extrem unangemessen aufblasen.

Dadurch entsteht paradoxerweise als Rückschlag eine Auswirkung auf die Realität, auch auf die der Finanzmärkte, der sich leider auch faktenorientierte Anleger nicht entziehen können. Von einer „Lügenpresse“ zu sprechen wäre sachlich zwar nicht ganz korrekt und der Ausdruck scheint ohnehin für Populisten reserviert zu sein. Aber zweifellos leisten sensationsgeile Zeitungen, Webseiten und TV-Sender mit ihrer alles andere als objektiven Berichterstattung einen wesentlichen Beitrag zur übertriebenen Reaktion der Gesellschaft auf den Corona-Ausbruch.

Es ist daher alles andere als sicher, dass der DAX sich auch nur zeitweise an dem bislang bewährten Kaufbereich um 12.900 / 12.950 stabilisieren kann – was bei normalen Schwankungen im ansonsten intakten Aufwärtstred eigentlich zu erwarten wäre. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass auf einen Einbruch in der Größenordnung des gestrigen Absturzes in der Regel weitere Abverkäufe folgen. Eine vorherige Erholung in Richtung 13.300 ist zwar möglich, aber nur mittelmäßig wahrscheinlich.

Selbst eine Bodenbildung um 12.500 / 12.600 am viel beachteten 200-Tage-Durchschnitt sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden, obwohl spätestens knapp darunter im Vorjahr jede Korrektur stoppte. Zumindest aber am unteren Rand des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals um 12.000 dürften die Verkäufer sich wieder eine Pause gönnen. Aus heutiger Sicht können Anleger jede Konsolidierung bis in diesen Bereich als Kaufgelegenheit sehen, da der „Virus-Effekt“ nach aktuellem Prognose-Stand bestenfalls zu einer kleinen Wachstumsdelle führen sollte. Unklug wäre es aber, sich gegen den Herdentrieb zu stellen, und zu früh wieder auf Schnäppchenjagd zu gehen. Immerhin sind im Vorjahr hohe Gewinne angefallen, die mitgenommen werden wollen.


Dieser Artikel erschien zuerst auf Börse Online

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Kommentare ( 5 )

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StefanB
7 Monate her

Nebenbei: Coronavirus – „Helikoptergeld“ für Hongkong

„Nun ist es soweit: Zum ersten Mal wird das radikale Prinzip des „Helikoptergelds“ praktiziert. Die Regierung in Hongkong verspricht den Einwohnern der chinesischen Sonderverwaltungszone finanzielle Hilfe. Um die wirtschaftlichen Einbußen infolge der monatelangen Proteste und den Ausbruch des Coronavirus abzumildern, würde jeder ständige Bewohner 10.000 Hongkong-Dollar (umgerechnet 1.300 US-Dollar) erhalten.“

https://boerse.ard.de/aktien/helikoptergeld-fuer-hongkong100.html

Alexis de Tocqueville
8 Monate her

Solche Artikel suggerieren immer, dass deutsche Kleinanleger irgendeinen Einfluß auf den DAX hätten. Haben sie nicht!

Peter Gramm
8 Monate her

Das Coronavirus soll vom Treiben an den Aktienmärkten doch nur ablenken. Der wahre Grund liegt darin zu suchen dass zu viel Geld in den Händen immer Weniger sich befindet. Dieses Geld sucht magels Alternativen nach Anlagemöglichkeiten. Das treibt die Kurse allerdings ohne ökonomische Begründungen. Das wird sich furchtbar rächen. Genau in diese Zockerei will Herr Merz die Deutschen mit seiner aktienbasierten Altersversorgung locken.

Soeren Haeberle
8 Monate her
Antworten an  Peter Gramm

Exakt. Der Rentananspruch als ein Recht gegenüber dem Staat aufgrund des Erarbeiten eines Anspruchs ist geschützt, wenn dagegen die Aktien des Landminen- und Rüstungsherstellers des Vertrauens „die Grätsche“ machen – Pech gehabt, adieu ihr sauer erarbeiteten Kröten.
Aktienstreuung und „Diversifikation“ hin oder her, es gibt laut Draghi ja genügend „verrostete Fahrräder“ oder sonstige „Zombieaktien“ zu kaufen, auch Aktien können gedruckt werden, „Kapitalerhöhung“ durch „Emission“ neuer Aktien.

StefanB
8 Monate her

Nur einmal zum Vergleich: In der Saison 2017/2018 starbenschätzungsweise 25.100 Menschen an der „normalen“ Grippe – allein in Deutschland!*

Die Hysterie um das Coronavirus ist vor diesem Hintergrund völlig absurd, wenngleich Vorsichtsmaßnahmen selbstverständlich nicht zu beanstanden sind.

*https://www.tagesschau.de/inland/grippe-129.html