Bloomberg: Deutschland ist keine Industriemacht mehr

Bloomberg hat sich durchaus Mühe gemacht und zeichnet in einem ausführlichen Beitrag unter dem Titel „Deutschlands Tage als industrielle Supermacht sind gezählt“ ein realistisches Bild über die desaströse Lage der deutschen Wirtschaft. Marode Infrastruktur; eine alternde Erwerbsbevölkerung; eine Überbürokratisierung; ein defizitäres Bildungssystem und und und.

IMAGO

Es ist gar nicht so lange her, da hat der britische Politologe Anthony Glees Deutschland attestiert, es präsentiere sich im Moment – es war Herbst 2015 – als „Hippie-Staat, der nur von Gefühlen geleitet werde. Glees sagte das damals mit Blick auf die ausgeuferte Merkel‘sche „Willkommenskultur“, die von Millionen Deutschen, nahezu allen Parteien, fast allen Kirchenfürsten, allen Sozial-, Asyl- und Migrationsverbänden, allen linken NGOs und dergleichen euphorisch begrüßt wurde. Es war dies übrigens mit ein Grund, warum die Briten kurz danach, am 23. Juni 2016, mit einer knappen Mehrheit von 51,89 Prozent für den Brexit stimmten.

Deutschland kommt seither nicht mehr aus dem Krisenmodus heraus. Dieser Meinung ist zunehmend auch das Ausland. Der US-Branchendienst Bloomberg spricht von „Niedergang“ und „politischer Lähmung“. Wenn man im Internet recherchiert, wird man die Bloomberg-Analyse in vielen Ländern der Welt bis hin nach Aserbaidschan adaptiert finden. Es ist allerdings zu vermuten, dass sich die Sorgen um Deutschland weltweit in Grenzen halten.

Bloomberg hat sich durchaus Mühe gemacht und zeichnet in einem ausführlichen Beitrag unter dem Titel „Deutschlands Tage als industrielle Supermacht sind gezählt“ („Germany’s Days as an Industrial Superpower Are Coming to an End“) ein düsteres Bild über die Lage der deutschen Wirtschaft. So schreiben die Autoren, dass die Produktionsleistung in Europas größter Volkswirtschaft seit 2017 rückläufig sei, sich der Rückgang beschleunige, die Wettbewerbsfähigkeit nachlasse. Ferner dass „die Grundpfeiler des deutschen Industrieapparats wie Dominosteine umgefallen“ seien. Die USA hätten sich entfernt, China sei kein „unersättlicher Abnehmer deutscher Industrieprodukte mehr“ und das billige Erdgas aus Russland sei weggefallen, so die Bestandsaufnahme.

Weiter konstatiert Bloomberg: „Die politische Lähmung in Berlin verschärft die nationalen Probleme“. Die zerstrittene Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz, die derzeit insgesamt nur noch von 34 Prozent der Wähler unterstützt werde, sei Mitte November 2023 durch die Haushaltskrise, die durch ein Gerichtsurteil über Kreditmaßnahmen ausgelöst wurde, noch mehr ins Wanken geraten; das ließ der Regierung kaum Spielraum für Investitionen.

Folgende Probleme nennt Bloomberg konkret: eine marode Infrastruktur; eine alternde Erwerbsbevölkerung; eine Überbürokratisierung; ein defizitäres Bildungssystem.

Beispiele über Beispiele

Bloomberg geht vielfach ins Detail und listet einige Beispiele auf:

