Achterbahnfahrt an den internationalen Börsen

Der DAX geht den Wellengang der Wall Street mit, ausnahmsweise mal etwas weniger bewegt als die Leitbörse jenseits des großen Teichs. Die US-Indizes sind inzwischen klar im Korrekturmodus, wobei sowohl Dow, S & P 500 als auch die Nasdaq ihre Allzeithochs noch in Sichtweite haben.

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Wer Action und Spannung mag, dürfte sich derzeit wohl fühlen an der Börse. Die Schwankungen sind immens, wie das rekordverdächtige Tagesminus von 4,4 Prozent am vergangenen Mittwoch an der US-Technologiebörse Nasdaq demonstriert. Der DAX geht den Wellengang der Wall Street mit, ausnahmsweise mal etwas weniger bewegt als die Leitbörse jenseits des großen Teichs. Die US-Indizes sind inzwischen klar im Korrekturmodus, wobei sowohl Dow, S & P 500 als auch die Nasdaq ihre Allzeithochs noch in Sichtweite haben. Der DAX dagegen hinkt seinem Hoch mit Tiefs von zwischenzeitlich etwas mehr als 11.000 Punkten fast 20 Prozent hinterher. So gesehen ist der deutsche Leitindex seit Januar beinahe gecrasht. All das passt zum oft dramatischen Börsenmonat Oktober. Apropos Drama: Schon die Griechen wussten, dass im Mittelpunkt eines fesselnden Stoffes die Katharsis, die Reinigung, stehen muss. Nach dem Durchstehen von Entsetzen und Trauer hat der Zuschauer hier die Möglichkeit, einen Neubeginn zu erleben. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es auch für Börsianer in absehbarer Zeit wieder besser läuft. Und so entsetzlich wären die bisherigen Kursverluste dann auch wieder nicht.

So richtig toll verlief der Freitag für Optimisten allerdings nicht. Die Wall Street konnte ihre zwischenzeitlich heftigen Kursverluste bis Handelsende zwar etwas eindämmen, die Erholungsrally vom Vortag blieb aber ein Strohfeuer. Vor allem die Technologiebörse Nasdaq litt unter enttäuschenden Geschäftsberichten der Internet-Giganten Amazon und Alphabet. Zum Schluss verlor der Dow Jones Industrial noch 1,19 Prozent auf 24.688 Punkte. Damit verbuchte der US-Leitindex ein Wochenminus von knapp drei Prozent. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag letztlich um 1,7 Prozent auf 2659 Punkte bergab. Der technologielastige Auswahlindex NASDAQ 100 büßte angesichts der Kursverluste der Schwergewichte Amazon und Alphabet 2,3 Prozent auf 6852 Zähler ein.

Am Vorabend nach Börsenschluss hatten sowohl der Online-Händler als auch die Google-Mutter mit ihrem Quartalsumsatz enttäuscht. Amazon meldete sogar den zweiten Wachstumsrückgang in Folge. Der deutliche Gewinnanstieg versöhnte die Anleger nicht: Die Aktien sanken um knapp acht Prozent. Die Alphabet-Titel verloren trotz deutlich gestiegener Erlöse und Gewinne annähernd zwei Prozent – Analysten hatten auf noch bessere Resultate gehofft. Die Papiere beider Unternehmen hatten allerdings am Donnerstag vor der Zahlenvorlage deutlich zugelegt.