  • Die Bloomberg-Reportage beginnt mit einem Blick in ein Düsseldorfer Walzwerk, das nach 124 Jahren schließen und 1.600 Menschen auf die Straße setzen muss. Solche Schließungen, so Bloomberg, habe es im vergangenen Jahr zahlreiche gegeben.
  • Der französische Reifenhersteller schließt bis Ende 2025 zwei seiner deutschen Werke und verkleinert ein drittes, was mehr als 1.500 Arbeitnehmer betreffen wird. Der US-Konkurrent Goodyear hat ähnliche Pläne für zwei Anlagen.
  • GEA schließt ein Pumpenwerk in der Nähe von Mainz zugunsten eines neueren Standorts in Polen.
  • Der Autoteilehersteller Continental AG kündigte im Juli Pläne zur Schließung eines Werks an, das Komponenten für Sicherheits- und Bremssysteme herstellt.
  • Der Rivale Robert Bosch GmbH ist dabei, Tausende von Arbeitskräften zu streichen.
  • Einer der am stärksten betroffenen Sektoren ist die Chemieindustrie – eine direkte Folge des Verlusts von billigem russischem Gas in Deutschland. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands VCI plant fast jedes zehnte Unternehmen, Produktionsprozesse dauerhaft einzustellen. Die BASF SE, Europas größter Chemieproduzent, streicht 2.600 Stellen und die Lanxess AG reduziert die Belegschaft um 7 Prozent.
  • Hersteller von Solarpaneelen bauen Personal ab, da sie Schwierigkeiten haben, mit staatlich unterstützten chinesischen Konkurrenten zu konkurrieren.
  • Die Dresdner Solarwatt GmbH hat laut Geschäftsführer Detlef Neuhaus bereits 10 Prozent ihrer Belegschaft abgebaut und könnte die Produktion ins Ausland verlagern, wenn sich die Situation in diesem Jahr nicht verbessert.
  • Für EBM-Papst, Hersteller von Ventilatoren und Ventilatoren, bedeutete die Industriekrise die Übernahme eines in Schwierigkeiten geratenen Lieferanten. Und um flexibel zu bleiben, verlagerte das Unternehmen die Produktion weg vom Automobilsektor auf Komponenten für Wärmepumpen und Rechenzentren. Außerdem ist geplant, einige Verwaltungsaufgaben nach Osteuropa oder Indien zu verlagern.

Nicht eingegangen ist Bloomberg auf das hausgemachte Energiedesaster, das viel mit der Abschaltung der Kernkraftwerke zu tun hat. Eine Maßnahme, die kein anderes Land der Welt exekutierte. Im Gegenteil: Weltweit werden zig neue Reaktoren gebaut. So ist das eben, wenn die Welt nicht am deutschen Wesen genesen will.

Interessant noch: Bloomberg zitiert Finanzminister Christian Lindner. Dieser hatte Anfang Februar 2024 auf einer Bloomberg-Veranstaltung gesagt: „Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig … Wir werden ärmer, weil wir kein Wachstum haben. Wir fallen zurück.“ Nur, Lindner zieht keine Konsequenzen und hält sklavisch an der Ampel fest, auch wenn seine Partei – vormals als F.D.P. „Drei-Punkt-Partei“ genannt – in Umfragen bei nur noch 3 Prozent-Punkten angekommen ist. Den grünen Mega-Deindustrialisierungs-Ökonomen Habeck hat Bloomberg wohlweislich gar nicht erst zitiert.

Und die Ampel? Wird sie auf den Bloomberg-Bericht reagieren? Nein, wird sie nicht. Sie wird weiter an ihren ideologischen Großprojekten (etwa Cannabis-Freigabe, Selbstbestimmungsgesetz, „Demokratie“-Förderungsprogrammen) herumtricksen. Und sie wird Leute wie den in ARD und ZDF unvermeidlichen professoralen Problembeschöniger und Sozialvisionär Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor die Kamera holen lassen. Dann ist wenigstens medial alles wieder hingebogen.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 57 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

57 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Freiheit fuer Argumente
8 Tage her

Der große Elefant wird anscheinend auch bei Bloomberg nicht erwähnt: Der Anteil der Nettosteuerzahler schrumpft durch Import von Millionen Nettosteuerkonsumenten.

Hinzu komnen zweifelhafte gesellschafts“wissenschaftliche“ Ausbildungen zu einem pseudoakademischen Prekariat, das sich als Sozialarbeiter, „Streetworker“ „Integrationshelfer“, „Inklusionshelfer“, Energieberater, Nachhaltigkeits- und Genderbeauftragte für staatlich verursachte Aufgaben oder Verwerfungen verdingt, obwohl etliche von denen zu soliden Handwerkern oder Fscharbeitern hätten ausgebildet werden können. Von den staatlich über Wasser gehaltenen „Kulturschaffenden“ oder „Medienschaffenden“ ganz abgesehen, deren prekäre Rentenbeiträge schon heute über die Künstlersozialkasse dem Steuerzahler aufgebürdet werden.

nhamanda
9 Tage her

Wenn man diese Kommentare liest, viele voll verständlicher Häme und Verachtung für die Leistung der Politiker der letzten zwei Dekaden, dann fällt auf, dass nur einige wenige sehen oder erwähnen, dass dieser herbeigeführte Not-Zustand nicht per Fingerschnippen zu beheben sein wird. Es wird lange dauern, bis Deutschland wieder auf einen „normalen Industrieland-Zustand“ kommen wird. Eine neue Regierung wird rigoros die angehäuften Mängel benennen und evtl. sogar strafrechtlich bewerten müssen. Da ist massive Gegenwehr klar. Und das begleitet von den „demokratischen“ Aufmärschen derjenigen, die den Niedergang verursacht haben und von allen, die nun für die Vorteile kämpfen werden, die gestrichen werden… Mehr

Freiheit fuer Argumente
8 Tage her
Antworten an  nhamanda

Ja, nach den vergleichsweise geringfügigen sozialpolitischen Exzessen der 70er Jahre hat das Land erst am Ende der Schröderjahre kurzzeitig rinen Erkenntniswechsel gehabt.

Danach kam eine Sonderrkonjunktur durch den billigen Euro und die billige Energie aus Russland, die jahrelang eine Wettbewerbsfähigkeit vorgetäuscht haben, die nicht existierte.

Die Kernindustrie (Auto) wurde dann über Absatzanreize wie Abwrackprämien und stets anziehendee Abgasnormen künstlich gefördert. Womit auch Werte vorzeitig vernichtet bzw. ins Ausland verbracht wurden.

Der Bürger hat seine Arbeitsplätze auf diese Weise teilweise selbst bezahlt, aber eben auch Vermögen verloren.

fatherted
9 Tage her

Leute hört euch Lindner an….der sagte Bloomberg „erzählt hier nur was“….also alles nur Fake News….alles gut in Deutschland….FDP macht alles richtig….Ampel nicht so….aber trotzdem stimmt FDP allem zu….weil halt Vertragstreu….so muss da sein. Die Bloombergs wissen doch nichts….die richtig hellen Köpfe sitzen in Berlin….die brauchen in ihren Büros gar kein Licht mehr Abends….die leuchte von selbst alles aus.

Stefan Z
9 Tage her

Selbst Bloomberg hat noch nicht bemerkt, dass es Deutschland gar nicht mehr gibt. Das ist längst Buntland. Schwarz-Rot-Gold ist Out und Nazi. Es weht die Regenbogenfarbe und die ehemals deutschen Bürger sind damit beschäftigt herauszufinden, welchem Geschlecht sie denn nun angehören wollen. Das ist progressiv und führt in eine goldene Zukunft. Und wer braucht schon Infrastruktur, wenn er Cannabis und Lauterbach hat? Es reicht doch, wenn wir in Peru schöne Fahrradtouren machen können. OK, bis wir dort Klimaneutral hinkönnen, wird es noch etwas dauern. Bis dahin können wir uns ja an der Ostsee die schönen Windräder anschauen. Vielleicht drehen die… Mehr

Dellson
9 Tage her

Borniertheit ist eine Tugend dieser Regierung! Ein Blick auf die Weltkugel könnte etwas Demut erzeugen. Jedoch wie Charlie Chaplin im großen Diktator jonglieren die politischen Traumtänzer lieber mit der Weltkugel auf dem Finger und spielen ungefragt Weltklimaretter für ihr eigenes, durchgefallenes Drehbuch. Bräsig und eitel selbstverliebt verteilt man großzügig das von den verbliebenen 15Mio. an der Werkbank stehenden letzten Arbeiterdrohnen erzeugte Steuergeld. Die Verachtung der eigenen Leistungsträger, sowie Bevorzugung sämtlicher beladener Opfer aus entferntesten Subkulturen zeugt wahrlich von einer völligen Charakterlosigkeit, die sich nur durch eine egozentrische, antipathische Sozialisation zurückzuführen ist. Als Politiker mit Verantwortung stellvertretend für das Land und… Mehr