Auch wenn die Börsen derzeit unter Druck sind, in Deutschland lässt sich ein Trend in Richtung Aktie feststellen. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Global Investment Survey des Vermögensverwalters Legg Mason. Im Schnitt 27 Prozent ihres Portfolios haben deutsche Anleger aktuell in Aktien investiert. Zum Vergleich: Weltweit beträgt der Aktienanteil 24 Prozent. Die hohe Aktienquote der Deutschen ist auch deshalb so interessant, weil noch im vergangenen Jahr nur rund zehn Prozent des Vermögens deutscher Anleger an den Aktienmärkten investiert war. „Es zeigt sich deutlich, dass sich deutsche Anleger verstärkt den Chancen des Aktienmarkts öffnen“, sagt Stephan Bannier, Niederlassungsleiter für Deutschland und Österreich bei LeggMason. Erstmals hat Legg Mason Anleger in diesem Jahr auch nach der Einschätzung zur Volatilität gefragt. 30 Prozent der befragten deutschen Anleger gaben an, dass Marktvolatilität positiv sei, wenn sie denn aktiv gemanagt werde, und dann sogar für höhere Renditen sorgen könnte. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten sieht Volatilität weder als etwas Gutes noch als etwas Schlechtes an.

Die Midterm Elections in den USA am 6. November werfen ihre Schatten voraus. Immerhin werden das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats in den USA neu gewählt. Für Rob Cignarella, Leiter des Teams für Hochzinsanleihen bei PGIM Fixed Income, dem Investment-Arm der US-Finanzgruppe Prudential, werden die Ergebnisse den Finanzmarkt in jedem Fall bewegen „Bei einem Erfolg der Republikaner gäbe es kurzfristig positive Effekte, da die Steuersenkungspolitik von Präsident Trump fortgeführt werden könnte.“ Langfristig allerdings schade Trumps Politik dem US-Haushalt. Anders sehe es bei einem Sieg der Demokraten aus. Hier würden langfristig die positiven Konsequenzen überwiegen, kurzfristig dürfte „der Markt allerdings mit Verlusten reagieren, da die Steuergeschenke an die Unternehmen dann zur Disposition stehen“, meint Cignarella. Ein weiterer Belastungsfaktor könnten zudem steigende Leitzinsen durch die US-Notenbank sein, die den Konsum in den Vereinigten Staaten drückten. Besonders darunter litten Anleihen von US-Unternehmen mit schlechter Bonität. Grund: „US-High Yields sind sehr auf den Heimatmarkt fokussiert.“

Es gibt 2018 viele Schwellenländerbörsen, die sich dem Abwärtstrend entziehen konnten. Südafrika gehört nicht dazu. Denn am Kap verschärfen hausgemachte Probleme die ohnehin schwierige Lage der Emerging Markets, die von Kapitalabflüssen betroffen sind. Korruption sowie Missmanagement unter Ex-Präsident Zuma wirken nach. Und die Chancen, dass es schnell aufwärts geht, schwinden. So wurde die Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1,5 auf 0,7 Prozent gekürzt, im Gegenzug steigen die Staatsschulden. Dadurch steigt die Gefahr, dass mit Moody’s die letzte der großen Ratingagenturen Südafrika den wichtigen Investment-Grade-Status aberkennt. Dann würden die wirtschaftlichen Probleme noch weiter eskalieren. ​


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Kommentare ( 2 )

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Jede Wette.

Da Spekulieren/Wetten einige Herren munter darauf los. Und Organisieren Fluchtbewegungen in aller Welt.

Und das nur, wegen ein paar Dollar mehr.

„Nasdaq litt unter enttäuschenden Geschäftsberichten der Internet-Giganten Amazon und Alphabet.“ Wird ständig wiederholt, ist aber eigentlich Unsinn. Was war denn enttäuschend? Doch nicht etwa, dass Amazon nicht jedes Jahr 50% Umsatzplus generiert, wie dann, wenn es Whole Foods eingliedert? 20% Umsatzplus und ein kräftig gestiegener Gewinn sind enttäuschende Zahlen? Ich habe keine Ahnung, warum Leute Amazon verkaufen. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass einige Leute sowas als enttäuschend empfinden. Oder sie nehmen in der allgemeinen Marktangst einfach Gewinne bei den brutal gut gelaufenen Techs mit. Wie auch immer, ich behalte Amazon bestimmt. Und wer weiß, vielleicht geht es ja nochmal… Mehr