NighthawkBoris
9 Tage her

Unfähige „Politiker“ gepaart mit der Generation Z: eine toxische Mischung. Die Ampel, Merkels Vollstrecker. Und was macht das deutsche Schlafschaf? Genau, schlafen! Oder alternativ m i t der Ampel maschieren. Herr Gott, lass‘ Hirn regnen. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Politiker einen Intelligenztest, einen Sprachtest und einen fachlichen Test für ihr spezielles Ressort durchführen und bestehen müssen. Politker, die international tätig sind, sollten zudem eine Schulung mit anschließender Prüfung im Fach Diplomatie ablegen. Politiker, die gegen den Amtseid verstossen (also die meisten) sind sofort ihres Amtes zu entheben, dies unter Streichung Ihrer Pensionsberechtigung. Politiker, die Steuergelder verschwenden (also… Mehr

AndreasH
9 Tage her

Solche Unkenrufe aus den angelsächsischen Ländern gab es Anfang der 2000er auch. Bekanntermaßen haben wir die Briten wirtschaftlich lange abgehängt. Auch dieses Mal wird uns das gelingen, aber es wird natürlich Anstrengungen kosten. Dass das mit der Ampel nicht gelingt ist klar, aber spätestens nächstes Jahr ist der Spuk vorbei.

Timur Andre
9 Tage her
Antworten an  AndreasH

Heute sind die Fakten nicht zu verleugnen. Energie ist die Schlüsseldeterminante, die folgende Wertschöpfung basiert dann auch Wissen-Fähigkeiten, Rohstoffe und Marktnischen.

Haba Orwell
9 Tage her
Antworten an  Timur Andre

Buntschland hat reichlich Wissen-Fähigkeiten – Manche kennen alle 70 Geschlechter auswendig. Ein Botschafter einer nichtwestlichen Macht hat dafür kürzlich verraten, dass er und seine Kollegen in Reden an westliche Politiker mittlerweile Einfache Sprache verwenden, damit die Adressaten überhaupt irgend etwas verstehen.

DELO
10 Tage her

Wenn eine verblödete Generation das Ruder übernimmt, kann das Schiff noch so großartig ausgestattet sein – es wird untergehen.

Mausi
10 Tage her

Und dieser Vorgang lässt sich nicht mal eben beseitigen: Infrastruktur dauert; Erwerbsbevölkerung mit der Bektonung auf Erwerb dauert ; Überbürokratisierung dauert; ein defizitäres Bildungssystem dauert, Vertrauen von Unternehmen in stabile Politik aufzubauen dauert, sichere und preiswerte Energieversorgung dauert.
Insofern steht D ohne Wendemöglichkeit oder Wendebereitschaft kurz vor der Wand. Der EUR wird sicher, solange die EU einen Ersatz für D verhindert. Aber wo wird die EU stehen, wenn der Geldgeber fehlt? Spannende Zeiten.

Timur Andre
9 Tage her
Antworten an  Mausi

Falls man vom Kollaps ausgeht, insbesondere des FIAT Geldsystems, dann machen folgende Beschlüsse Sinn:
Digitales: Vermögensregister, Perso (Geldbörse, Perso und Impfpass), Zentralbankgeld. Volle Übersicht, jederzeit möglich zu besteuern und Ausgaben zu beeinflussen (kein Fleisch), Kapitalkontrollen mit Knopfdruck…niemand flieht mehr nach Ungarn.

ketzerlehrling
10 Tage her

Es wird langsam Zeit, dass der Schlafmichel dies zur Kenntnis nimmt bzw. die Konsequenzen für sein Wahlverhalten trägt. Deutschland ist keine Industrienation mehr, damit sinkt der BIP und mit ihm Deutschlands Kreditwürdigkeit. Dass die anderen EU-Mitglieder für Deutschland einen Finger rühren, das können wir vergessen. Deutschland ist Zahlmeister, nicht umgekehrt.